Bitte warten
Bitte installieren Sie den Flash Player, wenn kein E-Book erscheint.
Autor: Carsten Wacker
Fach: Wirtschaft - BWL - Allgemeines
Details
Institution/Hochschule: Hochschule Pforzheim
Tags: Altruismus, Fairness, Eigennutz, Welche, Faktoren, Halndeln, Menschen, Fragen, Wirtschaftstheorie
Jahr: 2004
Seiten: 20
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 22 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 587 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-39252-5
ISBN (Buch): 978-3-638-74982-4
Zusammenfassung / Abstract
Stellen sie sich vor, jemand bietet Ihnen 100 € an. Sie müssen nur entscheiden, wie viel sie mit einer anderen Person teilen wollen. Es gibt strenge Regeln. Es können keine Informationen ausgetauscht werden, und sie können nur ein Angebot machen. Der Andere kann das Angebot annehmen oder nicht. Wenn es nicht angenommen wird erhalten Beide gar nichts. Was würden sie tun? Würden sie 50% abgeben? Das wäre fair, nicht wahr? Oder versetzen sie sich in die Lage des Anderen; würden sie 10 € nehmen und den Anderen mit 90 € „davon kommen lassen“, oder 5 €? Immerhin besser als gar nichts? Und bedenken sie, es dürfen keine Absprachen gemacht werden. Was würden sie tun? Dieses sogenannte Ultimatum-Spiel gehört zu einer wachsenden Disziplin der Wirtschaftswissenschaften, der experimentellen Wirtschaftstheorie. Es geht um die Frage, wie sich Menschen unter bestimmten Bedingungen als Wirtschaftssubjekt verhalten und was sie beeinflusst. Clemenceau sagte einmal, dass der Krieg zu wichtig sei, um ihn den Generälen zu überlassen. Auch wenn es um Moral geht, sollte man diese Frage nicht den Philosophen überlassen. Besonders, wenn es um die Moralität der Märkte geht. In Zeiten, in denen Betriebsrenten kippen und Manager sich selbst bedienen ist die Frage nach Moralität eine sowohl brisante als auch sehr aktuelle. Handelt der Mensch nach dem bekannten Homo Oeconomicus Prinzip und ist nur auf sein eigenes Interesse bedacht, oder „...spielen auch soziale Motive wie Altruismus, Fairness, Reziprozität oder Neid eine Rolle? Durch die Entwicklung der experimentellen Wirtschaftsforschung ist es heute möglich, diese Frage systematisch zu untersuchen.“ (FALK, 2001a)
Textauszug (computergeneriert)
Wirtschaftspolitisches Seminar
Sommersemester 2004
Menschliches Verhalten in Theorie und Erfahrung
Grundlagen und ausgewählte Fragen der experimentellen Wirtschaftstheorie III:
Altruismus, Fairness
und
Eigennutz
Carsten Wacker,
Werbung (Marketing und Kommunikationsforschung)
Gliederung
1 EINLEITUNG 2
1 DIE METHODE DER EXPERIMENTELLEN WIRTSCHAFTSFORSCHUNG 2
2 HISTORISCHE RÜCKSCHAU 3
3 GRÜNDE DES VERHALTENS 5
4 EXPERIMENTELLER NACHWEIS VON VERHALTENSPRINZIPIEN 7
4.1 Belohnen und Bestrafen 7
4.2 Reziprozität und die Rolle von Intention und Verfahren 8
4.3 Reziprozität in Gruppen 10
4.4 Reziprozität und Eigennutz 11
5 IMPLIKATION FÜR DIE WIRTSCHAFT 12
5.1 Steuermoral als bedingte Kooperation 12
5.2 Akzeptanz von sozialpolitischen Maßnahmen 14
6 ZUSAMMENFASSUNG UND SCHLUSSBEMERKUNG 15
7 ANLAGE 16
8 QUELLENVERZEICHNIS 18
1 Einleitung
Stellen sie sich vor, jemand bietet Ihnen 100 € an. Sie müssen nur entscheiden, wie viel sie mit einer anderen Person teilen wollen. Es gibt strenge Regeln. Es können keine Informationen ausgetauscht werden, und sie können nur ein Angebot machen. Der Andere kann das Angebot annehmen oder nicht. Wenn es nicht angenommen wird erhalten Beide gar nichts. Was würden sie tun? Würden sie 50% abgeben? Das wäre fair, nicht wahr? Oder versetzen sie sich in die Lage des Anderen; würden sie 10 € nehmen und den Anderen mit 90 € „davon kommen lassen“, oder 5 €? Immerhin besser als gar nichts? Und bedenken sie, es dürfen keine Absprachen gemacht werden. Was würden sie tun?
Dieses sogenannte Ultimatum-Spiel gehört zu einer wachsenden Disziplin der Wirtschaftswissenschaften, der experimentellen Wirtschaftstheorie. Es geht um die Frage, wie sich Menschen unter bestimmten Bedingungen als Wirtschaftssubjekt verhalten und was sie beeinflusst.
Clemenceau sagte einmal, dass der Krieg zu wichtig sei, um ihn den Generälen zu überlassen. Auch wenn es um Moral geht, sollte man diese Frage nicht den Philosophen überlassen. Besonders, wenn es um die Moralität der Märkte geht. In Zeiten, in denen Betriebsrenten kippen und Manager sich selbst bedienen ist die Frage nach Moralität eine sowohl brisante als auch sehr aktuelle. Handelt der Mensch nach dem bekannten Homo Oeconomicus Prinzip und ist nur auf sein eigenes Interesse bedacht, oder „...spielen auch soziale Motive wie Altruismus, Fairness, Reziprozität oder Neid eine Rolle? Durch die Entwicklung der experimentellen Wirtschaftsforschung ist es heute möglich, diese Frage systematisch zu untersuchen.“ (FALK, 2001a)
1 Die Methode der experimentellen Wirtschaftsforschung
Zu Beginn ist festzustellen, dass die Ökonomik nicht zu den als klassisch bekannten Wissenschaften gehört, in denen Experimente eine entscheidende Rolle spielen. Aus der Psychologie aber weiß man zum Beispiel, dass auch außerhalb der Naturwissenschaften Experimente zum Einsatz kommen.
Beim Begriff „ökonomisches Experiment“ denkt man assoziativ eher an die Hartz Kommission oder die letzte Steuerreform, als an einen Laborversuch. Die Aufgabe der experimentellen Wirtschaftstheorie besteht darin, verschiedene Verhaltensweisen unter vorgegeben Bedingungen zu analysieren. Um dem ganzen Thema etwas Leben einzuhauchen, soll ein konkretes Beispiel betrachtet werden.
In Zeiten von eBay ist die Auktion kein Fremdwort mehr. Im ökonomischen Sinne wäre eine ideale Auktion, wenn es immer nur dann zu einem Handel kommt: „...wenn dadurch ein Effizienzgewinn erzielt werden kann, d.h. wenn es mindestens einen Bieter gibt, für den das zu versteigernde Gut einen höheren Wert besitzt als für den Verkäufer.“ ( WEIMANN, 2003, 9-15)
Eine Auktion sorgt außerdem dafür, dass das Gut an den Bieter mit der höchsten Zahlungsbereitschaft geht, weil der Effizienzgewinn dort sein Maximum erreicht. So werden also z.B. Auktionen im Labor durchgeführt. Es gibt gewisse Spielregeln, welche in verschiedenen Experimenten modifiziert werden. Dies sind die Bedingungen, unter denen nun die verschiedenen Verhaltensweisen analysiert werden. Zu einem Experiment werden Gruppen von Teilnehmern eingeladen, welche im Labor Anweisungen, den genauen Ablauf des Experiments und die Entscheidungs- und Auszahlungsregeln bekommen. Um sicher zu stellen, dass alle Teilnehmer die Regeln verstanden haben, müssen sie vor dem Experiment Testfragen beantworten. Wenn die Teilnehmer mit den Regeln vertraut sind, beginnt das eigentliche Experiment oder Spiel. Alle Teilnehmer bekommen gemäß der Auszahlungsfunktion tatsächliches Geld. Jede Entscheidung hat also Konsequenzen auf die Geldmenge der Teilnehmer. Dieser Faktor gibt dem Experiment auch einen wirtschaftswissenschaftlichen Charakter. Im Gegensatz zu Umfragen geht es hier nicht um mehr oder weniger wahre Behauptungen, sondern um reales Handeln mit all seinen Konsequenzen.
2 Historische Rückschau
Der Nobelpreis 2002 für Ökonomie wurde von der Schwedischen Akademie der Wissenschaft an Daniel Kahneman und Vernon Smith verliehen.
Ihre grundlegende Arbeit auf dem Gebiet der experimentellen Wirtschaftsforschung war ein vorläufiger Höhepunkt einer kurzen Geschichte der wissenschaftlichen Methodik, die heutzutage nicht mehr wegzudenken ist. Die Frage nach dem Beginn dieser Epoche ist nicht ganz einfach und nach Weimann: „...vielleicht auch gar nicht nötig .“ (WEIMANN, 2003, 9-15). Einer der bedeutendsten Ökonomen auf dem Gebiet der experimentellen Forschung, AL Roth, hat die Suche nach dem Ursprung einmal mit der Entdeckung Amerikas verglichen. Denn Kolumbus war sicher nicht der erste, der die „Neue Welt“ entdeckte, aber er war der letzte, denn nach ihm war Amerika von so großer Bedeutung. Es war nicht mehr wegzudenken und konnte nicht noch einmal endeckt werden.
Somit stellt sich die Frage nach dem Kolumbus der experimentelle Forschung. Die Amerikaner verkünden (wie sonst auch), dass er aus ihren Reihen stammt und verweisen auf Edward Chamberlin und seine Publikation aus dem Jahre 1948. Davis und Holt weisen 1993 aber darauf hin, dass er in seinem Buch „The Theory of Monopolistic Competition“ seine Arbeiten nur in der achten Auflage mit einer kurzen Fußnote bemerkt. Das heißt, dass seine Publikation nicht nur von ihm weitestgehend unbeachtet blieb.
Allerdings setzte er die Methode des Experiments in seinem Unterricht ein, was Folgen haben sollte. Denn unter den teilnehmenden Studenten war auch Vernon Smith, eben jener, der 2002 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Vernon Smith hat mit seinen ersten Arbeiten, die Ende der fünfziger Jahre entstanden sind, großen Anteil daran genommen, dass sich die experimentelle Wirtschaftsforschung durchsetzen konnte. Jedoch gab es auch in Deutschland Entwicklungen.
[...]
Kommentare
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden: