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Das Jüdische Museum Berlin - Wer gedenkt hier wessen wie?

Autor: Wilma Renfordt
Fach: Kunst - Sonstiges

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Details

Veranstaltung: Kunst und Holocaust-Gedächtnis
Institution/Hochschule: Universität Dortmund (Institut für Kunst und ihre Didaktik)
Tags: Jüdische, Museum, Berlin, Kunst, Holocaust-Gedächtnis
Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2002
Seiten: 28
Note: sehr gut
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 1646 KB
Archivnummer: V4039
ISBN (E-Book): 978-3-638-12510-9

Textauszug (computergeneriert)


Das Jüdische Museum Berlin -
Wer gedenkt hier wessen wie?

von

Wilma Renfordt



Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Individuelles Erinnern - kollektives Gedächtnis - kulturelles Gedächtnis

3. Das Jüdische Museum Berlin: Konzept und Ziele

4. Analyse der Architektur und der Ausstellungsinhalte


4.1 Die Architektur als Gesamtkonzept
4.2 Das Rafael Roth Learning Center
4.3 Die Achse des Exils
4.4 Der Garten des Exils
4.5 Die Achse des Holocaust
4.6 Der Holocaust-Turm
4.7 Der Memory Void
4.8 Die Ausstellung in den oberen Geschossen

5. Gedenken an authentischen Orten

6. Synthese: Wer gedenkt hier wessen wie?

7. Anhang

8. Literaturverzeichnis

 

1. Einleitung


"Das Jüdische Museum Berlin - wer gedenkt hier wessen wie?" Mit dieser Frage möchte ich mich in dieser Hausarbeit befassen. "Das Jüdische Museum Berlin ist kein gewöhnliches Museum", schreibt Museumsdirektor W. Michael Blumenthal in einer Publikation seines Hauses . Als nationale Einrichtung habe es eine kulturelle und soziopolitische Bedeutung, die weit über die annähernd zweitausendjährige deutsch-jüdische Geschichte, die es erzählt, hinausgehe: "Das Museum ist (...) das Ergebnis der Bemühungen nachfolgender Generationen in Deutschland, die Vergangenheit zu ergründen - in dem Wissen, dass Zukunft nur möglich ist, wenn man sich erinnert." Erinnerung an 2000 Jahre gemeinsame Geschichte; Erinnerung aber auch an Diskriminierung und Verfolgung, Deportation und Vernichtung.
Wie verbildlicht das Museum die Judenverfolgung? Welche narrativen und ästhetischen Methoden werden eingesetzt? - Und wird das Museum seinem "zentralen Platz in der Gedenklandschaft Deutschlands" gerecht?
Um diese Fragen zu klären, möchte ich zunächst die grundlegenden Begriffe des Erinnerns, des kollektiven und kulturellen Gedächtnisses definieren.
Wie Architekt Daniel Libeskind und die Ausstellungsmacher dieses kulturelle Gedächtnis pflegen möchten, stelle ich im dritten Gliederungspunkt vor, der Konzept und Intention des Museums behandelt. Im Anschluss das Museum an sich - in einer Analyse gehe ich auf das architektonische Konzept sowie die Ausstellungsinhalte ein.
Nachfolgend befasse ich mich mit dem Gedenken an authentischen Orten. Denn die museale Inszenierung greift durch Exponate und ihren Anspruch als Ort des Gedenkens auf authentisches Geschehen zurück - es stellt sich die Frage, inwieweit es dem Museum gelingt, die Kraft der Authentizität einzufangen und für sich zu gewinnen. Konkret befasse ich mich mit der Ausstellung "Blindes Vertrauen", einem authentischen Ort im Rahmen des Jüdischen Museums.
Zuletzt die Synthese, in der ich die übergeordnete Frage abschließend beantworten möchte.

2. Individuelles Erinnern - kollektives Gedächtnis - kulturelles Gedächtnis


"Erinnern - das heißt, alte Dinge rauskramen." - "Gedächtnis ist `ne bewusste Veranstaltung." - "Nee, da gibt′s gar keine Unterschiede." Die Umfrage am Mensa-Tisch bringt keine befriedigenden Ergebnisse. Erinnern und Gedächtnis - was das bedeutet und wo die Unterschiede liegen, scheint, spontan befragt, kaum jemandem klar zu sein. Um eine qualifizierte Auseinandersetzung mit der Thematik des Gedächtnis zu ermöglichen, ist es somit unerlässlich, diesen Begriff genau einzugrenzen.
Gänzlich unrecht hatte der Kommilitone sicher nicht, der behauptete, zwischen Erinnern und Gedenken bestünden keinerlei Unterschiede. Sowohl beim Akt des Erinnerns als auch des Gedächtnis wird Vergangenes in das aktuelle Denken zurückgerufen. Dennoch muss hier differenziert werden.
Die einfachste und häufigste Form dieses Rückgriffs scheint zunächst die strikt individuelle Erinnerung zu sein. Doch die ist geradezu unmöglich - glaubt man dem Soziologen Maurice Halbwachs: "Unsere Erinnerungen bleiben kollektiv und werden uns von anderen Menschen ins Gedächtnis zurückgerufen - selbst dann, wenn es sich um Ereignisse handelt, die allein wir durchlebt haben." Halbwachs illustriert diesen Standpunkt an einem Beispiel: Wenn er sich an seinen ersten Besuch in einer Stadt erinnere, den er ganz allein gemacht habe, so sei jede seiner Erinnerungen dennoch stets von dem gefärbt, was Freunde ihm zu dieser Stadt erzählt hätten: "Um mich besser zu erinnern, wende ich mich ihnen zu, mache mir zeitweilig ihre Denkungsart zu eigen."

[...]

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