Autoren: Enrico Kloth, Evelyne Schubert
Fach: Kunst - Kunsttheorie, Allgemeines
Details
Tags: Hellerau
Jahr: 2005
Seiten: 39
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 22 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 966 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-41175-2
Textauszug (computergeneriert)
Universität Erfurt
Philosophische Fakultät
Fachbereich Kommunikationswissenschaft
Veranstaltung „Synästhesie & Medienkunst“
Hellerau
von: Enrico Kloth und Evelyn Schubert
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 03 ©
2. Geschichte bis zum ersten Weltkrieg 04 – 05 ®
3. Karl Schmidt & der Werkbund 06 – 07 ©
4. Ideologische Aspekte zu Hellerau & Werkbund 07 – 09 ©
4.1. Ganzheitlichkeit 09 – 14 ©
4.2. Nachhaltigkeit 15 – 16 ©
4.3. Freude an der Arbeit 16 – 18 ©
4.4. Versöhnung Mensch und Industrie 18 – 19 ©
4.5. Form ohne Ornament 19 – 20 ©
4.6. Die Welt als Garten 20 – 22 ©
5. Eine vergleichbare englische Bewegung: Arts & Crafts 22 – 24 ©
6. Umsetzung der Hellerauidee 25 - 25 ®
6.1. Möbelproduktion und Einrichtungsgegenstände 25 - 27 ®
6.2. Mode 27 - 28 ®
6.3. Architektur 28 - 30 ®
6.4. Das Festspielhaus und Tanztheater 30 - 30 ®
7. Rückbezug zum Seminar „Synästhesie und Medienkunst“ 31 - 32 ®
8. Hellerau nach dem Krieg und heute 32 - 33 ©
9. Ausblick 34 – 34 ®
Bilderverzeichnis 35 - 37
Literatur 37 - 38
Internetquellen 39
® Verfasserin: Evelyn Schubert
© Verfasser: Enrico Kloth
1. Einleitung
Hellerau ist die erste Gartenstadt Deutschlands. Der Tischlermeister Karl Schmidt befand 1908 das Areal um den Ortschaften Klotsche und Rähmnitz für geeignet, um seine neue Fabrik zu bauen. Er baute aber nicht nur eine Fabrik, sondern seinen Arbeitern gleich eine Stadt dazu. 1910 lebten 60 Familien in Hellerau. Drei Jahre später war die Siedlung mit fast 2000 Einwohnern lebensfähig.1 Schmidt verfolgte bei seinem revolutionären Projekt die Idee eine Einheit zwischen Wohnen, Arbeiten und Kultur zu schaffen.
Doch Hellerau war mehr als ein sozialreformerisches Experiment im Grünen: Hellerau bildete ein exemplarisches Beispiel dafür, wie aus den Geistesströmungen des deutschen Werkbund eine Lebensform umgesetzt wurde. Diese Schrift entstand auf der Grundlage eines Referats mit dem Titel „Hellerau“. Es wurde am 08.11.2004 von den Studierenden der Fachrichtung Kommunikationswissenschaft Evelyn Schubert und Enrico Kloth an der Universität Erfurt im Seminar „Synästhesie und Medienkunst“ vorgetragen. Ziel dieser Arbeit ist es die Geschichte eines in Vergessenheit geratenen Ortes bei Dresden zu rekonstruieren. Weiter sollen ideologische Facetten Helleraus aufgedeckt werden, die hierzu in den Geistestraditionen des Deutschen Werkbundes gesehen werden. Nach der Präsentation der vergleichbaren englischen Arts & Crafts Bewegung sollen die Ergebnisse der ideologischen Betrachtung am Beispiel von ausgewählten Künsten und (Kunst- oder Alltags-) Gegenständen aus dem Umfeld Helleraus verdeutlicht werden. Abschließend steht das heutige Hellerau im Mittelpunkt des Interesses. Hierzu wird nach einer „Bestandsaufnahme“ die Frage diskutiert, in wie weit die Traditionen Helleraus bzw. des Werkbundes einer zeitgenössischen Anwendung genügen.
2. Geschichte bis zum ersten Weltkrieg
1898 Unter dem Tischler Karl Schmidt wurden die „Dresdener Werkstätten für Handwerkskunst“ gegründet. Die Bestrebung war eine Zusammenarbeit mit der Dresdener Künstlerschaft aufzubauen, um „billige, einfache, aber künstlerisch gestaltete Gebrauchsgegenstände“ herzustellen.2
1906 Da Karl Schmidts Werkstätten nicht mehr ausreichend Raum für seine Arbeit boten, musste er expandieren. Auf der Suche nach einem passenden Gelände für einen neuen Fabrikbau stieß er auf die Hellergegend bei Dresden. Auf 130 Hektar erworbenem Land lässt er neben einem neuen Werk auch eine Siedlung für seine Mitarbeiter errichten: Die künftige Gartenstadt Hellerau. Die Werkstätten und Wohnsiedlungen mit Kleinstwohnhäusern wurden nach dem Plan von dem Architekten Richard Riemerschmid umgesetzt.
1907 Am 6. Oktober diesen Jahres kam es zu der Gründung des „Deutschen Werkbundes“, welcher die Vereinigung von den Interessen des deutschen Kunstgewerbes, von Fabrikanten sowie Künstlern anstrebte. Karl Schmidt galt als einer der Initiatoren und arbeitete mit Wolf Dohrn zusammen, welcher im Folgenden Künstler und Kunsthandwerker nach Hellerau holte.3 1908 In diesem Jahr wurde die erste deutsche Gartenstadtsiedlung gegründet: Die Gartenstadt Hellerau mit dem Neubau der „Dresdener Werkstätten für Handwerkskunst“ konnte somit entstehen.
1909 Kam es zu der Grundsteinlegung der ersten Häuser. Am ersten April wurde mit der Produktion in der neuen, hochmodern ausgestatteten Fabrik begonnen. Karl Schmidt wusste seinen Angestellten vorbildliche Sozialleistungen, wie die eines humanen Arbeitsumfeldes oder der Einrichtung einer eigenen Berufsschule für Lehrlinge, zu offerieren. Richard Riemerschmids Maschinenmöbel galten als die ersten serienmäßig angefertigten Einrichtungsgegenstände aus den Werkstätten Helleraus. Die Produkte Helleraus wurden als höchst innovativ geschätzt und schon bald darauf sollte die Institution nationale und internationale Anerkennung erhalten. „Die Einheit von Wohnen und Arbeit, Kultur und Bildung, in einem von der Lebensreform geprägten Organismus“ wurde nun durch die Gartenstadt Hellerau geschaffen.4 Diese wurde zu einem Treffpunkt des intellektuellen Europas, einem Ort für die rhythmische Gymnastik sowie zu einem Experimentierfeld des modernen Theaters. Der Dichter Paul Claudel bezeichnete das sozialreformerische Hellerau daraufhin als die „Werkstatt einer neuen Humanität“.5 In diesem Jahr wurde das Festspielhaus Hellerau von Heinrich Tessenow gebaut. Der Genfer Komponist und Rhythmikpionier Emile Jaques-Dalcroze kam daraufhin nach Hellerau und leitete bis 1914 die dortige „Bildungsanstalt für Musik und Rhythmus“.
1912 kam es in den Sommermonaten, sowie im darauf folgenden Jahr, zu einer Anreise von bis zu 5000 Besuchern zu den Vorführungen von Jaques-Dalcroze. Zu den Besuchern zählten unter anderem Thomas Mann, Stefan Zweig und Oskar Kokoschka.6
1913 Verlässt Riemerschmid Hellerau Mit dem Beginn des ersten Weltkrieges kam das internationale Leben in Hellerau zum Ende seiner Blütezeit und eine weitere Entwicklung in jenem Maße wurde abgebrochen. Die Nationalsozialisten beschlagnahmten daraufhin das Gebiet und errichteten dort eine Polizeischule.7 Nach dem zweiten Weltkrieg wurde das Hellerauer Werk enteignet und als Hauptbetrieb des VEB Möbelkombinat Dresden genutzt.
3. Karl Schmidt und der Werkbund
Da die ideologische Erschließung der Hellerau- Idee mit Hilfe des Programms des deutschen Werkbundes vorgenommen werden soll, muss im Vorfeld die Frage geklärt werden: Was verbindet Hellerau mit dem deutschen Werkbund? Den Schlüssel zur Beantwortung dieser Frage bildet die Person Karl Schmidts selbst. Karl Schmidt muss neben anderen Personen als treibende Kraft bei der Schaffung der Institution des Werkbundes gesehen werden. Schon 1906 spürte er wie auch Friedrich Naumann, dass eine nationale Organisation nötig sei, die im Stande wäre, die freigesetzten Reformkräfte zu nähren, wenn die durch die Dresdener Werkstätten erzielten Erfolge sich nicht verflüchtigen sollten. Deshalb entwickelten beide im Umfeld der Dresdener Kunstgewerbeausstellung den Plan für die organisatorische Gestalt des Werkbundes.8 Den Hintergrund Schmidts Streben bildete neben Bündelung von Reformströmungen vor allem seine Sehnsucht nach einer kraftvollen, beständigen und harmonischen Gesellschaft.9 Sein Tischlerbetrieb und die Pläne zur Ausgestaltung des neuen Gemeinwesens Hellerau war demnach nur ein lokales Muster, das er im Idealfall auf eine ganze Gesellschaft anzuwenden versuchte.
[...]
1 http://zeus.zeit.de/text/archiv/1997/14/hellerau.txt.19970328.xml
2 http://www.hellerau-gb.de/gbh/historie_historie.htm
3 Vgl. http://www.hellerau-gb.de/gbh/historie_historie.htm
4 http://zeus.zeit.de/text/archiv/1997/14/ hellerau.txt.19970328.xml
5 Ebd.
6 Ebd.
7 Ebd.
8 Vgl. Fehr, Michael; Röder, Sabine; Storck, Gerhard: „Das schöne und der Alltag: Die Anfänge modernen Designs 1900 - 1914 “, Köln: Wienand Verlag, 1997; S.21
9 Vgl. Campbell, Joan: „Der Deutsche Werkbund : 1907 - 1934“, München : Klett-Cotta im Dt. Taschenbuch Verl., 1989; S. 27.
Kommentare
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden: