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Umgang mit Lernstörungen - Relevanz und Lehrerkompetenz im Schulsystem

Examination Thesis, 2005, 120 Pages
Author: Inken Heinrich
Subject: Pedagogy - Pedagogic Psychology

Details

Category: Examination Thesis
Year: 2005
Pages: 120
Grade: 1.5
Bibliography: ~ 36  Entries
Language: German
Archive No.: V46107
ISBN (E-book): 978-3-638-43373-0

File size: 845 KB


Excerpt (computer-generated)

Wissenschaftliche Hausarbeit
Erste Staatsprüfung für das Lehramt an Realschulen

Thema:
Umgang mit Lernstörungen – Relevanz und Lehrerkompetenz im Schulsystem

vorgelegt von

Inken Heinrich

eingereicht bei der
Pädagogischen Hochschule Heidelberg

Heidelberg, den 05.10.2005

 

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung ... 3

2. Lernen ... 6
2.1 Bedingungen des Lernens ... 7
2.2 Lernformen ... 9
2.3 Neurobiologie des Lernens ... 10

3. Lernstörungen ... 11
3.1 Legasthenie/LRS ... 15
3.1.1 Was ist Legasthenie/LRS? ... 17
3.1.2 Symptome ... 19
3.1.3 Ursachen ... 22
3.1.4 Diagnostik ... 24
3.1.4.1 Zürcher Lesetest ... 28
3.1.4.2 Bremer Artikulationstest ... 29
3.1.4.3 Bremer Mosaiktest ... 29
3.1.4.4 Hamburger Schreibprobe ... 30
3.1.5 LRS in anderen Unterrichtsfächern ... 35
3.1.6 LRS in der Sekundarstufe ... 35
3.1.7 Therapie und Fördermaßnahmen ... 37
3.2 Dyskalkulie ... 42
3.2.1 Was ist Dyskalkulie? ... 42
3.2.2 Symptome ... 43
3.2.3 Ursachen ... 47
3.2.4 Diagnostik ... 47
3.2.5 Therapie und Fördermaßnahmen ... 49
3.3 ADS/ADHS ... 50
3.3.1 Was ist ADS/ADHS? ... 51
3.3.2 Symptome ... 52
3.3.3 Ursachen ... 55
3.3.4 Diagnostik ... 57
3.3.5 Therapie und Fördermaßnahmen ... 60

4. Der LRS-Erlass in Baden-Württemberg ... 61

5. Interviews ... 64
5.1 Grundschule – Interview Frau Heinrich ... 66
5.2 Realschule – Interview Herr Gerlach ... 73
5.3 Erkenntnisse ... 79

6. Schulsystem und Lehrerausbildung ... 80

7. Beratungslehrer ... 86

8. Förderkonzepte an Schulen ... 88
8.1 Leseschule Mannheim ... 88
8.2 LRS-Ambulanz Mannheim-Seckenheim ... 93
8.3 Vergleich ... 94

9. Fazit ... 96

10. Literatur ... 98

11. Anhang ... 103

 

1. Einleitung

Wenn ein Schüler der vierten Klasse bei nachgewiesen überdurchschnittlicher Intelligenz – das heißt guten Leistungen in den meisten Fächern, aber aufgrund einer diagnostizierten Legasthenie schlechten Leistungen im Fach Deutsch – trotz allem eine Hauptschul-Empfehlung erhält, sollte das zum Nachdenken und Hinterfragen anregen.

Die Schul- und womöglich sogar die berufliche Laufbahn des Schülers wurden aufgrund dieser Entscheidung vehement und negativ beeinflusst: Statt eines erreichbaren Abschlusses an der Realschule oder sogar dem Gymnasium und eines womöglich anschließenden Studiums wird der Schüler nun an der Hauptschule unterrichtet.
Welche Erklärungen gibt es für solche Fälle und wo liegen die Ursachen für mögliche Fehlentscheidungen?
Diese Fragen führten zum Thema meiner Arbeit: „Umgang mit Lernstörungen – Relevanz und Lehrerkompetenz im Schulsystem“.

Bei diesem Thema geht es um die Verbindung dreier Komplexe:

  1. Lernstörungen – Definitionen, Zusammenhänge und Auftreten in der Schule
  2. Relevanz – Darstellung der Bedeutung im Schulsystem
  3. Kompetenz des Lehrers – wichtigstes Element im Umgang mit Lernstörungen

In dieser Arbeit wird gezeigt, wie unsicher und unzureichend vorgebildet Lehrkräfte in Bezug auf den Umgang mit Lernstörungen noch immer sind und wie schwer es für die meisten Lehrer zu sein scheint mit Lernstörungen umzugehen – sei es aufgrund mangelnder Ausbildung oder fachlicher Hilflosigkeit.
Wo Lehrer eigentlich helfend, fördernd und klärend als Fachmann eingreifen sollten, herrscht in der Praxis oft große Unsicherheit und wenig spezifisches Fachwissen. Fördermaßnahmen kommen zudem aufgrund mangelnder Lehrerstunden oder zu wenig Engagement und Interesse selten ausreichend zustande.
Dabei ist das Erkennen von Lernstörungen und der kompetente Umgang mit ihnen von wesentlicher Bedeutung – sowohl für die Schullaufbahn eines Schülers, für seine psychische und schulische Entwicklung, als auch für sein familiäres Umfeld.
Trotz vorhandener Vorgaben der Schulbehörden für den Umgang mit Lernstörungen – wie beispielsweise dem LRS1-Erlass – fühlen sich viele Lehrkräfte überfordert, unsicher und ungenügend ausgebildet.

Im ersten Komplex dieser Arbeit wird das Thema „Lernstörungen“ bearbeitet.
Da es viele sehr unterschiedliche Formen von Lernstörungen gibt, werden in diesem Abschnitt exemplarisch drei der in der Praxis am häufigsten auftretenden und dadurch für Lehrer sehr relevanten Lernstörungen vorgestellt: Legasthenie, Dyskalkulie und ADHS (Aufmerksamkeits-Defizits-Hyperaktivitäts-Syndrom).
Es werden Ursachen, Symptome, diagnostische Verfahren und Fördermaßnahmen beschrieben, um so einen Überblick über Art, Ausmaß und Handlungsmöglichkeiten in Bezug auf die jeweilige Lernstörung zu geben.
Im weiteren Verlauf wird sich diese Arbeit jedoch fast ausschließlich auf Legasthenie (LRS) beziehen, da der Schwerpunkt anschließend nicht mehr auf den Lernstörungen selbst, sondern auf dem Umgang mit ihnen liegt.

Der zweite Komplex stellt die aktuelle Situation bezüglich des Umgangs mit Lernstörungen an Schulen in Baden-Württemberg dar. Hier wird zuerst der LRS-Erlass vorgestellt, der die offiziellen Vorgaben im Umgang mit einer Lese-Rechtschreib-Schwäche an Schulen beinhaltet. Des Weiteren soll anhand zweier Interviews ein Einblick in verschiedene Schularten und Lehrerkollegien gegeben werden, um ansatzweise herauszufinden, wie die Meinungen, Einschätzungen und Einstellung aus Lehrersicht zum Themengebiet der Lernstörungen sind. Es wurden hierzu ein Grundschullehrer, der zugleich Beratungslehrer ist, und ein Lehrer der Realschule interviewt.
In diesem Abschnitt wird deutlich, welch große Bedeutung der Lehrerkompetenz zukommt und welche Diskrepanz jedoch zwischen Bedarf und Schulpraxis besteht.

Der dritte Komplex setzt sich mit den heutigen Bildungsstandards, Lehrerkompetenzen und Lösungswegen in Hinblick auf den Umgang mit Lernstörungen in der Praxis auseinander. Beschrieben wird in diesem Abschnitt die öffentliche Kritik an der aktuellen Lehrerausbildung und in diesem Rahmen die Rolle des Beratungslehrers, der sich innerhalb seiner Ausbildung zusätzliche Fachkenntnisse aneignet.
Des Weiteren werden beispielhaft zwei Schulen vorgestellt, die durch ihre Förderprojekte eine mögliche Methode zum kompetenteren Umgang mit Lernstörungen an Schulen in die Praxis umsetzen.

Äußerst interessant war bei der Recherche im Rahmen dieser Arbeit, dass es zu der Verbindung der beiden Themenbereiche Lehrerkompetenz und Lernstörungen kaum Literatur und wissenschaftliche Belege gibt, die sich explizit mit dem bestehenden Missverhältnis an Schulen auseinandersetzen – wobei das Thema Lernstörungen im Bewusstsein der Eltern sowie der im Schulalltag agierenden Lehrer immer größere Beachtung gewinnt.

An dieser Stelle weise ich ergänzend darauf hin, dass auf den förmlich weiblichen Zusatz bestimmter Formen (zum Beispiel Schüler/in, Lehrer/in) in dieser Arbeit weitestgehend verzichtet wird.

2. Lernen

„Unter Lernen versteht man den individuellen Erwerb von Kenntnissen, sowie von geistigen und körperlichen Fertigkeiten und Fähigkeiten. Lernen kann als systematische Änderung des Verhaltens aufgrund gewonnener und durchdachter Informationen (Wissen) durch Wahrnehmung von Veränderungen in der Umwelt bezeichnet werden.“
(Wikipedia, online: http://de.wikipedia.org/wiki/Lernen entdeckt: 22.08.2005)

[...]


1 LRS steht für „Lese-Rechtschreib-Schwäche“.


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