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Termpaper, 2005, 21 Pages
Author: Nele Mohr
Subject: Cultural Studies
Details
Institution/College: University of Lüneburg
Tags: Platons, Phaidros, Rhetorik, Philosophie, Zeichen, Liebe, Figuren, Liebe, Platon, Roland, Barthes
Year: 2005
Pages: 21
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 8 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-43246-7
File size: 308 KB
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Excerpt (computer-generated)
Universität Lüneburg
Seminar: Figuren der Liebe von Platon bis Roland Barthes
3. Semester
Platons Phaidros Rhetorik und Philosophie
im Zeichen der Liebe
von: Nele Mohr
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Die griechische Knabenliebe 4
2.1. Die dorische Knabenliebe 5
2.2. die klassische Knabenliebe 6
3. Platons „Phaidros“ 7
3.1. Kurze inhaltliche Darstellung 7
3.2. Knabenliebe im „Phaidros“ 8
3.3. Die erste Rede des Lysias und ihre rhetorischen Mittel 9
3.4. Die erste Rede des Sokrates – Rhetorik und Philosophie 12
3.5. Die zweite Rede des Sokrates – die Verführung zur Philosophie 15
4. Abschließende Bemerkung 19
5. Literaturverzeichnis 21
1. Einleitung
Die Liebe ist noch heute eine schöne, aber auch durchaus verwirrende Sache, die den Menschen – in ihren Augen – zu unbeschreiblichem Glück verhelfen kann, aber ebenso – und nicht nur im literarischen Sinne, wie bei Goethes Werther – in der Lage ist, ein Leben zu zerstören (z.B. bei unerfüllter oder hoffnungsloser Liebe). In jedem Fall wird die Liebe in vielerlei Hinsicht thematisiert, wobei viele Menschen von der „einzig wahren Liebe“ oder der „Liebe auf den ersten Blick“ träumen. Somit scheint es fast so, als könne man auf die Liebe nicht verzichten...in welcher Form auch immer. Jedoch war die Liebe nicht nur im heutigen 21.Jahrhundert eine vieldiskutierte Angelegenheit. Auch in der griechischen Antike befassten sich die Menschen, und vor allem die Philosophen eingängig mit diesem Thema, auch wenn dies teilweise eher weniger der heutigen Vorstellung von Liebe entsprach. „Platon [...] behandelte die Liebe, die aus dem Stimulus visueller Schönheit entsteht, als [...] Spezialfall des Triebes, der die Menschheit dazu drängt, die ewige, unwandelbare ,Idee’ des ,Schönen an sich’ zu begreifen zu suchen.“1
Mit diesem Zitat beschreibt Kenneth J. Dover recht präzise, in welcher Form der neben Aristoteles zu den größten griechischen Philosophen zählende Platon das Thema „Liebe“ in seinen zahlreichen Schriften, Reden und Dialogen betrachtete. Natürlich befasste sich Platon nicht nur mit der Liebe, jedoch gehört sie durchaus zu den zentralen Themen in seinen Werken, da Platon selbst , Ernst Heitsch zufolge, die Liebe als eine „Kraft sah, die den Menschen [...] nach Wissen streben, also philosophieren läßt“.2 Ein berühmtes Platon-Werk, in welchem nun die Liebe und ebenso ihre Beziehung zur Philosophie näher erläutert wird, ist der „Phaidros“-Dialog, in dem, im ersten Teil des Werks, in drei verschiedenen „Liebes-Reden“, in denen teilweise versucht werden soll, einen Jüngling für sich zu gewinnen und die vor allem deshalb von überaus hohem rhetorischem Stil zeugen, die Liebe thematisiert wird. Durch diese Werbung um die Gunst eines Jünglings erhält der Dialog einen Bezug zur – im antiken Griechenland anerkannten – Praxis der Knabenliebe, die im folgenden näher beschrieben werden soll. Außerdem sollen der Inhalt, die rhetorischen Mittel des Dialoges sowie die schon eingangs erwähnte Beziehung zwischen der Liebe und der Philosophie erläutert werden, um Platons Auffassung von der Liebe zu verdeutlichen.
2. Die griechische Knabenliebe
Die griechische Knabenliebe wurde bereits von vielen verschiedenen Wissenschaftlern umfassend behandelt, wird aber noch heute kontrovers diskutiert, da sie einige Elemente enthält, die sie im heutigen Verständnis als Perversität, Pädophilie, gar Pornographie oder schlichtweg als Homosexualität erscheinen lassen könnten. Jedoch war die Knabenliebe im Griechenland der Antike eine feste Institution, die gesellschaftlich anerkannt und nicht wegzudenken war.
Wie und wann genau die Knabenliebe in die griechische Gesellschaft Einzug erhielt, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. So beschreibt beispielsweise Kenneth Dover erste Formen der Knabenliebe im 8. Jahrhundert v. Chr., die in der Literatur oder Bildkunst belegt sind.3 Er, wie auch Harald Patzer, erläutern die Grundzüge der institutionalisierten Knabenliebe, welche im Allgemeinen als eine Beziehung bzw. Freundschaft zwischen einem Jüngling im Alter von zwölf bis 18 Jahren und einem älteren Mann zu verstehen sei, wobei der Jüngling als eromenos und der Ältere als erastes bezeichnet worden seien.4 Der Jüngling hatte demnach den Älteren, der den Knaben im körperlichen und geistigen Sinne fördern bzw. ihn zu einem „vollkommenen Mann“5 machen sollte, der bereit für ein Leben in der polis sein sollte, zum Vorbild.
Diese Verbindung war in der griechischen Gesellschaft hoch angesehen, jedoch nicht ohne bestimmte Regeln, deren Einhaltung von der polis überwacht wurden. Diese Regeln besagten beispielsweise, dass erastes wie eromenos der polis, also dem griechischen Bürgertum, angehören mussten oder dass über die intimen Details der Beziehung Stillschweigen gehalten werden musste.6 Die wichtigste Regel, die die rechtmäßige von der unrechtmäßigen Knabenliebe unterschied, war die Tatsache, dass der Knabe keine sexuelle Befriedigung, die auch epithymia genannt wurde, wünschen, sondern nur die philia, eine Art Freundschaftsliebe, empfinden durfte. Der Erwachsene hingegen dürfe – wie Patzer darstellt – sexuelle Begierde empfinden, diese müsse jedoch mit dem sog. eros, d.h. mit der Liebe, die durch die Schönheit des Knaben ausgelöst werde und die Begierde in den Hintergrund stelle, verbunden sein. 7 Damit wird – wie man sieht – eine Einseitigkeit des sexuellen Triebes, also ein asymmetrisches Verhältnis, vorausgesetzt, was aber sexuelle Kontakte keineswegs ausschloß. Somit könnte der Verdacht nahe liegen, dass es sich bei der Knabenliebe um ein homosexuelles Verhältnis handelt, was bis heute umstritten ist. Zwar geben einige Autoren, wie beispielsweise Patzer , zu, dass die Knabenliebe einige homoerotische oder homosexuelle Tendenzen enthalte, jedoch gäbe es einige Umstände, wie z.B. die Einseitigkeit des Verhältnisses oder die erzieherische Funktion der Beziehung, die die Anwendung des Begriffes Homosexualität verbieten würden. 8 Auch die eingeschränkte Dauer des Verhältnisses unterscheide die Knabenliebe von der Homosexualität.9 Gäbe es bei der homosexuellen Beziehung keine festgeschriebene Dauer, so ende die Beziehung der Knabenliebe – Dover zufolge – „mit voll entwickeltem Bartwuchs“10.
[...]
1 Dover (1983), S. 20.
2 Heitsch (1997), S. 80.
3 Vgl.: Patzer (1983), S. 46.
4 Vgl.: Patzer (1983), S. 47. Übers. für das Wort eromenos (nach Patzer): „der, dem eine Begeisterung entgegengebracht wird“; Übers. für das Wort erastes (nach Patzer): „der von der körperlichen Schönheit eines bestimmten Knaben oder Jünglings begeistert ist“. Die Worte „Geliebter“ und „Liebhaber“ erscheinen Patzer hier für eine Übersetzung ungeeignet, da sie „das Verständnis“ (S.47) verderben würden. (Anm. d. A.).
5 ebd. 6 Vgl.: ders., S. 46 ff.
7 vgl.: ebd.
8 Vgl.: Patzer (1983), S. 51.
9 Vgl.: Ders., S. 58.
10 Dover (1978), S. 86, zit. nach Patzer (1983), S. 58. Dieses Argument scheint nicht besonders schlagkräftig, da es für eine homosexuelle Beziehung eher unwichtig ist, wie lange sie andauert. Enthält eine Beziehung unter Männern sexuellen Kontakt, und sei es nur über eine kurze Dauer, gilt sie nach heutigem Verständnis als homosexuell. Da die Verbindung zwischen dem Knaben und dem Erwachsenen – wie dargestellt – wenn sie im Alter von zwölf Jahren beginnt, immerhin eine Dauer von sechs Jahren haben kann, könnte sie durchaus als homosexuell bezeichnet werden, auch wenn es beim Älteren zwischenzeitlich zu heterosexuellen Kontakten kommt. Außerdem bleibt auch nach der Beziehung meist eine philia bestehen, d.h. die Beziehung endete nie vollständig.(Anm. d. A.)
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