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Termpaper, 2005, 23 Pages
Author: Marko Tomasini
Subject: Communications: Media and Politics, Politic Communications
Details
Institution/College: University of Erfurt (Philosophische Fakultät)
Tags: Genaues, Krisenberichterstattung, Beispiel, Liveübertragungen, Stunden, September, Fernsehen, Lektürekurs, Kommunikationswissenschaft
Year: 2005
Pages: 23
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 18 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-41831-7
ISBN (Book): 978-3-638-65745-7
File size: 288 KB
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Abstract
Mit dem Datum des 11. Septembers verbindet man heute den wohl grausamsten Terroranschlag in der Geschichte der Menschheit, welcher im Anschluss die gesamte Weltordnung in Frage stellen sollte. Es gibt mehrere Gründe, warum dieser Anschlag und der Tag an dem er geschah, solch gravierende Folgen für die Weltpolitik hatte. Zum Einem natürlich der Angriff auf die USA auf eigenem Territorium. Nie zuvor ist dieses Land so tief in seinem Selbstverständnis und in seinem Gefühl der Unangreifbarkeit verletzt worden, zudem von einer nichtstaatlichen, terroristischen Organisation. Zum Anderen natürlich das Ausmaß, welches dieser Anschlag erreichte. Nicht zuletzt allerdings muss man auch den Eindruck dieses Ereignisses und dieses Tages erwähnen, den er weltweit hinterlassen hat. Es war ein mediales Großereignis. Die ganze Welt konnte die Ereignisse in (vor allem) New York live am Fernsehen verfolgen. Das Unfassbare per Direktübertragung. Der zweite Einschlag in den Südturm war bereits live auf CNN zu sehen. Eine Repräsentativstudie der TU Ilmenau hat ergeben, dass fast 70% der deutschen Bevölkerung innerhalb von einer Stunde über das Geschehen in den USA informiert war. Der Einsturz der brennenden Bürotürme wurde von mehr Zuschauern am Bildschirm verfolgt, als irgendeine andere Katastrophe zuvor. Ulrich Wickert meint dazu: „Am Tag der Terroranschläge waren es die Fernsehbilder […], die die Zuschauer vor den Fernseher bannten.“ Es darf vermutet werden, dass die Terroristen vom 11. September 2001 auch diese Wirkung im Auge hatten. Neben der Tatsache, dass ihnen das Unglaubliche gelungen war, die USA zu demütigen, wollten sie mit Sicherheit auch genau diesen Effekt erzielen. Die Verbreitung des Schreckens von New York aus über die ganze Welt. Anderes wäre dieser Anschlag auch nicht zu erklären. Die Heftigkeit, mit der man hier vorging und die Brutalität sollten so real wie möglich auch die Leute erreichen, welche nicht vor Ort waren. Auf diese Art haben sie es erreicht, Angst und Schrecken auch dorthin zu transportieren, wo sie selbst nicht zugegen waren. Um die Berichterstattung am 11. September soll es in dieser Arbeit gehen. Dazu soll zunächst die Krisen- und Kriegsberichterstattung allgemein vorgestellt, später auf das Verhältnis von Terrorismus und (Massen-) Medien eingegangen und im Hauptteil auf die Berichterstattung am 11. September speziell im deutschen Fernsehen eingegangen werden.
Excerpt (computer-generated)
"Genaues wissen wir nicht..." Krisenberichterstattung am
Beispiel der Liveübertragungen in den ersten Stunden
des 11. September im deutschen Fernsehen
von: Marko Tomasini
6. Fachsemester
Inhalt
1. Einleitung S. 03
2. Krisen- und Kriegsberichterstattung S. 04
2.1 Information als Ware S. 05
2.2 Der Krieg und die Experten S. 06
2.3 Die Darstellungsform des „Infotainments“ S. 07
2.4 Politischer Einfluss S. 08
3. Terrorismus und die Medien S. 09
4. Die Berichterstattung am 11. September 2001 S. 11
4.1 Chronologie des Anschlags S. 12
4.2 Das Unfassbare beschreiben S. 13
4.2.1 Die Spontaneität des Ereignisses S. 14
4.2.2 Etwas kommentieren, das man selbst nicht versteht S. 16
4.2.3 Zu schnelle Klischees, zu schnell Krieg? S. 17
5. Resümee S. 20
Literatur S. 21
1. Einleitung
Mit dem Datum des 11. Septembers verbindet man heute den wohl grausamsten Terroranschlag in der Geschichte der Menschheit, welcher im Anschluss die gesamte Weltordnung in Frage stellen sollte. Das Böse war zurück in der Welt und nur wenige Tage nach den Anschlägen verkündete der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika einen „monumentalen Kampf des Guten“ gegen eben dieses Böse, den Weltfeind, wobei der Feldzug wieder ein paar Tage später zum „Kreuzzug“ avancierte.2 Die Welt wurde aufgeteilt.
Es gibt mehrere Gründe, warum dieser Anschlag3 und der Tag an dem er geschah, solch gravierende Folgen für die Weltpolitik hatte. Zum Einem natürlich der Angriff auf die USA auf eigenem Territorium. Nie zuvor ist dieses Land so tief in seinem Selbstverständnis und in seinem Gefühl der Unangreifbarkeit verletzt worden, zudem von einer nichtstaatlichen, terroristischen Organisation. Zum Anderen natürlich das Ausmaß, welches dieser Anschlag erreichte. Gleich drei zentrale Gebäude der USA bzw. der Weltwirtschaft sind angegriffen worden. Zwei von ihnen wurden völlig zerstört und vier Flugzeuge gleichzeitig entführt um sie als Waffe zu benutzen. Die Folge waren fast 3000 Tote und unzählige Verletzte.
Nicht zuletzt allerdings muss man auch den Eindruck dieses Ereignisses und dieses Tages erwähnen, den er weltweit hinterlassen hat. Es war ein mediales Großereignis. Die ganze Welt konnte die Ereignisse in (vor allem) New York live am Fernsehen verfolgen. Das Unfassbare per Direktübertragung. Der zweite Einschlag in den Südturm war bereits live auf CNN zu sehen. 4 Eine Repräsentativstudie der TU Ilmenau hat ergeben, dass fast 70% der deutschen Bevölkerung innerhalb von einer Stunde über das Geschehen in den USA informiert war.5 Der Einsturz der brennenden Bürotürme wurde von mehr Zuschauern am Bildschirm verfolgt, als irgendeine andere Katastrophe zuvor.6 Ulrich Wickert meint dazu: „Am Tag der Terroranschläge waren es die Fernsehbilder […], die die Zuschauer vor den Fernseher bannten.“7
Es darf vermutet werden, dass die Terroristen vom 11. September 2001 auch diese Wirkung im Auge hatten. Neben der Tatsache, dass ihnen das Unglaubliche gelungen war, die USA zu demütigen, wollten sie mit Sicherheit auch genau diesen Effekt erzielen. 8 Die Verbreitung des Schreckens von New York aus über die ganze Welt. Anderes wäre dieser Anschlag auch nicht zu erklären. Die Heftigkeit, mit der man hier vorging und die Brutalität sollten so real wie möglich auch die Leute erreichen, welche nicht vor Ort waren. Auf diese Art haben sie es erreicht, Angst und Schrecken auch dorthin zu transportieren, wo sie selbst nicht zugegen waren. Um die Berichterstattung am 11. September soll es in dieser Arbeit gehen. Dazu soll zunächst die Krisen- und Kriegsberichterstattung allgemein vorgestellt, später auf das Verhältnis von Terrorismus und (Massen-) Medien eingegangen und im Hauptteil auf die Berichterstattung am 11. September speziell im deutschen Fernsehen eingegangen werden.
2. Krisen- und Kriegsberichterstattung
In seinem Buch „Krieg und Fernsehen“ beschreibt Virilio die heutigen Kriege, welche von den Medien Aufmerksamkeit geschenkt bekommen, als Weltkriege, nicht auf Grund ihrer geographischen Ausgedehntheit oder der Tatsachen, dass ein Großteil der Welt in sie involviert wäre, sondern weil jeder Konflikt, aufgrund der technischen Möglichkeiten unmittelbar in jeden Haushalt der Welt übermittelt werden kann. 9
In dieser Aussage liegen bereits zwei Feststellungen. Einmal muss ein gewaltsamer Konflikt von den Medien überhaupt für so wichtig genommen werden, dass er auf die Agenda gesetzt wird und das regelmäßig. Eine kriegerische Auseinandersetzung, die keine Beachtung von den Medien erhält, findet für die Weltöffentlichkeit nicht statt. Wie Wolf dies ausdrückt: „Wer im toten Winkel der Bildmedien liegt, [...] der muss sich ernstlich fragen, ob er überhaupt existiert.“10 Zum Anderen muss man aber festhalten, dass ein Krieg einen unwahrscheinlich hohen Nachrichtenwert besitzt und somit zum „Lieblingsthema“ der Medien zählt. Selbst sogenannte seriöse Auslandsjournale, wie „Weltspiegel“ oder „Auslandsjournal“ haben nach einer Untersuchung einen Anteil von 61% Krisen- und Kriegsberichterstattung. 11 Vor allem Kriege sind extrem konfliktbeladen und wollen diskutiert, kommentiert und dargestellt werden. Im Folgenden soll es hauptsächlich um die Probleme der Krisen- und Kriegsberichterstattung gehen, um zu zeigen, welche Schwierigkeiten es mit sich bringt, will man den Nachrichtenfaktor „Krieg“ ausführlich in den Medien behandeln.
2.1 Information als Ware
[...]
2 Vgl. Altmeyer, Martin in Auchter, Thomas u.a. (Hg.), S.12
3 Ich werde im Laufe der Arbeit die Einzahl verwenden, auch wenn mir wohl bewusst ist, dass es sich um mehrere Anschläge gehandelt hat, doch sind diese im Zusammenhang zu sehen, wenn es um das Ausmaß geht.
4 Deutsche Sender wie NTV haben diese Bilder bereits wenige Minuten vor dem zweiten Einschlag übernommen gehabt. Auf ARD berichtet gerade der Nachrichtensprecher darüber dass „Nach Berichten US-amerikanischer Fernsehsender (ist eine zweimotorige Kleinmaschine in einen der beiden Türme des Wolkenkratzers gestürzt“ ist, als auf dem Bildschirm zu sehen ist, wie ein zweites Flugzeug in den Turm fliegt – Vgl. Weller, Christoph: S. 51
5 Vgl. Schicha/Brosda in Schicha/Brosda (Hg.) S. 7
6 ebd. S.8
7 Wickert, Ulrich in Dörmann, Jürgen/Pätzold, Ulrich (Hg.): S: 14
8 Vgl. Brosda, Carsten in Schicha, Christian/Brosda, Carsten (Hg.): S. 53, 56f.
9 Vgl. Virilio, Paul: S. 41, 155
10 Wolf, Fritz in Zöllner, Oliver (Hg.): S. 90
11 Vgl. Zöllner, Oliver: S: 8
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