Anarchie: Zur Vorverurteilung eines Begriffsund seiner Anhänger am Beispiel der ... close

Bitte warten

Bitte installieren Sie den Flash Player, wenn kein E-Book erscheint.

Anarchie: Zur Vorverurteilung eines Begriffsund seiner Anhänger am Beispiel der Haymarket-Affäre 1886 in Chicago

Autor: Diana Schumann
Fach: Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation

Lesen Sie im E-Book



Details

Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2003
Seiten: 18
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 20  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 520 KB
Archivnummer: V39348
ISBN (E-Book): 978-3-638-38139-0

Textauszug (computergeneriert)

Anarchie: Zur Vorverurteilung eines Begriffsund seiner
Anhänger am Beispiel der Haymarket-Affäre 1886 in Chicago

von: Diana Schumann

 


Inhaltsverzeichnis

1) Einleitung S. 3

2) Die deutschen Anarchisten von Chicago S. 4

2.1) Die Vorgeschichte S. 4
2.2) Die Bombe S. 5
2.3) Die Ermittlungen und der Prozess S. 6
2.4) Revision und Rehabilitierung S. 9

3) Die Entwicklung des Begriffs Anarchie im allgemeinen Sprachgebrauch S.10

5) Berechtigte Ablehnung einer politischen Strömung? S.12

6) Fazit S.15

7) Anhang S.17



 

1) Einleitung:

Immer wieder wurden Anarchisten im Laufe der Geschichte diffamiert und aufgrund ihrer politischen Überzeugung verfolgt. Ihnen wurden häufig terroristische Aktionen angelastet, die jedoch fast nie von Anarchisten begangen wurden. Dies führte nicht selten zu ungerechtfertigten Vorverurteilungen durch die Gesellschaft, aber auch durch die staatlichen Institutionen, was oft schwerwiegende Konsequenzen für die Beschuldigten hatte. Aktive Anarchismus-Anhänger mussten häufig langjährige Haftstrafen absitzen oder Ihr Land aufgrund politischer Verfolgung verlassen und wurden sogar ungerechtfertigter Weise zum Tode verurteilt. Der Begriff Anarchie ist im allgemeinen Sprachgebrauch schon lange mit Chaos, Terror, Gesetzlosigkeit etc. verbunden und wird immer wieder genutzt, um unliebsame Gegner zu diffamieren, obwohl die anarchistische Weltanschauung diese Begriffe ganz und gar nicht beinhaltet.

In dieser Arbeit werde ich am Beispiel der Haymarket-Affäre aufzeigen, dass eine schnelle Vorverurteilung von Anarchisten durch die Justiz immer wieder stattgefunden hat, jedoch nicht aus berechtigten Motiven heraus, sondern aufgrund politischer Machtverhältnisse, die die Machthabenden durch die Anarchisten bedroht sahen. Es soll gezeigt werden, dass Anarchisten keineswegs Gesetzlose sind, die das Chaos und die Gewalt befürworten. Ich gebe die Abläufe am Haymarket im Mai 1886, sowie die Ermittlungs- und Verhandlungstaktiken von Staatsanwaltschaft und Gericht wieder. Im besonderen werde ich hier auf die schweren Verfahrensfehler eingehen, an denen deutlich wird, dass die Angeklagten zu Unrecht verurteilt und vier von ihnen sogar gehängt wurden.

Danach stelle ich die Begriffsentwicklung zu „Anarchie“ dar und ziehe Definitionen heran, um schon hier die „falsche“ Verwendung des Begriffs sichtbar zu machen. Abschließen werden einige anarchistische Grundsätze aufgezeigt und in wie fern Anarchisten sich auf die Gewalt als politisches Mittel berufen und ob die Gleichsetzung von Anarchie und Terrorismus gerechtfertigt ist, oder ob die Verfechter dieser Theorien nicht doch etwas anderes im Sinn haben. Außerdem werde ich Gründe für die immer wiederkehrende Diffamierung suchen. Die Endergebnisse werden in Teil 6 nochmals zusammengefasst.

2) Die deutschen Anarchisten von Chicago

2.1) Die Vorgeschichte:

Chicago wurde nach dem amerikanischen Bürgerkrieg (1861 bis 1865) durch seine Rolle als Eisenbahnknotenpunkt zur Verbindung zwischen Ost und West. Das machte es zu einem ökonomisch strategischem Punkt, der immer mehr Zuwanderer anzog. Ein Großteil der Zugewanderten waren Europäer, vor allem Deutsche. 1873 hatte Chicago 500.000 Einwohner, ein Fünftel davon waren deutsch.1 Viele der deutschen Einwanderer waren Anhänger einer sozialistisch geprägten Gedankenwelt und so etablierte sich eine sozialistische Lebensweise in Form von Gewerkschaften, Vereinen und Parteien. 1883 fand die erste schwarze Internationale, die International Working People`s Association, auf amerikanischem Boden statt, die Gewaltanwendung klar befürwortete: „So wenig wie in früheren Zeiten je eine bevorrechtigte Klasse ihre Tyrannei aufgegeben hat, so wenig werden die Kapitalisten der Neuzeit auf ihre Privilegien und Herrschaft verzichten. Alle Versuche das heutige Gesellschaftssytem durch friedliche Mittel, wie z.B. durch Wahlen, zu beseitigen, waren ganz nutzlos. Daraus ergibt sich, daß der Kampf des Proletariats gegen die Bourgeoisie einen gewalttätig revolutionären Charakter haben muß, und daß bloße Lohnkämpfe nicht zum Ziel führen. Unter diesen Umständen bleibt nur ein Mittel übrig – die Gewalt.“

In Amerika trafen Vertreter zweier Ideologien aufeinander: einerseits die Vertreter der „Propaganda der Tat“, allen voran Johan Most, die eigentlich den klassischen Arbeitskampf ablehnten und Gewalt zur Durchsetzung ihrer Ziele befürworteten, andererseits die Anhänger der „Chicago Idea“, zu denen August Spies und Albert R. Parsons gehörten. Diese lehnte zwar die Gewalt als Mittel des Arbeitskampfes nicht ab, sah jedoch die größere Notwendigkeit im Zusammenschluss der Arbeiter in Organisationen wie Lehr- und Wehrvereinen und den Gewerkschaften.

Diese Arbeiterorganisationen kämpften seit langem für bessere Arbeitsbedingungen und vor allem eine angemessene Bezahlung. „Acht Stunden Arbeit für acht Stunden Lohn“ war die Hauptforderung der Arbeiterbewegung. 1884 wurde eine Kampagne für den Acht-Stunden- Tag ins Leben gerufen, denen sich die Anhänger beider Ideologien anschlossen, auch diejenigen, denen diese Forderung anfangs zu defensiv waren. Am 1. Mai 1886 fanden landesweite Protestmärsche für die Durchsetzung eines Acht- Stunden-Tags statt. 350 000 Arbeiter aus 11 562 Unternehmen streikten. Allein in Chicago waren 80 000 Menschen auf der Strasse, angeführt von Albert R. Parson, der später angeklagt werden sollte.3 Wie unbeliebt die Arbeiterführer bei der Presse schon vor dem Anschlag am Haymarket waren, zeigt ein Artikel der „Mail“ vom Abend des 1. Mai, in dem Parsons und Spies klar denunziert wurden:

„Merkt Euch die beiden und behaltet sie im Auge! Macht sie persönlich verantwortlich für alle Unruhen. Statuiert ein Exempel an ihnen, noch bevor die Unruhen um sich greifen!“ Die Kundgebungen am 1. Mai verliefen jedoch friedlich.

2.2) Die Bombe:

[...]


1) vgl. Andreas Essl; 2)Prinzipienerklärung der International Working People`s Association in Horst Karasek, 1970, S.16

3) vgl. Horst Karasek, 1970, S.22 und Frederike Hausmann, 1998, S.70; 4) vgl. Horst Karasek, 1970, S.22/23

Kommentare

Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:

http://www.grin.com/e-book/39348/