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Autor: Jonas Morgenthaler
Fach: Medien / Kommunikation - Sonstiges
Details
Institution/Hochschule: Albert-Ludwigs-Universität Freiburg (Departement für Gesellschaftswissenschaften)
Tags: Comics, Medium, Sprache, Hauptseminar, Bild, Bedeutung
Jahr: 2005
Seiten: 34
Note: sehr gut
Literaturverzeichnis: ~ 20 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 1624 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-39600-4
ISBN (Buch): 978-3-638-65421-0
Analyse des Mediums "Comic" und dessen spezifischer Bildsprache (mit Beispielbildern und exemplarischer Analyse eines Werks von Marc-Antoine Mathieu).
Zusammenfassung / Abstract
Die Arbeit versteht Comics als eine eigenständige mediale Ausdrucksform und untersucht diese anhand folgender Forschungsfragen: Wie gross ist die Eigenständigkeit des Mediums Comic und was sind dessen Eigenheiten? Wo bestehen Parallelen zu anderen Medien und wo hat sich der Comic selber weiter entwickelt? Was sind die spezifischen Ausdrucksmittel der Comicsprache? Was für ein Verhältnis besteht zwischen Einzelwerk und Gattung bzw. zwischen dem einzelnen Comic und der Medienart? Als Ergänzung dienen folgende Grund legende Fragen: Aus welchen Einzelelementen ist ein Comic aufgebaut? Was für ein Verhältnis besteht zwischen Bild und Wort und was für eines zwischen Wirklichkeit und Fiktion, zwischen der direkt erfahrbaren Welt und den medial vermittelten Comic-Welten? Die Untersuchung ist folgendermassen aufgebaut: In einem ersten Schritt wird eine Definition gesucht, die den verschiedenen Stil- und Ausdrucksformen der Comics Rechnung trägt und dennoch nicht zu allgemein bzw. zu ungenau ist. Der darauf folgende Teil befasst sich mit den oben genannten theoretischen Fragen. Die Untersuchung stützt sich dabei einerseits auf Scott McCloud, Will Eisner und Dietrich Grünewald, die sich direkt mit dem Medium Comics befasst haben, andererseits auf Christian Doelker, der sich allgemein mit dem Bild und seiner Sprache befasst hat. Darauf folgt eine exemplarische Analyse eines einzelnen Werkes aufgrund der im allgemeinen Teil erarbeiteten Theorie. Näher angeschaut wird das Comic „La 2,333e Dimension“ des Autors Marc-Antoine Mathieu. Grund für diese Auswahl sind einerseits dessen inhaltliche sowie gestalterische Eigenständigkeit, andererseits aber auch die Themen seiner Comics. Mathieu beschäftigt sich oft mit Fragen zur Wirklichkeit sowie zur Wahrnehmung und damit auch mit dem Medium Comic selber. Abgeschlossen wird die Arbeit durch eine kurze Zusammenfassung der Ergebnisse und einem Schlusswort.
Textauszug (computergeneriert)
Comics - Ein Medium und seine Sprache
von: Jonas Morgenthaler
INHALTSVERZEICHNIS
1. EINFÜHRUNG
1. 1. Vorbemerkungen und Forschungsfragen
1. 2. Aufbau der Arbeit
2. BEGRIFFSDEFINITION
3. THEORETISCHE AUSEINANDERSETZUNG MIT DEM MEDIUM COMIC
3. 1. Comics in der Medienlandschaft – Eine Einordnung
3. 2. Die Sprache der Comics – Synthese aus verbalen und visuellen Ausdrucksmitteln?
3. 2. 1. Generelle Merkmale
3. 2. 2. Comics als Gesamttexte
3. 2. 3. Bedeutungsebenen und Kodes
3. 3. Wahrnehmung und Vorstellung: Die Erschaffung von Wirklichkeit
4. EXEMPLARISCHE ANALYSE: ‚LA 2,33333E DIMENSION’ VON MARC-ANTOINE MATHIEU
4. 1. Der Autor
4. 2. Analyse des ausgewählten Comics
5. SCHLUSSWORT
6. LITERATURLISTE
6. 1. Primärliteratur
6. 2. Sekundärliteratur
La seule chose que je regrette dans ma vie,
Comics – Ein Medium und seine Sprache Jonas Morgenthaler 2 / 33
c’est de ne pas avoir fait de bandes dessinées.
(Pablo Picasso)
1. Einführung
1. 1. Vorbemerkungen und Forschungsfragen
Das Medium Comic hat es in der Welt der Erwachsenen nicht leicht. Während Comics unter Kindern und Jugendlichen seit langem mit Genuss und ohne Vorurteile gelesen werden, stehen ihnen viele Erwachsenen immer noch skeptisch, ja gar ablehnend gegenüber. Lange Zeit wurde das Medium auch von der Wissenschaft missachtet. Der Comic hat das Image der ‚primitiven’ Unterhaltung, die neben der ‚wahren’ Literatur und Kunst nicht bestehen kann. Comics, so zitiert Dietrich Grünewald aus verschiedenen Quellen, „wurden als ‚Pest’, ‚Gift’, ‚süchtig machendes Opium’, ‚Volksseuche’ bezeichnet, wurden beschuldigt, zu ‚Analphabetentum’ und ‚Bildidiotismus’ zu führen, die ‚Fantasie abzutöten’, die ‚seelische Substanz’ zu bedrohen und zu ‚verrohen’, den ‚ethischen Kern abendländischer Kultur’ zu untergraben eine Literatur für ‚intellektuell Zurückgebliebene und potentielle Kriminelle’ zu sein“1.
Frühe Analysen behandeln denn auch Comics häufig nur im Hinblick auf einen negativen Einfluss auf die Jugend. Das ist heute nicht mehr generell der Fall. Die Einstellung gegenüber Comics ist differenzierter geworden. Das Comic-Lesen Auch unter Erwachsenen gibt es immer mehr Comic- Leser. Man begreift, dass die Welt der Comics äusserst heterogen ist und nicht alles in einen Topf geworfen werden kann. Pauschalisierende Verurteilungen finden sich nun eher in anderen Bereichen, so zum Beispiel bei den Computer-Spielen. Die Argumente sind ähnlich geblieben, vor allem die Darstellung von Gewalt gab schon bei den Comics Anlass zur Verteufelung. Es gilt das ‚Prinzip Sündenbock’. Was früher die Folge des Comic- Lesens war, ist nun immer mehr die Folge des Computer-Spielens (oder auch des Fernseh- Schauens): eine verrohte und verdorbene Jugend, die durch schlechte schulische Leistungen, fehlenden Anstand und Gewaltbereitschaft brilliert.
Dahinter steht ein Denken, das in den Medienwissenschaften als überholt gilt, ein lineares Denken, das von einer Ursache direkt auf eine Wirkung schliesst. Dem Rezipienten wird jegliches Urteilsvermögen abgesprochen, er wird zum reinen Empfänger, welcher der Wirkung des Mediums schutzlos ausgeliefert ist. Ein solches Denken übertreibt die direkten Einflussmöglichkeiten eines Mediums auf den Rezipienten und wird der komplexen Realität nicht gerecht. Das gilt auch für die pauschalisierende Kritik an Comics und Computer- Spielen, welche die Wirkung und den Einfluss des Mediums als fast unbegrenzt einschätzt. Auch der Vorwurf, das Medium Comic sei beispielsweise gegenüber der (Text-)Literatur minderwertig, entpuppt sich bei näherem Hinschauen als grobe Vereinfachung. Oft steht dahinter die Einstellung, dass die Wortsprache qualitativ über der Bildsprache steht. Dennoch käme niemand auf die Idee, konsequenterweise auch die gesamte abendländische Malerei als minderwertig einzustufen. In der Malerei ist die Bildsprache wieder eine eigenständige Ausdrucksform und der Wortsprache ebenbürtig. Warum sollte nun also die Kombination dieser beiden Ausdrucksformen, wie sie eben für Comics typisch ist, minderwertig sein? Es lässt sich nicht abstreiten, dass eine grosse Zahl an Comics sowohl inhaltlich wie auch stilistisch dürftig ist. Doch billige Massenware gibt es genauso in der Literatur. Es wäre auch dort Unsinn, von den in grosser Menge ‚produzierten’ Unterhaltungsromanen, wie sie an jedem Kiosk zu finden sind, auf die gesamte Literatur zu schliessen. Entscheidend ist die Qualität des einzelnen Werkes.
Aus diesen Überlegungen ergeben sich folgende Fragestellungen: Wie gross ist die Eigenständigkeit des Mediums Comic und was sind dessen Eigenheiten? Wo bestehen Parallelen zu anderen Medien und wo hat sich der Comic selber weiter entwickelt? Was sind die spezifischen Ausdrucksmittel der Comicsprache? Und was für ein Verhältnis besteht zwischen Einzelwerk und Gattung bzw. zwischen dem einzelnen Comic und der Medienart? Als Ergänzung dazu habe ich mir auch folgende Fragen gestellt: Aus welchen Einzelelementen ist ein Comic aufgebaut? Was für ein Verhältnis besteht zwischen Bild und Wort und was für eines zwischen Wirklichkeit und Fiktion, zwischen der direkt erfahrbaren Welt und den medial vermittelten Comic-Welten?
1. 2. Aufbau der Arbeit
Diese Arbeit versucht sich dem Medium Comics folgendermassen zu nähern: In einem ersten Schritt wird eine Definition gesucht, die den verschiedenen Stil- und Ausdrucksformen der Comics Rechnung trägt und dennoch nicht zu allgemein bzw. zu ungenau ist (Kapitel 2). Der darauf folgende Teil befasst sich mit den theoretischen Fragen der Arbeit, die im Kapitel 1.1. genannt wurden (Kapitel 3). Die Auseinandersetzung mit diesen Fragen stützt sich dabei einerseits auf Scott McCloud, Will Eisner und Dietrich Grünewald, die sich direkt mit dem Medium Comics befasst haben, andererseits auf Christian Doelker, der sich allgemein mit dem Bild und seiner Sprache befasst hat.2 Das Kapitel vier schliesslich ist eine exemplarische Analyse eines einzelnen Werkes aufgrund der im allgemeinen Teil erarbeiteten Theorie. Näher angeschaut wird das Comic „La 2,333e Dimension“ des Autors Marc-Antoine Mathieu. Grund für diese Auswahl sind einerseits dessen inhaltliche sowie gestalterische Eigenständigkeit, andererseits aber auch die Themen seiner Comics. Mathieu beschäftigt sich oft mit Fragen zur Wirklichkeit sowie zur Wahrnehmung und damit auch mit dem Medium Comic selber. Er spielt mit den gängigen Ausdrucksmöglichkeiten der Bild- bzw. Comicsprache und versteht es, sie dadurch in gewissem Masse auch zu erweitern. Der Comic selber ist häufig ein Bestandteil der Geschichte selbst. Das fünfte Kapitel beinhaltet eine kurze Zusammenfassung der Ergebnisse dieser Arbeit und ein Schlusswort.
2. Begriffsdefinition
Was ist ein Comic? Eine klare Definition fällt schwer, häufig wird der Begriff zwar verwendet, aber nicht weiter definiert. Bei allfälligen Definitionsversuchen sind vor allem bei älteren Publikationen oft subjektive, gar abwertende Komponenten auszumachen. So definiert zum Beispiel das Universal-Lexikon der neuen Schweizer Bibliothek in der Ausgabe von 1974 die Comics als „amerikanische Bezeichnung für eine namhaft in den USA weit verbreitete Buch- und Magazinliteratur“, in der „meist primitiv-brutale Kriminal- und Abenteuergeschichten“ erzählt werden. Stilistisch seien es „drastisch gezeichnete, auf Situationsspannung berechnete Bildergeschichten, in denen das Wort zum rudimentären Begleittext degradiert ist“3. Diese Definition erfasst durch ihren Fokus auf die USA und auf die Kriminal- und Abenteuergeschichten nur einen Teil der gesamten Comic-Literatur und wertet mit Worten wie ‚degradiert’ und ‚primitiv’.
Günter Metken trennt dagegen die als „amerikanische Volkskunst“4 bezeichneten Comics von den ‚Bande déssinées’ aus Frankreich und den ‚Fumetti’ aus Italien. Doch als Oberbegriff verwendet er wiederum nur den Ausdruck ‚Comics’.
[...]
1 Grünewald: Comics. S.77. Grünewald gibt in diesem Zitat Reaktionen wieder, welche das aus den USA nach Europa kommende neue Medium Comic in Deutschland ausgelöst hat.
2 Siehe Literaturliste. Scott McClouds Untersuchung über Comics ist ein Spezialfall, da sie selbst ein Comic ist. Zitate aus diesem Werk sind daher entweder aus den Sprechblasen ‚exportierte’ Sätze oder Bildzitate wie auf Seite 10 dieser Arbeit.
3 <Autor unbekannt>, Universal-Lexikon, Bd. 1, S. 337
4 Metken: Comics, S.5
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