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Die romanische Kirche St. Gereon in Köln als Beispiel für die frühchristliche Umnutzung paganer Bauten im Mittelalter

Autor: Simon Hofer
Fach: Kunst - Architektur, Baugeschichte, Denkmalpflege

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Details

Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2005
Seiten: 45
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 36  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 3652 KB
Archivnummer: V42569
ISBN (E-Book): 978-3-638-40572-0
Anmerkungen :
Diese Arbeit zur Kirche St. Gereon in Köln ist wissenschaftlich auf dem neusten Stand, korrekt zitiert und vollständig. Sie beschäftigt sich mit der Frage nach der ursprünglichen Nutzung des Zentralbaus und zieht verschiedene zeitnahe Beispiele zur vergleichenden Betrachtung heran. Darüberhinaus gibt es ein umfangreiches Kapitel zur Verwendung von Spolien im Mittelalter, welches universal einzusetzten ist, da recht allgemein gehalten.

Textauszug (computergeneriert)

 

RWTH - Aachen
Fakultät für Architektur
Lehrstuhl für Baugeschichte und Denkmalpflege

„…zu Altären gerettet…“

St. Gereon in Köln als Beispiel für die frühchristliche Umnutzung

paganer Bauten in der Spätantike?

von
Simon Hofer

Florenz, im Juni 2005

 

 

Inhalt


1 Einleitung   ...3

2 Zur Gestalt des ursprünglichen Baukörpers    ...5

3 Zur Datierung des Urbaus   ...7

4 Zur ursprünglichen Nutzung des spätantiken Baus    ...9


4.1 Annäherung über die Bauform und bauliche Befunde    ...10
4.2 Spekulationen zur Aufgabe des Urbaus    ...12

5 Zur Frage nach dem Bauherrn   ...17

6 Triumph des Christentums - Ein heidnischer Bau wird zur Kirche?    ...18

7 Zusammenfassung der Ergebnisse    ...23

Literaturverzeichnis    ...25

Abbildungsteil    ...28

 

 

1 Einleitung

Diese Hausarbeit, die im Rahmen des Hauptseminars „Zum Ursprung - Zentralbauten im Mittelalter“ an der RWTH - Aachen entstanden ist, beschäftigt sich mit dem Gründungsbau der heutigen Pfarrkirche St. Gereon in Köln (vgl. Abb.en 1, 2, 5-11). Der Zentralbau aus dem ausgehenden 4. Jh. wirft der Wissenschaft bis heute zahlreiche Fragen auf, die nur teilweise oder unzureichend beantwortet werden konnten. Kann die ursprüngliche Baugestalt aufgrund fortwährender Grabungsbefunde heute nahezu sicher dargelegt werden, scheiden sich die Geister an der Frage nach der ursprünglichen Nutzung des Nischenbaus.1 Ist der spätantike Zentralbau in der Substanz noch weitgehend erhalten und im heutigen Aufbau der Kirche rekonstruierbar (vgl. Abb. 11), so ist die Forschung insbesondere was die Anfänge des Ursprungsbaus angeht, auf Spekulation angewiesen.2 Handelt es sich um einen ursprünglich christlich genutzten Bau, oder ist er ein letztes Zeugnis heidnischer Kultausübung im Köln der Spätantike und darum ein Bauwerk, das zu einer christlichen Nutzung umgewandelt wurde?

In der vorliegenden Arbeit wird zunächst die ursprüngliche Gestalt des Zentralbaus vorgestellt.3 In einem zweiten Schritt wird dann, anhand der teilweise rekonstruierbaren Geschichte des Gebäudes, die eingangs aufgeworfene Frage nach einem christlichen oder heidnischen Ursprung betrachtet - wenngleich auch zur Frühzeit jede unmittelbar überlieferte Nachricht fehlt. Wurde der Bau von vornherein als christliche Kultstätte geplant oder, um mit Goethe zu sprechen, erst in späterer Zeit „zu Altären gerettet“?4

Bei der Erarbeitung werden sowohl die Befunde der Ausgrabungen, als auch die verschiedenen überlieferten Quellen zur Klärung herangezogen, soweit dies sinnvoll erscheint.

Der ursprüngliche Anlass dieser Seminararbeit war die Frage nach den Umständen und Vorgängen bei der Umwandlung eines heidnischen Bauwerkes zu einer christlichen Nutzung. Ungeachtet des etwaigen Zweifels an einem ursprünglich paganen Gebrauch des Baus, soll am Beispiel der spätantiken Zentralarchitektur der Kirche St. Gereon die generelle geistige Vorraussetzung einer frühchristlichen Umnutzung dargestellt werden.5 Freilich kann eine solche Aufgabe aufgrund fehlender Quellen zum Kölner Bau nur von allgemeinen Aussagen ausgehen und versuchen, diese auf den speziellen Fall anzuwenden. Deshalb beschäftigt sich diese Arbeit ebenso mit den Beweggründen der Spolienverwendung in nachantiker Zeit, um den grundsätzlichen Fragen nach den Konnotationen und Modalitäten für dieses Phänomen nachzugehen. Inwieweit kann man von einer neuen inhaltlichen Aus- und Umdeutung der antiken Bauwerke und Bauelemente in christlichem Sinne ausgehen? Anhand dieser Fragestellungen zum Gebrauch von Spolien im Mittelalter soll versucht werden, auch Rückschlüsse auf die Kirche St. Gereon zu ziehen.

Die baulichen Angaben zum Urbau stützen sich in weiten Teilen auf die Edition der Forschungsergebnisse von Johannes Deckers und Ottmar Schwab; die Publikation von Ute Verstegen hat wichtige Beiträge zum Kapitel der ursprünglichen Nutzung geliefert. Besonders hilfreich bei der Klärung der Frage nach den verschiedenen Bedeutungsinhalten von Spolien in Frühchristentum und Mittelalter waren die Veröffentlichungen von Arnold Esch und Hans-Rudolf Meier. Zahlreiche kleinere Beiträge verschiedener Autoren gewährleisteten den aktuellen Forschungsstand.5 Auf Grundrisse und Illustrationen im Fließtext wird zugunsten eines der Arbeit angehängten Abbildungsteils verzichtet - an den entsprechenden Stellen des Textes wird darauf verwiesen. 

 

2 Zur Gestalt des ursprünglichen Baukörpers 

Die heutige Pfarrkirche St. Gereon (vgl. Abb. 1 u. 2) entwickelte sich, wie durch unentwegte Forschung seit dem 19. Jahrhundert bis zu den jüngsten Ausgrabungen deutlich geworden, aus einem Zentralbau mit neun ausbuchtenden Exedren. Die ursprüngliche Baugestalt konnte ziemlich exakt ermittelt werden, sind doch weite Teile des Urbaus bis heute im aufgehenden Mauerwerk der Kirche enthalten (vgl. Abb. 11).6 Die ursprünglichen Ausmaße des Innenraumes sind nach Schäfke mit 19 Metern in der Breite und 28 Metern in der Länge zu beziffern.7 

Dem Baukörper westlich vorgelagert war eine queroblonge Vorhalle mit Apsiden im Norden und Süden und zwei großen Nischen im Osten8, an die sich ein längsrechteckiges Atrium anschloss, dessen offener Innenhof auf allen Seiten von Portiken umgeben war und die Bautengruppe vervollständigte (vgl. Abb. 10) 9. Die Rekonstruktion des ursprünglichen Grundrisses, die von Gerkan vorlegte (vgl. Abb. 4), wird bis heute von der Forschung weitgehend bestätigt, wenngleich seine Annahmen zum ursprünglichen Aussehen des Gadengeschosses und des oberen Raumabschlusses widerlegt werden konnten.10

[...]


1 Diese wichtige, doch bis heute nicht einstimmig beantwortete Frage zieht sich wie ein roter Faden durch die Gereonforschung und wird zuletzt ausführlich diskutiert bei VERSTEGEN: Grabbau, passim. Vgl. auch : KUBACH / VERBEEK: Denkmäler, S. 533. Vgl. ebenso SCHÄFKE: St. Gereon, S. 292.

2 Zum besonderen Problem jeder Beschäftigung mit historischen Quellen und Befunden sei ESCH: Überlieferungs- Chance, passim, sehr ans Herz gelegt.

3 Eine ausführliche Schilderung der gesamten Baugeschichte des Gebäudes und seiner späteren Umformungen, sowie der Nutzungsgeschichte als Stift- bzw. Pfarrkirche gibt SCHÄFKE: St. Gereon, passim.

4 Goethe: Italienische Reise, Grigenti, 24. April 1787; zitiert nach ESCH: Spolien, S. 48.

5 Zur Adaption antiker Bauten an den christlichen Kult: MEIER: Alte Tempel, passim.

6 Veröffentlichungen, die sich speziell mit der Rekonstruktion des spätantiken Zentralbaus befassen sind vor allem SCHWAB: Gründungsbau, passim; DECKERS: Ausgrabungen, passim; SCHÜTTE: Kapitelle, passim.

7 SCHÄFKE: St. Gereon, S. 280.

8 Eine Analogie dazu findet sich im Narthex des Mausoleums der Constanina in Rom. Vgl. SCHWAB: St. Gereon, S. 65. Während die Forschung durchgehend ein eingeschossige Vorhalle annimmt, will SCHÜTTE : Kapitelle, S. 57 einen doppelgeschossigen Narthex rekonstruieren. Inwieweit hier der Wunsch der Vater des Gedanken ist, um eine, für Schüttes Argumentation wichtige, größere Ähnlichkeit zur Aachener Pfalzkapelle herzustellen, bleibt zu diskutieren.

9 Zur Grundrissrekonstruktion und Zeitstellung des Bauensembles VERSTEGEN: Grabbau, S. 136. Die Datierung des Atriums ist bis heute umstritten, wird jedoch als dem Ovalbau nachfolgend angesehen. Verstegen geht von einer einheitlichen Planung aus, bringt aber an, daß den Maßen des Konchenbaus ein Zwölfersystem zugrunde liegt, wohingegen das Atrium nach einem Dezimalsystem berechnet wurde.

10 Achim von Gerkan legte seine Untersuchungen 1951 vor. Vgl. GERKAN: Urbau, passim. Vgl. Anmerkung 16.

Kommentare

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