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Die Römer und die Randvölker des Imperium Romanum - Eigenidentifikation und Fremdenbild der Römer gegenüber den Germanen

Autor: Laury Sarti
Fach: Geschichte - Frühgeschichte, Antike

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Details

Veranstaltung: Fremdenfeindlichkeit in der Antike
Institution/Hochschule: Universität Hamburg
Tags: Römer, Randvölker, Imperium, Romanum, Eigenidentifikation, Fremdenbild, Römer, Germanen, Fremdenfeindlichkeit, Antike
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2005
Seiten: 19
Note: 2
Literaturverzeichnis: ~ 27  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 295 KB
Archivnummer: V43212
ISBN (E-Book): 978-3-638-41064-9

Textauszug (computergeneriert)

 

Fachbereich Philosophie und Geschichtswissenschaften
Universität Hamburg

Wintersemester 2004/2005

Hauptseminar: »Fremdenfeindlichkeit in der Antike«
Die Römer und die Randvölker des Imperium Romanum

Eigenidentifikation und Fremdenbild
der Römer gegenüber den Germanen

von 
Laury Sarti

(7. Semester)

 

 

Inhaltsverzeichnis


1 EINLEITUNG 3

1.1 HISTORISCHER KONTEXT UND FRAGESTELLUNG 4
1.2 QUELLEN- UND FORSCHUNGSLAGE 5

2 EIGENIDENTIFIKATION UND FREMDENBILD DER RÖMER GEGENÜBER DEN GERMANEN  6

2.1 DIE BEGRIFFE GERMANI UND BARBARI 6
2.2 DIE DARSTELLUNGSWEISE DES FREMDEN GERMANEN IN DEN KAISERZEITLICHEN UND SPÄTANTIKEN QUELLEN 8
2.3 RÖMISCHE EIGENIDENTIFIKATION GEGENÜBER VON FREMDEM 9
2.4 ÜBERSETZUNG - UMGANG MIT FREMDEN UND ÜBERGANG ZUM EIGENEM 10
2.5 DER WANDEL VON WAHRNEHMUNG UND KRITERIEN VON FREMDEM 12
2.6 ANGST UND MISSTRAUEN - DIE REAKTION AUF DAS FREMDE  14

3 SCHLUSSFOLGERUNG 15

3.1 BIBLIOGRAPHIE 18
3.1.1 Quellen 18
3.1.2 Sekundarliteratur  19

 

 

1 EINLEITUNG

Das lateinische Wort hostis hatte für einen Römer eine doppeldeutige Bedeutung: es konnte sowohl „Fremd“ als auch „Feind“1 bedeuten. Dies besagt, dass das Fremde dem Römer als gefährlich entgegentreten konnte2. Ein weiterer Begriff, welcher der Bezeichnung hostis zumindest als juristischer Terminus gleichgesetzt werden konnte, war barbarus3. In der Opposition imperium und barbaricum, durch welche das eigene römische Selbstverständnis gebildet wurde4, stellten die barbari wie die hostis den Gegenpol zur römischen Welt dar5, welche beide die Gegenseite zum Römischen, d.h. das Nicht-Römische aber auch schlicht das geographisch vom Reich Getrennte bezeichnen konnten6. Innerhalb dieser Opposition trat die römische civilitas den barbari, weniger den hostes, als ideeller Gegenpol entgegen7, welche sich mit als positiv empfundenen Werten wie labor, ratio, aequitas, dignitas, honour, moderatio, modestia, continentia, virtus, constantia, gravitas, justitia, fides, religio, pietas oder clementia identifizierte und anhand von welchen sie sich vor den externi abgrenzte8. Diesen Idealen standen Grundeigenschaften wie feritas, ferocia, belli furor, discordia oder vanitas entgegen, die als barbarisch empfunden wurden9.

Unter diesen barbarischen Randgruppen10 vereinten sich alle nicht-römischen Völker, die dem Römischen Reich mehr oder weniger feindlich entgegentraten. Diese Studie hat zum Ziel, das römische Fremdenbild gegenüber diesen Randgruppen am Beispiel der spätantiken und frühmittelalterlichen Germanen zu betrachten, um zu klären, inwiefern die oben dargestellten Kategorisierungen auf die römische Darstellungsweise dieser Randgruppe zutreffen. Darüber hinaus sollen folgende Fragen im Vordergrund stehen: Hat sich die jeweilige Darstellungsweise über die Jahrhunderte verändert? Handelt es sich bei dieser Darstellungsweise um ein Feindbild, welche dieser Bevölkerungsgruppe von vorne herein negativ entgegengetreten ist? Inwiefern kann in diesem Kontext von Fremdenfeindlichkeit gesprochen werden?

1.1 HISTORISCHER KONTEXT UND FRAGESTELLUNG

Die Zeit nach dem Ende des 2. Jahrhunderts n. Chr. war geprägt von einer ersten intensiveren Annäherung zwischen Römern und Germanen11, welche sich zuvor eher aus grösserer Distanz begegnet waren. Der daraus resultierende Gewöhnungsprozess sollte in den folgenden Jahrhunderten einen sinkenden Bedarf an »Erklärungsmodelle[n] für germanisches Verhalten« mit sich ziehen, welcher durch die für die Zeit der Republik und frühen Kaiserzeit wichtigen ethnographischen Theorien12 gedeckt wurde. Dass es sich bei den Barbarentopoi, welche in diesem Zusammenhang Teil der römischen Propaganda gewesen waren, nicht ausschliesslich um einen Ausdruck der Angst der Römer vor den fremden Völkerschaften, sondern eher um eine ausserhalb dieser Gefahr entstandene Konstruktionen der römischen Autoren handelte, zeigt das abnehmende Auftreten dieser selben ab der Zeit der Markomannenkriege13, eine Zeit des Umbruchs14, in welcher wir im gegenteiligen Fall eine Verstärkung dieser Topoi erwarten würden15. Auch äußere Veränderungen begleiteten diese neue Annäherung zwischen Römern und Germanen. Denn nun passierte, wovon die römische Propaganda zuvor immer wieder gemeint hatte warnen zu müssen: die germanischen Völkerschafen bedrängten den rätisch-obergermanischen Limes und somit das Römische Reich. Diese „Germanen“, welche bis zu diesem Zeitpunkt außerhalb der römischen Propaganda eigentlich nie als Einheit existiert hatten16, begannen nun sich in neuen, meist größeren Völkerverbänden zusammenzuschließen, die alten Volksnamen verschwanden und neue Bezeichnungen mit einer oft relativ allgemeinen Bedeutung traten an ihre Stelle 17.

[...]


1 Darüber hinaus aber auch „Gegner“ oder „Rivale“.

2 TRZASKA-RICHTER, CHRISTINE: Furor teutonicus. Das römische Germanenbild in Politik und Propaganda von den Anfängen bis zum 2. Jahrhundert v. Chr., Trier 1991 24.

3 OHNACKER, ELKE: Die spätantike und frühmittelalterliche Entwicklung des Begriffs barbarus. Ein interdisziplinärer Versuch der Beschreibung distinktiver und integrativer gesellschaftlicher Konzept e, Münster 2003 42-43.

4 TIMPE, DIETER: Rom und die Barbaren des Nordens, in: Die Begegnung mit dem Fremden. Wertungen und Wirkungen in Hochkulturen vom Altertum bis zur Gegenwart, Stuttgart-Leipzig 1996, 37.

5 CHAUVOT, ALAIN: Opinions romaines face aux barbares au IVe sciècle ap. J.-C., Paris 1998 467-470.

6 DAUGE, YVES ALBERT: Le Barbare. Recherches sur la conception romaine de la barbarie et de la civilisation , Bruxelles 1981 42-43.

7 Ebd. 9, n. 1.

8 DAUGE 534-544.

9 Ebd. 807.

10 LUND, ALLAN A.: Zum Germanenbild der Römer. Eine Einführung in die antike Ethnographie , Heidelberg 1990 17.

11 Es soll hierbei daran erinnert werden, dass es »ein Volk, das sich Germanen nannte, ...vielleicht nie gegeben« hat, vielmehr haben wir es bei diesem Begriff mit einer Fremdbezeichnung zu tun, welche spätestens seit Caesar üblich geworden ist. POHL, WALTER, Die Germanen, München 2004, 1.

12 Die einzige erhaltene ethnographische Monographie ist die Germania des Tacitus. LUND, ALLAN A.: Zum Germanenbild der Römer. Eine Einführung in die antike Ethnographie, Heidelberg 1990, 19.

13 So bemerkt z. B. Trzaska-Richter, dass: »trotz der schweren und langwierigen kriegerischen Auseinander - setzungen mit Völkerschaften aus dem barbaricum ... sich in der Überlieferung der Markomannenkriege, mit Ausnahme der Schilderungen Herodians, kaum typische Barbarentopoi« finden. TRZASKA-RICHTER, CHRISTINE: Furor teutonicus. Das römische Germanenbild in Politik und Propaganda von den Anfängen bis zum 2. Jahrhundert v. Chr., Trier 199, 222-242.

14 So meint z.B. Wolters, dass »langfristig gesehen, ... die ... Markomannenkriege einen grundsätzlichen Wandel in den römisch-germanischen Beziehungen« darstellen. WOLTERS, REINHARD: Die Römer in Germanien, München4 2004 (2000), 97-98. Auch Millar meint, dass das Ende des 2. Jahrhunderts n. Chr. »die neue Periode« einleitete. MILLAR, FERGUS (Hrsg.): Das römische Reich und seine Nachbarn. Die Mittelmeerwelt im Altertum IV, in: Fischer Weltgeschichte Band VIII, Frankfurt am Main 1966, 311.

15 Nach Herodian (TRZASKA-RICHTER 231-233) treten diese in der Antike in verstärktem Masse vor allem noch bei Ammianus Marcellinus wieder auf, z.B. Amm. XIV 10,14; XVI 5, 16-17; 11,8; 12,31.36.46.

16 Fontana meint hierzu, dass »in gewisser Weise ... die „Barbarenvölker“ von den Römern selbst erfunden« wurden und dass die Römer durch ihre Hetzpropaganda dazu beigetragen hatten » dass die von ihnen erdachten Gespenster plötzlich handgreifliche Wirklichkeit wurden«. FONTANA 23-24.

17 So bedeutet z.B. die Bezeichnung alemanni „alle Menschen“ oder „Menschen“, der Begriff francus - „der Kühne / Tapfere“ und nach seiner Verbreitung „der Freie“. GEARY, PATRICK J.: Die Merowinger. Europa vor Karl dem Grossen, München 1996, 84-85; vgl. auch WOLTERS 104-105, POHL 34-35 oder KAISER, REINHOLD: Das römische Erbe und das Merowingerreich, München 2004, 81.

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