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Details

Veranstaltung: Kunst der Aufklärung in Frankreich
Institution/Hochschule: Philipps-Universität Marburg (Kunstgeschichtliches Institut)
Tags: Ballonfahrten, Brüder, Montgolfier, Kunst, Aufklärung, Frankreich
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2004
Seiten: 24
Note: 2
Literaturverzeichnis: ~ 13  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 822 KB
Archivnummer: V43426
ISBN (E-Book): 978-3-638-41223-0
ISBN (Buch): 978-3-638-65710-5

Zusammenfassung / Abstract

Der erste öffentliche Flugversuch der Brüder Montgolfier im Juni 1783 bildete den Auftakt für eine ganze Reihe von Experimenten in der Luftfahrt. Unter großer Anteilnahme und Begeisterung entstand eine geistige Strömung, die man später als "Ballonmanie" bezeichnete. Das Thema der Luftfahrt wurde nicht nur in den Bereichen der Technik und Wissenschaft reflektiert, sondern auch in der Kunst und Literatur. Für wohlwollende Autoren und fortschrittskritische Karikaturisten war die Ballonfahrt gleichermaßen ein anziehendes Thema. Sogar in der Mode wurde das Motiv des Ballons mit Begeisterung verwertet. Überall traf man auf Zitate der beliebten Ballonform. Kleidungsstücke, Frisuren, Schmuck und sogar Torten verzierte man mit Ballonemblemen. Eine Pariser Tageszeitung kommentierte 1783 dieses Phänomen wie folgt: "[…] daß seit dieser Zeit Kleine und Große davon sprechen und sich mit Versuchen beschäftigen […] Alle unsere Professoren der Physik lesen jetzt über nichts anderes als über Gas, über brennbare Luft, über den aerostatischen Ball und über die Mittel, solchen in der Luft zu dirigieren." Diese nationale Begeisterung über Frankreichs Führungsposition auf dem Gebiet der Luftfahrt, schlug sich auch in einer Vielzahl von Drucken nieder. Sie spiegeln nicht nur die damalige Stimmung wider, sondern geben auch Auskunft über den Bedeutungszuwachs, den die Druckgrafik im 18. Jahrhundert erfahren hat. Zunächst im Dienste der Reproduktion bekannter Gemälde stehend, entwickelte die Druckgrafik zunehmend eigene Stilmittel zur Darstellung gesellschaftlichen Lebens. Ein schnell wachsender Markt reagierte mit inhaltlichen und technischen Verbesserungen im druckgrafischen Bereich auf das steigende Bedürfnis der Pariser Bevölkerung nach Teilhabe an der Wissenschaft und der Kunst. Anhand einiger Kupferstiche zu den Flugversuchen der Brüder Montgolfier soll im Folgenden diese Entwicklung verdeutlicht werden. Zuvor scheint es notwendig, auf die gesellschaftlichen Veränderungen im 18. Jahrhundert einzugehen, die in unmittelbarem Bezug und Einfluss zur Druckgrafik dieser Zeit stehen. Beginnen wird diese Arbeit mit der Schilderung der ersten Flugversuche der Brüder Montgolfier und ihres Konkurrenten Professor Charles, welche die Bildvorlagen für die untersuchten Kupferstiche lieferten.

Textauszug (computergeneriert)

 

Philipps-Universität Marburg

Fachbereich 09
Kunstgeschichtliches Institut
HS: Kunst der Aufklärung in Frankreich

Sommersemester 2004


Die Ballonfahrten der Brüder Montgolfier
im Kupferstich des 18. Jahrhunderts

Susanne Paesel

1. HF: NdL + Medien
2. HF: Kunstgeschichte
(beide im 11. Semester)

 

 

Inhaltsverzeichnis


1 Einleitung 3

2 Hauptteil

2.1 Die Flugversuche der Brüder Montgolfier 4
2.2 Die Druckgrafik im 18. Jahrhundert 9
2.3 Kupferstiche zu den Ballonfahrten der Brüder Montgolfier
2.3.1 Erster Aufstieg eines Ballons der Brüder Montgolfier zu Annonay am 5. Juni 1783 12
2.3.2 Missglückter Versuch am 12. September 1783 13
2.3.3 Aufstieg einer Montgolfière mit Tieren zu Versailles am 19. September 1783 14
2.3.4 Start der ersten bemannten Montgolfière mit Pilàtre de Rozier und Marquis d′Arlandes am 21. November 1783 16

3 Schlußbetrachtungen 17

4 Abbildungen 19

5 Abbildungsnachweis 24

6 Literaturverzeichnis

6.1 Quellensammlungen und Kataloge 24
6.2 Darstellungen 24

 

 

1 Einleitung

Der erste öffentliche Flugversuch der Brüder Montgolfier im Juni 1783 bildete den Auftakt für eine ganze Reihe von Experimenten in der Luftfahrt. Unter großer Anteilnahme und Begeisterung entstand eine geistige Strömung, die man später als "Ballonmanie" bezeichnete.1 Das Thema der Luftfahrt wurde nicht nur in den Bereichen der Technik und Wissenschaft reflektiert, sondern auch in der Kunst und Literatur. Für wohlwollende Autoren und fortschrittskritische Karikaturisten war die Ballonfahrt gleichermaßen ein anziehendes Thema. Sogar in der Mode wurde das Motiv des Ballons mit Begeisterung verwertet. Überall traf man auf Zitate der beliebten Ballonform. Kleidungsstücke, Frisuren, Schmuck und sogar Torten verzierte man mit Ballonemblemen.

Eine Pariser Tageszeitung kommentierte 1783 dieses Phänomen wie folgt:


"[…] daß seit dieser Zeit Kleine und Große davon sprechen und sich mit Versuchen beschäftigen […] Alle unsere Professoren der Physik lesen jetzt über nichts anderes als über Gas, über brennbare Luft, über den aerostatischen Ball und über die Mittel, solchen in der Luft zu dirigieren."2

Diese nationale Begeisterung über Frankreichs Führungsposition auf dem Gebiet der Luftfahrt, schlug sich auch in einer Vielzahl von Drucken nieder. Sie spiegeln nicht nur die damalige Stimmung wider, sondern geben auch Auskunft über den Bedeutungszuwachs, den die Druckgrafik im 18. Jahrhundert erfahren hat. Zunächst im Dienste der Reproduktion bekannter Gemälde stehend, entwickelte die Druckgrafik zunehmend eigene Stilmittel zur Darstellung gesellschaftlichen Lebens. Anhand einiger Kupferstiche zu den Flugversuchen der Brüder Montgolfier soll im Folgenden diese Entwicklung verdeutlicht werden.

Zuvor scheint es notwendig, auf die gesellschaftlichen Veränderungen im 18. Jahrhundert einzugehen, die in unmittelbarem Bezug und Einfluss zur Druckgrafik dieser Zeit stehen.

Beginnen wird diese Arbeit mit der Schilderung der ersten Flugversuche der Brüder Montgolfier und ihres Konkurrenten Professor Charles, welche die Bildvorlagen für die untersuchten Kupferstiche lieferten.

2 Hauptteil
2.1 Die Flugversuche der Brüder Montgolfier

Von Jugend an interessierten sich die Brüder Montgolfier, Söhne eines alteingesessenen Papierfabrikanten aus Annonay in Südfrankreich, für technische und naturwissenschaftliche Neuerungen, insbesondere für solche, die sich mit der Thematik des Fliegens beschäftigten.3 Bei einem Aufenthalt in Avignon im November 1782 beobachtete Joseph-Michel Montgolfier, wie Rauch, Funken und sogar kleinere Holz- und Kohlestückchen unablässig durch den Kaminschacht nach oben gesaugt wurden. Er vermutete, dass ein Gas, welches leichter als Luft sei, die Partikel trage. Die Frage war nun, ob man nicht dieses Gas einfangen und andere Objekte tragen lassen könnte. Nach mehreren erfolgreichen Versuchen noch an Ort und Stelle mit verschiedenen Stoffbeuteln über dem Rauch eines Papierfeuers schlug Joseph-Michel seinem Bruder Étienne-Jacques einen Versuch in größerem Rahmen vor. Nach seiner Rückkehr aus Avignon machten die Brüder gemeinsam eine Reihe von geheimen Tests mit immer größeren "aerostatischen Maschinen", wie sie ihre Flugapparate nun nannten. Sie verwendeten Stroh, Tierkadaver und angefeuchtete Wolle als Heizmaterial. Die daraus entstehenden Dämpfe bezeichneten die Brüder als Montgolfiersches Gas. Diesem Gas schrieben sie elektrische Eigenschaften zu, welche sie für den Auftrieb ihrer Flugapparate verantwortlich machten.4

Nach zwei abschließenden Testversuchen mit kleineren Papierballonen war es dann am 4. Juni 1783 Zeit für eine öffentliche Vorführung. In Anwesenheit der Ständevertretung der Grafschaft Vivarais in den Cevennen sollte ein großer Ballon starten. Bei bedecktem Himmel und leichtem Regen hatte sich neben den Ständemitgliedern eine große Anzahl Schaulustiger auf dem Marktplatz des kleinen Städtchens Annonay versammelt. (Vergl. Abbildung 1)

Die Brüder Montgolfier hatten den Ballon mit Tauen zwischen zwei Masten gehängt. Darunter brannte zum Aufheizen ein Feuer, gespeist aus Stroh und angefeuchteter Wolle. Die 12 Meter lange Hülle des Ballons bestand aus aneinander

geknüpften Leinwänden und war innen mit Papier verkleidet. Acht Männer hielten den Ballon, bis sie ihn auf ein Kommando von Étienne-Jaques Montgolfier losließen. Angeblich erreichte er nach dem Start eine Höhe von 1830 Metern, was jedoch zu bezweifeln ist.

Die Mitglieder der Stände von Vivarais meldeten den Versuch nach Paris. Es hießt dazu in einem Bericht:


"Auch die Mitglieder der Stände von Vivarais konnten unmöglich über diese ganze so wunderbare Erscheinung mit sich selbst ins klare kommen. Sie waren jedoch so klug, nicht ein Urteil darüber sich anzumaßen, sondern ganz einfach ein Protokoll über alle vorgekommenen Tatsächlichkeiten und Erscheinungen ausführlich aufzunehmen und solches an die Akademie der Wissenschaften zu Paris einzusenden.

Sobald dieser Bericht in Paris eingetroffen war, beantragte der Minister, Herr von Breteuil, bei der Akademie der Wissenschaften die Ernennung einer eigenen Kommission zu genauer Untersuchung und Erörterung aller Tatsachen.

Die Akademie ging auf diesen Antrag ein und ernannte zu dieser Kommission eine Reihe der tüchtigsten und berühmtesten Fachmänner. Die Akademie ging zu möglichster Aufklärung und Förderung der Sache noch einen Schritt weiter: Sie setzte Herrn Etienne Montgolfier freundlichst in Kenntnis davon, dass zu Paris in kürzester Frist ein Versuch auf Kosten der Akademie veranstaltet werden sollte, und lud ihn ein, zu diesem Zwecke selbst nach Paris zu kommen und alle praktischen Vorkehrungen und Arbeiten dabei selbst zu leiten. Etienne Montgolfier folgte diesem so freundlichen als ehrenvollen Rufe."5

Die Brüder Montgolfier wurden zwar prompt von der Académie des Sciences zu einer Vorführung nach Paris gebeten, konnten der Aufforderung jedoch aus Zeitgründen nicht sofort nachkommen. Man war an der königlichen Akademie natürlich nicht besonders erfreut, dass ausgerechnet in der französischen Provinz und nicht in der Hauptstadt selbst der erste Flugversuch gelungen war.6

Einer der Gelehrten, Faujas de Saint-Fond, Professor am Jardin des Plantes, rief zu einer Subskription auf, um Mittel für eigene aerostatische Experimente und den Bau einer Flugmaschine zu beschaffen.7 In wenigen Tagen kamen 10 000 Livres zusammen. Man beauftragte einen jungen französischen Physiker, Professor Jacques Alexandre César Charles, mit der Gesamtleitung. Er war entgegen der Brüder Montgolfier der Auffassung, dass Heißluft nicht das ideale Auftriebsgas sei.

[...]


1 Wissmann, Gerhard: Geschichte der Luftfahrt. Berlin 1975, S. 92

2 Jacobius, Helene: Luftschiff und Pegasus. Der Widerhall der Erfindung der Luftballons in der zeitgenössischen Literatur.Halle 1909, S. 4

3 Vergl. im Folgenden: Wissmann (Anmerk. 1), S. 81-92

4 Straub, Heinz: Fliegen mit Feuer und Gas. Die Geschichte der Ballon- und Luftschiffahrt. Stuttgart 1984, S. 22

5 zitiert nach Straub (Anmerk. 4), S. 22-23; keine weiteren Angaben zur Quelle

6 Wissmann (Anmerk. 1), S. 84

7 Vergl. im Folgenden: Straub (Anmerk. 4), S. 23-25

 

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