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Termpaper, 2005, 16 Pages
Author: Corinna Schücke
Subject: German Studies - Modern German Literature
Details
Institution/College: European University Viadrina Frankfurt (Oder)
Tags: Hoffmanns, Ritter, Gluck, Eine, Erinnerung, Jahre, Hoffmann
Year: 2005
Pages: 16
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 9 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-43069-2
File size: 241 KB
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Excerpt (computer-generated)
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)
Seminar: E.T.A. Hoffmann
E.T.A. Hoffmanns Ritter Gluck.
Eine Erinnerung aus dem Jahre 1809
von: Corinna Schücke
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 2
1.1 Phantastik 3
2 Figuren 4
3 Erzählstrategie und –struktur 5
3.1 Erzählstrategie 5
3.2 Erzählstruktur 7
4 Handlung 8
4.1 Innere Struktur 8
5 Momente der Hésitation 9
5.1 Verhalten des Erzählers 9
5.2 Verhalten des Alten 9
5.3 Das ′Sich-zu-erkennen-geben′ des Gluck 11
6 Interpretationsansatz 12
6.1 Wer sind Sie? 12
6.2 Was ist das? 13
7 Traumdeutung 14
Literaturverzeichnis 16
1 Einleitung
Ritter Gluck ist die älteste der grotest-humoristischen Erzählungen in E.T.A. Hoffmanns "Fantasiestücke in Callots Manier. Blätter aus dem Tagebuch eines reisenden Enthusiasten". Sie wurde 1809 in der Allgemeinen Musikalischen Zeitung, die seinerzeit die bedeutendste deutsche Musikfachzeitschrift war, erstveröffentlicht, was darauf zurückzuführen ist, dass Hoffmann selbst Musiker war und viele seine Erzählungen, so auch Ritter Gluck, neben dem Phantastischen, für das Hoffmann bekannt ist, Musik thematisieren. Ritter Gluck erschien dann 1814 als zweiter Text in der oben aufgeführte Erzählungssammlung. Der Subtitel Eine Erinnerung aus dem Jahre 1809 wurde bei der Aufnahme in die Fantasiestücke als Referenz für die Erstveröffentlichung zugesetzt. In der vorliegenden Arbeit soll aufgezeigt werden, durch welche Mittel der Leser verunsichert wird beziehungsweise welche erzählerischen Elemente zur Unaufklärbarkeit der Erzählung führen.
1.1 Phantastik
Der Begriff der Phantastik galt im 18. Jahrhundert als bezeichnend für die schöpferische beziehungsweise künstlerische Einbildungskraft. Er wurde bereits ab dem 16. Jahrhundert in der Musik für ebendiese, aber auch für das musikalische Improvisationstalent benutzt. Außerdem behandelt Hoffmann, Kremer (2003) zufolge, die Musik nicht als "identitätsstiftendes Medium", sondern "als Fluchtraum, in dem Alltagsidentität abgelegt werden kann". Demzufolge ist sowohl dem Erzähler, der seine künstlerische Einbildungskraft mehr als zweifelhaft zum Ausdruck bringt (man weiß schließlich nicht, ob seine Einbildungskraft nicht sogar mit ihm durch geht), als auch dem Fremden, der unbestritten ein improvisierendes Musikgenie ist (er spielt schließlich ohne Noten), das Phantastisch- Anhaftende kaum abzusprechen. Die Verunsicherung des Lesers, das Prinzip der Destabilisierung, das Unvermögen, rational mit der Sache umzugehen, ist das, was Preisendanz (1992) zufolge phantastische Literatur ausmacht. Zur näheren Erklärung beruft er sich in seinen Ausführungen dazu auf Todorov, der als konstitutives Merkmal der Phantastik das Moment der hésitation sieht. Dieses sei das Moment "der Unschlüssigkeit über die Deutbarkeit, den referentiellen Status und den Geltungsfond des Dargestellten. [...] Aufgrund des Vergewisserungsentzugs, der Irritation des Vergewisserungs- bedürfnisses verweigert sich das Phantastische einer Integration in Begründungs- und Geltungs- kontexte, der Vereinnahmung in diskursiv organisierte Verstehensmuster." (Zitat Preisendanz, 1992) Diese "Erzeugung von Unschlüssigkeiten [...], die der Text selbst nicht ausräumt", liegen auch im Ritter Gluck zugrunde, so dass also ein eindeutige Zuordnung der Erzählung zur Gattung der phantastischen Literatur vorgenommen werden kann. (vgl. Preisendanz, 1992) Da man während des Lesens der Auffassung ist, durch das Weiterlesen Aufklärung über die Umstände zu erlangen, nimmt man freilich einige Ungereimtheiten in Kauf. Ist man jedoch bei der letzten Zeile angelangt, stellt sich heraus, dass überhaupt nichts aufgeklärt wurde, sondern ganz im Gegenteil, noch alle Fragen offen sind. Es besteht eine "bis zum Schluss unaufgehobene Spannung und Verwirrung von Alltagsverstand und phantastisch-traumhaften." (Zitat Kremer, 2003) Vernunft und Wahnsinn arbeiten Hand in Hand, was unter anderem auch durch die Verwirrung der Identitäten der Protagonisten erreicht wird, die im Gegensatz zu den realistische Details der Anfangsszene im Biergarten steht.
2 Figuren
Die Erzählung arbeitet mit nur zwei Figuren. Zum einen mit dem Ich-Erzähler, der dem Subtitel der Erzählungssammlung zufolge als der reisende Enthusiast angesehen werden kann. Die Figur ist laut Steinecke (1993) an Hoffmann selbst angelehnt, trägt dessen eigene Züge und vermittelt dessen Ansichten und Vorlieben. Den Enthusiasten als Erzählfigur macht Steinecke (1993) zufolge aus, dass sie "durch ihre Einstellung zur Kunst charakterisiert wird". Er ist selbst kein Kunstausübender, sondern jemand der sich für die Kunst anderer begeistern kann. Enthusiasmus ist Begeisterung. Allerdings ist diese bis zum Überschwang möglich, was dann eher als überspannt, grotesk/bizarr oder gar wahnsinnig angesehen werden kann. Der Schritt vom grotesken/bizarren hin zum wahnsinnigen ist nicht mehr groß und führt dann in den medizinischen Bereich, nämlich in die Psychologie oder vielmehr Psychatrie. Hier wird Euphorie als krankhaft übersteigerte Erregung angesehen. Dieser letzte Ansatzpunkt, wie ich später ausführen werde, ist in Hinblick auf die Erzählung nicht ganz von der Hand zu weisen, da doch berechtigte Zweifel, sowohl am Zustand des Erzählers als auch an dem des Alten, aufkommen. Hoffmanns Einbringen des reisenden Enthusiasten in die Erzählung kann daher wohl als weiteres Mittel der Verdichtung des Phantastischen angesehen werden. (vlg. Steinecke, 1993)
Zum zweiten agiert ein merkwürdiger Alter, über den nichts bekannt ist, außer das, was die Darstellung des Erzählers wiedergibt. Dieser stellt sich am Ende der Erzählung als Ritter Gluck vor und ist somit der zeitlich verschobene Doppelgänger des gleichnamigen Komponisten. Diese Darstellung der Figur dient Oesterle (1992) zufolge jedoch nicht der historischen Rekonstruktion des Komponisten, sondern sie wurde nach den seinerzeit publizierten Legenden um selbigen ′entworfen′.
[...]
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