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Autor: Marc Franz
Fach: Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts / Gegenwart
Details
Institution/Hochschule: Westfälische Wilhelms-Universität Münster (Institut für Philosophie)
Tags: Webers, Konzepte, Macht, Herrschaft, Spiegel, Ansichten, Hannah, Arendts, Webers, Herrschaftssoziologie
Jahr: 2005
Seiten: 26
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 29 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 369 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-40072-5
ISBN (Buch): 978-3-638-65632-0
Zusammenfassung / Abstract
Die vorliegende Arbeit hat zwei Ziele: Zum einen will sie die Frage beantworten, was genau Max Weber unter Macht und Herrschaft versteht. Zum anderen beabsichtigt sie, die gefundenen Antworten kontroversen Aspekten gegenüberzustellen, die in der politischen Theorie Hannah Arendts zu finden sind. Warum Arendt? Zugegebenermaßen fiel die Wahl auf Hannah Arendt mehr oder weniger willkürlich. Sicherlich hätten sich auch die Konzepte anderer Autoren, wie z.B. das Foucaults, angeboten, um mittels eines Vergleichs besondere Charakteristika der Weber’schen Grundgedanken zu markieren. Aber es lassen sich auch Gründe anführen, die die Beschäftigung mit der Theoretikerin rechtfertigen: so z.B. die Tatsache, daß Arendt bei der Ausarbeitung ihres Machtbegriffs explizit auf Weber Bezug nimmt. Weber gehört ihrer Ansicht nach zu den Kronzeugen einer Riege von Autoren, denen der Vorwurf zu machen sei, daß sie Schlüsselbegriffe „wie Macht, Stärke, Kraft, Autorität und Gewalt – die sich doch alle auf ganz bestimmte durchaus verschiedene Phänomene beziehen“ (MuG, S. 173), nicht voneinander unterscheiden. Arendts Überlegungen richten sich denn auch nicht dezidiert gegen Weber, als vielmehr gegen die gesamte neuzeitliche Tradition politischen Denkens. Die Beschäftigung mit ihr (Arendt) ist daher indirekt auch eine Auseinandersetzung mit den Konzepten jener Autoren, die hier ausgeklammert wurden. Die Argumentation dieser Untersuchung verläuft wie in der Fragestellung vorgezeichnet. Zunächst werden Webers Konzepte von Macht und Herrschaft separat in den Fokus genommen. Erst in einem zweiten Schritt sollen die aus dieser Untersuchung gewonnenen Ergebnisse mit einzelnen bedeutsamen Aspekten der politischen Theorie Hannah Arendts verglichen werden, bevor schließlich in der Conclusio die wesentlichen Ergebnisse knapp zusammengefaßt und einer abschließenden Beurteilung unterzogen werden.
Textauszug (computergeneriert)
Westfälische Wilhelms-Universität
Institut für Philosophie
SS 2004
Seminar: Max Weber
Max Webers Konzepte von Macht und Herrschaft
im Spiegel kontroverser Ansichten Hannah Arendts
von
Marc Franz
INHALT
1. EINLEITUNG ... 1
2. MAX WEBERS KONZEPTE VON MACHT UND HERRSCHAFT ... 3
2.1 ASPEKTE DER SOZIOLOGISCHEN METHODE ... 3
2.2 DAS VERHÄLTNIS VON MACHT, HERRSCHAFT UND GEWALT ... 5
2.2.1 Der Kampf um Macht ... 6
2.2.2 Macht und Herrschaft ... 8
2.2.3 Gewalt als spezifisches Mittel ... 12
3. KONTROVERSE ASPEKTE BEI HANNAH ARENDT ... 13
3.1 MACHT UND FREIHEIT ... 14
3.2 MACHT VS. GEWALT ... 19
4. ABSCHLIEßENDE BEMERKUNG ... 22
LITERATUR ... 24
1. Einleitung
Macht und Herrschaft sind seit gut 2 ½tausend Jahren im Gespräch. Thukydides hat den Stein ins Rollen gebracht; und seitdem bezeigte eine Vielzahl von Autoren aus diversen Gründen: theologischen, politischen, soziologischen, sprachphilosophischen etc. – Interesse an dem Thema.
Im klassischen Altertum widmeten sich Autoren wie Platon und Aristoteles auf griechischer, so wie Cicero und Augustin auf römischer Seite dem Phänomen. Im Mittelalter waren Duns Scotus und Wilhelm von Ockham berühmte Zeugen des anhaltenden Interesses. Der neuzeitliche Diskurs wird besonders vielstimmig: Hume, Bacon, Hobbes, Leibniz, Voltaire, Locke, Montesquieus, Helvetius sind die prominentesten Wissenschaftler, die u.a. aufgrund ihrer einflußreichen Reflexionen über das Phänomen Macht in einen Katalog aufzunehmen wären.1
Um sie geht es hier jedoch nicht. Das Interesse gilt Max Weber. In dessen politischen wie auch soziologischen Überlegungen sind (u.a.) die Kategorien Macht und Herrschaft von großer Bedeutung. Die gesamte Herrschaftssoziologie etwa fußt auf ihnen. Darüber hinaus haben Webers Vorstellungen von Macht und Herrschaft auf die Entwicklung sozial- und politikwissenschaftlicher Konzeptionen im 20. Jahrhundert eine große Wirkung besessen. Noch Michel Foucault beispielsweise, der historisch die Entwicklung moderner Machttechniken und das Verhältnis von Macht und Wissen untersuchte (Histoire de la sexualité), teilt mit Weber den Gedanken, „daß Macht und Herrschaft in der Moderne die Gestalt von Disziplinierungen annehmen, moderne Gesellschaften also mit Fug und Recht als Disziplinargesellschaften gekennzeichnet werden können.“2
Die Arbeit hat nun zwei Ziele: Zum einen will sie die Frage beantworten, was genau Max Weber unter Macht und Herrschaft versteht. Zum anderen beabsichtigt sie, die gefundenen Antworten kontroversen Aspekten gegenüberzustellen, die in der politischen Theorie Hannah Arendts zu finden sind. Warum Arendt?
Zugegebenermaßen fiel die Wahl auf Hannah Arendt mehr oder weniger willkürlich. Sicherlich hätten sich auch die Konzepte anderer Autoren, wie z.B. das Foucaults, angeboten, um mittels eines Vergleichs besondere Charakteristika der Weber’schen Grundgedanken zu markieren. Aber natürlich lassen sich auch Gründe anführen, die die Beschäftigung mit der Theoretikerin rechtfertigen: so z.B. die Tatsache, daß Arendt bei der Ausarbeitung ihres Machtbegriffs explizit auf Weber Bezug nimmt. Weber gehört ihrer Ansicht nach zu den Kronzeugen einer Riege von Autoren, denen der Vorwurf zu machen sei, daß sie Schlüsselbegriffe „wie Macht, Stärke, Kraft, Autorität und Gewalt – die sich doch alle auf ganz bestimmte durchaus verschiedene Phänomene beziehen“ (MuG, S. 173), nicht voneinander unterscheiden. Arendts Überlegungen richten sich denn auch nicht dezidiert gegen Weber, als vielmehr gegen die gesamte neuzeitliche Tradition politischen Denkens. Die Beschäftigung mit ihr (Arendt) ist daher indirekt auch eine Auseinandersetzung mit den Konzepten jener Autoren, die hier ausgeklammert wurden.
Noch ein Wort zur Struktur: Die Argumentation dieser Untersuchung verläuft wie in der Fragestellung vorgezeichnet. Zunächst werden Webers Konzepte von Macht und Herrschaft separat in den Fokus genommen. Erst in einem zweiten Schritt sollen die aus dieser Untersuchung gewonnenen Ergebnisse mit einzelnen bedeutsamen Aspekten der politischen Theorie Hannah Arendts verglichen werden, bevor schließlich in der Conclusio die wesentlichen Ergebnisse knapp zusammengefaßt und einer abschließenden Beurteilung unterzogen werden.
2. Max Webers Konzepte von Macht und Herrschaft
2.1 Aspekte der soziologischen Methode
Um Webers Macht- und Herrschaftskonzept besser verstehen zu können, ist es sinnvoll, in nuce einige Aspekte seiner soziologischen Methode ins Blickfeld zu rücken. Die Auswahl erhebt mitnichten einen Anspruch darauf, alle elementaren Grundgedanken zu erfassen.
Unter Soziologie verstand Weber „eine Wissenschaft, welche soziales Handeln deutend verstehen und dadurch in seinem Ablauf und seinen Wirkungen ursächlich Erklären will“ (WuG, S.1). Mit anderen Worten: Soziologie – genauer: verstehende Soziologie – ist für Weber eine Handlungstheorie3, die versucht auf empirischer Basis „Typen- Begriffe“ zu bilden und „generelle Regeln des Geschehens“ (WuG, S. 9) aufzudecken.
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1 Vgl. dazu Historisches Wörterbuch der Philosophie. Hrsg. v. Joachim Ritter und Karlfried Gründer. Völlig neubearbeitete Ausgabe des Wörterbuchs der philosophischen Begriffe v. Rudolf Eisler. Bd. 5: L-Mn. Basel / Stuttgart 1980. S. 586-602.
2 Gabriel, Karl: Machtausübung in der heutigen Kirche im Spiegel sozialwissenschaftlicher Machttheorien: Max Weber, Michel Foucault und Hannah Arendt. In: Concilium – Internationale Zeitschrift für Theologie, 24. Jg. (1988). S. 190-195. Freilich ist dies nur ein einzelner Aspekt. Andere Momente zeigen auch, daß Foucault von Weber deutlich abweicht. Das ist hier aber nicht das Thema.
3 Kopp, Manfred und Hans-Peter Müller: Herrschaft und Legitimität in modernen Industriegesellschaften. Eine Unterscheidung der Ansätze von Max Weber, Niklas Luhmann, Claus Offe, Jürgen Habermas. München: tuduv-Verlagsgesellschaft, 1980. (tuduv-Buch: Reihe Politologie / Soziologie; Bd. 7) S. 9.
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