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Autor: Katharina Zillmer
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Details
Tags: Golem, Golemlegende
Jahr: 2005
Seiten: 13
Note: 2,3
Literaturverzeichnis: ~ 6 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 191 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-42625-1
Textauszug (computergeneriert)
"Der Golem" und die Golemlegende
von: Katharina Zillmer
4. Semester
Inhalt
1 Einleitung 2
2 Die Legenden um den Golem 3
3 Die Golemlegende in Gegenüberstellung 4
4 Die Darstellung der Golemlegende in „Der Golem“ 6
4.1 Meyrinks Golem 6
4.2 Die Darstellung der Legende in „Der Golem“ 7
4.3 Meyrinks eigene Zusätze zur Legende 9
5 Zusammenfassung 11
6 Literaturverzeichnis 12
1 Einleitung
Immer wieder begibt es sich nämlich, daß ein vollkommen fremder Mensch, bartlos, von gelber Gesichtsfarbe und mongolischem Typus, aus der Richtung der Altschulgasse her, in altmodische, verschossene Kleider gehüllt, gleichmäßigen und eigentümlich stolpernden Ganges, so, als wolle er jeden Augenblick vornüber fallen, durch die Judenstadt schreitet und plötzlich – unsichtbar wird.1 Diese Begebenheit, erzählt von „Zwakh“ aus Gustav Meyrinks Roman „Der Golem“, beschreibt das Aussehen und Auftreten eines mythischen Geschöpfes, welches durch sein merkwürdiges Erscheinungsbild einerseits Verwunderung und andererseits auch Angst erzeugt – der Golem. In den jüdischen Erzählungen tritt dieses Wesen meist im Zusammenhang mit der Errettung des Judenvolkes auf. Die Legende des Golems ist, wie so viele, sehr vage und verändert sich im Laufe der Jahrhunderte. Zahlreiche Autoren thematisieren diese Legende in ihren Werken, so auch Isaac Bashevis Singer, Eduard Peti(?)ka und Gustav Meyrink, die in dieser Arbeit thematisiert werden. Der Untersuchungsgegenstand meiner Seminararbeit soll die Figur des Golems in Gustav Meyrinks gleichnamigen Werk „Der Golem“ sein.
Ich gehe bei der Ausarbeitung wie folgt vor: Zuerst werde ich eine kurzen Einblick in den Mythos des Golems geben und gehe dann noch kurz vergleichend auf die dargestellten Figuren des Golems in Singers „Der Golem. Eine Legende“ und Peti(?)kas „Der Golem. Jüdische Märchen und Legenden aus dem alten Prag“ ein, um die verschiedenen Varianten der Legende aufzuzeigen. Auf der Basis des erarbeiteten Wissens über den Golem konzentriere ich mich dann insbesondere auf die in Meyrinks Roman verwendeten Merkmale der Figur, die Darstellung der Legende im Roman und die Komponenten, die Gustav Meyrink der Legende hinzugefügt hat. Meine Untersuchungen werde ich mit einer zusammenfassenden Bemerkung abschließen.
2 Die Legenden um den Golem
Aus unerfindlichen Gründen gibt es über den Golem wenige und nur unvollständige Quellen. Jedoch will ich versuchen die Figur und ihre Legende so gut wie möglich darzustellen. Die Bedeutung des Wortes „Golem“ ist nicht eindeutig definiert. Aus dem Aramäischen stammend, bedeutet es „formlose Masse“, kann aber auch die Bezeichnung „Embryo“ tragen. Später wird es als künstlich erschaffener Mensch charakterisiert. Der Golem ist demnach ein nicht auf natürliche Weise erzeugtes Wesen. Dieses Motiv einer übernatürlich entstandenen Kreatur lässt sich auch in verschiedenen Zeiten und Völkern nachweisen. In den Legenden der Griechen gibt es zum Beispiel die Automaten des Hephäst und Dädalus, Statuen; die von ihrem Sockel herabsteigen und Verbrechen strafen. Auch im steinernen Gast der Don Juangeschichte wird das Motiv eines unnatürlichen Lebewesens deutlich (um nur einige Beispiele zu nennen).2
Nicht zuletzt wird auch Frankensteins Geschöpf mit dem Golem in Verbindung gebracht. Jedoch besteht im Vergleich dieser beiden Wesen der Unterschied, dass das Erstere durch naturwissenschaftliche und das Zweite durch religiöse und rituelle Kräfte erweckt wurde. In der Überlieferung kommt es vor, dass der Golem auch mit Adam in Zusammenhang gebracht wird. Da Adam aus Erde geformt ist und Gott ihm das Leben und die Sprache eingehaucht hat, könnte der Golem eine Art Vorstufe darstellen. Denn „Golem“ bezeichnet „seit dem 12. Jahrhundert einen stummen, minderwertigen Menschen, der ‚ohne Zeugungskraft und Trieb zum Weibe’ - allein mit Hilfe eines sprachmagischen Rituals - künstlich aus einer noch unberührten Elementar-Erde, die vor aller organischen Schöpfung vorhanden ist, erschaffen wird“3.4
Diese Schöpfung des Golems wird häufig zusammen mit der Legende um den Rabbi Löw genannt. Nach Chajim Bloch, der im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts verschiedene Fakten der Legende zusammengetragen hat, lautet die Sage wie folgt: Rabbi Löw, der von 1513 -1609 in Prag lebte, war bei den Juden hoch angesehen und vertrat ihre Meinungen und Belange in der Öffentlichkeit. Immer wieder wurden die Juden des Christenmords angeklagt, da das Gerücht herrschte, dass sie Christenblut für ihre jüdischen Festtage und Rituale verwendeten.
[...]
1 Meyrink, Gustav, Der Golem. Frankfurt/ M; Berlin; Wien: Verlag Ullstein GmbH. 1985.S. 48f. „Der Golem“ und die Golemlegende
2 Vgl. Herlitz, Georg und Kirschner, Bruno, Jüdisches Lexikon. Ein enzyklopädisches Handbuch des jüdischen Wissens in vier Bänden. 2. Auflage. Frankfurt am Main: Athenäum Verlag, 1987. Band 2. S. 1199f.
3 Wöll, Alexander, Der Golem. Kommt der erste künstliche Mensch und Roboter aus Prag? http://www.humboldtgesellschaft.de/inhalt.php?name=golem (24.08.2005)
4 Vgl. ebd.
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