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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 28 Pages
Author: Ruben von der Heydt
Subject: Sociology - Religion
Details
Tags: Betrachtungen, Themenkomplexen, Webers, Studie, Ethik, Geist, Kapitalismus
Year: 2004
Pages: 28
Grade: 1,0 (sehr gut)
Bibliography: ~ 8 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-38385-1
File size: 221 KB
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Excerpt (computer-generated)
Universität Rostock
Institut für Soziologie und Demographie
Hauptseminar: Klassiker der Soziologie: Max Weber
6. Fachsemester
Betrachtungen zu ausgewählten Themenkomplexen aus
Max Webers Studie "Die protestantische Ethik und der
Geist des Kapitalismus"
von: Ruben von der Heydt
I N H AL T S V E R Z E I C H N I S
1. Einleitende Bemerkungen 1
2. Die Frage nach der Art des Zusammenhangs zwischen “innerweltlicher Askese“ und rationaler Lebensführung in den von Max Weber untersuchten protestantischen Religionsgemeinschaften 2
2.1. Die Wertung durch die Forschungsliteratur 2
2.2. Webers Darlegung seiner Methodik 3
2.3. Die grundsätzlichen Probleme sozialwissenschaftlichen Vorgehens 5
3. Die psychologischen Wirkungen der Prädestinationslehre und ihre Funktion in Webers These 7
3.1. Psychologisierte Soziologie als Erklärungsansatz? 7
3.2. Webers Erklärungsanspruch 8
3.3. Die psychischen Antriebe 9
3.4. Berufsarbeit als Möglichkeit der Erlangung von Gnadengewißheit? 12
4. Einordnung der Weberschen These in den Forschungsstand 15
4.1. Schluchters Auffassung von der Vertretbarkeit der Weberschen Argumentation 15
4.2. Calvinisten als Träger der Modernisierung nach Lüthy 17
4.3. Borkenaus „relativistischer“ Standpunkt 19
4.4. Das Primat des Politischen bei Swanson 20
4.5. Die Einbeziehung neuerer geistesgeschichtlicher Forschungsergebnisse durch Lehmann 23
5. Abschließende Betrachtungen 25
Literaturverzeichnis 27
Einleitende Bemerkungen
Die vorliegende Arbeit hat einige ausgewählte Aspekte in Max WEBERs Studie „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“ zum Gegenstand. Die Grundlage der Motivation, sich ausgerechnet mit dieser Untersuchung WEBERs zu befassen, bildete dabei deren Geltung in der Soziologie als eine der populärsten, aber auch umstrittensten Arbeiten WEBERs. Der Verfasser hoffte also darauf, auf einige besonders streit- und diskutierbare Thesen zu stoßen, die sich einer kontroversen Auseinandersetzung anbieten. Somit wurden drei größere Themenkreise der Studie entnommen und untersucht. Hierbei handelt es sich zum ersten um die Frage nach dem grundsätzlichen argumentativen Zusammenhang zwischen den religiösen Vorstellungen und dem rationalen Wirtschaftsethos. Diese Frage entstand während der Lektüre der Literatur, bei der dem Verfasser zwei Tatsachen auffielen: Zum einen die fast übertrieben anmutende Zurückhaltung WEBERs bei der Formulierung seiner Kernthese und zum anderen das Bestreben einiger neuerer Autoren, die von WEBER postulierte These des kausalen Zusammenhangs abzuschwächen. Grund genug, sich näher mit der Art des Verhältnisses von Religion und Wirtschaftsethos bei WEBER zu beschäftigen.
Der zweite Behandlungskomplex beschäftigt sich mit der Frage nach den psychologischen Wirkmechanismen, die nach WEBER letztlich den Ursprung für eine bestimmte rationale Lebensführung darstellen. Die Gründe für eine Beschäftigung gerade mit dieser Detailfrage bildeten einerseits die Brisanz, welcher nach Meinung des Verfassers überhaupt der Erklärung sozialer Phänomene durch psychologische Vorgänge innewohnt und andererseits der Wunsch, zum eigentlichen Ausgangspunkt WEBERs, auf dem sein ganzes weiteres Argumentationsgebäude errichtet wird, vordringen zu wollen. Entsprechend liegt auf diesem Aspekt auch der Schwerpunkt der Arbeit. Der Verfasser glaubt, hierbei zu einer neuen Sichtweise gelangt zu sein. Schlußendlich soll auch der Bewertung der WEBERschen These im Lichte gegenwärtiger Forschungsmeinungen Rechnung getragen werden, wobei hier offenbar wird, daß man WEBERs Arbeit heute in der Wissenschaft ebenso mit guten Argumenten vertreten, wie auch verwerfen kann.
Schließlich sei noch kurz darauf hingewiesen, was diese Arbeit weder sein will, noch kann: sie ist keine alle Aspekte der untersuchten Studie in ihrer Gänze umfassende Darstellung. Seiner eigenen Selektivität und Konzentration auf die Prämissen der WEBERschen Argumentation, weniger auf die hieraus resultierenden konkreten Erscheinungen, die als säkularisiertes Substrat erst viel später in der Untersuchung thematisiert werden, ist sich der Verfasser durchaus bewusst.
2. Die Frage nach der Art des Zusammenhangs zwischen „innerweltlicher Askese“ und rationaler Lebensführung in den von Max Weber untersuchten protestantischen Religionsgemeinschaften
2.1. Die Wertung durch die Forschungsliteratur
In der neueren Forschungsliteratur zu Max Webers „Protestantismus-Kapitalismus- These“ ist eine Tendenz feststellbar, die den kausalen Zusammenhang zwischen Religion und Wirtschaftsverfassung zugunsten eines „Zusammentreffens“ der untersuchten Faktoren hin abschwächt. So schreibt etwa KAESLER: „Zwischen diesen drei Ebenen (1. Ebene: ‚Sozio-ökonomische Strukturen’, 2. Ebene: ‚Handelndes Individuum ? Soziale Gruppen’, 3. Ebene: ‚Religiöse Ordnung’; d. Verf.) finden Vermittlungen statt, die durch die beiden idealtypischen Konstrukte „Geist des Kapitalismus“ und „Innerweltliche Askese“ angedeutet sind. Dabei behauptet Weber keine kausale Adäquanz, sondern eine ‚sinnhafte’ Adäquanz, d.h. er sagte nicht, wenn A (= Puritanismus) dann B (= Kapitalismus), sondern vielmehr: wenn A (= Kapitalismus) und B (= Berufsethos, Innerweltliche Askese) zusammentreffen, kann sich (‚Chance’) der moderne Kapitalismus als herrschende Wirtschaftsform durchsetzen und hat dieses in den von ihm untersuchten historischen Fällen getan.“1
An anderer Stelle heißt es bei KAESLER, daß die Hauptwirkung der puritanischen Ethik die Herausbildung einer rationalen Lebensführung auf der Grundlage einer Berufsidee gewesen sei. Diese Berufsidee wiederum sei aus dem Geist der innerweltlichen Askese entstanden.2 Der direkte kausale Zusammenhang zwischen „innerweltlicher Askese“ und der Entstehung einer Berufsidee wird also von KAESLER nicht geleugnet. Dagegen heißt es dann vorsichtiger formuliert weiter, daß es diese Idee gewesen sei, die „konstitutiver Bestandteil des modernen kapitalistischen Geistes und der modernen Kultur wurde.“3 Die weiteren Ausführungen KAESLERs über die Argumentationsstruktur WEBERs erschöpfen sich überwiegend in der Wiedergabe Weberscher Zitate, welche die Relativierung des direkten Zusammenhangs zwischen Religion und ökonomischer Betätigung stützen sollen. Auf WEBERs eigene Rechtfertigung des methodischen Vorgehens wird nun jedoch separat eingegangen.
2.2. Webers Darlegung seiner Methodik
So heißt es in seiner Vorbemerkung zur Protestantischen Ethik: „Es sind dabei zwei ältere Aufsätze an die Spitze gestellt, welche versuchen, in einem wichtigen Einzelpunkt der meist am schwierigsten zu fassenden Seite des Problems näher zu kommen: der Bedingtheit der Entstehung einer ‚Wirtschaftsgesinnung’: des ‚Ethos’ einer Wirtschaftsform, durch bestimmte religiöse Glaubensinhalte, und zwar an dem Beispiel der Zusammenhänge des modernen Wirtschaftsethos mit der rationalen Ethik des asketischen Protestantismus. Hier wird also nur der einen Seite der Kausalbeziehung nachgegangen.“4
WEBER geht es hier um die Betonung seiner Abhandlungen als einer Seite des zu untersuchenden Problems und bezieht sich dabei auf die Wechselwirkung von Ideen und materieller Umwelt. Dies ist in diesem Zusammenhang jedoch nicht relevant, sondern allein seine Beschreibung des Zusammenhangs zwischen „modernem Wirtschaftsethos“ und „rationaler Ethik des asketischen Protestantismus“ als einer Kausalbeziehung. Es kommt also nicht auf WEBERS Feststellung einer zweiten, in seiner Studie vernachlässigten, Kausalbeziehung an, sondern daß er dem von ihm untersuchten Zusammenhang den Status einer Kausalbeziehung zuschreibt. WEBER spricht nicht von einer „sinnhaften Adäquanz“, von „Vermittlung“ oder „Zusammentreffen“ verschiedener Faktoren, sondern eindeutig von einem kausalen Zusammenhang zwischen religiöser Ethik und Wirtschaftsethos. An anderer Stelle kommt WEBER auf die Problematik des Verhältnisses „idealistischen“ und „materialistischen“ Fragens abermals zu sprechen, und auch hier ist wiederum von einem Kausalverhältnis die Rede:
[...]
1 KAESLER, S. 122. Kaesler bezieht sich in diesem Zitat auf ein von ihm stammendes Schema, das er seinen Ausführungen zu dieser Frage vorangestellt hatte: vgl. Abb. ebd.
2 Ebd., S. 117.
3 Ebd.
4 WEBER, Ethik, S. 21.
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