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Das Absolute - Die höchste Idee bei Platon und Plotin

Scholary Paper (Seminar), 2002, 41 Pages
Author: Martin Endres
Subject: Philosophy - Philosophy of the Ancient World

Details

Event: Proseminar: Platon, Politeia
Institution/College: University of Heidelberg (Philosophisches Seminar)
Tags: Absolute, Idee, Platon, Plotin, Proseminar, Platon, Politeia
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2002
Pages: 41
Grade: 1
Language: German
Archive No.: V4305
ISBN (E-book): 978-3-638-12668-7
ISBN (Book): 978-3-638-63858-6
File size: 251 KB
Notes :
Die Arbeit basiert auf der Interpretation der im siebten Buch der Politeia enthaltenen Trias der platonischen Gelichnisse zur Idee des Guten, die Plotin zu seiner Philosophie des absoluten Einen weiterführt. Im Verlauf der Arbeit werden die Grundlagen der plotinischen Philosophie in aller Ausführlichkeit dargestellt und in einem direkten Bezug zur christlichen Ausprägung des Neuplatonismus, der Philosophie Nikolaus von Kues, in den bestehenden Unterschieden entwickelt. 364 KB


Abstract

Entwirft Platon in der Politeia die Gesellschaftsordnung eines idealen Staates, der aus meheren, aufeinander aufbauenden Ständen konzipiert ist, so liegt an der Spitze dieser Standesordnung, den Arbeitern und Kriegern voranstehend, der dritte und höchste Stand, die ”Philosophenkönige“. Dieser, durch besondere Begabung aus den beiden erstgenannten Ständen herausragende Stand soll die Position der Wächter des Staates einnehmen, um den Staat auf die von Platon geforderte Grundlage der Wahrheit und Idealität zu stellen. Der Philosoph ist für ihn der Einzige, der die Wahrheit der Phänomene wie Farben, Formen oder Handlungen erkennt – dass auf dem Grund der Verschiedenheit der Dinge und Phänomene ein immer Gleiches existiert, existieren muss, um Vergleichbarkeit erst zu ermöglichen. Der Philosoph ist somit derjenige, der hinter den Dingen die Ideen derselben erblickt, das Eine im Vielen, das Bleibende und Immerwährende. Doch stellt sich nun die Frage, was den Philosophen zu dieser Erkenntnishaftigkeit befähigt. Für Platon ist dies die Erkenntnis der Idee des Guten, die allem anderen vorausliegt, allem anderen Sein und Nutzen verleiht. Den Ausgang meiner Arbeit soll eine kurze Einführung in die platonische Ideenlehre, sowie eine anschliessende Analyse der im VI. Buch der Politeia enthaltenen Ausführung der Idee des Guten in Form des Sonnen– bzw. Liniengleichnisses bilden. Im folgenden schliesst ich eine Untersuchung der auf der platonischen Philosophie gründenden Idee des Einen von Plotin an, die sowohl Parallelen zur platonischen Lehre aufweist, darüber hinaus jedoch als deren Interpretation betrachtet werden kann, die bis in die christliche Mystik des Mittelalters ihre Auswirkungen zeigt, wie dies die Philosphie Cusanus belegt.


Excerpt (computer-generated)

Das Absolute - 
Die höchste Idee bei Platon und Plotin

Martin Endres

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung 4

I Das Absolute in der Philosophie Platons 5


2 Die Idee des Guten in der Politeia 5
2.1 Die Ideenlehre Platons . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5
2.2 Das Gute als die höchste Idee . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7
2.2.1 Das Sonnengleichnis (Pol, 507a – 509b) . . . . . . . . . . . 7
2.2.2 Das Liniengleichnis (Pol, 509c – 511e) . . . . . . . . . . . . 8
2.2.3 Das Höhlengleichnis (Pol, 514a – 519b) . . . . . . . . . . . 10

3 Die Idee des Guten als das Eine 12
3.1 Das Eine als das Wesen des Seienden . . . . . . . . . . . . . . . . 12
3.2 Das Eine als das höchste Prinzip . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13

II Das Eine als das Absolute 16


4 Das absolute Eine bei Plotin 16
4.1 Die drei ursprünglichen Wesenheiten (hypostheis) . . . . . . . . . 16
4.1.1 Das Eine selbst (a–pollon) . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16
4.1.2 Der Geist (hen–polla) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20
4.1.3 Die Seele (hen kai polla) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23
4.2 Die Emanation – Das Viele aus dem Einen . . . . . . . . . . . . 26
4.2.1 Die Vervielfältigung des Seins . . . . . . . . . . . . . . . . 26
4.2.2 Das Eine als Vorursächliches . . . . . . . . . . . . . . . . 28

5 Gott als das Absolute bei Cusanus 30
5.1 Gott als das Undenkbare . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30
5.2 Die Welt als explicatio . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32
5.3 Gott als die unitas absoluta . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33
5.3.1 Gott als die unitas trina . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35
5.3.2 Das a–pollon als die absolute Einheit . . . . . . . . . . . . 36

Literatur 40

 

1 Einleitung

Entwirft Platon in der Politeia die Gesellschaftsordnung eines idealen Staates, der aus meheren, aufeinander aufbauenden Ständen konzipiert ist, so liegt an der Spitze dieser Standesordnung, den Arbeitern und Kriegern voranstehend, der dritte und höchste Stand, die ”Philosophenkönige“. Dieser, durch besondere Begabung aus den beiden erstgenannten Ständen herausragende Stand soll die Position der Wächter des Staates einnehmen, um den Staat auf die von Platon geforderte Grundlage der Wahrheit und Idealität zu stellen. Der Philosoph ist für ihn der Einzige, der die Wahrheit der Phänomene wie Farben, Formen oder Handlungen erkennt – dass auf dem Grund der Verschiedenheit der Dinge und Phänomene ein immer Gleiches existiert, existieren muss, um Vergleichbarkeit erst zu ermöglichen. Der Philosoph ist somit derjenige, der hinter den Dingen die Ideen derselben erblickt, das Eine im Vielen, das Bleibende und Immerwährende. Doch stellt sich nun die Frage, was den Philosophen zu dieser Erkenntnishaftigkeit befähigt. Für Platon ist dies die Erkenntnis der Idee des Guten, die allem anderen vorausliegt, allem anderen Sein und Nutzen verleiht.

Den Ausgang meiner Arbeit soll eine kurze Einführung in die platonische Ideenlehre, sowie eine anschliessende Analyse der im VI. Buch der Politeia enthaltenen Ausführung der Idee des Guten in Form des Sonnen– bzw. Liniengleichnisses bilden. Im folgenden schliesst ich eine Untersuchung der auf der platonischen Philosophie gründenden Idee des Einen von Plotin an, die sowohl Parallelen zur platonischen Lehre aufweist, darüber hinaus jedoch als deren Interpretation betrachtet werden kann, die bis in die christliche Mystik des Mittelalters ihre Auswirkungen zeigt, wie dies die Philosphie Cusanus belegt.

2 Die Idee des Guten in der Politeia
2.1 Die Ideenlehre Platons

¨Uber die gesamte Schaffensperiode Platons hinweg sieht sich seine Philosophie in einer ständigen Periode begriffen, was sich letztlich auch auf die von ihm entworfene Ideenlehre auswirkt. So schreibt Giovanni Reale:


”Wahr ist auch, dass sich in Platons kaleidoskopischen Darstellungen der Ideen in zahlreichen Dialogen Begriffe und Bilder, Logos und Mythos verschiedentlich kreuzen und die Leser in arge Verlegenheit bringen“1.

Für Platon existiert ein Seiendes nie an sich, sondern lediglich als qualitativ bestimmtes Sein in der Welt der sinnlichen Wahrnehmung. Doch über die Welt dieser Phänomene und Erscheinungen, wie Platon sie nennt, sei kein wirkliches Wissen und keine wahre Erkenntnis möglich, sondern sie verleite zu einer blossen Meinungsbildung, die die Wahrheit nicht erfassen könne. Der Begriff des zu bestimmenden Seienden, der als Zusammenschau aller Exemplare dieses Seienden verstanden werden muss, bezeichnet für ihn die Idee, die nicht wie deren einzelnes Abild einem ständigen Werden und Vergehen unterworfen ist, sondern ewig, unveränderlich und vollkommen vorliegt. Ausgehend davon erklärt Platon die Idee als das wahrhaft Seiende. Die Zweiteilung in Abbild und Idee wiederum findet ihre Verbindung in dem Gedanken der Teilhabe (methexis), der besagt, dass jedes Abbild Teil an der ihr übergeordneten Idee hat:


”Denn mir scheint, wenn etwas anderes schön ist ausser dem Schönen selbst, dies wegen nichts anderem schön zu sein, als weil es teilhat an jenem Schönen; und ebenso behaupte ich es von allen anderen‘“2

Das Bestreben, das Seiende in seinem Wesen anzusprechen führt Platon immer wieder auf die Ideenlehre zurück, wenn er schreibt: 


”Denn es ist jetzt vom Gleichen nicht in höherem Maße die Rede als auch vom Schönen selbst und dem Guten selbst und dem Gerechten und Frommen und, wie ich sage, von allem, das wir mit dem Begriff ”das selbst, was ist“ bezeichnen, sowohl in den Fragen die wir stellen, als auch in den Antworten, die wir geben.“3.

Im Gegensatz zu den Veränderungen, denen ein Seiendes in der Sinnenwelt unterliegt, besitze die Idee ein ewig unveränderliches Sein:


”Das Gleiche selbst, das Schöne selbst, jedes selbst, was ist, das Sein, nimmt doch wohl niemals eine Veränderung an, welcher Art auch immer? Oder verhält sich nicht jedes von ihnen, das ist, als ein für sich Einförmiges immer dieselbe Weise und gleich und nimmt niemals, nirgends und nicht im mindesten irgendeine Veränderung an?“4.

Die Idee aber sei nicht wie ihr Abbild durch die sinnliche Anschauung zu erfassen und könne nur im Denken erkannt werden:


”Und diese Dinge kannst du wohl berühren und sehen und mit den anderen Sinnen wahrnehmen, die sich immer gleich verhalten, hingegen kannst du wohl niemals auf andere Weise erreichen als durch das Denken des Geistes, sondern unsichtbar sind diese und werden nicht gesehen.“5.

[...]

1 G. Reale, Zu einer neuen Interpretation Platons, S. 155
2 Platon, Phaidon, 100c 4.
3 ebenda, 75c 9.
4 ebenda, 78d 5.
5 ebenda, 79a 1.


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