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Serenus Zeitblom eine problematische Erzählerfigur in Thomas Manns "Doktor Faustus"

Scholary Paper (Seminar), 2005, 18 Pages
Author: Franziska Walser
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Event: Thomas Manns "Doktor Faustus"
Institution/College: LMU Munich (Germanistik)
Tags: Serenus, Zeitblom, Erzählerfigur, Thomas, Manns, Doktor, Faustus, Thomas, Manns, Doktor, Faustus
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2005
Pages: 18
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 13  Entries
Language: German
Archive No.: V45938
ISBN (E-book): 978-3-638-43251-1

File size: 256 KB
Notes :
Eine Analyse der Erzählerfigur in Thomas Manns Alterswerk "Doktor Faustus" und gleichzeitig ein Überblick über die Handlungs- und Zeitebenen der Romanstruktur.



Excerpt (computer-generated)

Ludwig-Maximilians-Universität München – Institut für Deutsche Philologie
Proseminar: Thomas Mann: Doktor Faustus
7. Fachsemester

Serenus Zeitblom eine problematische Erzählerfigur in
Thomas Manns "Doktor Faustus"

von: Franziska Walser

 


Inhaltsverzeichnis

1 Aufbau und Literaturlage  1

2 Serenus Zeitblom als Romanfigur  3

2.1 Biographie und Sprache Zeitbloms  3
2.2 Der „andere“ Zeitblom  5

3 Serenus Zeitblom und der Aufbau des Romans  6

3.1 Handlungsebenen 7
3.2 Zeitebenen 9
3.3 Motivtechnik  10

4 Serenus Zeitblom als Erzählerfigur  11

4.1 Erzähltyp und Erzählstandort  11
4.2 Brüche in der Erzähler-Konstruktion 12

5 Das Problem der Glaubwürdigkeit  14

Literaturverzeichnis 16



 

1 Aufbau und Literaturlage

„Doktor Faustus“, das Alterwerk, welches Thomas Mann mit 67 Jahren zu schreiben begann, hat ihn, über drei Jahre und acht Monate hinweg, viel Anstrengung und fast das Leben gekostet. Er selbst schreibt, man möge seine Krebserkrankung, „dem Werk zur Last zu legen, daß wie kein anderes an mir gezehrt und meine innersten Kräfte in Anspruch genommen hat.“1 Der Stoff wuchs sich mit der „fehlerhaften Neigung ‚Zauberberg’-artige Formen und Dimensionen“2 anzunehmen zu einem fast 700-seitigen Roman aus. Ein beeindruckendes Gebilde voller Anspielungen und biographischem Material, dessen Handlung, nur scheinbar eine Künstlerbiographie, voller Nebenstränge und Exkurse ist. In diesem ausufernden Werk nimmt der Erzähler Serenus Zeitblom eine Schnittstellenfunktion ein - er hält Handlungsstränge und Zeitebenen zusammen, muss als Stellvertreter des humanistischen Bildungsbürgertums herhalten und zu alledem noch für die „Durchheiterung“3 des Romans sorgen. Thomas Mann lädt seiner ungewöhnlichen Erzählerfigur damit eine große Bürde auf, unter der die Einheit und Glaubwürdigkeit der Figur teilweise zu zerbrechen droht. Diese Arbeit will einerseits die Funktionen Zeitblom im Buch aufzeigen, andererseits aber auch die Dehn- und Bruchstellen aufzeigen, die bei einer näheren Untersuchung der Figur Zeitblom offensichtlich werden. Drei verschiedene Aspekte werden dabei untersucht:

a) Die Konstruktion Zeitbloms als Charakter
b) Der komplexe Aufbau des Romans und die Funktion Zeitbloms als Bindeglied
c) Die Probleme der Erzählperspektive Zeitbloms

Stellt der Roman als solches bereits hohe Anforderungen an den Leser, so ist die Sekundärliteratur zu „Doktor Faustus“ schier unüberschaubar4, sodass die Literaturauswahl auf Ausschnitte begrenzt sein muss. Literaturwissenschaftliche Ansätze für diese Interpretation stammen vor allem aus der Dissertation von Gerhard Kaiser „... und sogar eine alberne Ordnung ist immer noch besser als gar keine.“ (2001). Er untersucht die „Erzählstrategien“ des Romans und im besonderen die Rolle Zeitbloms in der Romankonstruktion. Auch Hans Hilgers regt in seinem „Versuch einer Neubewertung Zeitbloms“5 zu einer neuen Sicht auf den alten Humanisten an . Beide Werke haben den Vorteil, dass sie relativ aktuell sind und damit viele der Ergebnisse aus älterer Forschungsliteratur zusammenfassen. Eine weitere wichtige Que lle wird die „Entstehung des Doktor Faustus“ sein, weil diese Selbstauskunft Aufschluss über die Gefühle und den Entstehungsprozess aus Sicht des Autors selbst gibt. Hier muss man allerdings immer bedenken, dass Thomas Mann ein Meister der Rezeptionslenkung war - es handelt sich also um eine äußerst subjektive Quelle. Der Untertitel „Roman eines Romans“ muss vielleicht auch so gedeutet werden, dass darin manches im Nachhinein geschönt oder unterschlagen wurde, um den Roman in einem besseren Licht erscheine n zu lassen. 6

In der „Entstehung“ gibt Thomas Mann selbst die Gründe an, die ihn bewegten, Zeitblom als Erzählerfigur einzusetzen, oder, wie er schreibt: „das Medium des Freundes zwischen mich und den Gegenstand zu schalten“7. Zum einen wollte er wohl durch den - speziell am Anfang des Buches als Karikatur eines Studienrats angelegten - Zeitblom eine „gewisse Durchheiterung des düsteren Stoffes“8 erreichen, zum anderen sah er in Zeitblom ein Mittel, um die aktuellen Ereignisse des zweiten Weltkriegs mit den zurückliegenden im Leben Adrian zu verknüpfen. Mit welchen Mitteln Mann versucht, Zeitblom als amüsante Karikatur anzulegen, soll die folgende Charakteristik Zeitbloms zeigen.

2 Serenus Zeitblom als Romanfigur

„ Der gutmütige, gutartige Dr. phil Serenus Zeitblom mag für die Entstehung des Romans unumgänglich gewesen sein, aber eine bildungsbeflissene Zumutung ist er halt auch.“ 9 Eine „bildungsbeflissene Zumutung“, das ist eine harte, aber nicht ganz grundlose Charakterisierung des Gymnasiallehrers Zeitblom, den auf den ersten Blick nichts, als seine Freundschaft zu Adrian als Biographen qualifiziert. Seine Erzählweise ist voller „Verzögerungen und Umschweife“10 und bereits in der Einleitung unterbricht er sich so oft, dass man schon glaubt, er käme gar nicht mehr zur eigentlichen Handlung. Doch dieser erste Eindruck täuscht. In Zeitblom steckt mehr, als man auf den ersten Blick denkt: ein kenntnisreicher Kunstkritiker, ein zynischer Beobachter, ein veritabler Schriftsteller - und nicht zuletzt einiges von der Identität seines Autors. Doch zuerst die Fakten:

2.1 Biographie und Sprache Zeitbloms

[...]


1 Th. Mann: Entstehung. S. 7

2 ebd. S.50

3 ebd. S.23

4 Rudolf Wolf weist in der von ihm herausgegebenen zweibändigen „Rezeptionsgeschichte“ auf die unerschöpfliche Menge der Forschungsergebnisse hin. Er zählt bis 1983 etwa tausend Veröffentlichungen zu Doktor Faustus - heute, mehr als zwanzig Jahre später, werden es noch weit mehr sein

5 Titel der Schlussbetrachtung in: Hilgers, Hans: Serenus Zeitblom. Der Erzähler als Romanfigur in Thomas Manns Doktor Faustus. (1995)

6 vgl. dazu G.Kaiser: Erzählstrategien. S.170 ff. und Vaget: Thomas Mann und James Joyce. S. 122f.

7 Th. Mann: Entstehung. S. 23

8 ebd.

9 J. Kaiser: Erlebte Literatur. S. 43

10 Th. Mann: Doktor Faustus. Kap. V S.47


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