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Hausarbeit, 2005, 22 Seiten
Autor: Aline Wisniewski
Fach: Germanistik - ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Details
Institution/Hochschule: Technische Universität Berlin (Institut für Ältere deutsche Literatur)
Tags: Herzog, Ernst, Orients, Grenzüberschreitungen, Herzog, Ernst
Jahr: 2005
Seiten: 22
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 16 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-40150-0
ISBN (Buch): 978-3-638-65639-9
Dateigröße: 413 KB
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Zusammenfassung / Abstract
In der auf den „Herzog Ernst“ bezogenen Forschung stand lange Zeit nur die Empörer-Geste, die „deutsche Kernfabel“, im Mittelpunkt, während die Orientreise nur als sekundäre Zutat der Dichtung betrachtet wurde. In der hier vorliegenden Arbeit wurde dies nun umgekehrt und die Orientreise, genauer noch, Ernsts Reise in die Wunderwelten von Grippia und Arimaspi als Schwerpunkt der Betrachtung gesetzt. Dabei habe ich aufzuzeigen versucht, welches Verhältnis Ernst zu den Monstren hatte und wie er im einzelnen an diese gekommen ist, denn diese Wesen repräsentieren innerhalb der Orientfahrt eine eigene Welt, in der es für Ernst verschiedene Gefahren zu überwinden gilt. Vor allem dienen sie ihm aber als Möglichkeiten, seine verlorene Ritterlichkeit und Ehre wiederherzustellen. Dabei habe ich mich bemüht, zu klären, warum die monstra so ausschlaggebend für den Verlauf dieser Erzählung sind und inwieweit der Dichter dabei auf die überlieferten Vorbilder der monstra-Darstellungen zurückgegriffen hat. Entscheidend dafür war die Erkenntnis, dass der Dichter des „Herzog Ernst“ für die Erzählung bewusst diese monstra ausgewählt haben muss, da sie durch die ihnen eigenen Defizite die Erzählung vorantreiben und sie mit Bedeutung füllen. Dazu bin ich zunächst näher darauf eingegangen, wie sich das Bild der monstra im Mittelalter entwickelte, worauf es aufbaute und warum sie im Mittelalter als Teil der Schöpfung verstanden wurden. Darauf aufbauend habe ich dargelegt, in welchen Situationen Ernst auf die monstra trifft, inwieweit der Dichter auf dem traditionellen Bild der mittelalterlichen Monstren aufbaut und warum dies für den weiteren Verlauf der Dichtung von Bedeutung ist.
Textauszug (computergeneriert)
Technische Universität Berlin
Institut für Ältere deutsche Literatur
Proseminar: Grenzüberschreitungen: Der Herzog Ernst B
Ernst und die monstra des Orients
Name: Aline Wisniewski
Studiengang: MA ( Deu, Ge, Phil )
(Abgabedatum 2005)
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Das Bild der monstra im Mittelalter 2
3. Die Orientreise 6
3.1. Grippia - Die Kranichschnäbler 7
3.2. Arimaspi - Die Einäugigen 9
3.3. Die Platthüeve 10
3.4. Die Langohren 11
3.5. Die Pygmäen 13
3.6. Der Riese 14
4. Ernsts Verhältnis zu den Monstren 16
5. Schlußbetrachtung 18
6. Literaturverzeichnis 19
1. Einleitung
In der auf den Herzog Ernst bezogenen Forschung stand lange Zeit nur die Empörer- Geste, die „deutsche Kernfabel“, im Mittelpunkt, während die Orientreise nur als sekundäre Zutat der Dichtung betrachtet wurde.1 In der hier vorliegenden Arbeit soll dies nun umgekehrt werden und die Orientreise, genauer noch, Ernsts Reise in die Wunderwelten von Grippia und Arimaspi als Schwerpunkt von Interesse sein. Denn diese stellen innerhalb der Orientfahrt wiederum eine eigene Welt dar, in der es für Ernst verschiedene Gefahren zu überwinden gilt. Vor allem dienen sie ihm aber als Möglichkeiten, seine verlorene Ritterlichkeit und Ehre wiederherzustellen. Dabei soll im Verlauf dieser Arbeit dargelegt werden, inwieweit die monstra und das Verhältnis, das Herzog Ernst zu ihnen entwickelt, für den Verlauf der Dichtung von Bedeutung sind.
Dazu werde ich zuerst näher darauf eingehen, wie sich das Bild der monstra im Mittelalter entwickelte, worauf es aufbaute und warum sie im Mittelalter als Teil der Schöpfung verstanden wurden. Darauf aufbauend werde ich dann erläutern, in welchen Situationen Ernst auf die monstra trifft, inwieweit der Dichter auf dem traditionellen Bild der mittelalterlichen Monstren aufbaut und warum dies für den weiteren Verlauf der Dichtung von Bedeutung ist. Um dies darzulegen, wird im weiteren Verlauf geklärt, wie Ernst und die monstra in den entsprechenden Situationen aufeinander reagieren und wie sich ihr Verhältnis fortsetzt bzw. ob der Text darüber überhaupt weiter Auskunft gibt.
2. Das Bild der monstra im Mittelalter
„Am Anfang war das Wort“ und alles ist durch das Wort geworden.2 Durch das Wort wird immerfort eine neue Welt erschaffen, daran hat sich seit biblischen Zeiten nichts geändert3 - neue Geschöpfe werden erdacht, Ideen versinnbildlicht und Wunder verständlich gemacht.
Im Mittelalter war dies nicht anders. Zudem kam hinzu, daß man den Autoritäten der Antike mehr Bedeutung beimaß als der neuzeitlichen Gewißheit durch Erfahrung, da deren wissenschaftliche Methoden als Ausgeburten der superbia angesehen wurden.4 Das uns bekannte mittelalterliche Bild der monstra basiert daher zum großen Teil auf der umfassenden Quellenlage der Antike, als die Menschen die Natur zu beobachten begannen und das Gesehene beschrieben und schriftlich festgehalten wurde. Dabei bedienten sich die Menschen des Vergleiches mit Bekanntem, wenn sie unbekannte Kreaturen darzustellen versuchten.5
Die ersten uns heute bekannten Aufzeichnungen zu Monstren finden sich bereits in Homers Illias, in der Pygmäen und Kranichmenschen beschrieben werden.6 Auffällig ist hierbei, daß vor allem Indien und Afrika zur Heimat dieser Wunderwesen werden. Doch nicht nur in den Epen der Antike werden Monstren und ähnliche Wunder erwähnt. Bereits in Herodots Bericht über Indien werden erste Grundlagen für das mittelalterliche Bild des Orients geschaffen. 7 Nur fünfzig Jahre später, zu Beginn des 4 Jh. v. Chr., erschien ein Buch von Ktesias von Knidos über Indien. Abgesehen von einigen bruchstückhaften Überlieferungen in den Werken anderer Autoren ist dieses Werk nur in einer zusammengefaßten Version aus dem 9. Jh. n. Chr. erhalten geblieben. Der Autor dieses Werkes hatte jedoch ein sehr viel größeres Interesse an den Wundern des Ostens, als Ktesias es ursprünglich beabsichtigte.8
Dennoch schreibt Wittkower:
„In any case, it is certain that, owing to Ktesias´ book, India became the land of marvels. He repeated all the fabulous stories about the East which had been current from Homer´s time onwards and added many new ones, including tales of the weather, of miraculous mountains, diamonds, gold, etc. He populated India with the pygmies, who fight with the cranes, with the sciapodes, […], and with the cynocephali, […].”9
Diese und andere wunderliche Fabelwesen beschreibt Ktesias in seinem Buch, obwohl er das Land selbst nie gesehen hatte. Der erste, der das Land selbst bereiste und dennoch an der Beschreibung dieser Wunderwelt festhielt, war Megasthenes.
[...]
1 vgl. Kühnel, Jürgen: Zur Struktur des Herzog Ernst, S. 248, in: Euphorion 73 , Heidelberg 1979, S. 248- 271.
2 vgl. Prolog des Johannesevangeliums, Joh.1,1-27, http://www.a-site.at/cgi-bin/bbs/seele.pl?read=2268, 31.01.2005.
3 vgl. Wunderlich, Werner: Dämonen, Monster, Fabelwesen, Eine kleine Einführung in die Mythen und Typen phantastischer Geschöpfe, S. 12, in: Müller, Ulrich/ Wunderlich, Werner (Hrsg.) : Dämonen, Monster, Fabelwesen, Mittelaltermythen 2, St. Gallen 1999, S11- 38. 4 vgl. Kellermann, Karina: Zwischen Gelehrsamkeit und Information: Wissen und Wahrheit im Umbruch vom Mittelalter zur Neuzeit, S. 124, in: Schaefer, Ursula (Hrsg.): Artes im Mittelalter, Berlin 1999, S. 124- 140.
5 vgl. Wunderlich, W.: Monster, S. 12.
6 vgl. http://www.dbnl.org/tekst/maer002dern01_02/maer002dern01_02_013.htm, 31.01.2005.
7 vgl. Wittkower; Rudolf: Marvels of the East, A study in the history of Monsters, S. 159, in: Journal of the Warburg and Courtauld Institutes 5 , London 1942, S. 159- 197.
8 vgl. Wittkower, R.: Marvels, S.160.
9 Wittkower, R.: Marvels, S.160.
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