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Die Medienrevolution im 16. Jahrhundert: Der Buchdruck und die Folgen

Hauptseminararbeit, 2001, 24 Seiten
Autor: Eva-Christina Glaser
Fach: Germanistik - Linguistik

Details

Veranstaltung: Deutsche Sprache in der frühen Neuzeit (16./17. Jh.)
Institution/Hochschule: Justus-Liebig-Universität Gießen (Institut für Germanistik)
Tags: Medienrevolution, Jahrhundert, Buchdruck, Folgen, Deutsche, Sprache, Neuzeit
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2001
Seiten: 24
Note: 1,5
Literaturverzeichnis: ~ 14  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V42042
ISBN (E-Book): 978-3-638-40170-8
ISBN (Buch): 978-3-638-65640-5
Dateigröße: 239 KB

Zusammenfassung / Abstract

Im Zuge des 20. Jahrhunderts hat die Medienlandschaft Veränderungen durchlaufen, die abgesehen von der Entdeckung der Schrift in der Menschheitsgeschichte ihresgleichen suchen. Wer hätte schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als die Telekommunikation noch in den Kinderschuhen steckte und an eine Errungenschaft wie das Fernsehen lange nicht zu denken war, damit gerechnet, dass es einmal möglich sein könnte, Botschaften in Sekundenschnelle um die halbe Welt zu verbreiten und sich ebenso schnell nahezu jede erdenkliche Information zu verschaffen, ohne auch nur einen Fuß vor die Tür setzen zu müssen? Im Bewusstsein dieser Neuerungen ist es nicht verwunderlich, wenn ein anderes Ereignis in diesem Zusammenhang eher vernachlässigt wird, obwohl es sich dabei um eine zweifellos ebenso revolutionäre Errungenschaft handelt, ohne die eine derartige Entwicklung, wie sie das 20. Jahrhundert erlebt hat, gar nicht erst möglich gewesen wäre: die Erfindung des Buchdrucks durch Gutenberg im ausgehenden 15. Jahrhundert. Zwar sehen viele darin alles andere als eine bahnbrechende Neuerung, da im Alltagsleben allgemein die Vorstellung regiert, durch die Einführung der Schrift seien die Informationsverarbeitungsprozesse bereits so fundamental verändert worden, dass der Bruchdruck "bestenfalls als eine quantitative Verstärkung schon längst vorhandener Strukturen gedeutet werden könne" (Giesecke). Dennoch steht außer Frage, dass ohne den Übergang von der skriptographischen zur typographischen Kultur ein Medium wie beispielsweise das Internet undenkbar wäre. Mit Blick auf diese grundlegende und doch oft verkannte Bedeutung des Buchdrucks hat es sich die Untersuchung zum Ziel gesetzt, die Medienrevolution, die durch den Buchdruck gleichsam eingeleitet wurde, zu skizzieren und dabei die tragende Rolle der Buchdruckkultur innerhalb des Herausbildungsprozesses unerer heutigen Gesellschaft zu verdeutlichen. Hierbei soll zunächst ein Rückblick auf die alt- und mittelhochdeutsche Zeit die kulturellen und gesellschaftlichen Verhältnisse aufzeigen, die der Erfindung des Buchdrucks vorausgingen und sie vorbereitet haben. Im Anschluss rückt der Buchdruck selbst in den Mittelpunkt, dessen Erfindung im Zusammenhang mit der lutherischen Kirchenreformation beleuchtet wird. Abschließend folgt eine Skizzierung der mannigfachen Folgen, welche die Einführung des Buchdrucks mit sich brachte, woraus seine letztendliche Bedeutung für die weitere Entwicklung der Medienlandschaft deutlich werden soll.


Textauszug (computergeneriert)

Die Medienrevolution im 16. Jahrhundert:
Der Buchdruck und die Folgen

von: Eva-Christina Glaser

 


Inhalt

Einleitung 1

1 Die Zeit vor dem Buchdruck 2

1.1 Mündlichkeit und Schriftlichkeit in althochdeutscher Zeit 2
1.2 Mündlichkeit und Schriftlichkeit in mittelhochdeutscher Zeit 4
1.3 Expansion der Schriftlichkeit 5

2 Die Einführung des Buchdrucks 8

2.1 Gutenberg und der Buchdruck 8
2.2 Die Rolle der Reformation 10

3 Die Folgen des Buchdrucks 14

3.1 Neue Öffentlichkeit 14
3.2 Die Rolle der Visualisierungen 16
3.3 Erweiterung des Erfahrungsbereichs 18

Literaturverzeichnis 22



Einleitung

Betrachtet man sich, insbesondere im Hinblick auf die heutige „Computerkultur“ (Giesecke 1991: 59) mit einer regelrecht bahnbrechenden Erfindung wie dem Internet, die Entwicklung, welche die Medienlandschaft weltweit innerhalb der letzten etwa hundert Jahre durchgemacht hat, wird man wohl zwangsläufig zu dem Schluss kommen, dass sich hier geradezu revolutionäre Veränderungen vollzogen haben. Veränderungen, die, abgesehen von der Entdeckung der Schrift im allgemeinen, in der Geschichte der Menschheit ihresgleichen suchen. Denn wer hätte schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als die Telekommunikation noch in den Kinderschuhen steckte und an eine Errungenschaft wie das Fernsehen lange nicht zu denken war, damit gerechnet, dass es einmal möglich sein könnte, Botschaften in Sekundenschnelle um die halbe Welt zu verbreiten und sich ebenso schnell nahezu jede erdenkliche Information zu verschaffen, ohne auch nur einen Fuß vor die Tür zu setzen ?
Im Bewusstsein dieser ohne Zweifel grundlegenden Neuerungen ist es in der Tat nicht verwunderlich, wenn ein anderes Ereignis in diesem Zusammenhang eher vernachlässigt wird. Es handelt sich dabei um ein zweifellos ebenso revolutionäres Novum, ohne das eine derartige Entwicklung, wie sie das 20. Jahrhundert aufweist, gar nicht erst möglich gewesen wäre und das deshalb, im Vergleich zu allem, was dieses Jahrhundert hervorgebracht hat, als ein kulturell wesentlich einschneidenderes und folgenschwereres Moment anzusehen ist. Gemeint ist hier die Erfindung des Buchdrucks durch Gutenberg im ausgehenden 15. Jahrhundert.
So sehen zwar viele, wie Giesecke kritisch bemerkt, in der Erfindung des Buchdrucks alles andere als eine bahnbrechende Neuerung, da im Alltagsbewusstsein allgemein die Vorstellung regiert,  die Einführung der phonetischen Schrift habe die Informationsverarbeitungsprozesse in oralen  Gesellschaften bereits so grundlegend verändert, dass die Durchsetzung des Buchdrucks  bestenfalls als eine quantitative Verstärkung schon längst vorhandener Strukturen gedeutet  werden könne. (1991: 30).
Dennoch steht es wohl außer Frage, dass ohne den Übergang von der skriptographischen zur typographischen Kultur sowie die daraus entstandenen Veränderungen ein Medium wie beispielsweise das Internet undenkbar wäre. Stellt das gedruckte Wort doch nicht nur in diesem Fall die notwendige Basis für das Funktionieren jeglicher zwischenmenschlicher Konversation dar.
Im Hinblick auf diese grundlegende und dennoch oft verkannte Bedeutung, die der Erfindung des Buchdrucks innerhalb der Menschheitsgeschichte zukommt, hat es sich die folgende Untersuchung zum Ziel gesetzt, die Medienrevolution, die durch den Buchdruck gleichsam eingeleitet wurde, detailliert zu skizzieren und somit auch ganz allgemein auf die tragende Rolle der Buchdruckkultur innerhalb des Herausbildungsprozesses unserer heutigen Gesellschaft hinzuweisen. Hierbei sollen zunächst mithilfe eines Rückblicks auf die Verhältnisse in alt- und mittelhochdeutscher Zeit die kulturellen und gesellschaftlichen Verhältnisse aufgezeigt werden, die der Erfindung des Buchdrucks vorausgingen und die ihn so gleichsam vorbereitet bzw. nötig gemacht haben. Dabei wird auch insbesondere die Existenz bzw. der Umfang einer bereits vor Gutenberg einsetzenden Expansion von Schriftlichkeit ins Blickfeld genommen. Im Anschluss daran rückt der Buchdruck selbst in den Mittelpunkt der Betrachtung, wobei zunächst die Erfindung als solche betrachtet wird. Gegenstand des sich anschließenden Unterkapitels wird dann die besondere Rolle sein, die der Lutherischen Kirchenreformation im Zusammenhang mit Gutenbergs Erfindung zukommt. Unmittelbar darauf folgt abschließend eine gründliche Darstellung der mannigfachen Folgen, welche die Einführung des Buchdrucks mit sich brachte, woraus automatisch seine große Bedeutung für die weitere Entwicklung der Medienlandschaft deutlich werden soll.

1 Die Zeit vor dem Buchdruck

1.1 Mündlichkeit und Schriftlichkeit in althochdeutscher Zeit

Betrachtet man sich die Geschichte der deutschen Volkssprache von ihren Anfängen bis hin zur Gegenwart, muss man erkennen, dass noch in althochdeutscher Zeit, die hier etwa von 750 bis 1050 datiert werden soll, von einer einheitlichen deutschen Hochsprache, geschweige denn Schriftsprache, lange nicht die Rede sein konnte. Vielmehr setzte sich in dieser Zeit die gesprochene Volkssprache im deutschen Sprachraum lediglich aus zahlreichen Dialekten zusammen, wie etwa dem Mittel-, Rhein-, Ost- und Südrheinfränkischen sowie dem Alemannischen und Bairischen (vgl. Wells 1990: 48). Das bedeutet also, dass die Sprache innerhalb Deutschlands von Ort zu Ort stark variierte, weshalb das Althochdeutsche auch nicht als Sprache im eigentlichen Sinne angesehen werden kann, da für diese frühste deutsche Sprachform weder allgemeingültige grammatikalischen Regeln noch ein einheitlicher Wortschatz nachgewiesen werden kann.
In Anbetracht dessen verwundert es auch nicht, dass das einzige Kommunikationsmittel des einfachen Volkes in der mündlichen Sprache bestand, während die Kirche alleinige Trägerin der Schriftkultur war. Wobei auch hier das Lateinische bis ins 8. Jahrhundert hinein die einzige geschriebene Sprache darstellte (vgl. König 1998: 61). Dennoch sind bereits in dieser Zeit Anfänge eines allmählich aufkommenden Bewusstseins für die deutsche Sprache zu erkennen, was sich etwa an den Bildungsreformen des Frankenherrschers Karl des Großen zeigt. So benötigte man beispielsweise nach der von den Merowingern begonnenen und von den Karolingern später vollendeten Ausdehnung des Frankenreiches zahlreiche Verwaltungsbeamte, was zur Ausbildung von bisher in Lesen und Schreiben ungeübten Bürgern führte. Außerdem verfolgte Karl den Plan, ein imperium christianum, also ein einheitliches christliches Reich zu schaffen. Um diese Idee umsetzen zu können, war es allerdings nötig, auch dem einfachen Volk die christlichen Schriften, die bisher nur in lateinischer Sprache abgefasst waren, zugänglich zu machen. Anders ausgedrückt, musste die „große Kluft zwischen Latein und Volkssprache und damit zwischen Geistlichen und Laien“ (Polenz 1978: 37) überbrückt werden. So kam es im Zuge der sogenannten karolingischen Renaissance, die darin bestand, dass man versuchte, die geschriebene lateinische Sprache durch Einführung der karolingischen Minuskel so weit wie möglich zu vereinheitlichen, sowie durch deutsche Übersetzungen sowohl kirchlicher Texte, wie zum Beispiel dem Vaterunser, als auch einiger weltlicher Schriften bereits unter Karl dem Großen zu einer gewissen Aufwertung der deutschen Volkssprache, da er den Versuch unternahm, durch Reformen des Kirchen- und Schulwesens geschriebene Sprache erstmals auch außerhalb der Klöster und Kirchen populär zu machen. Vgl. Polenz 1978: 37ff.
Dennoch ist aber zu betonen, dass man trotz der Bemühungen Karls des Großen in dieser Zeit noch weit von der Entwicklung einer deutschen Standardsprache entfernt war. So sollte nach Zusammenbruch des Frankenreiches und vielleicht gerade deshalb das Latein noch lange seine Funktion als nahezu konkurrenzlose Schriftsprache innehaben (vgl. Wells 1990: 52), auch wenn sich bereits hier schwache Anfänge einer neuen sprachgeschichtlichen Epoche, wie sie später der Buchdruck bewirkte, zeigen.

1.2 Mündlichkeit und Schriftlichkeit in mittelhochdeutscher Zeit

[...]


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