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Subtitle: Wie man David Lynchs Straße der Finsternis erleuchten kann
Scholarly Essay, 2004, 36 Pages
Author: Christian Hardinghaus
Subject: Film Science
Details
Institution/College: University of Osnabrück (Universität Osnabrück)
Tags: Mulholland, Drive, Entschlüsselung, Medienästhetik
Year: 2004
Pages: 36
Grade: 1,0
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-40395-5
ISBN (Book): 978-3-638-74080-7
File size: 361 KB
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Abstract
Selten hat ein Film sein Publikum gleichermaßen verwirrt und fasziniert wie David Lynchs Meisterwerk Mulholland Drive. Auch der Regisseur selbst zählt zu den am kontrovers Diskutiertesten seiner Zunft. Lynchs Filme sind kein „vorgekautes Popcornkino“, sie sollen zum Denken, Phantasieren und Interpretieren anregen. Mulholland Drive, längst Kultfilm, zählt zu den geheimnisvollsten „Puzzeln“ der Filmgeschichte. Doch nicht jeder hat die Zeit, sich all den offen gebliebenen Fragen zu widmen. Für all diejenigen, die nach einer schlüssigen Erklärung suchen oder sich zu eigenen Interpretationen inspirieren lassen möchten, bietet Christian Hardinghaus mit diesem Buch eine allumfassende Filmanalyse. Sämtliche Figuren, Orte und Symbole, die der Geschichte ihr Mysterium verleihen, werden erklärt und ihre Bedeutung aufgezeigt. Dem Leser wird buchstäblich ein Licht aufgehen, die Straße der Finsternis erleuchtet. Weiter geht der Autor der Frage nach, was die Faszination der in letzter Zeit immer populärer werdenden „Mindfuck Movies“ ausmacht, was darunter überhaupt zu verstehen ist, und warum gerade Mulholland Drive ein Paradebeispiel dafür ist. Ferner werden auch Hintergründe der Produktion von Mulholland Drive behandelt und der Film auf stilistische Merkmale des „Film Noir“ und der „Hollywood- Satire“ hin untersucht.
Excerpt (computer-generated)
Universität Osnabrück
Die Mulholland Drive Entschlüsselung
Christian Hardinghaus
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 2
1 Vorwort 3
2 Vor der Interpretation: Mindfuck Movies: Ein neues Genre? 5
3 David Lynch, ein Künstler der „Gemeinheiten“ 7
4 Produktion von Mulholland Drive 9
5 Mulholland Drive verstehen 10
5.1 Mulholland Drive Chronologie: Traum, Vergangenheit und Realität 10
Realität-Vergangenheit: 11
Realität-Gegenwart 11
Traum: 11
Realität- Gegenwart: 11
Realität- Vergangenheit: 11
Realität- Gegenwart: 12
5.2 Das Leben der Diane Selwyn. 12
6 Schauspiel einer Träumenden 19
6.1 „Betty Elms“: Und Erklärung der anderen Traumfiguren 19
Diane ist von einem schlechten Gewissen geplagt, sie ließ Camilla töten. Im Traum wünscht sie sich, alles wäre nicht passiert und sie könnte noch einmal neu anfangen, Camilla erneut kennen lernen. 19
6.2 „Der blaue Schlüssel“: Und Erklärung der anderen Traumsymbole 25
7 Schlussbetrachtung: Ist Mulholland Drive einem Genre zuzuordnen? 29
7.1 Film Noir 30
7.2 Satirischer Blick auf Hollywood 32
8. No hay banda! 33
Anhang 1: Produktionsnotizen zu Mulholland Drive 34
Produktionsnotizen zu Mulholland Drive 34
Anhang 2: Biographie/ Filmgraphie von David Lynch 35
Biographie 35
Filmographie 35
Anhang 3: 10 Hinweise von David Lynch 36
1 Vorwort
Vorab: Ich würde keine so umfassende Interpretation schreiben, wäre ich nicht selbst ein bekennender Mulholland Drive Fan.
Aufmerksam auf den Film wurde ich, als ich 2002 neben dem Studium in einer Videothek gearbeitet habe und die DVD doch eher zufällig in die Hand bekam. Wirklich Zufall? Nun, lassen wir das Mystische zunächst einmal beiseite, später genug davon.
Wie kein zweiter fesselte mich der Film von Anfang an und anschließend wollte ich unbedingt wissen, was das Geheimnis hinter Lynchs neuem Film ist. Denn verstanden hatte ich ihn noch lange nicht.
Auf der Suche nach der Logik und nach vielen „Puzzlestunden“ gelang mir dann auch eine erste Interpretation. Schließlich war ich so überzeugt davon, dass ich begann den Film zu empfehlen, nicht immer zur Freude meines Chefs. Denn nachdem „verwirrte Mieter“ die Leihgabe zurückbrachten, wollten sie am Verleihtresen diskutieren, was für einige „Blockbusterkunden“ eine längere Wartezeit zur Folge hatte und somit nicht verleihförderlich war. Auch die Arbeit in der Videothek kann, besonders an Wochenenden, zur Fließbandarbeit werden.
Oft war zu beobachten, dass Mulholland Drive mit einigen Tagen Verspätung seinen Weg zurück in die Regale fand, nur zu verständlich! Nicht selten war zu hören, man habe mit Mulholland Drive gar nichts anfangen können und einen enttäuschenden Filmabend erlebt. Nicht jeder hatte Zeit und Muße, sich länger diesem Film auseinander zu setzen. Ich jedoch hatte sie, und das in überzeugter, hoffentlich auch überzeugender Weise.
So machte ich mit dieser Darstellung Mulholland Drive auch zum Bestandteil meiner Magisterprüfung im Studium der Medienwissenschaften an der Universität Osnabrück.
Der Film wurde auch in meinem Freundeskreis immer beliebter und sorgte für abendfüllende Diskussionen. Einige meiner ganz schlauen Freunde machten es sich gleich mit Bleistift und Papier für eigene Notizen auf dem Sofa gemütlich, nicht ahnend, dass auch das nicht helfen würde.
Es wurde also Zeit für eine allumfassende Interpretation.
Es gibt zwar einige Bücher über David Lynch und seine Filme, doch über Mulholland Drive im Speziellen ist zumindest in Deutschland noch nichts publiziert worden.
Sie stützt sich ausschließlich auf meine eigenen Gedanken zum Film, so wie auf Diskussionen mit meinem „Testpublikum“ und anderen Begeisterten in verschiedenen Internetforen. Obwohl ich natürlich von meiner eigenen Sichtweise überzeugt bin, wäre es „grob fahrlässig“ sie als richtig zu deklarieren. Mir ist ebenso bewusst, dass es andere komplett in eine andere Richtung gehende auch sehr schlüssige Meinungen gibt. So möchte ich mit meiner Arbeit nicht nur Verwirrten und Interessierten eine Erklärung liefern, sondern vielmehr auch zu eigenen Auslegungen anregen.
Das letzte Geheimnis wird der Regisseur selbst in sich tragen und dieses wahrscheinlich bis in sein Grab, denn erklären will er nach seinen Angaben Mulholland Drive nicht.
Es wäre empfehlenswert, wenn der Leser dieser Interpretation den Film zumindest einmal gesehen hätte, denn eine Inhaltsangabe, die auch nicht das eigene Rezipieren ersetzen kann, ist nicht Bestandteil der Arbeit. Ein erneutes Anschauen nach dem Lesen dieser Arbeit kann ganz neue Blickwinkel eröffnen.
Bevor ich nun anfange zu entschlüsseln, möchte ich zunächst erklären, was ein „Mindfuck“ ist und warum Mulholland Drive als ein Mindfuck- Movie anzusehen ist. Es folgt eine kleine Einführung in Lynchs Art zu arbeiten und eine knappe Schilderung der Entstehungsgeschichte zu Mulholland Drive. Spezifische Produktionsdetails sind in Anhang 1 zu finden Dann wird es Zeit, die Straße der Finsternis zu erleuchten. Abschließend versuche ich, Mulholland Drive noch mit besonderen stilistischen Merkmalen des „Film Noir“ und der Satire zu akzentuieren.
2 Vor der Interpretation: Mindfuck Movies: Ein neues Genre?
Kritiken zu aktuellen Kinofilmen zu lesen, ist neben der „Mund- zu Mund-Propaganda“ immer noch die beliebteste Art, sich diejenigen Filme auszuwählen, die dem persönlichen Geschmack entsprechen. Am häufigsten wählt man nach dem betitelten Genre aus. Man muss filmästhetisch nicht besonders geschult sein, um zu wissen, mit welcher Stimmung man in einem Kinosaal zu rechnen hat, schaut man sich einen Thriller, eine Komödie oder einen „Horrorstreifen“ an. Neben dem Western und dem Liebesfilm sind das die klassischen Filmgenres.
In den letzten Jahren konnte man in Filmkritiken immer öfter eine Beschreibung wie etwa: „Ein Film in der Machart von David Lynch“, oder „Mysteriös wie Mulholland Drive“ lesen. Es ist schwer, so umschriebene Filme einem Genre zu zuordnen.
Dennoch gibt es gerade für diese Auszeichnung eine große Fangemeinschaft, nicht selten entstehen hier neue Kultfilme, aber auch nicht selten werden sie ihrem Prädikat überhaupt nicht gerecht.
Kann man bei diesen Filmen von einem Genre sprechen? Wie soll man es nennen? Gibt es genug stilistische Gemeinsamkeiten? Und was bedeutet das eigentlich wenn man „Lynchmäßig“ liest?
In Amerika hat sich längst ein neuer Begriff für Filme dieser Machart durchgesetzt. In letzter Zeit weist man aber auch hier zu Lande entsprechenden Filmen immer häufiger das Genre „Mindfuck“ zu. Der Clou und die Gemeinsamkeit eines jeden Mindfucks: Der Regisseur will seinem Publikum einen Streich spielen! Durch eine völlig unerwartete, überraschende Wendung, meist am Schluss, schafft er es, den Zuschauer so sehr zu verwirren, dass dieser an seinen eigenen Sinnen zweifelt und sich, bevor er den Zusammenhang begreift, ärgert, einer filmischen Lüge beigewohnt zu haben.
[...]
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