Untersuchung der aktuellen Lage des deutschen Filmmarktes unter Berücksichtigung der amerikanischen und europäischen Filmwirtschaft

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Details

Titel: Untersuchung der aktuellen Lage des deutschen Filmmarktes unter Berücksichtigung der amerikanischen und europäischen Filmwirtschaft
Autor: Inga Köhler
Fach: Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen
Institution/Hochschule: Berufsakademie Ravensburg
Kategorie: Diplomarbeit
Jahr: 2004
Seiten: 150
Note: 1,1
Literaturverzeichnis: ~ 117  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 618 KB
Archivnummer: V39440
ISBN (E-Book): 978-3-638-38203-8

Textauszug (computergeneriert)

Untersuchung der aktuellen Lage des deutschen Filmmarktes 
unter Berücksichtigung der amerikanischen und europäischen Filmwirtschaft

Erörterung von Chancen und Risiken des deutschen
Kinofilms und Analyse möglicher Erfolgsfaktoren

Diplomarbeit

für die Prüfung zur Diplom-Betriebswirtin (Berufsakademie)
im Ausbildungsbereich Wirtschaft
in der Fachrichtung Medien und Kommunikation
an der Berufsakademie
- Staatliche Studienakademie - Ravensburg

Name: 

Inga Köhler

Abgabedatum: 28.06.2004

 

Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Besucher und Umsätze 2000 – 2003 ... 23
Abb. 2:Prozentuale einheimische Marktanteile 1997 - 2002  ... 26
Abb. 3: Eintrittskarten in Millionen nach Altersgruppen im Jahr 2000  ... 31
Abb. 4: Kinogängeranteile im Jahr 2000 ... 32
Abb. 5: Häufigkeit ausgewählter Freizeitaktivitäten  ... 39
Abb. 6: Entscheidungsprozess und beeinflussende Variablen ... 41
Abb. 7: Kinobesuch 1993 bis 2000 nach Berufsgruppen ... 43
Abb. 8: Anforderungen an einen Film  ... 45
Abb. 9: Vollständige Tilgungen einzelner Projektfilmförderungsdarlehen 1974 - 2002  ... 67
Abb. 10: Effekte der Förderungen der Bundesländer  ... 70
Abb. 11: Programmfüllende Filme, die die Referenzfilmvoraussetzung 2003 erreicht haben ... 72
Abb. 12: Chronischer Kapitalmangel als „Teufelskreislauf“ der deutschen Filmbranche  ... 74
Abb. 13: Stufenplan zum Abbau des Kapitals aus Filmförderungen  ... 76
Abb. 13: Erstaufgeführte Filme nach Produktionsklassen  ... 88
Abb. 14: Chartsplatzierungen Deutschland für GOOD BYE, LENIN!  ... 94

 

Vorwort

Das Thema dieser Arbeit ist sehr weit gefasst. Das Ziel dieser Arbeit ist deswegen auch, einen möglichst umfassenden Überblick über die deutsche Filmbranche zu geben.
In diesem Zusammenhang werden auch die Beziehungen zu anderen Filmmärkten, vor allem zum nordamerikanischen (USA) und europäischen Markt, beispielhaft erläutert. 

Dabei werden nur ausgewählte Bereiche, die im Rahmen der jeweiligen Fragestellung besonders wichtig erscheinen, genauer betrachtet.

In vielen Bereichen der Filmwirtschaft wurde bislang nur unzureichend geforscht. Zu vielen Themen fehlen Angaben aus glaubwürdigen Quellen. So kann ein Großteil der in dieser Arbeit aufgestellten Thesen nur argumentativ, nicht jedoch empirisch begründet werden. Dennoch erscheint es notwendig, auch diese Themengebiete anzusprechen.
Um die komplexen Zusammenhänge verständlich erklären zu können, war eine Stereotypisierung vieler Bereiche notwendig und hinsichtlich des engen Umfangs und der zeitlichen Begrenzung dieser Arbeit unumgänglich.

Das Thema „Film“ ist nicht nur komplex, sondern auch empirisch schwer greifbar.
Es geht um Gefühle, Emotionen, Geschmäcker und soziokulturelle Dimensionen, die nicht vollständig erfasst oder empirisch belegt werden können.

Diese Arbeit erhebt keinen Anspruch auf die vollständige Besprechung aller Aspekte, stellt jedoch den Versuch dar, ein umfassendes Bild von der aktuellen Lage der deutschen Filmwirtschaft widerzuspiegeln, welches an relevanten Stellen tief genug dringt, um komplexere Zusammenhänge erläutern zu können.

[...]

 

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis ... 1
Abkürzungsverzeichnis  ... 2

Inhaltsverzeichnis  ... 4

1. Kalender 2003: Filmszene Deutschland  ... 8

2. Die Geschichte des deutschen Kinofilms  ... 9
2.1. Der frühe Film und die Übernahme der Marktführerschaft durch die USA  ... 9
2.3. Wendepunkt: Zweiter Weltkrieg ... 12
2.4. Filmkrise der 50er Jahre  ... 13
2.5. 1962 – Der Junge Deutsche Film „Papas Kino ist tot!“  ... 14
2.7. Der Autorenfilm ... 16
2.10.1. Stars und Filme der 90er  ... 20
2.10.2. Publikumsliebling: Beziehungskomödie ... 22
2.11. 1997 – LOLA RENNT um die Welt  ... 22
2.12. Strukturwandel: Neue Produzenten auf neuen Wegen zu neuen Zielen ... 24

3. Die Situation heute  ... 26
3.1. Vergleichbarkeit internationaler Filmmärkte  ... 27
3.2. Der Amerikanische Filmmarkt und das Publikum  ... 27

4. Entwicklung des deutschen Marktes bis 2040 – Bevölkerungsstruktur  ... 29
4.1. Zielgruppe 50+ ?  ... 30
4.2. Kino für Rentner – Lösungsvorschläge aus der Praxis ... 32
4.3. Zielgruppe der 12-29 ?  ... 34

5. Die große Unbekannte: Öffentlichkeit  ... 35

6. Erfolgsfaktoren von Filmen  ... 37

7. Was ist Erfolg?  ... 37
7.1. Wirtschaftlicher Erfolg ... 37
7.2. Publikumserfolg  ... 37
7.3. Künstlerischer Erfolg ... 38
7.4. Erfolgsbeziehungen  ... 38

8. Das Kinopublikum – Kino als Freizeitbeschäftigung  ... 38
8.1. Entscheidungsfindung  ... 40
8.2. Was das Publikum wünscht. Genrevorlieben und Filmansprüche ... 42

9. Das GfK-Konsumentenpanel: „Das Kinopublikum 1997-2003“  ... 42
9.1. Ergebnisse der Untersuchung  ... 42
9.2. Aussagekraft der Untersuchung  ... 44

10. FFA-Studie: Filminhalte und Zielgruppen und die Wege der Filmauswahl ...  46

11. Bedürfnisse, Motive und Wünsche des Publikums befriedigen  ... 47

12. Publikumsforschung: USA versus Deutschland  ... 48
12.1. Pretests – Innovation: SATA ... 48
12.2. Marketing-Tests  ... 49
12.3. Test-Screenings ... 50

13. Stoffe für die Welt 51
13.1. Von der Idee zum Drehbuch: USA versus Deutschland ... 51
13.2. Drehbuchentwicklung  ... 53

14. Die Dramaturgie des Kinofilms  ... 55
14.1. Mainstream  ... 56
14.2. Arthouse  ... 58
14.3. Mainstream versus Arthouse  ... 59

15. Der europäische und deutsche Film auf dem internationalen Filmmarkt  ... 60
15.1. Warum international?  ... 61
15.2. Sprachbarrieren  ... 61
15.2.1. Synchronisation  ... 61
15.2.2. Untertitelung  ... 62
15.2.3. Herstellung verschiedener Sprachfassungen – Kooperationen  ... 62
15.2.4. Herstellung einer englischsprachigen Originalversion  ... 63

16. Deutsche Filme auf dem europäische Markt  ... 63

17. Kooperationen und Filmförderung in Europa  ... 64

18. Globale Filmproduktion – Märkte und Chancen  ... 65

19. Filmförderung in Deutschland  ... 66
19.1. Direkte Förderung ... 67
19.2. Indirekte Förderung  ... 68
19.3. Förderungen der Bundesländer ... 69
19.4. Diskussion: Filmförderung  ... 71
19.5. Reformvorschläge - Sinn und Notwendigkeit einer Filmförderung ... 74

20. „It really starts at the financial end.” – Vorbild Hollywood?  ... 77
20.1. Universalität  ... 77
20.2. Cultural Discount  ... 77
20.3. Risikominimierung, Markenbildung und Politik  ... 78

21. Weitere Finanzierungsmöglichkeiten  ... 80
21.1. Koproduktionen ... 80
21.2. Banken ... 80
21.3. Product Placement  ... 80
21.3.1. Bedeutung von Product-Placement in den USA und Deutschland  ... 81
21.3.2. Perspektiven für Product Placement in Deutschland  ... 82
21.4. Merchandising  ... 82
21.5. Nebenverwertungen  ... 83
21.6. Blocked Funds und Film-Fonds  ... 83

22. Mögliche Erfolgsfaktoren der Filmherstellung auf internationaler Ebene  ... 84
22.1. Produktionsbudget und Produktionsstandard ... 84
22.2. Besetzung und Auswahl des Teams – Starpower  ... 84
22.3. Marketing und Vertrieb  ... 84
22.3.1. Marktanalyse  ... 84
22.3.2. Marketingstrategien  ... 85
22.4. Releasezeitpunkt  ... 86
22.5. Genre und Inhalt  ... 86
22.6. Bewertungen, Festivals  ... 87
22.7. Marktforschung  ... 87

23. Übertragung der Erfolgsfaktoren auf den deutschen und europäischen Filmmarkt  ... 87
23.1. Produktionsbudget und Produktionsstandard ... 88
23.2. Besetzung und Auswahl des Teams – Starpower  ... 88
23.3. Marketing und Vertrieb  ... 89
23.4. Releasezeitpunkt  ... 89
23.5. Genre und Inhalt, Bewertungen und Festivals, Marktforschung ... 89

24. Analyse von GOOD BYE, LENIN! anhand möglicher Erfolgsfaktoren ...  90
24.1. Inhaltsangabe  ... 90
24.2. Budget und Produktionsstandard  ... 91
24.3. Das Team  ... 92
24.4. Releasezeitpunkt  ... 92
24.5. Marketing und Vertrieb  ... 93
24.6. Festivals, Kritiken, Preise  ... 95

25. Untersuchung der möglichen Erfolgsfaktoren anhand der „Umfrage zum Kinofilm“  ... 95

26. Das digitale Medienzeitalter: Chancen, Probleme und Risiken  ... 99
26.1. Filmpiraterie  ... 100
26.2. Digitales Kino ... 103

27. Europäische Vielfalt gegen die Vereinheitlichungs- und Nivellierungstendenzen des reduzierten, globalen Hollywood - Films  ... 105

Anhangverzeichnis  ... 107
ANHANG  ... 108

Literaturverzeichnis  ... 142

 

 

1. Kalender 2003: Filmszene Deutschland

[...]

2. Die Geschichte des deutschen Kinofilms

Seit seinem Entstehen vor ca. 150 Jahren stellt Film ein internationales Phänomen dar, welches sich rasant über den ganzen Globus verbreitet hat. Die Schubkraft jedoch ging von Europa aus. Sowohl in der Entwicklung technischer Innovationen als auch in der Herstellung und dem Vertrieb von Kinofilmen konnte sich Europa als Marktführer weltweit etablieren und behaupten. Der Film war nicht nur das erste technisch-apparative visuelle Massenmedium, er war auch von Anfang an kommerziell organisiert.2

Heute dominieren amerikanische Filmproduktionen die meisten Filmmärkte der Welt. Um verstehen zu können, wie und aus welchen Gründen es zu dieser Machtverschiebung kam, ist es erforderlich, den Blick auf die Geschichte des Films zu richten. Hierbei wird ausschließlich die amerikanische, europäische und deutsche Filmgeschichte betrachtet. Diese Märkte werden auch im weiteren Verlauf der Arbeit näher erläutert, miteinander verglichen und analysiert.

2.1. Der frühe Film und die Übernahme der Marktführerschaft durch die USA

Bereits im 16. Jahrhundert konnten in Europa Bilder projiziert und in Bewegung versetzt werden.3 Doch erst durch die enormen technischen Fortschritte im 19. Jahrhundert und den mit der industriellen Revolution einhergehenden, tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel wurde die Entwicklung der Kinematographie möglich. Die industrielle Massenproduktion mit ihren mechanisierten Arbeitsprozessen, die Entstehung von Großstädten, die Trennung von Arbeit und Freizeit und die veränderte Wohnsituation in den Städten ließen den Wunsch nach Zerstreuung wachsen, der die Grundlage für die Filmbranche als Lieferant von „Massenunterhaltung“ bildete.4 Der Film entstand in Europa:

Von der „Zauberlaterne“ auf dem Jahrmarkt; über die Gebrüder Skladanowsky und Lumière, die mit den ersten öffentlichen Filmvorführungen in Paris und Berlin das Jahr 1895 zum Geburtsjahr des Filmes machten5. Bis hin zur Entwicklung des Malteserkreuzes von Oskar Messter, welches erstmals eine flimmerfreie Filmprojektion ermöglichte.6 Europa war der Ort, von dem die beliebten „lebenden Bilder“ kamen.

Bis zu dem Zeitpunkt als in Amerika etwas entstand, das nicht nur bewegte Bilder, sondern ganze „Träume“ zu bieten hatte. In Europa wurden bis dato hauptsächlich dokumentarfilmähnliche Filme, die Szenen des Alltags oder Bewegungsstudien zeigten, produziert. 
In Amerika jedoch wurden in ortsfesten Kinos, den „Nickelodeons“, für einen Nickel sogenannte „one-reeler“ angeboten. Das waren einaktige Kurzfilme, die 10-15 Minuten lang eine Geschichte erzählten.7

Die „Traumfabrik Hollywood“ produzierte preisgünstig und massenhaft Ware. Die Europäer konnten mit ihren unökonomischen Produktions- und Vertriebstechniken den wachsenden Bedarf an Geräten und neuen, komplexeren Filmerzählungen längst nicht mehr decken. 
Um 1910 gab es in Amerika bereits 10.000 feste Filmtheater, mehr als in allen europäischen Ländern zusammen.8 Bereits vier Jahre später wurden in Hollywood mehr als 50 Prozent aller weltweit vertriebenen Filme hergestellt.9 Vor 1914 waren es noch der französische Konzern Pathé Frères, der allein in den USA doppelt so viele Filme wie alle amerikanischen Anbieter zusammen verkaufte, sowie Dänemark und Italien, die den weltweiten Filmexportmarkt beherrschten.10

Im Jahr 1920 generierten die USA 35 Prozent ihrer Einnahmen aus dem Ausland.11 Bis heute erzielt Hollywood seine Gewinne hauptsächlich auf den ausländischen Märkten.12 Bei stark gestiegenen Produktionskosten, die mittlerweile bei durchschnittlich 63,8 Millionen Dollar13 liegen, konnte und kann im Inland oft nur eine Kostendeckung, nicht aber ein nennenswerter Erlös erzielt werden.14

Bald sah Europa seine eigene Filmkultur durch die Flut der amerikanischen Filme gefährdet und versuchte der Entwicklung mit Zöllen, Quoten und Filmförderungsmaßnahmen entgegenzuwirken. 15 Ohne Erfolg. Ein Blick auf die Top Twenty - Filme weltweit16 zeigt die amerikanische Übermacht: 14 US-amerikanische Produktionen, 6 Koproduktionen, wobei die USA immer als Hauptproduzent in den Vordergrund treten, besetzen die obersten Ränge.17 In Europa nehmen amerikanische Produktionen durchschnittlich 72,1 Prozent des Marktanteils ein.18In Deutschland müssen sich einheimische Produktionen sogar mit einem Marktanteil von nur 17,5 Prozent begnügen, und das, obwohl das Jahr 2003 als ein erfolgreiches gefeiert wurde. Gegenüber dem Vorjahr war der Marktanteil deutscher Produktionen um 5,6 Prozent gestiegen.19 Doch der Kampf gegen Hollywood ist vergebens, solange das Publikum amerikanische Produktionen vorzieht.

In Europa hatte die Erfolgsgeschichte des Kinos begonnen, in Amerika ist der Erfolg nun sesshaft geworden.

[....]


1 Vgl. Just, Lothar R.(Hrsg.)[Filmjahrbuch, 2004], S. 658ff.

2 Vgl. Hickethier, Knut [Globalisierung, 2001], 113.

3 Vgl. Gronemeyer, Andrea [Geschichte, 1998], S. 9.

4 Vgl. Gronemeyer, Andrea [Geschichte, 1998], S. 22.

5 Vgl. Gronemeyer, Andrea [Geschichte, 1998], S. 8.

6 Vgl. Gronemeyer, Andrea [Geschichte, 1998], S. 27.

7 Vgl. Gronemeyer, Andrea [Geschichte, 1998], S. 33.

8 Vgl. Gronemeyer, Andrea [Geschichte, 1998], S. 34.

9 Vgl. Gronemeyer, Andrea [Geschichte, 1998], S. 41.

10 Vgl. Gronemeyer, Andrea [Geschichte, 1998], S. 35.

11 Vgl. Röwekamp, Burkhard [Hollywood, 2003], S. 23.

12 In der Kinoauswertung – Folgeauswertungen (Video, DVD, CD etc.) nicht mit einbezogen.

13 Durchschnittliche Kosten der US-Majors 2003, Vgl. Europäische Audiovisuelle Informationsstelle (Hrsg.)[Welt Film Markt, 2004], S. 7.

14 Vgl. Röwekamp, Burkhard [Hollywood, 2003], S. 24.

15 Vgl. Röwekamp, Burkhard [Hollywood, 2003], S. 25.

16 Für das Jahr 2003.

17 Vgl. Europäische Audiovisuelle Informationsstelle (Hrsg.)[Welt Film Markt, 2004], S. 9.

18 Vgl. Europäische Audiovisuelle Informationsstelle (Hrsg.)[Welt Film Markt, 2004], S. 20

19 Vgl. FFA (Hrsg.) [Daten, 2003].

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