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Autor: Silvia Grabler
Fach: Russistik / Slavistik
Details
Textauszug (computergeneriert)
Zeit und Raum
in den Werken von Svetislav Basara
DIPLOMARBEIT
zur Erlangung des Magistergrades
an der Geisteswissenschaftlichen Fakultät
der Universität Salzburg
eingereicht von
Silvia Grabler
Salzburg
Institut für Slawistik
Betreuer: O.Univ.-Prof.Dr.Dr.h.c. Otto Kronsteiner
Inhalt
1. Vorwort ... 4
2. Neue serbische Literatur ... 6
2.1. 80er Generation ... 6
2.2. Postmoderne ... 7
3. Der Autor und seine Art zu schreiben ... 11
4. Zeit ... 14
4.1. "Was ist Zeit?" ... 14
4.2. Pismeni zadatak is srpskohrvatskog na temu nesanica ... 17
4.3. Kinesko pismo ... 20
4.4. Peking by night ... 23
4.5. Der zerbrochene Spiegel ... 27
4.6. Fama o biciklistima ... 29
4.7. Na gralovom tragu ... 36
4.8. Mongolski bedeker ... 40
4.9. De bello civili ... 42
4.10. Ukleta zemlja ... 44
4.11. Looney Tunes ... 46
4.12. Virtualna kabala ... 52
4.13. Ideologija heliocentrizma ... 56
4.14. Kratkodnevica ... 59
5. Raum ... 61
5.1. Raum und Utopie ... 61
5.2. Pismeni zadatak iz srpskohrvatskog na temu nesanica ... 64
5.3. Kinesko pismo ... 65
5.4. Fama o biciklistima ... 69
5.5. Na gralovom tragu ... 72
5.6. Mongolski bedeker ... 78
5.7. De bello civili ... 79
5.8. Ukleta zemlja ... 81
5.9. Looney Tunes ... 83
5.10. Ideologija heliocentrizma ... 86
5.11. Kratkodnevica ... 88
6. Zusammenfassung ... 91
7. Bibliographie ... 98
8. Anmerkungen ... 102
1. Vorwort
Diese Diplomarbeit behandelt die Werke des serbischen Schriftstellers Svetislav Basara. Bekannt wurde dieser zunächst als Autor der 80er Jahre Generation. In seinen frühen Werken herrschte Nihilismus nach dem Vorbild Becketts vor; Ideologie und historische Utopien wurden der erzählerischen Transformation im Stile Borges ausgeliefert. (Jerkov. 1992: 34 f.) Basara übertreibt die Welt auf eine groteske Weise. Seine Bücher Fama o biciklistima, Na Gralovom tragu und Fenomeni illustrieren gut den Übergang der Prosa der 80er Jahre aus der Zone des astralen Ästhetizismus in die Zone des engeren Kontakts mit der Geschichte und der Wirklichkeit. Hier kommt es auch zu einem sorgfältig vorbereiteten Austausch globaler narrativer Perspektiven; die horizontale Perspektive stellt sich um auf eine Vertikale. (Pantic. 1994: 158 ff.)
"Raum = Geschwindigkeit / Zeit" (Basara. 1996a: 133)
Diese Formel benützt Svetislav Basara in einem seiner Werke; man könnte sie auch als Gesamtüberschrift für alle seine Veröffentlichungen gebrauchen. Raum, Geschwindigkeit und Zeit und ihre Beziehung zu einander sind Bestandteile aller Werke. Wie sieht der Autor diese Elemente und vor allem, wie verwendet er sie, mit diesen und ähnlichen Fragen wird sich diese Studie hauptsächlich beschäftigen. Ernst Pöppel, der sich auch mit dem Thema der Zeit befasste, verweist in Bezug darauf auf Kant: "Für Kant sind Zeit und Raum Anschauungsformen, die uns von vornherein mitgegeben sind; Zeit und Raum sind nach seiner Meinung also nicht aus unseren sinnlichen Erfahrungen abgeleitet. Kant schreibt hierzu in der "Kritik der reinen Vernunft": "Zeit und Raum sind zwei Erkenntnisquellen, aus denen a priori verschiedene synthetische Erkenntnisse geschöpft werden können". Zeit und Raum sind somit die Grundkategorien menschlicher Wirklichkeitserfahrung." (Pöppel. 1995: 128)
Eines der Hauptmotive der Prosa Basaras ist die Thematisierung der Zeit, der der erste Teil dieser Arbeit gewidmet werden soll. Die Herangehensweise an diese Aufgabenstellung änderte sich im Laufe der Jahre; Basara geht sozusagen "mit der Zeit". Er befasst sich mit allgemeinen Fragen der Art: "Was ist Zeit?" und "Auf welche Art und Weise erlangen wir ein Bewusstsein über die Zeit?" ebenso wie mit der Problematik der Bestimmung der historischen Zeit. Im Roman Looney Tunes z.B. ist die behandelte Zeitspanne schon aus dem Untertitel erkennbar . So genau, wie es den Anschein hat, nimmt er es aber doch nicht, denn die (absichtliche) Nachlässigkeit bei Datierungen wird oft sichtbar und Handlungen sprengen den festgesetzten Rahmen. "Zeit" an und für sich bekommt einen anderen, einen "neuen" Charakter. Die Chronologie wird zur leeren Formalität, da die Ereignisse nicht mehr kausal-konsekutiv aneinandergereiht sind (Ilic. 1999). Basara schreibt dazu in Looney Tunes: "Vrlo va(?)no za redosled. Ko mo(?)e tvrditi da u pro(?)losti uop(?)te postoji hronolo(?)ki red? Da tamo ima bilo kakvog reda? Bilo ovo ili ono, pre ili kasnije - (?)ta mari?" (Basara. 1997b: 35)
"Sehr wichtig für die zeitliche Reihenfolge. Wer kann versichern, dass in der Vergangenheit überhaupt eine chronologische Reihenfolge besteht? Dass es dort überhaupt irgendeine Reihenfolge gibt? Sei es dieses oder jenes, früher oder später - was kümmert′s?"
Der zweite Teil befasst sich mit der Narration des Raumes. Basara operiert mit ungewöhnlichen Raummodellen, die teilweise sehr fantastisch sind. So befindet sich sein Erzähler z.B. gleichzeitig an zwei verschiedenen Orten oder er trifft sich auch mit Personen, die sich zur selben Zeit in einem ganz anderen Land befinden und dort z.B. gerade schlafen. Dahingehend handelt es sich in Basaras Werken meist um zwei verschiedene, gleichzeitig existierende Welten. Die Erste ist die uns bekannte reale Welt. Durch den so genannten "Wirklichkeitseffekt" versucht der Autor dem Leser die beschriebene Welt als real zu vermitteln. Dazu verwendet er u. a. die Namen allgemein bekannter Personen und auch deren Charaktere. Die Hauptpersonen bewegen sich Großteils auch auf dem Leser bekanntem Gebiet, in ebenso real existierenden Orten. Die zweite Welt ist ausgedacht. Es ist eine fiktive Welt innerhalb der Fiktion. Aber die einzige Funktion der Grenze, die zwischen diesen beiden Welten gezogen wurde, ist die Zerstörung derselben. Die Figuren überqueren diese Grenze ohne Probleme in beiden Richtungen. Das lässt den Schluss zu, dass es keine wesentlichen Unterschiede zwischen der so genannten wirklichen und der ausgedachten Welt gibt. Das heißt, übertragen auf die wirkliche Welt unserer Erfahrung, dass es keine wesentlichen Unterschiede gibt zwischen der Welt in der wir leben und der erdachten Welt der Bücher, beziehungsweise zwischen Wirklichkeit und Fiktion. (Ilic)
Sämtliche Übersetzungen, falls nicht anders gekennzeichnet, stammen von der Verfasserin dieser Studie.
2. Neue serbische Literatur
2.1. 80er Generation
Svetislav Basara wird aufgrund seiner ersten Werke mit den Autoren der 80er Generation in Verbindung gebracht. Fast alle diese Schriftsteller, so Pantic, begannen mit Kurzgeschichten, mit der Poetik der Kürze, indem sie antiepisch verdichtete Formen benutzten. Beinahe alle dieser Prosaautoren sind gleichzeitig auch Kritiker, Basara schreibt ebenso Essays. Das Thema dieser Literatur ist oft die Literatur selber und die Geschichten werden häufig autoreflektiert: entweder durch Intertextualität oder durch die Verwendung des Metatextes. Gleichfalls verbreitet sich die Poetik des Alexandrinischen Syndroms . Hauptsächlich operiert man mit der Sprache der Literatur, des Textes und Metaphern. Die 80er Generation wollte mit der Rückkehr zur Sprache die Abnutzung jeglichen Gesprächs und die Sinnlosigkeit jeglichen Literaturdiskurses, auch jenem der (Pseudo-)Prosa aufzeigen. Diese Generation wird auch oft zusammen mit dem Stichwort des "literarischen Spiels" genannt. Werke von Svetislav Basara die der 80er Generation zuzuordnen sind, sind Fama o biciklistima, Na Gralovom tragu und Fenomeni. (Pantic. 1994: 155 ff.)
Sava Damjanov hat in seinem Buch (?)ta to be(?)e "Mlada srpska proza"? Zapisi o "Mladoj srpskoj prozi" osamdesetih ("Was ist das "Junge serbische Prosa"? Notizen über die "Junge serbische Prosa" der 80er Jahre) einige Thesen zur Charakterisierung der betroffenen Werke aufgestellt. Zunächst einmal, es gibt kein allgemeingültiges Modell für diese Generation. Sie befinden sich quasi in einem freien Raum und können ihren Stil autonom wählen, mit ein Grund für die Verschiedenartigkeit ihrer Werke. Die Jungen Prosaisten akzeptierten die Kennzeichen der vorangegangenen Generation , aber sie wiederholten sie nicht, sondern integrierten sie explizit oder implizit in ihr Konzept.
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