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Léon-Gontran Damas' Pigments - ein Gedichtband zwischen zwei Epochen

Termpaper, 2005, 19 Pages
Author: Robert Krahl
Subject: Romance Languages - French Literature

Details

Event: Französische Poesie des 20. Jahrhunderts
Institution/College: Martin Luther University (Institut für Romanistik)
Tags: Pigments, Gedichtband, Léon-Gontran Damas, Lyrik, négritude
Category: Termpaper
Year: 2005
Pages: 19
Grade: 1,5
Bibliography: ~ 10  Entries
Language: German
Archive No.: V42911
ISBN (E-book): 978-3-638-40826-4

File size: 412 KB
Notes :
Zentrale Frage: Warum hatten Damas' Pigements (1937) noch nicht den durchschlagenden Erfolg für die Négritude - sondern erst zwei Jahre später Aimé Césaire mit seinem Cahier? Außerdem: - Abriss der Literaturgeschichte der frankophonen Anntillen (Schwerpunkt auf der Négritude) - Kurzbiografie von Léon-Gotran Damas


Abstract

Das Einsetzen der négritude-Bewegung wird mit Aimé Césaire in Zusammenhang gebracht. Doch Léon-Gontran Damas wies in seinem zuvor erscheinenden Gedichtband Pigments bereits auf Césaire voraus. Warum jedoch war er nicht ähnlich erfolgreich? Diesen interpretatorischen Blick nimmt diese Arbeit ein.


Excerpt (computer-generated)

Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaften
Institut für Romanistik Proseminar: „Französische Lyrik im 20. Jahrhundert“
5. Fachsemester

Léon-Gontran Damas′ Pigments –
ein Gedichtband zwischen zwei Epochen

von: Robert Krahl

 


Inhalt

0 Einleitung 2

1 Einordnung der négritude 3

1.1 Die Karibik als Kultur- und Literaturraum 3
1.2 Französische Literatur auf den Antillen vor den 1930er Jahren 4
1.3 Die négritude und parallele Bewegungen auf den Antillen sowie in Europa 5
1.4 Reaktion auf die négritude 7

2 Kurzbiografie Léon-Gontan Damas’ 9

3 Der Gedicht band Pigments 10

3.1 Pigments als frühes Werk der négritude 10
3.2 Pigments als untypisches Werk der négritude/ Widersprüche 14

4 Fazit 17

5 Quellen 18


 


0 Einleitung

Pigments, avant même la naissance
de la négritude, avouait à la fois le besoin
du mythe et la conscience de sa vanité.
(Corzani 1978: 253)

Die vorliegende Arbeit stellt die Frage, inwiefern die négritude als literarische Bewegung der frankophonen Antillen von Anfang an – also mit Damas’ Gedichtband Pigments – in sich Widersprüche barg. Überdies sollen die ganz besonderen Eigenheiten von Damas Pigments im Gegensatz zur sonstigen Dichtung der négritude herausgestellt werden. Um sich diesem Thema zu nähern, soll zunächst die allgemeine literaturhistorische Entwicklung auf den frankophonen Antillen skizziert werden. Sie und die darauf folgende kurze Beschreibung von Damas’ Lebenslauf sollen auf die Eigenheiten von Damas’ Werk hinführen und Verständnis dafür erwirken. Im Hauptteil soll dann an konkreten, ausgewählten Beispielen aus Damas’ Pigments die Zugehörigkeit des Dichters zur négritude-Bewegung, aber auch seine Eigenwilligkeiten gezeigt werden. Im Besonderen steht die Frage im Mittelpunkt, warum das Konzept der négritude erst zwei Jahre nach der Veröffentlichung der Pigments – nämlich mit dem Cahier d’un retour au pays natal von Aimé Césaire – als eigenständige Richtung in seiner ganzen Tragweite wahrgenommen wird. Was also hat Damas „falsch“ gemacht? Merseburg, im Juli 2005

1 Einordnung der négritude

1.1 Die Karibik als Kultur- und Literaturraum

Die Karibik wird immer wieder als Literaturraum dargestellt, der „schwer zu fassen“ (Fleischmann 2000a) sei. Die Tatsache, dass es sich dabei um einen „fragmentierte[n] Kulturraum“ (Biermann 1994: 401) handelt, wird auf die Kolonialgeschichte zurückgeführt.

Fleischmann (2000a) jedoch differenziert sechs Gründe für diese Uneinheitlichkeit: Zwei davon sind geografischer Natur; die „geographische Randlage und das Fehlen größerer Naturräume“ stellen eine natürliche Hürde für einen gemeinsamen Kulturraum dar. Des Weiteren sind für ihn ausschlaggebend die „frühe Vernichtung der Urbevölkerung“, „die wichtige Rolle einer kreolisierten afrikanischen Kultur“ sowie die „späte und problematische Entkolonialisierung“. Für die Literatur besonders wichtig sei der sechste, ebenfalls historisch bedingte Punkt: „das Fehlen großer Sprachräume“. Neben dieser Erklärung für die Fragmentierung, die hauptsächlich auf historischen Ereignissen beruht, gibt es auch verbindende Elemente, die dem Begriff der Karibik als Kulturraum Konturen geben. Das „historische Urdatum“ für Gemeinsamkeiten innerhalb der karibischen Kulturen sei die „Errichtung der auf Sklaverei basierenden Plantagengesellschaft“ (Biermann 1994: 402). Die Kolonialisierung durch die europäischen Kolonialmächte verhindert also einerseits einen gemeinsamen karibischen Kulturraum durch deren Verschiedenheit (Franzosen, Engländer, Spanier), aber zugleich bezieht die Karibik ein gemeinsames kulturelles Element aus ihrer wirtschaftlichen Funktion (Plantagengesellschaft) für die einzelnen Kolonialmächte. Dieser ambivalente Einfluss der Kolonialisierung auf die Kohärenz des karibischen Kulturraumes lässt in Bezug auf die Literaturentwicklung eine „grobe Periodisierung“ (Fleischmann 2000a: am Ende) in vier Epochen für die gesamte Karibik zu: Auf die „literaturarme Kolonialzeit“ folgt die „apologetische Literatur des 19. Jahrhunderts“ und die „Wiederentdeckung der Volkskulturen“ in den 1930er Jahren und schließlich die „Aufspaltung in eine international und eine regional wirksame Literatur“ in den 1960er Jahren.

1.2 Französische Literatur auf den Antillen vor den 1930er Jahren

Wie stellt sich nun die Literaturentwicklung im Rahmen dieser Periodisierung für die frankophonen Antillen im Besonderen dar? Zu den frankophonen Gebieten im Antillenraum gehören die Inseln Guadeloupe, Martinique (beide heute Département d’Outre Mer – D.O.M.), Dominica und St. Lucia 1 (beide heute unabhängig) sowie der westliche Teil der Insel Saint-Domingue (Haiti, heute ebenfalls unabhängig) und das festländische D.O.M. Französisch-Guayana.

In der ersten, literaturarmen Epoche richten sich die weißen Kolonialherren auf die Metropole aus und es „läßt sich von einer eigenständigen Literaturproduktion nicht sprechen“ (Biermann 1994: 403). Die Schwarzen jedoch behaupten Elemente ihrer Kultur wie den „voudou“-Kult trotz ihres Sklavenstatus (cf. Biermann 1994: 403f.). Für die zweite Phase, die apologetische Literatur des 19. Jahrhunderts, muss eine historische Entwicklung betrachtet werden, welche die frankophonen Antillen spaltet: Im Rahmen der Französischen Revolution wird die Sklaverei aufgehoben und auf den Antillen brechen Aufstände aus. Während der bald folgenden Wiedereinführung der Sklaverei gelingt es den Aufständischen auf Saint-Domingue im Jahre 1804 die Republik Haiti auszurufen, welche nach dem Ende des Bürgerkriegs 1820 als stabil gilt. Auf Guadeloupe und Martinique sowie in Französisch-Guayana wird die Sklaverei wieder eingeführt und die Aufstände werden niedergeschlagen. Die beiden Regionen gehen nun „getrennte Wege“ (Biermann 1994: 404).

In Haiti wird eine „nationale Literaturgeschichte aufgebaut, die ausdrückliche Eigenständigkeit beansprucht“ (Fleischmann 2000b). Diese Nationalliteratur hatte jedoch einen eindeutig „emanzipatorischen und aufklärerischen Anspruch“ (Fleischmann 2000b) und so „imitieren [die haitianischen Autoren] stilistisch die großen französischen Autoren des 19. Jahrhunderts“ (Ludwig 2003: 7). Diese „Assimilationsversuche“ (Biermann 1994: 405) an Europa hatten zum Ziel, „die Zivilisationsfähigkeit der schwarzen Rasse zu beweisen“ (Fleischmann 2000b) und somit war diese Literatur – vor allem Lyrik – „Selbstzweck und brauchte keine Leser“ (Fleischmann 2000b). Zwar wurde sie durchaus auch von patriotischen Themen bestimmt, doch ragte sie nicht über das imitierte europäische Vorbild hinaus. Vielmehr äußerte sich der aufklärerische Anspruch zum Teil sehr drastisch in der „Geringschätzung der populären Tradition Haitis wie der afrikanischen Kultur (oder dessen, was man dafür hält)“ (Ludwig 2003: 7). Die Literatur auf den Kleinen Antillen und in Französisch-Guayana verfolgt aufgrund der gegebenen politischen Situation keine aufklärerischen Aufgaben, wie es jene auf Haiti sich zum Staatsziel gemacht hat. Dennoch „scheint die literarische Situation […] mit der Haitis […] vergleichbar“ (Ludwig 2003: 9) zu sein. Die Vergleichbarkeit besteht in der Tatsache, dass auch die Literatur der Kleinen Antillen und Französisch-Guayanas dem metropolen Modell nacheifert. Einen besonderen Stellenwert gegenüber der europäischfranzösischen Literatur nimmt sie dennoch ein, da sie dem eigenen Land „den harmoniesuchenden Blick“ zuwendet, der „dem Fremden und […] [der] Vorstellung des Exotischen gehört“ (Ludwig 2003: 10). Diese Eigenart jedoch sieht Fleischmann (2000b) lediglich als „dem französischen Publikum gefälligen Exotismus […] oder romantischen Patriotismus“. Auch nach der Abschaffung der Sklaverei im Jahre 1848 und nach der Einführung eines Schulsystems änderte sich daran zunächst nichts. Die ehemaligen Sklaven sahen nun die Möglichkeit, sich der europäischen Kultur anzunähern, die für sie „als Aufstiegssymbol begehrt“ (Fleischmann 2000a) war. Eine „neue Form der Entfremdung“ (Biermann 1994: 405) wuchs durch das Verdrängen der eigenen Geschichte in den ehemaligen Sklaven heran, eine Entfremdung, welche ihre literarischen Auswirkungen jedoch erst im folgenden Jahrhundert erleben sollte.

[...]


1 Die Inseln Dominica und St. Lucia sollen wegen ihrer besonderen Unabhängigkeitsgeschichte hier außer Betracht bleiben.


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