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Autor: Karsten Hartdegen
Fach: Pädagogik - Berufserziehung, Berufsbildung, Weiterbildung
Details
Tags: Lernfeldkonzept, Grundlagen, Intentionen, Chancen, Risiken, Stärken, Schwächen, Implementierung, Teil, Ausbildung
Jahr: 2005
Seiten: 21
Note: SEHR GUT (1,3)
Literaturverzeichnis: ~ 87 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 236 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-41459-3
ISBN (Buch): 978-3-638-59697-8
Leistungsnachweis in Form einer schriftlichen Hausarbeit im Hauptstudium im Magisterstudiengang im Hauptfach Erziehungswissenschaften an der FernUniversität Hagen, Sommersemester 2005
Zusammenfassung / Abstract
Die Abkehr von den fachspezifischen Qualifikationen hin zu umfassenden Kompetenzen [Anders formuliert: "Kompetenzen werden von Wissen fundiert, durch Werte konstituiert, als Fähigkeit disponiert, durch Erfahrungen konsolidiert und auf Grund von Wissen realisiert." (Erpenbeck/Heyse 1999, S. 162)], welche diese zwar einschließen aber weit darüber hinaus gehen, wird im Zuge der Diskussion um die Anpassung der beruflichen Ausbildung an die dramatischen Veränderungen in der Berufswirklichkeit seit längerem gefordert (vgl. Zöller 2005). So zeigte Mertens bereits im Jahre 1974 auf, dass die Zerfallszeit der erworbenen Qualifikationen positiv mit ihrer Praxisnähe und negativ mit ihrem Abstraktionsniveau korreliere. Er forderte ein Abrücken von der Tendenz, angesichts der Unsicherheit über die Entwicklung der Arbeitsanforderungen das Angebot an Faktenwissen zu verbreitern. Stattdessen solle eine Hinwendung zu einer flexiblen Gestaltung der Bildungsinstitutionen und zu einer stärkeren Orientierung der Lernprozesse an transferfähigen Problemlösungsfähigkeiten und Kompetenzstrukturen angestrebt werden (vgl. Kutscha 1994, S. 27; Drude/Herrgesell 2005, S. 44 - 65). Dohmen beschrieb dies folgendermaßen: "In einer Zeit, in der aus dramatischen Umbrüchen und Transformationen eine noch weitgehend unbekannte Zukunft entsteht, müssen auch im Berufsbildungsbereich über die Vermittlung aktuell funktionsspezifischer 'Qualifikationen' hinaus verstärkt persönliche 'Kompetenzen' entwickelt werden. Denn sie sind offenere subjektive Potentiale und Verhaltensdispositionen, die sich laufend durch die konstruktivlernende Verarbeitung von Erfahrung und Informationen weiterentwickeln".... (Dohmen 1996, S. 3) Daraus verändern sich konsequenterweise der pädagogische Auftrag und das konkrete Unterrichten. Diese Veränderungen werden sowohl in der Didaktik (vgl. Rauschenbach 2005, S. 6) als auch in der Lern- und Hirnforschung (vgl. Spitzer 2002, S. 416 ff.) breit diskutiert und zum Teil auch vehement eingefordert, so dass der Eindruck entsteht, dieser Paradigmenwechsel sei irreversibel (vgl. Hartdegen 1999, S. 35 - 40). Ich möchte nun mit dieser Arbeit in komprimierter Form den Fragen nachgehen, ob dieser Paradigmenwechsel mit der Einführung des Lernfeldkonzeptes (LFK) im schulischen Teil der beruflichen (Erst-) Ausbildung möglich ist. Ich werde die Vor- und Nachteile der Einführung des LFKs aufzeigen und darauf hinweisen, was bei der unterrichtlichen Umsetzung grundsätzlich beachtet werden sollte.
Textauszug (computergeneriert)
Hausarbeit im Hauptstudium
FernUniversität Hagen
Fachbereich Kultur- und Sozialwissenschaften
Lehrgebiet Berufs- und Wirtschaftspädagogik
Thema
Das Lernfeldkonzept -
Theoretische Grundlagen, pädagogische Intentionen, Chancen, Risiken,
Stärken und Schwächen seiner Implementierung
im schulischen Teil der beruflichen (Erst-)Ausbildung
eingereicht von Karsten Hartdegen
vorgelegt am 04.08.2005
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung ... 4
2 Definitionen Handlungsfelder, Lernfelder, Lernsituationen und deren strukturell-curricularer Zusammenhang ... 5
3 Wesen des Lernfeldkonzeptes ... 6
4 Vorteile, Chancen und Stärken des Lernfeldkonzeptes gegenüber einer Fächersystematik ... 9
5 Nachteile, Risiken und Schwächen des Lernfeldkonzeptes gegenüber einer Fächersystematik ... 11
6 Resümee, Diskussion und Ausblick ... 15
Literaturverzeichnis ... 17
Vorbemerkungen
Im Text habe ich zur besseren Lesbarkeit ausschließlich die männliche Form der Geschlechterbezeichnung verwendet. Dieses Vorgehen bezieht natürlich das weibliche Geschlecht mit ein.
Es werden die Regelungen der neuen deutschen Rechtschreibung umgesetzt.
Im Text verwendete Abkürzungen
KMK Kultusministerkonferenz
LFK Lernfeldkonzept
Einführung
Die Abkehr von den fachspezifischen Qualifikationen hin zu umfassenden Kompetenzen1 , welche diese zwar einschließen aber weit darüber hinaus gehen, wird im Zuge der Diskussion um die Anpassung der beruflichen Ausbildung an die dramatischen Veränderungen in der Berufswirklichkeit seit längerem gefordert (vgl. Zöller 2005). So zeigte Mertens bereits im Jahre 1974 auf, dass die Zerfallszeit der erworbenen Qualifikationen positiv mit ihrer Praxisnähe und negativ mit ihrem Abstraktionsniveau korreliere. Er forderte ein Abrücken von der Tendenz, angesichts der Unsicherheit über die Entwicklung der Arbeitsanforderungen das Angebot an Faktenwissen zu verbreitern. Stattdessen solle eine Hinwendung zu einer flexiblen Gestaltung der Bildungsinstitutionen und zu einer stärkeren Orientierung der Lernprozesse an transferfähigen Problemlösungsfähigkeiten und Kompetenzstrukturen angestrebt werden (vgl. Kutscha 1994, S. 27; Drude/Herrgesell 2005, S. 44 - 65). Dohmen beschrieb dies folgendermaßen:
„In einer Zeit, in der aus dramatischen Umbrüchen und Transformationen eine noch weitgehend unbekannte Zukunft entsteht, müssen auch im Berufsbildungsbereich über die Vermittlung aktuell funktionsspezifischer „Qualifikationen“ hinaus verstärkt persönliche „Kompetenzen“ entwickelt werden. Denn sie sind offenere subjektive Potentiale und Verhaltensdispositionen, die sich laufend durch die konstruktivlernende Verarbeitung von Erfahrung und Informationen weiterentwickeln".... (Dohmen 1996, S. 3)
Daraus verändern sich konsequenterweise der pädagogische Auftrag und das konkrete Unterrichten. Diese Veränderungen werden sowohl in der Didaktik (vgl. Rauschenbach 2005, S. 6) als auch in der Lern- und Hirnforschung (vgl. Spitzer 2002, S. 416 ff.) breit diskutiert und zum Teil auch vehement eingefordert, so dass der Eindruck entsteht, dieser Paradigmenwechsel sei irreversibel (vgl. Hartdegen 1999, S. 35 - 40). Ich möchte nun mit dieser Arbeit in komprimierter Form den Fragen nachgehen, ob dieser Paradigmenwechsel mit der Einführung des Lernfeldkonzeptes (LFK) im schulischen Teil der beruflichen (Erst-) Ausbildung möglich ist. Ich werde die Vor- und Nachteile der Einführung des LFKs aufzeigen und darauf hinweisen, was bei der unterrichtlichen Umsetzung grundsätzlich beachtet werden sollte.
2 Definition Handlungsfelder, Lernfelder, Lernsituationen und deren strukturell-curricularer Zusammenhang
Zu Beginn möchte ich die wichtigsten Begrifflichkeiten des LFKs mit Arbeitsdefinitionen umschreiben, damit im folgenden Text Eindeutigkeit bezüglich ihrer Verwendung besteht.
„Handlungsfelder sind zusammengehörige Aufgabenkomplexe mit beruflichen sowie lebens- und gesellschaftsbedeutsamen Handlungssituationen, zu deren Bewältigung befähigt werden soll. Handlungsfelder sind immer mehrdimensional, indem sie stets berufliche, gesellschaftliche und individuelle Problemstellungen miteinander verknüpfen. Die Gewichtung der einzelnen Dimensionen kann dabei variieren. Eine Trennung der drei Dimensionen hat nur analytischen Charakter.“ (Bader 2001, S. 26)
Nicht jeder Arbeitsprozess wird somit automatisch zu einem didaktisch begründbaren Handlungsfeld. Die berufliche Bildung orientiert sich nicht ausschließlich an Arbeitsprozessen, sondern soll auch gesellschaftliche Schlüsselprobleme berücksichtigen. Durch eine didaktische Analyse soll nach der Gegenwarts- und Zukunftsbedeutung wie auch nach exemplarischem Lehren und Lernen gefragt werden, so dass ein begründetes Lernfeld abgeleitet werden kann (vgl. Klafki 1999, S. 13 – 34; Darmann 2005, S. 329 ff.). Das Herausstellen des Exemplarischen ist nicht primär ein Unterrichtsstoffreduktionsverfahren. Die Komplexität soll hierdurch nicht reduziert sondern durchschaubar gemacht werden (vgl. Lisop/Huisinga 1999, S. 167 f.; Becker 2002, S. 6 - 14). Gesucht werden Inhalte, welche im Besonderen Allgemeingültiges enthalten, dessen Gültigkeit über die im Lernprozess erarbeitete Situation hinausreicht und allgemeine Strukturen verdeutlicht (vgl. Fischer 1999, S. 397). Es gilt, das Muster des Ganzen von seinen Teilen aus zu erschließen (vgl. Huisinga 2000, S. 104). Die Rahmenlehrpläne der Kultusministerkonferenz (KMK) für den berufsbezogenen Berufsschulunterricht sind nach den sog. Lernfeldern strukturiert, welche aus den Handlungsfeldern durch didaktisch-methodische Analyse und Aufbereitung transformiert werden:
„Lernfelder sind durch Zielformulierung, Inhalte und Zielrichtwerte beschriebene thematische Einheiten, die an beruflichen Aufgabenstellungen und Handlungsabläufen orientiert sind. Aus der Gesamtheit aller Lernfelder ergibt sich der Beitrag der Berufsschule zur Berufsqualifikation. In besonderen Fällen können innerhalb von Lernfeldern thematische Einheiten unter fachwissenschaftlichen Gesichtspunkten vorgesehen werden. In jedem Fall ist auch für solche Einheiten der Zusammenhang mit dem Arbeitsprozess deutlich zu machen (KMK 2000, S. 14)“
Aus den Lernfeldern sollen nun Lernsituationen konstruiert werden:
„Lernsituationen stellen die konkretisierten kleinsten didaktisch aufbereiteten Einheiten von Lernfeldern dar. Diese curriculare Entwicklungsarbeit obliegt den Kollegen und Kolleginnen in den Schulen, um aus den meist sehr grob formulierten Lernfeldern konkrete Lehr- und Lernarrangements für die jeweiligen Bildungsgänge zu gestalten (Schneider 2003b, S. 86).“
Da Lernsituationen am Ende des Entwicklungsprozesses stehen, ist es wichtig, dass sie die relevanten Prozesse des jeweiligen Berufes widerspiegeln. Das bedeutet allerdings nicht, dass alle beruflichen Handlungsabläufe von den Lernenden „real durchlaufen“ werden müssen. Handlungen können vielmehr exemplarisch, simulativ und kognitiv erschlossen werden. Dabei wird das Fachwissen in den jeweiligen Lernsituationen reorganisiert (vgl. KMK 2000, S. 10.). Es ist die Aufgabe des Lehrers, unter Berücksichtigung der Rahmenbedingungen und des Handlungsfeldes handlungsorientierte Lehr-Lern-Arrangements2 zu gestalten, welche sowohl auf die Schule, den Betrieb und die Auszubildenden als auch die zukünftigen Anforderungen zugeschnitten sind (vgl. Wiese 2005).
3 Wesen des Lernfeldkonzeptes
Lernfelder sind durch Bezeichnung und Formulierung, Zielformulierung, Unterrichtsinhalte und sog. Zeitrichtwerte beschriebene thematische Einheiten (vgl. Hermann 2001, S. 5). Die erwünschten Qualifikationen und Kompetenzen, welche am Ende des schulischen Lernprozesses in einem Lernfeld erwartet werden, werden durch die Zielformulierung umschrieben (vgl. Ermert/Pollmüller 2001, S. 19). Sie bringen den didaktischen Schwerpunkt und die Anspruchsebene des Lernfeldes zum Ausdruck, wobei zum Offenhalten für Veränderungsprozesse ein angemessenes Abstraktionsniveau eingehalten werden soll (vgl. KMK 2000, S. 16). Die Zielformulierung beschreibt über Inhalte den Mindestumfang der beruflichen Fachlichkeit, welcher zur Erfüllung des Ausbildungsziels im Lernfeld notwendig ist. Eine fachsystematische Vollständigkeit kann zwar nicht erreicht werden, ein sachlogischer Aufbau der einzelnen Lernfelder mit übergreifender Struktur ist jedoch unerlässlich (vgl. Hermann 2001, S. 5).
[...]
1 Anders formuliert: „Kompetenzen werden von Wissen fundiert, durch Werte konstituiert, als Fähigkeit disponiert, durch Erfahrungen konsolidiert und auf Grund von Wissen realisiert.“ (Erpenbeck/Heyse 1999, S. 162)
2 Lehr-Lernarrangements sind inhaltlich und zeitlich abgegrenzte, ganzheitliche und komplex strukturierte Situationen des Lehrens und Lernens (vgl. Diepold 1988, S. 245).
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