Die Sprechakttheorie nach Austin und Searle

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Details
Autor: Carolin Damm
Fach: Germanistik - Linguistik
Veranstaltung: Intentionalität und Sprache
Institution/Hochschule: Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
Jahr: 2005
Seiten: 27
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 19 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 251 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-40828-8
Textauszug (computergeneriert)
RWTH Aachen
Institut für Sprach- und Kommunikationswissenschaft
Hauptseminar: Intentionalität und Sprache
Die Sprechakttheorie nach Austin und Searle
von: Carolin Damm
Inhaltsverzeichnis
1. Sprechakttheorie S. 2
1.1 Austins Idee S. 3
1.2 Die Weiterentwicklung durch Searle S. 5
2. Searles Theorie der Sprechakte S. 6
2.1 Die Klassifikation der Illokutionsakte S. 8
2.2 Die Struktur illokutionärer Akte S. 10
3. Searles Konzept intentionaler Zustände S. 13
4. Verbindungen zwischen Sprechakten und intentionalen Zuständen S. 16
5. Das Problem der Bedeutung: „Wie kommt man von der Physik zur Semantik?“ S. 19
6. Intentionalität als Basis für Sprechakte: „Wie kommt man vom Besitz intentionaler Zustände zum Vollzug konventional realisierter illokutionärer Akte?“ S. 21
7. Bibliographie S. 25
1. Sprechakttheorie
Die Sprechakttheorie hat ihren Ursprung in der englischen Ordinary Language Philosophy. „Die Vertreter dieses philosophischen Ansatzes gehen davon aus, daß die traditionelle Philosophie an einer unklaren, überzüchteten und damit letztlich bedeutungslosen Sprache krankt.“1 Aus diesem Grund konzentrierten sie sich darauf, das faktische Funktionieren der natürlichen Alltagssprache zu beschreiben. Als Begründer dieser Theorie gilt John L. Austin, der Anfang der vierziger Jahre dieses Jahrhunderts die Idee entwickelte, dass wir mit bestimmten Äußerungen zugleich eine Handlung vollziehen, dass wir handeln, indem wir sprechen. Diesen Gedanken griff John R. Searle in der Folge auf und entwickelte Austins Theorie in entscheidenden Punkten weiter. Heute gilt er als einer der wichtigsten Wegbereiter und Vertreter der Sprechakttheorie. Kernpunkt der Untersuchungen Searles ist die Auseinandersetzung mit der, wie er sie nennt, „gotthaften Form des Wortzaubers“2: gewisse Arten von Sprechakten, können nämlich bestimmte Sachverhalte dadurch herbeiführen, dass sie diese als herbeigeführt repräsentieren. „Wir können so zwar keine Eier braten, aber immerhin Sitzungen vertagen, zurücktreten, Brautleute zu Mann und Frau machen und Krieg erklären.“3 Der Handlungscharakter sprachlicher Äußerungen steht im Mittelpunkt der Sprechakttheorie. Ihr Hauptaugenmerk gilt dem Gebrauch von sprachlichen Formen in der Kommunikation. Wann immer wir kommunizieren sind wir bestrebt mit Hilfe eines Sprechaktes etwas mitzuteilen, darin liegt der Grund warum wir Sprache benutzen. Niemand sagt etwas, nur um Laute zu produzieren. Die Theorie der Sprechakte konnte sich als eine eigenständige Teildisziplin der Linguistik etablieren.4 Heute beschäftigt sie sich vor allem mit der Analyse der Bedingungen des Gelingens und Misslingens von Sprechakten und dem Zusammenhang von Äußerungen in einer bestimmten grammatischen Form mit dem Vollzug von Sprechhandlungstypen.
1.1 Austins Idee
John Austin stellte seine Theorie der Sprechakte Anfang der fünfziger Jahre in Vorlesungen an verschiedenen englischen und amerikanischen Universitäten der Öffentlichkeit vor. Nach seinem Tod entstand aus seinen Unterlagen und verschiedenen Mitschriften „How to do things with words“5. In seiner Theorie der Sprechakte geht es Austin darum zu zeigen, dass sich eine Analyse der Sprache nicht auf Sätze beschränken darf, die einen Sachverhalt beschreiben oder eine Tatsache behaupten und damit entweder wahr oder falsch sind. Vielmehr erfüllt die Sprache auch die Funktion Handlungen auszuführen. Äußerungen, wie ‚Ich verspreche pünktlich zu sein.’ nennt Austin performativ, im Gegensatz zu konstativen, wie ‚Es schneit.’. Um zu zeigen worin der Unterschied zwischen performativen und konstativen Äußerungen besteht untersuchte Austin, „was es alles bedeuten kann, daß etwas Sagen etwas Tun heißt; daß man etwas tut, indem man etwas sagt; ja daß man dadurch, daß man etwas sagt, etwas tut.“6 Die gesamte Sprechhandlung „»etwas zu sagen«“7, als vollständige Einheit der Rede, nennt Austin, „den Vollzug eines lokutionären Aktes“8. Dieser lokutionäre Akt setzt sich aus drei Teilakten zusammen.9 Der phonetische Akt besteht aus dem Hervorbringen gewisser Geräusche. Der phatische Akt ist die Äußerung gewisser Worte, die einem bestimmten Wortschatz angehören, einer gewissen Grammatik folgen und eine bestimmte Intonation haben. Im rhetischen Akt werden diese Vokabeln verwendet um „über etwas mehr oder weniger genau Festgelegtes zu reden und darüber etwas mehr oder weniger genau Bestimmtes zu sagen.“10 Demnach werden hier Sinn und Referenz festgelegt, welche, nach Austin, zusammen die Bedeutung ausmachen.
Das Produkt des phatischen Akts ist das Phem, eine sprachliche Einheit, deren typischer Fehler es ist, keine Bedeutung zu haben. Das Rhem, als das Produkt eines rhetischen Akts ist eine Einheit der Rede und „sein typischer Fehler ist, vage, leer, unklar und so weiter zu sein.“11 Neben dem Vollzug eines lokutionären Akts, beinhaltet laut Austin jeder Akt des Sprechens, „außer vielleicht eine bloße Exklamation wie Verflixt! oder Au!“, auch den Vollzug eines illokutionären Akts. Dieser wird vollzogen, „indem man etwas sagt“12. Welcher Illokutionsakt vorliegt, wird dadurch bestimmt, wie ein Sprecher die Lokution gebraucht; stellt der Sprecher zum Beispiel eine Frage, informiert oder warnt er, oder äußert er eine Absicht. Die Funktion, welche die Sprache beim Vollzug eines Illokutionsakts hat, bezeichnet Austin als Illokutionskraft. Dabei ist ihm „die Unterscheidung zwischen Illokutionskraft und Bedeutung [...] genauso wichtig wie die zwischen Sinn und Referenz innerhalb der Bedeutung.“13 Neben dem Lokutionsakt, dass wir etwas sagen, und dem Illokutionsakt, indem wir etwas sagen, unterscheidet Austin außerdem den Perlokutionsakt. Dieser kommt „dadurch zustande, daß wir etwas sagen“14. Ein Sprechakt ist perlokutionär, insofern er „gewisse Wirkungen auf die Gefühle, Gedanken oder Handlungen des oder der Zuhörer, des Sprechers oder anderer Personen“15 ausübt.
[...]
1 Hindelang, Götz: Einführung in die Sprechakttheorie. Tübingen 1983. (Germanistische Arbeitshefte 27), S. 1.
2 Searle, John R.: Intentionalität: Eine Abhandlung zur Philosophie des Geistes. Frankfurt a. M. 1987, S. 222.
3 Ebd., S. 222f.
4 Vgl.: Hartmann, Dirk: Konstruktive Sprechakttheorie. In: Preyer, G., Maria Ulkan und Alexander Ulfig. (Hrsg.): Intention – Bedeutung – Kommunikation. Kognitive und handlungstheoretische Grundlagen der Sprachtheorie. Opladen 1997, S. 228.
5 Austin, John L.: How to do things with words. Oxford 1962. Deutsche Bearbeitung von E. v. Savigny: Zur Theorie der Sprechakte. Stuttgart 1979.
6 Ebd., S. 112.
7 Ebd., S. 112.
8 Ebd., S. 112.
9 Vgl.: ebd., S. 112f.
10 Ebd., S. 113.
11 Ebd.; S. 115.
12 Ebd., S. 117.
13 Cohen, L. J.: Sprechakte. In: Kußmaul, P. (Hrsg.): Sprechakttheorie: Ein Reader. Wiesbaden 1980. (Schwerpunkte Linguistik und Kommunikationswissenschaft, Bd. 17), S. 11.
14 Austin, John L.: How to do things with words. Oxford 1962. Deutsche Bearbeitung von E. v. Savigny: Zur Theorie der Sprechakte. Stuttgart 1979, S. 126.
15 Ebd., S. 118.
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