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Das journalistische Interview in "Der Spiegel" und "Focus" - Ein Vergleich

Magisterarbeit, 2003, 148 Seiten
Autor: Britta Buchholz
Fach: Sprachwiss. / Sprachforschung (fachübergreifend)

Details

Kategorie: Magisterarbeit
Jahr: 2003
Seiten: 148
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 107  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V41434
ISBN (E-Book): 978-3-638-39697-4
ISBN (Buch): 978-3-638-72422-7
Dateigröße: 706 KB
Anmerkungen :
Die Arbeit ist zwar eigentlich für Sprachwissenschaft verfasst - passt aber in vielen Teilen auch zu Medien.


Zusammenfassung / Abstract

Die Macht des Journalisten beruht nicht auf seinem Recht, Fragen zu stellen, sondern auf seinem Recht, Antworten zu bekommen. Milan Kundera Für keine journalistische Darstellungsform trifft das Zitat in dem Maße zu wie für das Interview. Denn diese außergewöhnliche Kommunikationssituation beruht gerade darauf, dass der Fragende allein durch die Verabredung zum Interview „ein Recht auf Antworten“ erwirbt: Der Interviewte gesteht dem Journalisten zu, ihn zu befragen. Genau dort zeigt sich die Macht des Interviewers. In Druckinterviews ist das Machtgefüge zwischen dem Interviewer und dem Befragten aber nicht ganz so rigoros: Presseinterviews werden nicht unmittelbar vom Zuschauer mitverfolgt, sondern später von diesem in einer rekonstruierten Form gelesen. Der Befragte kann sich dadurch gegen Fragen wehren, ohne dass dies zwangsläufig öffentlich wird. Erst die Verschriftlichung lässt das endgültige Interview entstehen. Die Frage ist demnach umso mehr, ob Unterschiede in den abgedruckten Interviews der Magazine bestehen bzw. offensichtlich werden. Besonders spannend scheint die Untersuchung zweier Druckschriften, die wirtschaftlich und publizistisch im Wettbewerb stehen. Unter dieser Prämisse stechen die Nachrichtenmagazine DER SPIEGEL und FOCUS hervor. Beide bezeichnen sich selbst als Nachrichtenmagazine. Verschiedene Untersuchungen konnten bisher durchaus Differenzen zwischen den beiden Konkurrenzblättern ausmachen, doch findet sich bisher keine Gegenüberstellung der Darstellungsform Interview in SPIEGEL und FOCUS. Die vorliegende Arbeit soll diese Lücke schließen. Ich werde diese beiden Magazine auf grundsätzliche Unterschiede der Textsorte Interview hin analysieren. Eine erste Analyse soll darlegen, wie die Magazine das Interview jeweils darstellen, beispielsweise durch die Betrachtung von Anzahl, Umfang und Gestaltung der Interviews. Das Ziel dieser Gegenüberstellung ist es, die grundsätzliche Verwendung der Darstellungsform Interview innerhalb der beiden Zeitschriften herauszustellen. Darauf aufbauend wird in einer zweiten Untersuchung eine konkrete Textanalyse durchgeführt, die verschiedene Kategorien der Interviewführung, wie beispielsweise Fragearten, Dynamik der Interviews und die Eröffnungssequenz hervorhebt. Dabei steht in keinem Fall eine detaillierte Analyse einer Kategorie im Vordergrund, sondern durch die Betrachtung verschiedener Aspekte soll die Differenz der dargestellten Interviewführung herausgestellt werden.


Textauszug (computergeneriert)

Magisterarbeit

zur Erlangung des akademischen Grades Magistra Artium (M.A.)

Das journalistische Interview in ‚Der Spiegel. und ‚Focus..

ein Vergleich

der: Humboldt-Universität zu Berlin
Philosophische Fakultät II
Institut für deutsche Sprache und Linguistik

eingereicht von:

Britta Buchholz

Berlin, den 10. Dezember 2003

 

 

Kurzbeschreibung

Die vorliegende Arbeit deckt die erheblichen Differenzen der Darstellungsform Interview in FOCUS und SPIEGEL auf. Die Gegenüberstellung der Interviews beider Nachrichtenmagazine enthüllt folgenden Sachverhalt: SPIEGEL will durch seinen Interviewtext informieren, während FOCUS eher durch sein gesamtes Interviewdesign unterhalten möchte. Die wichtigsten Endergebnisse: FOCUS setzt beträchtlich mehr gestalterische Elemente als SPIEGEL ein. Das Münchner Magazin FOCUS geht sogar soweit, dass es den optischen Gestaltungselementen mehr Platz eingeräumt, als dem eigentlichen Interviewtext. Darüber hinaus bestehen wesentliche Unterschiede in der Interviewtaktik: FOCUS versucht im Interviewtext dynamische Gesprächssequenzen nachzuahmen, wobei Interviewer und Befragte in vielerlei Hinsicht gleichberechtigte Gesprächspartner sind. Diesen Ansatz verfolgt das Konkurrenzblatt nicht: SPIEGEL besteht auf einer klaren Rangverteilung. Zudem treten in diesem Magazin vermehrt spezielle Fragetechniken hervor.

Allerdings zeigt diese Arbeit auch, dass beide Nachrichtenmagazine erheblich weniger Interviewtechniken anwenden, als dies in der Theorie vorgeschlagen wird. In diesem Punkt stimmen die Konkurrenzblätter – ausnahmsweise – überein.

 

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG ... 1

2. VORGEHENSWEISE  ... 3

3. DIE TEXTSORTE INTERVIEW  ... 5
3.1 Merkmale des Interviews  ... 5
3.1.1 Veröffentlichung  ... 7
3.1.2 Dialogische Struktur  ... 8
3.1.3 Rangunterschied  ... 10
3.2 Merkmale des Interviews aus linguistischer Sicht  ... 11
3.3 Abgrenzung des Interviews vom Gespräch  ... 13
3.4 Interviewarten und ihre Funktionen  ... 14
3.5 Authentizität des Interviews  ... 16

4. DIE STRUKTUR DES INTERVIEWS  ... 18
4.1 Gesprächsstrukturen  ... 18
4.2 Begriffsbestimmung „Frage“  ... 20
4.2.1 Die Funktion der Frage  ... 22
4.2.2 Die Bedeutung der Frage in der Sprechakttheorie ...  24
4.3 Fragearten  ... 26
4.4 Begriffsbestimmung „Antwort“  ... 30

5. DEFINITIONEN  ... 33
5.1 Zeitschrift  ... 33
5.2 Nachrichtenmagazin  ... 35

6. DER SPIEGEL – DAS DEUTSCHE NACHRICHTEN-MAGAZIN  ... 38
6.1 Geschichte des SPIEGEL  ... 38
6.2 Sprache des SPIEGEL  ... 40
6.3 Merkmale des SPIEGEL-Interviews  ... 41

7. FOCUS – DAS MODERNE NACHRICHTENMAGAZIN  ... 44
7.1 Geschichte des FOCUS  ... 44
7.2 Sprache des FOCUS  ... 46
7.3 Merkmale des FOCUS-Interviews  ... 47

8. VERGLEICH DER ECKDATEN VON SPIEGEL UND FOCUS  ... 48
8.1 Format  ... 48
8.2 Zielgruppe  ... 49
8.3 Sparteneinteilung  ... 50
8.4 Wirtschaftlichkeit  ... 53

9. ANALYSE VON INTERVIEWS AUS SPIEGEL UND FOCUS  ... 55
9.1 Methode  ... 55
9.1.1 Textkorpus: Interviews aus SPIEGEL und FOCUS  ... 56
9.2 Analyse der strukturellen Merkmale  ... 57
9.2.1 Anzahl der Interviews  ... 57
9.2.2 Umfang der Interviews  ... 59
9.2.3 Zugehörigkeit nach Sparte  ... 60
9.3 Analyse der Gestaltungsmerkmale  ... 63
9.3.1 Überschrift ...  63
9.3.2 Gestalterische Elemente: Fotos, Zitate und Grafiken  ... 64
9.3.3 Zusatztexte: Vorspann, Biografie bzw. Informationskasten  ... 66
9.4 Zusammenfassung  ... 68

10. ANALYSENSCHWERPUNKT: INTERVIEWFÜHRUNG  ... 69
10.1 Methode  ... 70
10.1.1 Das ausgewählte Korpus ...  72
10.2 Eröffnungssequenz  ... 73
10.3 Gesprächsstrukturen  ... 76
10.4 Fragetechniken  ... 80
10.4.1 Fragearten  ... 83
10.4.2 Sonderformen ... 91
10.5 Antworten  ... 94
10.6 Zusammenfassung der Ergebnisse  ... 98

11. FAZIT  ... 100

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS  ... 102

LITERATURVERZEICHNIS  ... 103

ANHANG:
Auswertungsbögen FOCUS
Auswertungsbögen SPIEGEL
Aufschlüsselung der Fragearten je nach Interviewpartner
Kopien des Textkorpus (Interviews aus FOCUS Und SPIEGEL)

 

 

1. EINLEITUNG

Die Macht des Journalisten beruht nicht auf seinem Recht, Fragen zu stellen, sondern auf seinem Recht, Antworten zu bekommen. Milan Kundera Für keine journalistische Darstellungsform trifft das vorangestellte Zitat in dem Maße zu wie für das Interview. Denn diese außergewöhnliche Kommunikationssituation beruht gerade darauf, dass der Fragende allein durch die Verabredung zum Interview „ein Recht auf Antworten“ erwirbt: Der Interviewte gesteht dem Journalisten zu, ihn zu einem bestimmten Sachverhalt, einem Thema oder zu seiner Person zu befragen.1 Genau dort zeigt sich die Macht des Interviewers: Er ist der bevorrechtigte Sprecher. Diese Machtposition kann er sogar noch ausbauen, indem er beispielsweise spezielle Fragetechniken verwendet.

In Druckinterviews ist das Machtgefüge zwischen dem Interviewer und dem Befragten aber nicht ganz so rigoros: Presseinterviews werden nicht unmittelbar vom Zuschauer mitverfolgt, sondern später von diesem in einer rekonstruierten Form gelesen.2 Der Befragte kann sich dadurch gegen Fragen verwehren, ohne dass dies zwangsläufig öffentlich wird. Gleichzeitig können aber die Redakteure das Interview bei der Verschriftlichung verändern, indem sie bestimmte Fragetaktiken darstellen oder Gesagtes weglassen.3 Dieser Aspekt macht es für mich persönlich besonders interessant, gedruckte Interviews zu untersuchen. Die Frage ist, ob Unterschiede in der Interviewtechnik zweier Magazine bestehen bzw. offensichtlich werden. 

Besonders spannend scheint mir die Untersuchung zweier Druckschriften, die wirtschaftlich und publizistisch im Wettbewerb stehen. Unter dieser Prämisse stechen die Nachrichtenmagazine DER SPIEGEL4 und FOCUS hervor. Dies sind diejenigen Zeitschriften der deutschen Presse, die sich selbst als Nachrichtenmagazine bezeichnen. Gleichzeitig sprechen beide Blätter dem jeweilig anderem aber diesen Status des Nachrichtenmagazins regelrecht ab.5 Verschiedene Untersuchungen konnten bisher durchaus Differenzen zwischen den beiden Konkurrenzblättern ausmachen, doch findet sich bisher keine Gegenüberstellung der Darstellungsform Interview in SPIEGEL und FOCUS. Die vorliegende Arbeit soll diese Lücke schließen.

Ich werde diese beiden Magazine auf grundsätzliche Unterschiede der Textsorte Interview hin analysieren. Eine erste Analyse soll darlegen, wie die Magazine das Interview jeweils darstellen, beispielsweise durch die Betrachtung von Anzahl, Umfang und Gestaltung der Interviews. Das Ziel dieser Gegenüberstellung ist es, die grundsätzliche Verwendung der Darstellungsform Interview innerhalb der beiden Zeitschriften herauszustellen. Darauf aufbauend wird in einer zweiten Untersuchung eine konkrete Textanalyse durchgeführt, die verschiedene Kategorien der Interviewführung, wie beispielsweise Fragearten, Dynamik der Interviews und die Eröffnungssequenz hervorhebt. Dabei steht in keinem Fall eine detaillierte Analyse einer Kategorie im Vordergrund, sondern durch die Betrachtung verschiedener Aspekte soll eine Tendenz der unterschiedlichen Interviewführung herausgestellt werden.

Bei der Untersuchung verfolge ich noch ein weiteres Ziel: Als angehende Journalistin möchte ich überprüfen, inwieweit die in der Theorie diskutierten Interviewtechniken in der Praxis wirklich angewendet werden. Jeder Journalist muss Interviewtaktiken in seinem Berufsalltag beherrschen, da das Interview mittlerweile zu einer der wichtigsten Darstellungsformen der Medien zählt. Die eigenen Erfahrungen in diesem Bereich haben mir die Schwierigkeit des Interviewens verdeutlicht. Die richtigen Fragen, die angebrachteste Gesprächseröffnung und die kommunikative Basis zwischen Interviewer und Interviewten haben einen erheblichen Einfluss auf das Resultat der Unterredung.

2. VORGEHENSWEISE

Die vorliegende Arbeit gliedert sich in zwei Hauptteile: einen Theorieteil und eine anschließende Untersuchung des journalistischen Interviews in SPIEGEL und FOCUS.

Im folgenden dritten Kapitel wird das journalistische Interview zunächst definiert. Zusätzlich wird eine genaue Beschreibung der Textsorte Interview erfolgen, um die inhaltlichen und formalen Besonderheiten dieser Darstellungsform herauszustellen. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf einer Abgrenzung des Interviews vom Gespräch. Dies ist besonders wichtig, da beispielsweise SPIEGEL die Darstellungsformen „Interview“ als auch „Gespräch“ publiziert.

Darauf aufbauend werden in Kapitel 4 die unterschiedlichen Interviewtechniken erläutert. Zunächst sollen Gesprächsstrukturen näher betrachtet werden. Dem folgt die grundsätzliche Frage: Was ist eine Frage? und mündet in eine Einordnung der wichtigsten Fragetechniken. Zudem wird auch die Bedeutung der Antwort erläutert, da vieles dafür spricht, diese beiden Sprechakte gemeinsam zu behandeln. An dieser Einordnung werden die Magazine FOCUS und SPIEGEL später gemessen.

Im anschließenden fünften Kapitel werden die Begriffe Zeitschrift und Nachrichtenmagazin definiert. Auch die wichtigsten Charakteristika des Magazins sollen kurz dargestellt werden. Im Anschluss daran werden die Zeitschriften SPIEGEL und FOCUS in Kapitel 6 und 7 vorgestellt. Dabei wird von Anfang an Wert auf jeweilige Besonderheiten der Sprache des Magazins als auch Eigenarten der Interviews gelegt. Ein direkter Vergleich von Sparten, Auflage, Leserschaft usw. im achten Kapitel soll Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Nachrichtenmagazine verdeutlichen.

[....]


1 In der gesamten Arbeit werden die Ausdrücke „Interviewer“ und „Interviewter“ verwendet, auch wenn es sich bei den Fragenden bzw. Befragten um mehrere Personen handelt. Dabei ist dieses der femininen Form gleichzusetzen.

2 Vgl. eingehender Kapitel 3.3.

3 Inwieweit es sich wirklich um Fragen und Antworten handelt, wird in Kapitel 4 geklärt.

4 Der Artikel DER, der zum Eigennamen des SPIEGEL gehört, wird in weiteren Formulierungen vernachlässigt, da er das Verständnis der Sätze erschwert.

5 Inwieweit noch andere Zeitschriften dem Terminus Nachrichtenmagazin gerecht werden, wird in Kapitel 5 geklärt.


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