Race, Class, Gender: Das Selbstverstaendnis des weißen Feminismus close

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Details

Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2003
Seiten: 17
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 13  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 310 KB
Archivnummer: V41204
ISBN (E-Book): 978-3-638-39508-3

Textauszug (computergeneriert)

 

Humboldt Universität zu Berlin
Philosophische Fakultät III
Institut für Sozialwissenschaften

Birgit Rommelspacher 
Analyse des weiblichen Bezugs zum
Antisemitismus und Rassismus

Seminar: 
Feministische Theorien in den Sozialwissenschaften 

Race, Class, Gender: 
Das Selbstverständnis des weißen Feminismus

von Sylvia Werner

 

 

Gliederung

1. Einleitung 3

2. Der weibliche Bezug zum Antisemitismus und Rassismus 5

2.1. Frauen als Nicht-Beteiligte und (Mit-) Täterinnen 5

2.2 Frauen als Widerstandskämpferinnen 7

2.3 Die Opferrolle 8

2.4 Frauen als Minderheit 10

2.5 Dominanzkultur 11

3. Schlusswort 13

4. Haupt- und Zusatzliteratur 16

 

 

1. Einleitung

Die Debatte, ob Rasse oder Geschlecht das zentrale Moment der Unterdrückung sei, hat schwarze und weiße Frauen in den früheren und aktuellen Befreiungskämpfen getrennt. Die feministische Rassismusforschung befindet sich bei uns noch relativ in den Anfängen. Das Thema Frauen im Nationalsozialismus wurde als eines der ersten in der historischen Frauenforschung Ende der siebziger Jahre aufgegriffen. Während dieses Thema noch Mitte der achtziger Jahre die Gemeinsamkeiten aller Frauen, das „Wir“, betonte, werden in der aktuellen Rassismusdebatte Differenzen und rassistisch begründete Machtstrukturen zwischen Frauen problematisiert. Birgit Rommelspacher1 (1994a) versucht in ihrem Text „Das Selbstverständnis des weißen Feminismus“ eine eigenständige Beziehung der Frau zum Rassismus und Antisemitismus aufzudecken, indem sie bestehende Denkansätze einiger Feministinnen erläutert und analysiert. Rommelspacher stößt bei ihrer Recherche oft an die patriarchalen Grenzen, da sich der historische Blick der Forscherinnen zentral auf das Geschlechterverhältnis konzentriert. 

Das Verhalten der Frau wird fortwährend in ihrer Beziehung zum Mann abgeleitet, was keinesfalls genügt. Sie warnt davor den Feminismus in eine ideologische Sackgasse zu fahren. Viele Glaubenssätze und Denkgewohnheiten sind erstarrt und folgen nicht mehr der sich fortwährend wandelnden Umwelt. Mit dieser Argumentation erklärt Naomi Wolf (1993) daneben die relativ anhaltende Ablehnung des oft falsch verstandenen Begriffs Feminismus. Die Angst vor dem dogmatischem Charakter und der alternativlosen Gegenüberstellung eines ideologischen Frauenkatalogs mit Grundsätzen und Rechten gefährdet den politischen Ruf des Feminismus. Viele Frauen unterstützen die Ziele der Frauenforschung, identifizieren sich jedoch nicht mit der Bezeichnung „Feministin“ an sich. Ebenso wenig wie sie sich von sexistischen Stereotypen definieren lassen, lehnen sie auch feministische Stereotype ab. Jedoch eben dieser Wunsch nach einer individuellen Persönlichkeitsausprägung ist der ursprüngliche Wortsinn des Feminismus:


Die Bereitschaft von Frauen sich für die Durchsetzung ihre Bedürfnisse politisch einzusetzen. 

Wolf konstruiert in diesem Sinne den Power-Feminismus2, den sie als aktive Alternative, zum mittlerweile überholten Opfer-Feminismus3 stellt. So wie sich der Feminismus seit jüngster Zeit der ideologischen Starrsinnigkeit stellen muss, werden nun auch, insbesondere während der ausgiebig diskutierten Opfer -Täter -Debatte, rassistische Vorwürfe laut. Feministische Selbstverständlichkeiten wie Gleichberechtigung in Familie und Beruf, Emanzipation und Autonomie werden von nicht-weißen Frauen und Frauen unterhalb des Mittelstandes inhaltlich hinterfragt und kritisiert, da sie sich mit dem weißen, westlichen, mittelständigen Feminismus nicht identifizieren können.

Die gleichberechtigte Einbeziehung von Klasse und Rasse in die feministische Theorie scheint auch heute noch oft ein Problem darzustellen. Das Geschlechterverhältnis wird bei der gesellschaftlichen Analyse der Frauenforschung aus anderen Herrschaftsverhältnissen herausgelöst. Das Patriarchat ist permanent von zentraler Bedeutung und gilt als universale Erklärungsstruktur der feministischen Kritik. Der Feminismus ist unvermeidlich selektiv und geschichtsblind. Das wissenschaftliche Interesse wird leider nur auf den angelsächsischen Raum beschränkt, andere geographisch-kulturelle Räume, die insbesondere sehr differente historische, gesellschaftliche und politische Prozesse und Traditionen haben , werden außen vor gelassen.

Das wird vor allem in dem hier zu behandelnden Ausgangstext von Birgit Rommelspacher (1994a) verständlich. Sie skizziert drei Konzepte der Beziehung der Frau zur Gewalt: Frauen als Nicht-Beteiligte, als Minderheit und als Mittäterinnen, welche ich im Hauptteil meiner Hausarbeit vorstellen werde.

Die anhaltende Gewalt gegenüber Frauen übersteigt immer noch das Ausmaß an rassistischer Gewalt, jedoch sehen sich Frauen lange nicht mehr nur als Opfer (Opferrolle siehe 2.2), auch wenn diese Auffassung in breiten feministischen Kreisen immer noch vorherrschend ist. Frauen sind in die Domänen der Männer eingedrungen und wehren sich gegen Gewalt, jedoch wie stehen sie der Gewalt an sich gegenüber1

Selbst in neuzeitlichen Statistiken gehen Massaker, Mord und Totschlag fast ausschließlich auf das Konto von Männern, ebenso die Organisierte Kriminalität, der Sex-Tourismus, sexueller Missbrauch und Hooliganismus. In Deutschland sind bei Betrug 99 Prozent der Fälle Männer die Täter. Männer werden neunmal häufiger kriminell als Frauen (Der Spiegel, S. 151).

Jedoch ist rechtsextreme Gewalt tatsächlich allein Männersache? Wie erklären sich das Selbstverständnis und die Eindimensionalität des weißen Feminismus? Die in den Anfängen vorherrschende Denkrichtung, welche Frauen generell als Opfer identifiziert und Männer komplementär dazu als Täter festsetzt, ist mittlerweile abgelöst von dem Versuch dem eigenen bewussten Handeln der Frauen auf die Spur zu kommen. Jedoch in dem schweren nationalsozialistischen Erbe Deutschlands ist es noch Gewohnheit männliche Ideologien und Motive für das weibliche Verschulden verantwortlich zu machen.

[...]


1 Prof. Dr. Birgit Rommelspacher ist am 3.7.1945 in Rammingen bei Ulm geboren. Sie lehrt zurzeit als Professorin für Psychologie mit dem Schwerpunkt Interkulturalität und Geschlechterstudien an der Fachhochschule für Sozialarbeit „Alice Salomon“ in Berlin-Hellersdorf. (http://www.birgitrommelspacher. de/vita.html )

2 Nach Wolfs Definition soll der Power-Feminismus die weibliche Solidarität aus dem Gefühl der Stärke, der Aktivität und des Optimismus heraus ermutigen, dessen Basis die Toleranz und Achtung der weiblichen Individualität bildet.

3 Der Opfer-Feminismus symbolisiert, nach Wolf, das allgemeine Streben nach Macht, indem die Ohnmacht und die Opferrolle der Frauen in den Vordergrund gestellt und komplementär dazu das männliche Geschlecht als herrschsüchtig und aggressiv dargestellt wird

Kommentare

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