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Übeprinzipien und deren Vermittlung im Instrumentalunterricht

Autor: Martina Rimmele
Fach: Musikwissenschaft

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Details

Kategorie: Diplomarbeit
Jahr: 2004
Seiten: 92
Note: 1,2
Literaturverzeichnis: ~ 26  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 335 KB
Archivnummer: V39686
ISBN (E-Book): 978-3-638-38400-1

Textauszug (computergeneriert)

 

Diplomarbeit

im musikpädagogischen Diplomstudiengang
Instrumentalpädagogik mit Hauptfach Klarinette

an der Hochschule für Musik Nürnberg-Augsburg
Abteilung Augsburg

Übeprinzipien und deren Vermittlung im Instrumentalunterricht

vorgelegt von

Rimmele Fünfhäuser

Augsburg, Dezember 2004

 

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung ... 3

2 Üben – eine besondere Form des Lernens ... 6
2.1 Definition und Erläuterung von Lernen ... 6
2.2 Neurobiologische Grundlagen des Lernens ... 7
2.2.1 Das menschliche Gehirn – eine Übersicht der wichtigsten Funktionen ... 7
2.2.1.1 Reizübertragung durch Neurone ... 7
2.2.1.2 Wie ist das menschliche Gehirn aufgebaut? ... 8
2.2.1.3 Das Großhirn – Zentrum der menschlichen Fähigkeiten ... 9
2.2.2 Das Gedächtnis – Zentrale für Erinnern und Vergessen ... 11
2.2.2.1 Das sensorische oder Ultra – Kurzzeit - Gedächtnis ... 12
2.2.2.2 Das Kurzzeitgedächtnis oder Arbeitsgedächtnis ... 13
2.2.2.3 Das Langzeitgedächtnis ... 15
2.3 Lerntheorien ... 16
2.3.1 Klassisches Konditionieren ... 17
2.3.2 Operantes Konditionieren ... 18
2.3.3 Lernen durch Nachahmung ... 20
2.3.4 Lernen durch Wiederholung ... 23
2.4 Definition Üben ... 25

3 Vorraussetzungen für erfolgreiches Üben ... 28
3.1 Ziele ... 28
3.2 Motivation ... 29
3.3 Die Schulung der Selbstwahrnehmung ... 32

4 Ausgewählte kognitive und motorische Übeprinzipien ... 36
4.1 Das Prinzip der rotierenden Aufmerksamkeit ... 37
4.2 Üben von Technik – Wie werden Bewegungsabläufe automatisiert? ... 45
4.2.1 Bewusstes Ordnen und Einprägen von Ton – und Grifffolgen ... 46
4.2.2 Trockenübungen ... 47
4.2.3 Prinzip der Variation ... 48
4.2.3.1 Prinzip der rhythmischen Variation ... 49
4.2.3.2 Veränderung der Artikulation ... 53
4.2.4 Kreiselübungen ... 55
4.2.5 Prinzip des Addierens von Tönen nach Carl Flesch ... 56
4.2.6 Wechsel zwischen langsamem und schnellem Übetempo ... 57
4.2.7 Dynamische Veränderungen ... 58
4.2.8 Bewegungsassoziationen ... 59
4.3 Aufbau und Umsetzung eines künstlerischen Vorstellungsbildes ... 60
4.4 Mehrkanaliges Üben – Lernen mit allen Sinnen ... 68
4.5 Die Übetheorie nach Johannes Tappert ... 70
4.6 Üben im Flow ... 71
4.6.1 Die sieben Komponenten der Flow-Erfahrung ... 72
4.6.2 Psychologische Hintergründe ... 74
4.6.3 Vermittlung des Übens im Flow durch exemplarisches Üben im Klarinettenunterricht ... 74
4.7 Mentales Üben ... 81

5 Schlussgedanken ... 88

6 Literaturangaben ... 90

 

1. Einleitung

„Heute habe ich zwei Stunden geübt, ich sollte mehr Technik üben, ich habe meinen genauen Übeplan eingehalten, ich habe nicht geübt,…“. Jede/r Musiker/in1 spricht fast täglich davon, aber was genau bedeutet Üben? Francis Schneider hat einige „mögliche (und unmögliche) Definitionen“ zusammengestellt, von denen ich gerne zu Beginn einige zitieren möchte:

„Üben

  • bedeutet, eine Stelle so lange wiederholen, bis man sie kann
  • bezeichnet den Transfer einer Information vom Arbeits- ins Langzeitgedächtnis
  • bedeutet, sich etwas auf eine ganz bestimmte Art aneignen
  • ist lernerfolgsicherndes Arbeiten durch Wiederholen
  • heisst, den Tag mit Geduld und Heiterkeit am Instrument verbringen
  • heisst, sein eigener Lehrer sein
  • ist der Weg vom Entdecken bis zum selbständigen Realisieren eines musikalischen Ablaufs
  • heisst, sich von einem bestimmten Vorgang eine genaue musikalische Vorstellung zu bilden und nach Mitteln und Wegen zu suchen, diese auch zu realisieren
  • heisst, ein bestimmtes Stück Musik erkennen
  • bringt nichts: entweder man kann`s oder man kann`s halt nicht!
  • Ist ein dreiteiliger Prozess: das Sich-Vertiefen in ein Problem, das Herausarbeiten von Lösungen, das fantasievolle Verankern der für gut befundenen Lösung“ (Schneider 1998, 11-12)

Diese Punkte sind in der Einleitung ihres Buches „Üben - was ist das eigentlich?“ aufgelistet. Die meisten davon sind sehr treffend formuliert. Man könnte diese Auflistung an Schüler weitergeben und ihnen die Aufgabe stellen, sich drei gute Leitgedanken auszuwählen und unter deren Berücksichtigung zu üben. Was würde das wohl für ein Ergebnis bringen? Ich vermute, dass sich bei den meisten am Übeverhalten nichts ändern würde. Schüler müssen zuerst lernen die jeweiligen Prinzipien anzuwenden.
Viele Schüler verbringen zwar täglich eine gewisse Zeit mit ihrem Instrument, erbringen jedoch im Unterricht trotz ihres Fleißes, guten Willens und ausreichender Begabung nicht die ihnen möglichen Leistungen. Als Lehrer muss man herausfinden, ob der Schüler in der Vorspielsituation zu nervös ist, zu wenig übt oder, was meiner Meinung nach eine häufige Ursache ist, falsch übt. Einige solcher Übefehler möchte ich nachfolgend benennen:

  • Die Schüler können sich keine Etappenziele für die jeweilige Übeeinheit stecken.
  • Durch die fehlenden Ziele fehlt am Ende der Einheit der Erfolg.
  • Es fehlt an einem großen Repertoire an Übemethoden.
  • Viele üben gegen ihr Gedächtnis – nicht mit ihrem Gedächtnis.
    ► Stellen werden zu oft falsch gespielt, zu wenig oft wiederholt oder mit zu wenig Aufmerksamkeit geübt.
  • Oft fehlt eine Übestrategie für das jeweilige Stück – bei jedem Fehler wird wieder am Anfang begonnen.
  • Es fehlt beim Üben die Ernsthaftigkeit, die Fähigkeit zur Selbstkontrolle und die positive Grundeinstellung.

Des Öfteren habe ich mich selbst auch schon dabei ertappt, beim Üben in ein „unreflektiertes Dahinspielen“ zu verfallen. Ich habe dieses Thema gewählt um für mich selbst neue Übemöglichkeiten zu entdecken. Vor allem aber möchte ich Wege finden, um meinen Schülern eine qualifizierte Übehaltung und Übefähigkeit vermitteln zu können.
Ich möchte im Laufe meiner Arbeit einige Übeprinzipien vorstellen. Diese Übeprinzipien können sowohl von Anfängern, als auch von Studenten und Orchestermusikern angewendet werden. Die jeweiligen Vermittlungsansätze unterscheiden sich jedoch grundlegend. Meine Hauptaufgabe wird später das Unterrichten von Kindern und Jugendlichen an Musikschulen sein. Um von meiner Diplomarbeit möglichst viel profitieren zu können, möchte ich deshalb spezifisch auf den Klarinettenunterricht mit Kindern und Jugendlichen eingehen.
Unter dem jeweiligen Punkt „Vermittlung“ werde ich Anregungen geben, wie Schülern eine qualifizierte Übehaltung und Übefähigkeit vermittelt werden kann. Der Übersichtlichkeit wegen werde ich den Punkt Vermittlung nicht in einem separaten Kapitel abhandeln, sondern werde ihn jeweils an das zugehörige Übeprinzip anschließen.

Nach Ernst können Übeprinzipien auf unterschiedliche Weise vermittelt werden:

  • Durch exemplarisches Üben im Unterricht. Das bedeutet, der Lehrer führt immer wieder mustergültig vor, wie etwas zu üben ist. (vgl. Ernst 1999, 47) Dabei ist es wichtig, den Schüler zur Selbstinitiative anzuregen. Der Lehrer sollte den Schüler durch entsprechende Fragen und Anweisungen in die richtige Richtung leiten und sollte es vermeiden, Probleme und Lösungen direkt zu benennen. Ziel ist, sich als Lehrer irgendwann „überflüssig“ zu machen.
  • Die gemeinsam erarbeiteten Überegeln sollten am Ende der Stunde zusammengefasst und in einer Liste festgehalten werden.
  • Der Lehrer zeigt im Unterricht immer eine optimale Arbeits- und Übehaltung. Er soll dem Schüler ein Vorbild an Geduld, Konzentration, Genauigkeit und Ruhe sein. Diese Arbeitsweise wird der Schüler im Laufe der Zeit übernehmen, so Ernst. (vgl. Ernst 1999, 47)

Meine Vermittlungsvorschläge werde ich jeweils mit dem methodischen Hintergrund ergänzen. Für das bessere Verständnis werde ich mich dabei in manchen Fällen auf ein konkretes Beispiel beziehen. Hierfür habe ich „The little Negro“ von Claude Debussy ausgewählt (Debussy 1997). Das Werk bietet verschiedene technische und rhythmische Elemente, den Tonumfang bis d’’’, eine übersichtliche Form sowie Themen mit unterschiedlichen Charakteren.

Zu Beginn meiner Arbeit werde ich einige neurobiologische Grundlagen und Lerntheorien erläutern. Dieses Hintergrundwissen ist meiner Meinung nach nötig, um Übeprinzipien richtig anwenden und vermitteln zu können.

2 Üben – eine besondere Form des Lernens

2.1 Definition und Erläuterung von Lernen

Lernen ist nach Pölzer eine der bedeutendsten Fähigkeiten, die der Mensch von der Natur erhalten hat. Sie ermöglicht ihm, sich immer neuen Lebensumständen anzupassen. Lernen kann als permanente Änderung bzw. Anpassung des Verhaltens bei Mensch und Tier definiert werden, welche sich durch Erfahrung vollzieht. (vgl. Pölzer 2001, 100) Um in der Steinzeit zu überleben, lernten die Menschen Werkzeug zu bauen und Tiere zu jagen. Sie entdeckten, dass sich aus Wildgräsern bestimmte Körner entwickelten und lernten so Getreide zu züchten. Durch die Fähigkeit zu Lernen haben sich die Lebensumstände des Menschen seit dieser Zeit sehr verändert. Um sich in der heutigen Gesellschaft zurechtzufinden, muss der Mensch im Laufe seines Lebens sehr viele Fähigkeiten erwerben.
Nach Edelmann verbindet man den Begriff Lernen im Alltag hauptsächlich mit dem Wissenserwerb in Schule, Ausbildung oder Studium. Man lernt Schreiben, Lesen und Rechnen und erwirbt fächerbezogenes Wissen, das in Klausuren abgefragt wird. Bei dieser Art von Lernen steht die pädagogische Situation im Vordergrund. Der Mensch lernt jedoch nicht nur in schulischem Zusammenhang. Der psychologische Lernbegriff umfasst einen viel größeren Bereich. (vgl. Edelmann 1996, 4-5) Nach Zimbardo wird der Begriff wie folgt definiert:


„Lernen ist ein Prozess, der zu relativ stabilen Veränderungen im Verhalten oder im Verhaltenspotenzial führt und auf Erfahrung aufbaut. Lernen ist nicht direkt zu beobachten. Es muss aus den Veränderungen des beobachtbaren Verhaltens erschlossen werden.“ (Zimbardo 1995, 263)

[...]


1 Aus Gründen der besseren Lesbarkeit verzichte ich im Verlauf dieser Arbeit auf die weibliche Form. Sie ist beim Lesen jeweils mit zu denken.

Kommentare

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