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Das Apollon-Orakel von Delphi

Scholary Paper (Seminar), 2000, 21 Pages
Author: Roger Minikus
Subject: History - Early and Ancient History

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2000
Pages: 21
Grade: gut
Bibliography: ~ 14  Entries
Language: German
Archive No.: V45063
ISBN (E-book): 978-3-638-42535-3

File size: 167 KB
Notes :
Das antike Orakel von Delphi wird vorgestellt und auf seine Bedeutung in der antiken Welt eingegangen. Ideal für erste Informationen zu diesem Thema.



Excerpt (computer-generated)

Universität Zürich
Proseminar Alte Geschichte

Das Apollon-Orakel von Delphi

von: Roger Minikus

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung S. 3

2. Altgriechische Definition eines Orakels 4

3. Entstehungsgeschichte des Orakels 5

4. Ort der Befragung 7

5. Voraussetzungen für die Befragung 10

6. Die Pythia 12

7. Die Befragung 13

8. Sakrale Feiern rund um das Orakel 14

9. Die Rolle des Orakels in Bezug auf die griechische Kolonisation 16

10. Spruchbeispiel: Kroisos und das Orakel 18

11. Bibliographie 21



 

1. Einleitung

Die vorliegende Proseminararbeit soll einen Einblick in die Struktur, Wesenszüge und die Bedeutung des Apollon-Orakels von Delphi geben. Nachdem vorerst ein Orakel im alt-griechischen Sinne näher bestimmt worden ist - denn die moderne westliche Welt hat wohl keinen grossen Bezug mehr zu einem Orakel im Allgemeinen, abgesehen von einem wagen mystisch-religiösen Bild - soll das Augenmerk auf den Ursprung, soweit er überhaupt eruierbar ist, gerichtet werden. Anschliessend wird die Rolle des Apollon hinsichtlich seiner Rolle in Delphi besprochen, dessen überregionaler Hauptkultort neben Delos dort anzutreffen ist. Weiters wird ein Überblick über den Ablauf einer Befragung des Orakels von Delphi, wie, wo die Befragung stattgefunden hat, seinen Voraussetzungen, dass überhaupt eine solche durchgeführt wurde, und der Rolle der Pythia, also dem Medium, gegeben, wobei hierfür die Buchvorlage “Delphi. Orakel und Kultstätten” von Georges Roux dient.

Insbesondere das lange als mysteriös betrachtete Pneuma, durch welches die Pythia in einen ekstatischen Zustand versetzt worden war, und dem Autor dieser Arbeit Anlass gegeben hat, über dieses Thema zu schreiben, wird nachfolgend genauer betrachtet. Hand in Hand mit der Institution des Apollon-Orakels gehen verschiedenste Feste und Kulte einher, die auch einer Betrachtung wert sind. Nicht aber vergessen werden darf die Rolle des Orakels von Delphi auf die damalige griechische Welt, so dass insbesondere auf die Blütezeit des Orakels von Delphi und die Auswirkungen seiner Sprüche auf die griechische Kolonisation eingegangen wird, sofern es der Rahmen dieser Arbeit erlaubt.

Hingegen wird das Thema nicht auf die römische Zeit ausgedehnt, auch nicht allzusehr auf den Verfall und dem Verschwinden des Orakelkultes. Sind diese Grundlagen vorhanden, wird der wohl berühmteste Orakelspruch genauer besprochen, bzw. die Orakelsprüche, die an den Lyderkönig Kroisos gerichtet waren. Dabei kommt auch die Problematik der Orakelsprüche zur Sprache; Es soll ein Versuch unternommen werden, diese zu verifizieren. Dafür bediente sich der Autor, nebst dem schon erwähnten Titel, dem Buch “The Delphic Oracle” von Joseph Fontenrose, in welchem die erhaltenen Orakelsprüche übersichtlich zusammengestellt sind und der Publikation von Evi Melas, “Delphi. Die Orakelstätte des Apollon”, sowie dem Standardwerk über die Orakelsprüche von Delphi: “The Delphic Oracle” erschienen in zwei Bänden von H. W. Parke und D. E. Wormell. Auf die archäologischen Quellen soll nur insofern eingegangen werden, als sie für die Grundlagen dienlich sind, besonders bei der Besprechung des Problemes des Adytons finden sie Anwendung, ansonsten stützt sich diese Arbeit auf literarische und epigraphische Quellen. Letztere sind leider in diesem Zusammenhang nicht sehr dienlich, da die meisten Orakelsprüche praktisch nur durch antike Autoren, welchen wir auch ein gutes Bild des Orakels von Delphi verdanken, erhalten wurden. Der Einfachheit halber wird nachfolgend das Apollon-Orakel von Delphi schlicht “Orakel” genannt, sofern der Begriff nicht eindeutig sich auf andere Orakel bezieht.

2. Altgriechische Definition eines Orakels

Orakel finden sich nahezu überall auf der Welt, in allen Kulturkreisen, in den meisten Religionen, nur werden sie anders benannt. In der christlichen Religion sind wohl am ehesten die Propheten darunter zu verstehen. Was aber ist kennzeichnend für die altgriechischen Orakel? Vorerst sei bemerkt, dass wohl die griechischen Orakel ihre Beeinflussung durch die mykenisch-kretischen1 Orakel erfahren haben, wie das Beispiel von Delphi, besonders in Hinsicht der mythologischen Entstehungsgeschichte, weiter unten zeigen wird.

Wichtig ist bei den Griechen nicht so sehr das Medium, welches ja “nur” ein Vermittler, oder in unserem Fall Vermittlerin, ist, der oder die beliebig austauschbar war, als vielmehr die Örtlichkeiten, in denen die göttlichen Zeichen auftreten. Ein Ort “...wo der Gott Ratsuchenden eine ‘Handreichung’ bietet, chresmós: chrestérion oder manteîon nannten die Griechen eine solche Stätte, die Römer oraculum2.” Die Manifestation eines Gottes an einem bestimmten Ort scheint der einzige gemeinsame Nenner der griechischen Orakel gewesen zu sein, denn die Offenbarungsarten scheinen fast so vielfältig wie die Anzahl der Orakel zu sein, so “sprach” in Dodona eine Eiche zu den Ratsuchenden, im Amphiaraion bei Oropos wurden Träume gedeutet. Selbst in Delphi gab es zwei Arten von Orakelweissagungen, die des Losorakels und die des Spruchorakels3. Ein Orakel sollte aber nicht nur Prophezeiungen von sich geben können, sondern auch noch Antworten zu so alltäglichen Fragen wie: “Wird er Vater werden?4”, “Zu welchem Gott soll ich opfern?5”, oder so naiv anmutende wie: “Was ist das Beste für einen Mann?”6. Weiters gab es speziell für den Totenkult ausgerichtete Orakel7, selbst in der Odyssee wird eine Verbindung zwischen dem Totenorakel von Ephyra und Odysseus’ Hadesfahrt hergestellt.

[...]


1 Eine enge Beziehung scheint auch zum ägyptischen Raum bestanden zu haben, wie eine Spende des Pharao Ahmose II. (Amasis) beweist. Vgl. Herodot II, 180. Liegt es nicht nahe, durch die schon oft in archäologischen Kreisen postulierte Ansicht, dass orientalische Einflüsse nach Griechenland vor oder während der Archaik wanderten, dies auch in unserem Fall auf den ägyptischen Raum auszudehnen? Wie sonst hätte ein ägyptischer Pharao eine so gewaltige finanzielle Unterstützung dem Orakel von Delphi zukommen lassen sollen? Der Autor ist sich bewusst, sich dafür auf keine fundierten Quellen berufen zu können.

2 Burkert W., Griechische Religion der archaischen und klassischen Epoche, Stuttgart 1977, S. 184

3 Melas E., Delphi. Die Orakelstätte des Apollon, Köln 1990, S. 61

4 Fontenrose J., The Delphic Oracle, Los Angeles und Berkeley 1978, S. 255. Hier ist nur die Antwort überliefert, doch liegt der Schluss nahe, dass es sich um eine derartige Frage gehandelt haben muss.

5 Fontenrose J., The Delphic Oracle, Los Angeles und Berkeley 1978, S. 39. Diese Frage wurde so nicht formuliert, doch hat Fontenrose die Orakelsprüche nach einem Schlüssel gegliedert, in dem diese Fragestellung auch auftaucht.

6 Parke H.W. - Wormell D. E. W., The Delphic Oracle, Volume II, Oxford 1956, S. 171. Die Antwort dazu (γνωθι σαυτον) mutet fast schon ironisch an.

7 Burkert W., Griechische Religion der archaischen und klassischen Epoche, Stuttgart 1977, S. 186


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