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Autor: Dorothea Richter
Fach: Pädagogik - Päd. Psychologie
Details
Tags: Entstehungsbedingungen, Essstörungen, Falle, Anorexia, Bulimia
Jahr: 2004
Seiten: 95
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 96 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 488 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-39551-9
ISBN (Buch): 978-3-638-72131-8
Zusammenfassung / Abstract
Abstrakt Mittelpunkt der theoretischen Magisterarbeit ist die Thematik der Essstörungen, speziell der Anorexia nervosa und Bulimia nervosa. Essstörungen werden dabei als multidimensionales und multikausales Phänomen angesehen. Die Arbeit gliedert sich in 12 Kapitel. Zu Beginn steht die Abgrenzung von gestörtem und normalem Essverhalten. Anhand diagnostischer Kriterien werden die verschiedenen Arten von Essstörungen als auch somatische wie soziale Folgeerscheinungen und psychische Symptome beschrieben. Basierend auf epidemiologische Angaben, ein kurzer Exkurs zur Sozialgeschichte der Störungen werden verschiedene Theorien zur Ätiologie (psychoanalytischer, persönlichkeitstheoretischer, soziokultureller, gesellschaftlicher sowie biologisch genetischer Ansatz) mit einem besonderen Fokus auf die Familiendynamik im Zusammenhang mit der Magersucht beschrieben. In einer modellhaften Zusammenfassung werden auslösende Faktoren dargestellt, ehe die Essstörungen schließlich als Bewältigungs- und Problemlösestrategien interpretiert werden. Die Arbeit endet mit dem Fazit, das im Wesentlichen anregen soll, die Familienforschung (Familiendynamik) im Kontext von Essstörungen weiter zu betreiben, da viele Befunde in diesem Feld noch uneindeutig sind.
Textauszug (computergeneriert)
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Fakultät für Sozial- und Verhaltenswissenschaften
Institut für Erziehungswissenschaften
- Entstehungsbedingungen bei Essstörungen -
im Fall der Anorexia nervosa und Bulimia nervosa
Magisterarbeit
zur Erlangung des akademischen Grades Magistra Artium (M.A.)
vorgelegt von
Dorothea Richter
2004
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis ... 4
1. Einleitung ... 5
2. Vorwort ... 7
3. Essstörungen in Abgrenzung zu „normalem“ Essverhalten ... 9
4. Arten von Essstörungen ... 11
4.1 Anorexia nervosa ... 11
4.2 Bulimia nervosa ... 12
4.3 Sonstige Essstörungen ... 13
5. Symptomatik ... 16
5.1 Somatische Folgeerscheinungen bei Anorexie und Bulimie ... 16
5.2 Psychische Symptome ... 17
5.3 Soziale Folgeerscheinungen ... 18
6. Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Essstörungen ... 21
7. Zahlen zu Essstörungen ... 22
7.1 Epidemiologie ... 22
7.2 Prognose, Mortalität und Todesursachen ... 23
8. Keine Krankheiten der Neuzeit ... 25
9. Theorien zur Ätiologie ... 27
9.1 Der Psychoanalytische Ansatz ... 29
9.1.1 Das ambivalente Verhältnis zur Mutter ... 30
9.1.2 Der Gewinn durch das Symptom ... 30
9.1.3 Kritik am psychoanalytischen Ansatz ... 31
9.2 Der persönlichkeitstheoretische Ansatz ... 32
9.2.1 Das Selbstwertgefühl ... 33
9.2.2 Körperschemastörung ... 33
9.3 Der soziokulturell-gesellschaftliche Ansatz ... 36
9.3.1 Kulturtheoretische Aspekte ... 36
9.3.2 Der Feministische Ansatz ... 39
9.4 Der Biologisch-genetische Ansatz ... 41
9.4.1. Schwellensituation Pubertät ... 41
9.4.2 Biophysiologische Aspekte ... 42
9.4.3 Der Genetische Ansatz ... 46
9.4.4 Komorbidität ... 46
9.5. Der Familiendynamische Ansatz ... 49
9.5.1 Die Magersuchtsfamilie ... 49
9.5.2 Besonderheiten in der Familiendynamik ... 55
9.5.3 Sexueller Missbrauch ... 72
10. Auslösende Faktoren einer Essstörung ... 74
11. Essstörungen als Bewältigungs- und Problemlösestrategie ... 76
11.1 Realitätsbewältigung durch Sucht und Flucht ... 76
11.1.1 Essstörungen – Krankheiten mit Suchtcharakteristik ... 77
11.1.2 Verhaltensweisen Süchtiger ... 77
11.2 Aufrechterhaltende Faktoren der Magersucht und Bulimie ... 79
11.3 Funktionen von Essstörungen ... 80
11.3.1 Funktionen der Magersucht ... 81
11.3.2 Die Funktionen der Bulimie ... 83
12. Fazit ... 85
Literatur- und Internetnachweise ... 87
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1 Diagnostische Kriterien der Anorexia nervosa nach ICD-10
Abb. 2 Diagnostische Kriterien der Bulimia nervosa nach DSM-IV
Abb. 3 Kontinuum der Essstörungen
Abb. 4 Ätiologische und krankheitsaufrechterhaltende Faktoren bei der Bulimia nervosa
Abb. 5 Anorexia als multikausale Krankheit
Abb. 6 Störungsmodell für Anorexia und Bulimia nervosa
Quaeris, quare te fuga ista non adiuvet? Tecum fugis.
(lat. Ausspruch: Du fragst, warum dir deine Flucht nicht hilft? Du nimmst dich selber mit.)
1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den Entstehungsbedingungen von Essstörungen, im Besonderen den von Anorexia nervosa und Bulimia nervosa, mit dem Hauptaugenmerk auf Anorexie. Zuerst werden die einzelnen Essstörungen vorgestellt, wobei auf die bekanntesten Exponenten der Essstörung, die typische Anorexie und die typische Bulimie ausführlich und auf andere Essstörungen der Vollständigkeit wegen nur kurz eingegangen wird. Das Phänomen Essstörung ist äußerst komplex. Damit sich der Leser ein Bild von der Schwere und Ernsthaftigkeit der Krankheitsbilder machen kann und um zu zeigen, dass es sich nicht nur um einen Abnehm-Tick bei skeletthaft aussehenden Mädchen oder um „fressende“ und „kotzende“ Frauen handelt, werden sowohl psychische, physische und soziale Folgeerscheinungen als auch epidemiologische und prognostische Daten aufgezeigt. Dass sich Essstörungen nicht explizit voneinander trennen lassen und mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede aufweisen, wird anschließend in einem gleichnamigen Kapitel beleuchtet.
Essstörungen sind nach heutigen Erfahrungen keinesfalls auf nur eine Ursache zurückzuführen. Sie stellen einen Fall eines multikausal bedingten Krankheitsbildes dar, in dessen Genese gesellschaftliche, soziokulturelle, familiendynamische und persönlichkeitsspezifische Faktoren hineinspielen ist. Aufgrund der multifaktoriellen Entstehungsbedingungen ist es nicht ausreichend, nur einen Ansatz für die Herausbildung schwerwiegender Krankheitsbilder heranzuziehen. Deshalb werden diverse Theorien zur Ätiologie von Magersucht und Bulimie aufgezeigt. Zur Klärung der Entstehung von Anorexie und Bulimie werden diverse Theorien vorgestellt und genauer beleuchtet, unter anderem der psychoanalytische und der biologische Ansatz. Der Schwerpunkt der Theorien soll der familiendynamische Ansatz sein. Da Essstörungen bei den Betroffenen häufig in der Pubertät zum Ausbruch kommen, das heißt in einem Alter, in dem die Mädchen noch in ihrer Herkunftsfamilie leben, scheinen die familiären Rahmenbedingungen ganz offensichtlich von Bedeutung für die Genese einer Essstörung zu sein. Familien mit psychosomatisch kranken Mitgliedern zeigen scheinbar Verhaltens- und Interaktionsmuster wie auch Strukturmerkmale und Bewältigungsstrategien, mit denen sie sich von „normalen“ Familien stark unterscheiden. In der Arbeit werden spezifische Charakteristika im Interaktionsverhalten, speziell im primären Beziehungsgefüge der Patienten, dargestellt. Anschließend wird auf mögliche auslösende Situationen eingegangen. Dadurch, dass die Betroffenen über Jahre oder gar ein Leben lang an ihrer Krankheit daran festhalten, scheint der spezielle Umgang mit der Nahrung und dem eigenen Körper bestimmte Funktionen zu erfüllen. Welche Funktionen eine Anorexia oder Bulimia nervosa erfüllt, wird im Rahmen der Problemlösestrategien aufgeführt. In diesem Zusammenhang wird die Nähe zur Suchtkrankheit von Magersucht und Ess-Brech- Sucht, wie der Name schon andeutet, vorgestellt und welche Faktoren aufrechterhaltend wirken.
Die Arbeit beleuchtet verschiedene Ansätze, die die Entstehung einer Essstörung verursachen. In welcher Form die Faktoren ineinander greifen und gegenseitige Verstärkerfunktion ausüben ist bislang noch unklar. Aufgrund des jungen Alters der Betroffenen und der massiven Auswirkung auf das jeweilige Familiensystem ist es besonders interessant und relevant, die familiendynamischen Aspekte zu betrachten und weiter zu erforschen.
Da von Essstörungen überwiegend Frauen betroffen sind, wird in der Arbeit überwiegend die weibliche Form benutzt.
2. Vorwort
Die Ernährungssituation hat sich in den letzten Jahrzehnten besonders für die Menschen in den Industrienationen grundlegend gewandelt1. Dem generellen Lebenswandel (beispielsweise veränderte Arbeitszeiten, eine steigende Anzahl von Singlehaushalten) hat sich die Lebensmittelindustrie angepasst. Den Menschen stehen jederzeit und überall Lebens- bzw. Nahrungsmittel in diversen Variationen zur Verfügung, mitunter besteht ein regelrechter Überfluss. Dieses Überangebot an verführerischen (süß, deftig) und schnell verfügbaren (fast food) ess- und trinkbaren Produkten, führt nicht selten dazu, dass Personen entgegen ihrem Hungergefühl geleitet werden. Nicht unwesentlich wird unser Ernährungsverhalten auch von den Medien beeinflusst. Zum einen werden Süßwaren, Fertigprodukte und andere dergleichen leere Kalorienbomben, zum anderen aber werden die aktuellsten und angeblich erfolgversprechendsten Light- und Fitnessprodukte beworben. Einerseits soll der Mensch verführt werden, andererseits wird er dazu angehalten dem gängigen, von den Medien diktierten und verbreiteten, Schönheitsideal zu entsprechen bzw. diesem wenigstens nachzueifern. Die Ernährungsweise des Menschen wird von äußeren Einflüssen stark geleitet. Jedoch nicht allein durch die Medien und die unzähligen Konsummöglichkeiten. Speziell für die Herausbildung einer Essstörung sind das familiäre Beziehungsgefüge und individuelle Faktoren sehr interessante und wichtige, nicht außer Acht zu lassende, Aspekte. Noch immer ungeklärt ist, welche Bedingungen gegeben sein müssen, damit ein Mädchen oder eine junge Frau an einer Essstörung erkrankt. „Jeder dritte Mensch hat einmal im Leben vorübergehend eine Eßstörung“2, das heißt er reagiert mit vermehrtem oder reduziertem Essen auf emotionale Spannungssituationen. Es gibt viele Menschen, die mit ihrem Körper unzufrieden sind und auch in regelmäßigen Abständen Diäten einhalten. Aber nur bei einem geringen Teil entwickelt sich daraus eine Essstörung, die sich dann unter bestimmten Voraussetzungen manifestiert. Nach aktuellen Angaben leiden allein in Deutschland über 100 000 Menschen an Anorexie und 600 000 Menschen an Bulimie, meist Frauen zwischen 15 und 35 Jahren.3 Insgesamt leiden etwa 5 Millionen Frauen und Männer hierzulande an Essstörungen.4 [...]
1 Vgl. Westenhöfer, 1992, S.5.
2 zit. n. Magersucht. In: http://www.wdr.de... am 23.11.2001.
3 Deutsche Institut für Ernährungsmedizin und Diätetik (DIET) In: http://www.hungrig-online.de... am 07.12.2004.
4 zit. n. http://www.magersucht.de... am 07.12.2004.
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