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Details

Veranstaltung: Migrationen und Geschlechterverhaeltnisse
Institution/Hochschule: Humboldt-Universität zu Berlin
Tags: Kulturelle, Transnationale, Identität, Migrationen, Geschlechterverhaeltnisse
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2003
Seiten: 13
Note: 2,3
Literaturverzeichnis: ~ 2  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 189 KB
Archivnummer: V39850
ISBN (E-Book): 978-3-638-38520-6
ISBN (Buch): 978-3-638-76266-3

Zusammenfassung / Abstract

Die folgenden Ausführungen werden mit Hilfe zweier Quellen, dem Essay von Stuart Hall Kulturelle Identität und Diaspora und der Studie von Ninna Nyberg Sorensen Narrating Identity Across Dominican Worlds, die Frage nach der kulturellen und transnationalen Identität, ihrer Repräsentationsformen und ihrer historischen Einflüssen diskutiert. Stuart Hall definiert Jamaikas kulturelle Identität von deren Repräsentationsformen wie der Photographie und dem Film betrachtet. Nina Nyberg Sorensen erläutert transnationale Identität am Beispiel der Dominikanischen Republik mit deren Repräsentationsformen wie Erzählungen, Romanen und Werbung. Außerdem werden die das Seminar begleitenden Fragen in die Ausführungen einbezogen und mögliche Antworten präsentiert.

Textauszug (computergeneriert)

Humboldt- Universität zu Berlin Aggy Gartner
Institut für Europäische Ethnologie
PHS: Migrationen und Geschlechterverhältnisse

Kulturelle und Transnationale Identität

von: Aggy Gartner




Die folgenden Ausführungen werden mit Hilfe zweier Quellen, dem Essay von Stuart Hall Kulturelle Identität und Diaspora und der Studie von Ninna Nyberg Sorensen Narrating Identity Across Dominican Worlds, die Frage nach der kulturellen und transnationalen Identität, ihrer Repräsentationsformen und ihrer historischen Einflüssen diskutiert. Stuart Hall definiert Jamaikas kulturelle Identität von deren Repräsentationsformen wie der Photographie und dem Film betrachtet. Nina Nyberg Sorensen erläutert transnationale Identität am Beispiel der Dominikanischen Republik mit deren Repräsentationsformen wie Erzählungen, Romanen und Werbung. Außerdem werden die das Seminar begleitenden Fragen in die Ausführungen einbezogen und mögliche Antworten präsentiert.

Stuart Hall definiert in seinem Essay die kulturelle Identität Jamaikas. Halls Herangehensweise ist eine Analyse von kultureller Identität im allgemeinen und eine Betrachtung der drei konstituierenden Einflüsse der jamaikanischen Identität, den drei Präsenzen: der afrikanischen, der europäischen und der amerikanischen. In dem 1994 entstandenen Aufsatz betrachtet er die jamaikanische Identität am Beispiel des jamaikanischen Fotografen Armet Francis und am Beispiels des neuen karibischen Films als die zwei Repräsentationsformen, in der das „[...] schwarze Subjekt [in den Mittelpunkt rückt und stellen] das Thema der kulturellen Identität in Frage [stellt]“ (Hall, 26). Was ist nun für Hall kulturelle und jamaikanische Identität? Hall beschreibt Identität als eine Produktion, die sich immer weiter entwickelt und innerhalb von Repräsentationen wie dem Film oder der Fotografie konstituiert wird. Er erläutert eingangs zwei Möglichkeiten, kulturelle Identität zu betrachten. Zum einen als eine gemeinsame Kultur eines kollektiven Selbst, das Menschen mit einer gemeinsamen Geschichte und Abstammung vereint. Diese Einheit der gemeinsamen kulturellen Codes konstituiert einen gleichbleibenden und beständigen Referenz- und Bedeutungsrahmen und ist die Wahrheit und das Wesen des Karibischseins. Ein Beispiel dafür sind die Motive von Armet Francis; sie zeigen die Macht dieser Identitätskonzeption innerhalb entstehender Repräsentationspraktiken wie der Photographie. Seine Photos zeigen beides, die verschiedenen Erfahrungen und die unterschwellige Verbundenheit untereinander, die durch die Kolonisation und die Sklaverei über die afrikanische Diaspora verteilt wurden. Francis’ Werke sind ein Akt imaginärer Wiedervereinigung von Ressourcen der Identität.

Die zweite mögliche Sichtweise auf kulturelle Identität bezeichnet „[...]‚was wir wirklich sind’ oder ‚was wir geworden sind’ [...]“ (Hall, 29). Es besteht auch eine signifikante Differenz, die man als Erweiterung oder Vermehrung von Identität betrachten muß und welche neben den gemeinsamen Erfahrungen wie Geschichte und Abstammung auch zu der Einzigartigkeit der karibischen Identität beiträgt. Kulturelle Identitäten haben Ausgangspunkte und Geschichten, d.h. sie verändern sich ständig und sind nichts Festgelegtes. Sie sind Namen, die wir den unterschiedlichen Verhältnissen geben, durch die wir positioniert sind, und durch die man sich selbst anhand der Erzählungen über die Vergangenheit positioniert. Die zweite Sicht dient dem besseren Verständnis der kolonialen Erfahrung, die die eigene Wahrnehmung zu einem Gefühl des Andersseins zwang und damit eine Art ‚innere Enteignung’ (Hall, 30) der kulturellen Identität hervorgerufen hat.
Für Hall sind karibische Identitäten beides, Ähnlichkeit und Kontinuität und die Differenz und der Bruch. Sie sind eine Art Dialogbeziehung. Kontinuität und Vereinigung als Grundlage der Vergangenheit und die Differenz ist das, was wir miteinander teilen, die Erfahrung der Sklaverei, der Deportation und der Migration. Der Bruch ist der, vom Ursprung Afrika getrennt worden zu sein, was man in dem Unterschied von der afrikanischen Religion zur monotheistischen Religion oder der Verschiedenheit der Herkunft in Afrika deutlich sieht. Ein Unterschied ist auch zwischen den verschiedenen karibischen und lateinamerikanischen Ländern sichtbar, die trotz ihrer gemeinsamen Vergangenheit wie Deportation und Sklaverei ein unterschiedliches Aushandeln der Identität und ihrer ökonomischen, politischen und kulturellen Abhängigkeit zur Folge hatten.

Zwischenfazit ist, daß kulturelle Identitäten die instabilen Identifikationspunkte oder Nahtstellen sind, die innerhalb der Diskurse über Geschichte und Kultur gebildet werden. Identitäten sind kein Wesen, sondern stellen eine Positionierung dar, d.h. wie ein Individuum sich selbst zu seiner Kultur positioniert. Hall erklärt im folgenden Positionierungen und Neupositionierungen durch drei in Jamaika geschichtlich verankerte ‚Präsenzen’. Er unterscheidet zwischen der afrikanischen, der europäischen und der amerikanischen Präsenz. Die afrikanische als Ort des Verdrängten, „[...] als Signifikant, das in der Sklaverei nicht direkt repräsentiert werden konnte [...]“ (Hall, 35) und ist daher auch die ungesprochene, unaussprechbare und der verschwiegenen Präsenz. In den 70er Jahren entstand die Konstruktion des ‚Jamaikanischseins’ durch die Entdeckung dieser afro-karibischen Identität und Präsenz durch die post-koloniale Revolution, die Bürgerrechtsbewegung, Reggae und Rastafari. In Jamaika gibt es seitdem eine Präsenz und Abwesenheit Afrikas zugleich, denn Afrika ist ein Teil der Neuen Welt, die sie selbst geschaffen haben und gleichzeitig ein Ort der Politik, Erinnerung und Wünsche zum Wieder-Erzählen. Halls Ziel ist es, eine Akzeptanz and Wahrnehmung der afrikanischen Präsenz zu erreichen, die bisher nur bedingt vorhanden ist.

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