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Details

Veranstaltung: Proseminar (Thema: Hitler-Stalin-Pakt)
Institution/Hochschule: Technische Universität Dresden (Institut für Geschichte)
Tags: Präventivkriegsthese, Problematik, Juni, Proseminar, Hitler-Stalin-Pakt)
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2005
Seiten: 15
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 12  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 158 KB
Archivnummer: V40380
ISBN (E-Book): 978-3-638-38905-1

Textauszug (computergeneriert)

Die Präventivkriegsthese und die Problematik
des 22. Juni 1941

von: Janina Kraus

1. Fachsemester

 


Inhalt

1. Einleitung S. 3

2. Die Präventivkriegsthese S. 4

3. Vertreter der Präventivkriegsthese S. 6

3.1 Ernst Topitsch S. 7
3.2 Joachim Hoffmann S. 8
3.3. Viktor Suworow S. 8
3.4 Die Argumentationsmuster der Vertreter S. 10

4. Mängel in den Arbeiten der Historiker S. 11

4.1 Hitlers Motivation S. 11
4.2 Fehlerhafter Umgang mit Quellen S. 12

5. Fazit S. 14

6. Literatur S. 15

6.1. Primärliteratur S. 15
6.2. Sekundärliteratur S. 15

 


 

1. Einleitung

In der Nacht zum 22. Juni 1941 erhielten drei Millionen Wehrmachtsoldaten an der Ostfront von Hitler den Befehl, die Sowjetunion anzugreifen. Das „Unternehmen Barbarossa“ war von Beginn an als rassistischer Vernichtungskrieg geplant. Er unterschied sich damit grundsätzlich von den bisherigen Feldzügen gegen die Westmächte. Der daraus folgende, unerbittlich geführte Krieg der Weltanschauungen forderte bis dato nicht gekannte Opferzahlen. Der Zweite Weltkrieg verursachte einen Wandel in der Weltordnung nach 1945, er veränderte das Geschichtsbewusstsein sowie die nationalen Identitäten aller Beteiligten und war nicht zuletzt der Grund für tausendfaches Leid.

Die Frage nach Verantwortung für Krieg und Leid ist in der menschlichen Gesellschaft von jeher schwer belastet. Betroffene und nachfolgende Generationen, denen eine solche Aufgabe auferlegt wird, müssen Wege finden, mit dieser Verantwortung umzugehen. Ein wenig moralisch gerechtfertigter Weg ist es, solche Verantwortung von sich zu weisen. So passiert ist es in der Kontroverse um den Charakter des Angriffs auf die Sowjetunion. Diese Kontroverse behandelt im Kern die Frage, ob die deutsche Wehrmacht im Juni 1941 defensiv agierte, da sie einer konkreten Bedrohung durch die Rote Armee ausgesetzt war. Hitlers Russlandfeldzug gewänne so den Beinamen eines Präventivkrieges. Die Kriegsschuld wäre damit zumindest teilweise nach Russland verschoben. Zahlreiche Historiker haben sich in den vergangenen Jahren mit diesem strittigen Thema auseinandergesetzt. Den Befürwortern der These Ernst Topitsch, Viktor Suworow und Joachim Hoffmann soll in dieser Arbeit besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Sie gelten allgemein als Hauptvertreter der These und haben jeweils Bücher in hohen Auflagenzahlen herausgegeben.

Ihre Argumentationen sind dabei auf viel Protest gestoßen, renommierte Historiker wie Andreas Hillgruber, Gerd Ueberschär oder Bianka Pietrow-Ennker haben auf die zum Teil anmaßenden Werke reagiert und zahlreiche Gegenbeweise geliefert. Der Forschungsprozess ist aber auch heute noch nicht abgeschlossen, besonders durch den erschwerten Zugang zu Quellen werden weitere Ergebnisse hinausgezögert. In dieser Arbeit soll zunächst der konkrete Inhalt und der Ursprung der sogenannten Präventivkriegsthese geklärt werden. Anschließend werden die oben genannten Befürworter der Präventivkriegsthese sowie ihre Argumentationen vorgestellt. Ihre Vorgehensweisen und Arten der Theoriebildung sollen dann im Folgenden im Ganzen bewertet werden, wobei namhafte Historiker mit ihren Forschungen die Gegenargumente liefern. Die Verdeutlichung der Mängel in ihren Argumentationsmustern führt im Anschluss zu einem klaren Fazit. Eine klare Antwort auf die deutsche Kriegsschuldfrage ist nötig, da die bestehenden internationale Beziehungen mit den deutschen Nachbarn, insbesondere Russland aus dem historischen Fundament entstanden sind. Ziel der Arbeit soll es daher sein, den bisherigen Forschungsstand zusammenzufassen und ein kompaktes Bild der Ereignisse zu liefern. Dem Leser wird so ermöglicht, die Ursprünge der These nachzuvollziehen und die aktuelle Relevanz der Diskussion zu verstehen.

2. Die Präventivkriegsthese

„Der Präventivkrieg beschreibt eine Kriegshandlung, die unternommen wird, um einem zum Angriff bereiten oder schon dazu ansetzenden Gegner zuvorzukommen, also eine Offensive in defensiver Absicht.“1 Die Vertreter der Präventivkriegsthese gehen davon aus, dass Hitler-Deutschland zweifellos die Sowjetunion angegriffen habe, aber mit diesem Überfall sei die Wehrmacht einer ebenfalls angriffsbereiten UdSSR zuvorgekommen. 2 Im Mittelpunkt der revisionistischen Untersuchungen stehen verschiedene Fragen: wollte Stalin Hitler-Deutschland angreifen und wenn ja, handelte er in aggressiver Absicht? Ein weiterer Aspekt ist die Frage, ob Moskau für den deutschen Überfall auf Polen und den Ausbruch des deutsch-sowjetischen Krieges mitverantwortlich ist. Langfristige Absicht der Vertreter dieser These ist es somit, die Kriegschuldfrage noch einmal aufzurollen. Es ergibt sich für sie die Frage nach Verantwortung und danach, wer der eigentliche Aggressor im deutsch-sowjetischen Krieg war. Wie im Nachfolgenden erklärt werden soll, hat diese These keine Relevanz in aktuellen historischen oder politischen Ereignissen, trotzdem ist sie allemal brisant genug, die Gemüter zu erhitzen. Ursprünglich tauchte die Formulierung kurz nach dem Überfall deutscher Truppen auf die Sowjetunion auf. In einer Note des Auswärtigen Amtes heißt es: „Deutschland ist nicht gewillt, dieser ernsten Bedrohung seiner Ostgrenze tatenlos zuzusehen“3. Die Übergabe der Note war ein diplomatisches Rechtfertigungsritual, ähnlich dem zu Beginn des Polenfeldzuges im September 1939. Die Behauptung wurde nun von Goebbels Propagandamaschinerie ausgebaut und in Umlauf gesetzt4, um den deutschen Angriff in der Bevölkerung zu rechtfertigen.

[...]


1 Dotterweich, Volker: Krieg der Titanen? Spekulationen über Stalins Strategie im Frühjahr 1941; in: Dotterweich, Volker (Hrsg.): Kontroversen der Zeitgeschichte. Historisch-politische Themen im Meinungsstreit; S.123-159; München 1998.

2 Meyer, Klaus/Wippermann Wolfgang (Hrsg.): Gegen das Vergessen. Der Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion 1941-1945; Berlin 1991.

3 Deutsche Note an die Regierung der Sowjetunion vom 21.06.1941 (Auszug); in: Hohlfeld, Johannes (Hrsg.): Dokumente der Deutschen Politik und Geschichte von 1848 bis zur Gegenwart, Bd. 5; S.318-324; Berlin o.J.

4 Vgl. Wette, Wolfram: Die NS-Propaganda-These vom angeblichen Präventivkriegscharakter des Überfalls; in: Ueberschär, Gerd R./Besymenski, Lew A. (Hrsg.): Der deutsche Angriff auf die Sowjetunion 1941. Die Kontroverse um die Präventivkriegsthese; S. 38-47; Darmstadt 1998.

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