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Autor: Bernhard Tempel
Fach: Pädagogik - Geschichte der Päd.
Details
Tags: Reformpädagogik, Berücksichtigung, Peter, Petersens
Jahr: 1996
Seiten: 36
Note: Prüfung "sehr gut" bestanden
Literaturverzeichnis: ~ 22 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 223 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-42568-1
Überblicksarbeit zur Reformpädagogik (ansatzweise wissenschaftsgeschichtlich); im Teil über Petersen auch konkrete Darstellung seines Schulmodells. - Diese Arbeit entstand als Vorbereitung für die mündliche Staatsexamensprüfung (Berlin) im Fach Erziehungswissenschaft.
Textauszug (computergeneriert)
Freie Universität Berlin
FB Erziehungs- und Unterrichtswissenschaften
Hausarbeit:
Die Reformpädagogik unter Berücksichtigung Peter Petersens
vorgelegt von
Bernhard Tempel
Inhalt
1. Einleitung 1
2. Die Reformpädagogik: allgemeiner Überblick 3
Probleme der Begriffsbestimmung 3
Verlauf der Reformpädagogik 7
Motive der Reformpädagogik 9
3. Die Pädagogik Peter Petersens 12
Vorbemerkung 12
Zur Bedeutung der Biographie Peter Petersens für sein Werk 13
Die theoretische Grundlegung des Werks 16
Das Problem der metaphysischen und anthropologischen Voraussetzungen 16
Erziehungswissenschaft und Pädagogik 19
Pädagogische Tatsachenforschung 20
Lehrerausbildung 23
Petersens Schulversuch: der Jena-Plan 24
Gemeinschaftliches Schulleben 25
Die Organisation des Unterrichts 27
Bewertung der Schüler 32
Petersen und die Reformpädagogik 33
4. Schlußbetrachtung: Nachwirken Petersens und Übertragbarkeit seiner Pädagogik 36
5. Literatur 40
1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit stellt sich die Aufgabe, eine knappe Darstellung der Reformpädagogik zu geben und anschließend am Beispiel der Pädagogik Peter Petersens eine bedeutende Umsetzung reformpädagogischer Ansätze etwas ausführlicher vorzustellen.
Am Anfang steht die Frage nach dem Inhalt des Begriffs der ‘Reformpädagogik’, der in der vorliegenden Arbeit als Sammelbegriff für die unterschiedlichen Reformansätze in der Zeit zwischen etwa 1900 und 1932 verwendet wird, ohne jedoch die zeitliche Begrenzung als eine ausschließliche zu nehmen. Ob es sinnvoll ist, im Falle der Reformpädagogik von einer Bewegung oder einer Epoche zu sprechen, wird zu diskutieren sein; davon hängt es ab, ob und wo man ein Ende der Reformpädagogik ansetzt und ob man nicht möglicherweise nach geographischen (und damit verbunden politischen) Gegebenheiten zu differenzieren hat. Die Problematik der Begriffsklärung ist verbunden mit der bis heute anhaltenden Debatte um die historische Einordnung und Wertung der Reformpädagogik, worauf ebenfalls hinzuweisen ist.
Es folgt ein Blick auf den Verlauf der Reformpädagogik in Deutschland (mit gelegentlichen Hinweisen auf internationale Beziehungen) und zu den zentralen pädagogischen Motiven, die den verschiedenen Ansätzen der Reformpädagogik gemeinsam sind. Auf die Ansätze verschiedener Vertreter wird nicht im einzelnen eingegangen, sondern auf das Buch von Hermann Röhrs verwiesen, in dem man zu den wichtigsten Reformpädagogen Informationen über Biographie, theoretisches und/oder praktisches Werk und Wirkung findet, wenn auch oft sehr knapp.1
Den methodischen Ausgangspunkt der Arbeit bildet die historische Fragestellung nach dem Wesen der Reformpädagogik, die sich - insofern Geschichtsschreibung immer etwas von den Intentionen der Geschichtsschreiber widerspiegelt - schnell zu einer wissenschaftsgeschichtlichen ausweiten könnte. Die Möglichkeit dieser Ausweitung soll hier jedoch nur angedeutet, nicht ausgeführt werden, da die Betrachtung der Pädagogik Peter Petersens als Schwerpunkt der Arbeit vorgesehen ist.
H. Röhrs betrachtet die Reformpädagogik als „ungewöhnlich reiche pädagogische Epoche, in der weitaus die meisten der existentiellen Fragen, die gegenwärtig im Zentrum der pädagogischen Diskussion stehen, entscheidend erörtert wurden“.2 Wenn diese Aussage einen Wahrheitsgehalt beanspruchen kann, dann gilt sie in besonderem Maße für den Ansatz Petersens, der sich nicht auf die Schulpraxis beschränkt, sondern die Erziehungswissenschaft als autonome Wissenschaft begründet, die nicht mehr als Teildisziplin der Philosophie oder der Psychologie verstanden wird und die für ihren eigenen Gegenstandsbereich auch eigene Untersuchungsmethoden erfordert. Darüber hinaus faßt Petersens pädagogisches Programm, der Jena-Plan, bereits verschiedene Motive der Reformpädagogik in einer Synthese zusammen, hebt sich von Einseitigkeiten einzelner reformpädagogischer Ansätze ab und - betrachtet man die Reformpädagogik als Epoche oder Bewegung mit einem Schwerpunkt in den Jahren zwischen etwa 1900 und 1932 - steht nicht nur eher am Ende dieses Zeitabschnitts, sondern besteht noch fast zwanzig Jahre weiter, bis zur Schließung der von Petersen aufgebauten und geleiteten Versuchs-, Beobachtungs- und Übungsschule in Jena im Jahr 1950.
Es wird versucht, die Grundzüge der erziehungswissenschaftlichen Konzeption Peter Petersens im Überblick zu charakterisieren. Im Mittelpunkt steht dann die Pädagogik des Jena-Plans und Petersens Verhältnis zur Reformpädagogik. In der Schlußbetrachtung wird noch die Frage nach dem Nachwirken und möglicher Bedeutung des Jena-Plans für die Pädagogik der Gegenwart gestellt, wobei auch ein Blick auf die Schulen angebracht ist, die sich noch heute auf Peter Petersen und/oder den Jena-Plan berufen.
Schließlich sei noch darauf hingewiesen, daß die in dieser Arbeit verwendeten (grammatisch) maskulinen Formen „Schüler“, „Lehrer“ etc. auch Schülerinnen, Lehrerinnen etc. einschließen und auf Doppelformeln wie „Schüler und Schülerinnen“ oder die Groß-i- Schreibweise verzichtet wird.
2. Die Reformpädagogik: allgemeiner Überblick
Probleme der Begriffsbestimmung
Ein Blick in die umfangreiche Literatur zur Reformpädagogik läßt deutlich divergierende Auffassungen in zweierlei Punkten erkennen: erstens in der (nachträglichen) Wertung dieser pädagogischen Richtung und entsprechend in der Beantwortung der Frage nach der Relevanz der Reformpädagogik für die heutige Schulpraxis; zweitens in der Bestimmung dessen, was unter dem Begriff Reformpädagogik genau zu verstehen sei.
Im Falle des Überblicksartikels von Jürgen Oelkers3 fällt eine distanzierte bis kritische Wertung zusammen mit der gleich zu Beginn formulierten These, daß die oft so genannte „reformpädagogische Bewegung“ keine Epoche bezeichne, „sondern die Fortsetzung eines Projekts“, insofern „die Ziele der neuzeitlichen Pädagogik [...] immer an die ‘Reform’ des Menschen und seiner Gesellschaft gebunden gewesen [sind]“. Die Besonderheit der Reformpädagogik bestand darin, daß die „Utopie“, „der Traum der pädagogischen Schriftsteller - von Comenius bis Pestalozzi -“,4 erstmals am Ende des 19. Jahrhunderts als Projekt umgesetzt zu werden vermochte, nachdem sich ein allgemeines staatliches Schulsystem etabliert hatte.
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1 H. Röhrs (1980), Die Reformpädagogik als internationale Bewegung. 1. Die Reformpädagogik: Ursprung und Verlauf in Europa, Hannover: Schroedel. - Die Darstellung von Röhrs läßt sich nach einmaliger vollständiger Lektüre aufgrund eines Sach- und Personenregisters sowie des ausführlichen Inhaltsverzeichnisses durchaus als Nachschlagwerk verwenden. - Als Nachschlagwerk für einzelne Reformpädagogen ist der zweite Band der von H. Scheuerl herausgegebenen Klassiker der Pädagogik (2. Aufl., München 1991) geeignet.
2 H. Röhrs (1980), a.a.O., S. 9. - Zur Zitierweise: In den Fußnoten wird nur beim ersten Auftreten eines Titels vollständig zitiert, anschließend verkürzt mit Namen des Autors und Jahreszahl.
3 J. Oelkers (1988), „Die Reformpädagogik“, in: R. Winkel (Hg.), Pädagogische Epochen, Düsseldorf: Schwann, S. 187-228.
4 Ebd., S. 187. Hervorhebung im Original, wie auch sonst in dieser Arbeit. Eckige Klammern in Zitaten kennzeichnen eigene Hinzufügungen oder Auslassungen. - Eine pädagogische Utopie, die Motive der Reformpädagogik präfiguriert, entwirft schon Goethe in Wilhelm Meisters Wanderjahren (1821/1829): Im 4. Kapitel des 1. Buchs muß Wilhelm Meister, der Rat für die Erziehung seines Sohnes sucht, sich von Montan belehren lassen: „Sich auf ein Handwerk zu beschränken, ist das Beste. Für den geringsten Kopf wird es immer ein Handwerk, für den besseren eine Kunst, und der Beste, wenn er eins tut, tut er alles, oder, um weniger paradox zu sein, in dem einen was er recht tut, sieht er das Gleichnis von allem, was recht getan wird.“ (S. 37). Die „Pädagogische Provinz“, in die Wilhelm seinen Felix zur Erziehung gibt, erinnert durch ihre Lage an die späteren Landerziehungsheime und durch die dort vollzogene Erziehung der Kinder, die von Beginn an mit einer handwerklichen Ausbildung verbunden ist, an die Arbeitsschulbewegung. Dabei darf man jedoch nicht die Goetheschen Eigenheiten übersehen: Er legt großen Wert auf die gegenseitige Durchdringung von Tätigkeit und Denken und sieht als höchstes Ziel, in der Erziehung zur religiös-sittlichen Ehrfurcht (vor Gott, den Mitmenschen, der Erde und vor Leiden und Tod) zur Ehrfurcht des Menschen vor sich selbst zu gelangen. - Die Bezeichnung „Pädagogische Provinz“ übernimmt Kurt Hahn für seine den Landerziehungsheimen verwandte Schule. Vgl. H. Röhrs (1980), a.a.O., S. 146-155, dort findet sich jedoch kein Hinweis auf Goethes Roman als Quelle für die Bezeichnung der Schule.
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