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"Educating Rita" als moderne Version des Pygmalion-Mythos

Autor: Thomas Geisler
Fach: Anglistik - Literatur

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Details

Veranstaltung: Übungen zum englischen Drama seit 1956
Institution/Hochschule: Universität Augsburg (Philosophische Fakultät II)
Tags: educating rita pygmalion mythos shaw galatea
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 1998
Seiten: 17
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 217 KB
Archivnummer: V4371
ISBN (E-Book): 978-3-638-12708-0
ISBN (Buch): 978-3-638-77084-2
Anmerkungen :
Besonderes Augenmerk im Vergleich zu Shaws Pygmalion; incl. ausführlichem Literaturverzeichnis.

Zusammenfassung / Abstract

Wenn in einem Drama eine junge Frau aus der working class bei einem Professor er-scheint und darum bittet ausgebildet zu werden, so ist dies für alle, die mit der britischen Theatertradition vertraut sind, als eine direkte Anspielung erkennbar. Denn mit der glei-chen Bitte sucht in George Bernard Shaws Pygmalion die Blumenverkäuferin Eliza Doolittle Professor Higgins auf (Reitz 123). Diese Behauptung zumindest stellt Bernhard Reitz in seinem Nachwort der Reclam-Ausgabe Educating Rita von Willy Russell auf. Wenn der Kern des Inhaltes dieses Dramas mit Literatur früherer Generationen verglichen werden soll, so erscheint es in der Tat unausweichlich, sich Pygmalion anzunähern. Allerdings werden unter genanntem Titel zwei verschiedene Literaturwerke assoziiert, welche zwar insofern parallele Handlungen aufweisen, als es sich in beiden Fällen um eine Verwandlung handelt. Aber der mythische Stoff des Pygmalion, nämlich Ovids Fassung in seinen Metamorphosen, ist dem von Shaws Pygmalion umgekehrt. So weist das Mythos, das von einem Mann erzählt, der sich eine Frau nach seinen Vorstellungen und Wünschen erschafft, meiner Meinung nach erheblich mehr Parallelen zum Drama Educating Rita auf, als das von Reitz angeführte Stück Shaws. Dessen Handlung läuft geradlinig auf das exakte Gegenteil hinaus, nämlich die Entpersonifizierung einer Frau - die Verwandlung der natürlichen Eliza, in eine entwurzelte, gekünstelte Figur. Verstanden? Nein? Kein Problem. Ziel der folgenden 11 Seiten ist es, diesen Wirrwarr von Frau, Mann, Verwandlung etc. und weitere Thematiken von heute und gestern aufzulösen. Doch bevor wir Willy Russells Drama Shaws Pygmalion gegenüberstellen, möchte ich es mir des besseren Verständnisses und der Bedeutung wegen erlauben, vorweg einen kleinen Einblick in Ritas sich veränderndes Leben zu gewähren.

Textauszug (computergeneriert)

Educating Rita als moderne Version des Pygmalion-Mythos

von Thomas Geisler

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung S. 3

2 Die Hauptfiguren und ihre Entwicklung S. 3

3 Die Mann-Frau-Beziehung und deren unterschiedliche Ausprägungen S. 8

4 Die Interpretationen der Schöpferrolle des Mannes, oder
"Wie bildet man die beste Frau?" S. 9

5 Das Erscheinungsbild der Frau S.12
5.1 Galatea - nicht mehr als ein Kunstwerk? S.12
5.2 Der feministische Aufstand bei Shaw S.13
5.3 Rita - die moderne Version Ovids und Shaws Frauenbild S.13

6 Schluß S.15

7 Literaturverzeichnis S.16

1 Einleitung

Wenn in einem Drama eine junge Frau aus der working class bei einem Professor erscheint und darum bittet ausgebildet zu werden, so ist dies für alle, die mit der britischen Theatertradition vertraut sind, als eine direkte Anspielung erkennbar. Denn mit der gleichen Bitte sucht in George Bernard Shaws Pygmalion die Blumenverkäuferin Eliza Doolittle Professor Higgins auf (Reitz 123).

Mit dieser Aussage assoziiert Bernhard Reitz in seinem Nachwort der Reclam-Ausgabe Educating Rita von Willy Russell zwei Werke des englischsprachigen Theaters, die ihre Erstaufführung in zwei unterschiedlichen Zeitabschnitten der Welt- und Literaturgeschichte erfuhren. Vor allem im Hinblick auf die Rolle der Frau in der Gesellschaft und den Umgang des Mannes mit dem weiblichen Geschlecht, zwei essentielle Themen dieser Arbeit, ist diese epochale Unterscheidung von Bedeutung.
Beispiele dafür, daß die zeitliche Diskrepanz der beiden Stücke jedoch kein Hindernis darstellt, ähnlichen Stoff zum literarischen Inhalt zu machen, soll diese Arbeit u.a. liefern.
Die Grundstruktur sowohl in Russells Educating Rita (1980) als auch in Shaws Pygmalion (1912) weist nämlich eine Lehrer-Schüler- bzw. Mann-Frau-Beziehung auf, bei der das Einwirken des Mannes eine Veränderung des weiblichen Geschlechts bzw. die zusätzliche Umkehrung dieses Prozesses in einem der beiden Texte verursacht.
Blättert man in der Literaturgeschichte einige Kapitel zurück, stößt man auf ganz ähnliches Gedankengut, nämlich Ovids Pygmalionstoff, der die Metamorphose einer Frauenfigur aus Elfenbein zum menschlichen Wesen zum Thema hat.
Wie Willy Russells Drama liegt auch den beiden Pygmaliontexten das Modell der Erschaffung einer Frau nach den Bedürfnissen des Mannes zugrunde. Die verschiedenartigen Interpretationen dieses Leitgedankens werden jedoch deutlich.
Ziel der Abhandlung soll es sein, durch eingehende Analysen und Vergleiche Aufschluß darüber zu geben, inwieweit Russells Educating Rita als neuzeitlicher Pygmalionstoff aufgefaßt werden kann.

2 Die Hauptfiguren und ihre Entwicklung

Bevor Ovids Pygmalion größere Aufmerksamkeit zuteil werden soll, möchte ich zunächst grundlegende Berührungspunkte bzw. Diskrepanzen bei der Veränderung der Charaktere Russells im Vergleich mit Shaws aufzeigen.
Reitz` Aussage zufolge ist bei Russell eine direkte Anspielung auf Shaw erkennbar, da sowohl in Educating Rita als auch in Shaws Pygmalion eine junge Frau aus der working class bei einem Professor erscheint und um Ausbildung bittet.
Jedoch ist bereits in diesem frühen Stadium der Handlung eine wesentlicher Unterschied festzustellen. Anders als Eliza, die junge Frau bei Shaw, setzt sich Rita bei Willy Russell als Unterrichtsziel, Bildung zu erlangen ("I wanna know", Russell 13) und ihrer als "pissed or on valium" (50) bezeichneten working class den Rücken zuzukehren.

[...]

Kommentare

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