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Scholary Paper (Seminar), 2005, 30 Pages
Author: Christian te Koning
Subject: History - Empire, Imperialism
Details
Institution/College: Carl von Ossietzky University of Oldenburg
Tags: Boxeraufstand, Niederschlagung, Expeditionskorps, Bündnis, Zeit, Proseminar
Year: 2005
Pages: 30
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 29 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-39407-9
ISBN (Book): 978-3-638-84047-7
File size: 1396 KB
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Abstract
Der Imperialismus gegen Ende des 19. Jahrhunderts ist einer der Gründe, die schließlich zum Ersten Weltkrieg führten. Das Besondere am Boxeraufstand war, dass zum letzten Mal vor dem Ersten Weltkrieg die Kolonialmächte vereint intervenierten, um ihre gemeinsamen Interessen zu wahren. Zu mindest scheint es im ersten Augenblick so. Es zeichneten sich, besonders Vorort, erhebliche Spannungen ab und es wird schnell klar: Diese Koalition war eine schnell zustande gekommene Zweckgemeinschaft. Ein aus der Not heraus geborenes Bündnis, bei dem es nicht ausschließlich um die Niederschlagung eines Aufstandes ging. Seit dem deutsch-französischen Krieg 1870-1871 gab es keine Auseinandersetzungen mehr auf europäischen Boden. Diese Tatsache bescherte im Zuge der Industrialisierung, Europa einen Wirtschaftsboom der nun auch weniger etablierte Kolonialmächte veranlasste ihre Herrschaftsgebiete auszudehnen. Deutlich wird dies besonders durch die Expansionsabsichten des Deutschen Reiches. Unschwer lässt sich jedoch erkennen, dass die Weltkarte jener Zeit nicht mehr viele Gebiete der Erde hergab, die hätten aufgeteilt werden können. Es stellt sich also die Frage: Warum ist der asiatische Raum erst so spät für die Kolonialmächte interessant geworden? Wie kam es schließlich zum Boxeraufstand? Es gibt wohl kaum einen vergleichbaren Fall, in dem sich die Kolonialmächte in der Aufteilung und Ausbeutung eines Landes so einig waren wie in China.
Excerpt (computer-generated)
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Proseminar „Der große Krieg 1914-1918“
Der erste Weltkrieg in seinen regionalen und internationalen Zusammenhängen
Der Boxeraufstand und seine Niederschlagung durch
das internationale Expeditionskorps -
Ein typisches Bündnis jener Zeit?
Christian te Koning
2. Semester
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 3
1.1 Themendarstellung ... 3
1.2 Vorwort... 4
2. Historischer Rückblick ... 6
2.1 Vorgeschichte ...6
2.2 „Scramble for China“ ... 8
2.3 Die Boxerbewegung ... 10
3. Der Boxeraufstand... 13
3.1 Verlauf der Auseinandersetzungen und die internationale Strafexpedition .. 13
3.2 Die Folgen ... 19
4. Auswertung der Fragestellung... 21
4.1 Warum war eine gemeinsame Intervention nötig? ... 21
4.2 Einigkeit in allen Belangen der „chinesischen Frage“?... 23
5. Schlussbetrachtung ... 25
Anhang ... 29
1. Einleitung
1.1 Themendarstellung
Wie wir bereits einige Male in unserem Seminar feststellen konnten, ist der aufkeimende Imperialismus gegen Ende des 19.Jahrhunderts einer der Gründe die schließlich zum ersten Weltkrieg führten. Das besondere am Boxeraufstand war, dass es sich zum letzten Mal vor dem ersten Weltkrieg um eine gemeinsame Intervention der Kolonialmächte für gemeinsame Interessen handelte. Zu mindestens scheint es im ersten Augenblick so! Es zeichneten sich Spannung ab, die zwar noch nicht die Heftigkeit erreichten wie z.B. die späteren Marokkokrisen, aber dennoch wird klar, dass diese Koalition eine schnell zustande gekommen Zweckgemeinschaft ist, die aus der Not heraus geboren wurde, bei der es nicht nur um die Niederschlagung eines Aufstandes ging. Dennoch gibt es wohl kaum einen vergleichbaren Fall in dem sich die Kolonialmächte in der Aufteilung und auch Ausbeutung eines Landes so einig waren wie in China.
Besonders die Beziehungen und Wechselwirkungen von Kapitalismus, Imperialismus und Modernisierung, die mit Blick auf unser Seminarthema ja genau die Situation beschreibt die für den ersten Weltkrieg von Bedeutung ist, wollte ich dabei herausarbeiten. Dies gestaltete sich schwierig, da man in der Literatur viele verschieden Ansätze und Perspektiven zur Beleuchtung des Themas findet. In der vorliegenden Arbeit habe ich mich bemüht nur auf die wichtigsten Fakten und die für mein Thema relevanten Dinge einzugehen. Dies ist auch der Grund dafür, dass ich einige Aspekte, die mir selbst wichtig erschienen, für die Beschreibung des Boxeraufstandes weglassen musste, da sie sonst den Rahmen gesprengt hätten. Dazu gehören z.B. die nicht unwichtige Rolle christlicher Missionare vor und während des Aufstandes oder der aufkeimende China Hass Mitte des 19. Jahrhunderts in Europa, der mit der größtenteils eher unfreiwilligen Migration vieler chinesischer Arbeiter ins Ausland zu tun hatte (Kuli-Handel, Zwangsrekrutierung- und Verschleppung z.B. nach Südafrika oder Amerika und der damit verbunden und auch von den Regierungen oder Zeitungen geschürten Angst in Europa vor der `gelben Gefahr`, `billige Konkurrenz` auf dem Arbeitsmarkt zu bekommen). Des Weiteren habe ich darauf verzichtet auf die innenpolitische Probleme des chinesischen Kaiserhofes einzugehen oder die Politik europäischer, insbesondere deutscher Eisenbahn und Kohlebergbau Gesellschaften zu erläutern. Nicht eingegangen bin ich außerdem auf die Ursprünge des Aufstandes in der deutschen Musterkolonie Kiautschou. Ich bin bei meinen Recherche n oft auf verschiedene Schreibweisen chinesischer Ausdrücke gestoßen, die es mir zu Anfang schwierig machten, bestimmte Ereignissen oder Personen eindeutig zu zuordnen. Um Missverständnisse zu vermeiden, habe ich mich bemüht möglichst immer dieselbe Schreibweise zu benutzen oder sie zum besseren Verständnis zu erklären. Um einen Einblick und festen Zeitrahmen zu bekommen und die Geschehnisse des Boxeraufstandes besser zu verstehen, habe ich den Punkt 2.0 Vorgeschichte angelegt und fange dort um 1800 an. Auf die Folgen des Aufstandes wird in Punkt 3.2 eingegangen. Der Schwerpunkt der Arbeit soll jedoch in der gemeinsamen Intervention und den Antrieb den es dafür gab liegen, der in der Auswertung der Fragestellung näher beschrieben wird. Einige Bilder sind, zur besseren Druckqualität, mit Photoshop 7.0 bearbeitet oder gespiegelt worden. Die Bilder sind alle mit Internet- oder Literatur Quellen versehen. Aus Platzgründen hab ich auf genaue Buchangaben bei den Bildern verzichtet, sie sind aber im Literaturverzeichnis aufgeführt.
1.2 Vorwort
Die Tatsache das es seit dem deutsch-französischem Krieg 1870-1871 keine Auseinandersetzungen auf europäischen Boden gab, bescherte im Zuge der Industrialisierung, Europa einen Wirtschaftsboom der nun auch weniger etablierte Kolonialmächte veranlasste ihre Herrschaftsgebiete auszudehnen. Deutlich wird dies durch die Expansionsgelüste des deutschen Reiches. Nach der Absetzung Bismarcks und der Abkehr von dessen Diplomatiebemühungen innerhalb Europas, bestimmte die Politik des „Neuen Kurses“1 Kaiser Wilhelm II die deutsche Außenpolitik. So formulierte beispielsweise der spätere Reichskanzler Bernhard Graf von Bülow als Staats- Sekretär 1897 in einer Reichstagsrede: „Wir wollen niemanden in den Schatten stellen, doch fordern auch wir unseren Platz an der Sonne!“2 Schaut man sich jedoch die Weltkarte jener Zeit an, wird man feststellen, dass es nicht mehr viele Gebiete der Erde gab die aufgeteilt werden konnten. Es stellt sich die Frage warum der asiatische Raum erst so spät für die Kolonialmächte interessant geworden ist und wie es schließlich zum Boxeraufstand kam. In Asien betrieben China und Japan lange Zeit eine Politik der Isolation und wünschten keinen Kontakt mit der westlichen Welt. Bei China handelte es sich um ein Kaiserreich, das bereits lange Zeit vor dem römischen Reich existierte und den europäischen Mächten bis zur Industrialisierung in nichts nachstand. Auch aufgrund dieser Tatsache war es lange Zeit schwierig für die Kolonialmächte gegen eine bereits bestehende Hegemonialmacht, wie es China nur einmal war, vorzugehen. Anders wie z.B. in Afrika.3
China bezeichnet sich, bis heute, als Reich der Mitte und sah lange Zeit alle nicht Chinesen als Barbaren an. Bereits Friedrich der Große versuchte mit dem chinesischen Kaiserreich Kontakt aufzunehmen. „Die Sinesen, die vorhero schon gehört haben von den Preußen, haben sich sehr gefreut diese Nationen auch kennen zu lernen “ berichtete ein Augenzeuge der mit der eigens gegründeten Preußisch-Asiatischen-Handlungskompanie China besuchte4. Als der Preußen- König die Beziehungen jedoch intensivieren will, wird er eiskalt abgewiesen. Zu Groß ist die Angst Chinas vor fremden Einflüssen. Während Japan nach erzwungener Öffnung eine sehr schnelle Anpassung vollzog und bald als Juniorpartner im Konzert der großen mitspielte, verpasste China diese Chance! Aufgrund dieser verpassten Industrialisierung wiederum, sahen die Kolonialmächte natürlich die Schwäche einer `unzivilisierten, barbarischen` Nation, der man unbedingt helfen müsse. Dies stand im krassen Gegensatz zum vorherigen Jahrhundert, wo man im Zeitalter der Aufklärung, Bewunderung für die chinesische Kultur in Europa empfand. Voltaire glaubte gar ein Vorbild für eine vernunftsbestimmte Staatsführung im chinesischen Staatsapparat zu erkennen. Dies änderte sich jedoch bald. Europa hatte nun das Bild vom korrupten, ignoranten China, das unfähig war die Stagnation aus eigener Kraft zu überwinden. Die Chinesen seien ein Volk „des ewigen Stillstandes“ findet der Historiker Leopold von Ranke, und der Philosoph Johann Gottfried Herder beschimpft das Land als „balsamierte Mumie“.5 Je Schwieriger es nun für China wurde die eigenen Interessen durchzusetzen, desto leichter fiel es den Kolonialmächten ihre zynische Politik zu rechtfertigen. In aller erster Linie ging es dabei China in Macht-, Wirtschafts- und Interessenzonen aufzuteilen.6
[...]
1 Zur näheren Erläuterung des „Neuen Kurses“ siehe H. M. Müller „Schlaglichter der deutschen Geschichte“ Zentrale für politische Bildung ,dritte Auflage,1996, S.203
2 Vgl. www.ggrs.com/essays/imperialismus.html
3 Siehe auch Osterhammel „China und die Weltgesellschaft“ C.H. Beck `sche Verlagsbuchhandlung München,1989, S.1-40
4 Vgl. Spiegel Special 5/2004 „China-Aufstieg zur Weltmacht“ Ausgabe November 2004, S. 67/ zur Vertiefung siehe auch. G.F. Willing, „Neuste Geschichte Chinas-1840 bis heute“ Schöningh Verlag, Paderborn 1975, S. 7-21
5 Zitat Spiegel Special 5/2004 „China-Aufstieg zur Weltmacht“ Ausgabe November 2004, S. 67
6 Siehe auch. N.P. Petersson „Imperialismus und Modernisierung. Siam, China und die europäischen Mächte 1895-1914“, R. Oldenbourg Verlag München 2000,Band 11, S. 23-35
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