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Autor: Frauke Kaster
Fach: Germanistik - Linguistik
Details
Institution/Hochschule: Albert-Ludwigs-Universität Freiburg (Deutsches Seminar)
Tags: Lexikalischer, Kommentar, Goethes, Gedicht, Gleiches, Lexikalisches, Kommentieren, Lyrik
Jahr: 2004
Seiten: 17
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 20 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 224 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-37807-9
Textauszug (computergeneriert)
Lexikalischer Kommentar von Goethes Gedicht
"Ein Gleiches"
von: Frauke Kaster
Inhalt
I. Einleitung und die Frage: Was bedeutet der Titel Ein Gleiches? 3
II. Vorbemerkungen 5
1. Zur Fassung des Gedichts 5
2. Zu den bestehenden Kommentaren 5
3. Zur Vorgehensweise beim lexikalischen Kommentieren 6
III. Lexikalischer Kommentar 7
1. Die Wortbedeutungen der ersten sechs Verse 7
1.1. „Gipfeln“ 7
1.1.1. Die Problematik: ‚Bergspitze’ oder ‚Baumspitze’ 7
1.1.2. Welche Bedeutung denn nun? 8
1.2. „Wipfeln“ 8
1.3. „Hauch“ 9
1.4. „Kaum“ 9
1.5. „Ruh’“ 9
1.6. „Spürest " 10
1.7. „schweigen“ 10
1.8. Zusammenfassung 11
2. Die Wortbedeutungen der letzten beiden Verse 11
2.1. „Balde“ 11
2.2. „Warte“ 11
2.3. „nur“ 12
2.4. „Ruhest“ 12
2.5. Zusammenfassung 13
2.6. Die Vieldeutigkeit des Verbs „ruhen“ 13
IV. Schlussbemerkung: Das Gedicht Ein Gleiches und die Wortbedeutungen 15
Literaturverzeichnis 17
I. Einleitung und die Frage: Was bedeutet der Titel Ein Gleiches?
Man stelle sich folgende Situation vor: ein unbedarfter junger Mensch stöbert im heimischen Bücherregal, ihm fällt ein Band aus einer Goethe-Ausgabe in die Hände, und beim Blättern fällt sein Blick auf folgende Verse, die mit Ein Gleiches überschrieben sind:
Über allen Gipfeln
Ist Ruh’,
In allen Wipfeln
Spürest du
Kaum einen Hauch;
Die Vögelein schweigen im Walde.
Warte nur, balde
Ruhest du auch.
Er fragt sich, was die Überschrift mit dem Text zu tun haben könnte und findet diesen Bezug dann im Gedicht selbst. Etwa so könnte seine Interpretation der Überschrift lauten: Der Ruhe in der Natur entspricht die baldige Ruhe des „du“. Derjenige, der einen lexikalischen Kommentar verfasst, will es genauer wissen. Er forscht danach, was genau ein Wort in dem Kontext, in dem es steht, bedeutet. Meinte Goethe mit dem Titel wirklich jenen Vergleich zwischen Natur und Mensch? Oder was ist in diesem Fall die Bedeutung des Adjektivs „gleich“, hier in der substantivierten Form?
Ein Blick in verschiedene Wörterbücher hilft in diesem Fall nur insofern, als dass die Wortbedeutung explizit wird. Als „gleich“ werden im 1DWB „personen oder dinge“ beschrieben, „die in gewissen eigenschaften und merkmalen übereinstimmen“ 1. Dabei bezeichnet es eine Ähnlichkeit, die bis zur Identität reichen kann. Dieses Ergebnis sagt aber noch nichts darüber aus, worauf sich die Ähnlichkeit im hiesigen Fall bezieht. Hier helfen die Kommentare aus verschiedenen Goethe- Ausgaben weiter, die über den Entstehungshintergrund des Gedichts informieren. Es findet sich Folgendes: Goethe habe das Gedicht, das er am 6. September 1780 auf die Bretterwand der Jagdhütte auf dem Kickelhahn schrieb2, in seiner Werkausgabe von 1815 erstmals unter ein Gedicht gestellt, das vier Jahre früher entstanden war: Wandrers Nachtlied3. Diese nachträgliche Zusammenstellung war ihm wichtig, was die Tatsache belegt, dass in dieser Ausgabe sonst nur ein Gedicht pro Seite abgedruckt ist4. So wird demonstriert, dass die beiden Gedichte zusammengehören5. Der Titel bedeutet also: ‚ein weiteres Nachtlied des Wanderers’. In Ausgaben, in denen die Gedichte nicht aufeinander folgen, sind folglich beide mit Wandrers Nachtlied betitelt6.
Der lexikalische Kommentar hält der anfänglichen Vermutung, was die Bedeutung von „gleich“ betrifft, diejenige Bedeutung entgegen, die im konkreten Fall passend ist. Dabei sucht er nach der genauen Wortbedeutung, beachtet aber auch den Entstehungshintergrund sowie den Kontext, in welchem das Wort steht. Nun hat sich die Bedeutung des Wortes „gleich“ seit 1780 nicht vollkommen verändert. Auch heutzutage ist eine der Bedeutungen ‚ähnlich’. Doch trifft dies auch auf die anderen Worte des Gedichts zu? Oder sind wichtige Bedeutungsveränderungen eingetreten, die es zu klären gilt? Das Ziel meiner Hausarbeit ist demnach, die einzelnen Wortbedeutungen zu erklären und sie in Bezug zueinander zu setzen. Dies soll durch Wörterbücher, Komme ntare, Handbücher und Darstellungen geschehen, die ich zur Hand nehme. Abschließend gilt es ansatzweise zu diskutieren, ob Widersprüche zu bestehenden Interpretationen vorhanden sind, die nicht lexikalisch kommentieren.
II. Vorbemerkungen
1. Zur Fassung des Gedichts
Fest steht, dass die erste, ursprüngliche Fassung des Gedichts auf der Bretterwand von 1780 deshalb nicht mehr erhalten ist, weil die Hütte 1870 abbrannte. Als Goethe es über dreißig Jahre später in seine Werke aufnahm, fügte er den Versen den Titel Ein gleiches. hinzu7. Sucht man das Gedicht in dieser Ausgabe von 1815, die noch über Mikrofiche zugänglich ist8, dann stellt man in puncto Zeiche nsetzung Folgendes fest: Im siebten Vers steht nach „Warte nur“ ein Ausrufeze ichen9. Die jüngeren Ausgaben, so die Weimarer- oder Sophienausgabe von 1887, die Hamburger Ausgabe und die Münchner Ausgabe, drucken den Vers jedoch mit einem Komma (siehe Einleitung). Warum sie dies tun, bleibt für mich fraglich. Für den folgenden lexikalischen Kommentar halte ich mich an die Fassung von 1815:
Ein gleiches.
Über allen Gipfeln
Ist Ruh’,
In allen Wipfeln
Spürest Du
Kaum einen Hauch;
Die Vögelein schweigen im Walde.
Warte nur! Balde
Ruhest Du auch.
Ob das Ausrufezeichen wichtig für die Wortbedeutungen des Verses ist, wird sich zeigen.
2. Zu den bestehenden Kommentaren
[...]
1 Grimm, Jacob; Grimm, Wilhelm: Deutsches Wörterbuch, s.v. „gleich“. Im Folgenden: 1DWB.
2 „Kickelhahn“ versus „Gickelhahn“, z. B. bei Segebrecht: Goethes Gedicht (1978), S. 25 und Otto u.a. (Hg.): Goethe-Handbuch (1996), S. 191.
3 So bei Wilpert: Goethe-Lexikon (1998), S. 1148.
4 Trunz (Hg.): Goethes Werke (1978), S. 533. Im Folgenden: HA.
5 Richter u.a. (Hg.): Goethe. Sämtliche Werke (1987), S. 541: „Beide Gedichte folgen in den Ausgaben seit 1815 aufeinander- eine Konfiguration, deren kompositorischer Sinn [...] evident ist.“. Im Folgenden: MA.
6 MA, S. 13 und S. 53
7 Jens: Bleistift und Bretterwand. In: Reich-Ranicki (Hg.): Goethe. Verweile doch (1992), S. 129.
8 Goethe’s Werke. Mikrofiche-Ausg. (1815-1819).
9 Ein weiterer Unterschied in V. 8: „Du“ (1818) versus „du“ (in den späteren Ausgaben). Auf diesen Unterschied gehe ich jedoch nicht ein.
Kommentare
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13.07.2005 17:36:01
Ich hab nur den Anfang gelesen. Die Überlegungen zum Titel "Ein Gleiches" erübrigen sich, wenn man in einer Gesamtausgabe der Gedichte nachsieht. Vor diesem Text steht ein anderer mit dem Titel "Wanderers Nachtlied", und das folgende heißt "Ein gleiches", was bedeutet: Hier ist ein weiteres Gedicht mit dem Titel "Wanderers Nachtlied." Falls das das ohnehin in der Arbeit steht, betrachte man meine Wortmeldung als überflüssig. G.Sch.