Termpaper, 2003, 20 Pages
Author: Markus Woller
Subject: Politics - International Politics - Topic: International Organisations
Details
Tags: Asienkrise
Year: 2003
Pages: 20
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 15 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-37844-4
File size: 410 KB
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Excerpt (computer-generated)
Martin Luther Universität Halle-Wittenberg
Fachbereich: Internationale Beziehungen
Proseminar: Einführung in die Empirie der Internationalen Beziehungen
Semesteranzahl: 3
Asienkrise und der IWF
von: Markus Woller
1. Einleitung S.3
2. Verlauf der Asienkrise / Krisenmodelle S.3
a) Aufstieg Asiens zum finanziellen „Global Player“ S.3
b) Die Finanzkrise 1997 S.5
i) Das schwache Bankensystem S.5
ii) Eingriff des IWF: „Die Flucht vom sinkenden Schiff“ S.7
iii) Schlechte Governance-Leistung der lokalen Regierungen S.7
c) Krisenmodelle der globalen Finanz und Währungsmärkte S.9
3. IWF: Retter oder Mörder? S.10
a) Die Anrufung des IWF 1997 S.10
b) Welche Maßnahmen des IWF gab es in den Ländern? S.11
i) Thailand S.11
ii) Indonesien S.12
iii) Korea S.13
c) Welche Wirkung zeigte die Intervention kurz und langfristig? S.13
d) Fehlleistungen und die Überschätzung des IWF S.14
4. Verbesserung des Krisenmanagement des IWF und Alternativen S.16
a) Wie kann man das Krisenmanagement des IWF verbessern? S.16
b) Alternativen S.17
5. Fazit S.18
6. Literaturverzeichnis S.20
1. Einleitung
Vor allem in den achtziger und neunziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts zeichneten sich viele Krisen auf nationalen und internationalen Finanzmärkten ab. Besonders in Lateinamerika und in Russland brachte das seit den siebziger Jahren weitestgehend liberalisierte Weltwirtschaftsystem Finanzmärkte in Bedrängnis.1 Trotzdem begann erst mit der Asienkrise 1997 weltweit wirklich das Nachdenken über eine Neuordnung des globalen Finanzsystems und dessen Organisationen. Beide versagten bei der Vorhersage und der schnellen Bewältigung der wirtschaftlichen Schieflage mehrerer asiatischer Staaten ihren Dienst. Vor allem der schon seit längerer Zeit unter Beschuss geratene Internationale Währungsfonds (IWF) ist seither Ziel verschiedenster Reformvorschläge geworden. Rufe, sowohl nach Erweiterung als auch nach seiner Abschaffung, werden in zyklischen Abständen immer wieder laut.
In der folgenden Hausarbeit möchte der Autor im zweiten Kapitel herausarbeiten, welche lokalen und globalen Faktoren für den Ausbruch der Währungs- und Finanzkrise und für die spätere Intervention des IWF in der Region ausschlaggebend waren. Des Weiteren soll im dritten und vierten Kapitel aufgezeigt werden, welche Maßnahmen der Fonds in den betroffenen asiatischen Ländern – hier vor allem in Thailand, Indonesien und Korea – durchsetzte und welche Folgen der Eingriff für den Fonds und die Länder hatte. Im vierten und fünften Kapitel wird dann untersucht, ob negative Folgen des Eingreifens zu verhindern waren und wie in Zukunft eine Krise solchen Ausmaßes mit regionalen und globalen Akteuren verhindert werden kann.
2. Verlauf der Asienkrise
a) Aufstieg Asiens zum „Global Player“
Der Ostasiatische Raum hat in den letzten vierzig Jahren einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt, wie er in seinen Ausmaßen stark an die wirtschaftliche Markus Woller – Einführung in die Empirie der IB – Die Asienkrise und der IWF Rekonstruktion Mitteleuropas nach dem zweiten Weltkrieg erinnert. Seit den frühen siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts durchlebte die Region bis zur so genannten Asienkrise 1997 eine Phase ständigen Wachstums. Beispielsweise stieg das Bruttoinlandsprodukt Indonesiens von 1970 noch 9,6 Milliarden US-Dollar auf 1992 126,4 Milliarden US-Dollar an. 2 Der noch zu Beginn dieses Zeitraumes ständig herrschende Hunger unter den ärmeren Schichten der Bevölkerung konnte so gut wie beseitigt werden. Die Ärmsten in der Bevölkerung profitierten von diesem Aufschwung ebenso wie die Mittel- und Oberschicht, waren an den gesamten Volkseinkommen sogar überdurchschnittlich stark beteiligt. In seinem „Eastern Miracle Report“ von 1993 lobte der Internationale Währungsfonds noch die ausdrücklich „richtige Politik“ der Regierungen der asiatischen Länder, die besonders die auf den Abbau von Ungleichheiten zielende Einkommenspolitik forciert hätten, welche zu einem Wachstum mit Verteilungsgerechtigkeit geführt habe.3 Dieser Prozess hat laut dem Politikwissenschaftler und Volkswirten Heribert Dieter zu einer breiten Akzeptanz struktureller Reformen durch die Regierung und zu Vertrauen gegenüber dieser geführt. Auch auf anderen Sektoren wie Bildung und Landwirtschaftspolitik zeigten die Regierungen schnelle Fortschritte, ermutigten mit ihrer Politik zu produktionssteigernden Verfahren und einen raschen Zuwachs von qualifizierten Fachkräften. Aktive Familienpolitik wurde entweder betrieben oder zumindest nicht verhindert. Am nützlichsten war jedoch sicherlich die liberale Technologiepolitik die die Öffnung in den technologisierten Westen ermöglichte und Asien auch von dessen Fortschrittlichkeit profitieren ließ.4 Noch bis kurz vor dem Ausbruch der Asienkrise bestand nicht nur in den asiatischen Ländern an sich sondern besonders in der globalen Finanzwelt festes Vertrauen darin, dass der wirtschaftliche Boom, den besonders die so genannten „Tigerstaaten“ (die oben angegebenen und andere) bis dato erlebten, zu keinem abrupten Ende kommen würde. Weder der IWF noch die Staaten an sich gaben dafür Signale oder Warnungen aus. Die Zuwächse der Bruttoinlandprodukte lagen in diesen Ländern 1996 stabil zwischen 5,7 und 8,6 Prozent, die Inflation war niedrig. 5 Auch die Leistungsbilanzdefizite, also Defizite bei Ex- und Importen sowie Zinszahlungen und Dividenden6, lagen fast alle in einem akzeptablen Rahmen. 7 Die Marktindikatoren gaben also keinen Anlass zur Besorgnis. Umso überraschender kam dann im Juli 1997 der plötzliche komplette Zusammenbruch des ostasiatischen Bankensystems und ein dramatischer Einbruch auf wirtschaftlichem Gebiet.
b) Die Finanzkrise 1997
i) Das schwache Bankensystem
Die Finanzkrise wurde damals eingeleitet durch einen plötzlichen weltweiten Vertrauensverlust in asiatische Finanzmärkte. Japan kündigte eine Zinserhöhung an, was eine tiefe Erschütterung des Finanzwesens bedeutete. Japan hatte aufgrund einer Strategie zur Stabilisierung seiner Binnenwirtschaft durch ausländisches Geld bis dahin äußerst niedrige Zinssätze. Ausländische, vor allem asiatische Staaten, Banken und Unternehmen liehen sich in Japan Geld, dass nun bei einem höheren Zinsniveau teurer wurde. Hinzu kam, dass die Thailändische Währung Baht vor einer Abwertung gegenüber dem US-Dollar stand.8 Beide Prozesse waren sofort Destabilisierend für den Finanzraum Asien. Zum einen nahmen regionale Banken und Nicht-Banken (so genannte intermediäre Akteure z.B. Bausparkassen, Kapitalanlagegesellschaften) der Krisenländer Kredite besonders in Japan auf (die Hälfte aller Auslandsschulden die zu Beginn der Krise verzeichnet waren, wurden in Japan gemacht). Diese für eine kurze Laufzeit und in fremder Währung (meist Dollar oder Yen) aufgenommenen Auslandskredite wurden im eigenen Land in eigener Währung und für eine lange Laufzeit weiter verliehen. Zum einen gerieten die intermediären Akteure und Banken deshalb in ein Rückzahlungsproblem als die eigene Währung zum Teil bis zu 60 Prozent an Wert verlor.9
[...]
1 Reinhard Rode, Weltregieren durch internationale Wirtschaftsorganisationen, Münster:LIT 2002, S. 112
2 vgl. Heribert Dieter, Die Asienkrise, Marburg:Metropolis 1998, S. 21 ff.
3 vgl. Rainer Tezlaff, Weltbank und Währungsfonds, Gestalter der Bretton-Woods-Ära, Leske und Budrich Verlag 1996, S. 119
4 vgl. Rainer Tezlaff, ebd., S. 119 f.
5 Heribert Dieter, a.a.O. (Anm. 2), S.22
6 vgl. Microsoft Encarta 2003, Eintrag: „Wertpapierhandel und Finanzierung“
7 vgl. Heribert Dieter, a.a.O. (Anm. 2), S. 24
8 vgl. Heribert Dieter, ebd., S. 52 f.
9 vgl. Heribert Dieter, a.a.O. (Anm. 2), S. 34
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