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"Don Quijote" in Skandinavien

Hauptseminararbeit, 2005, 26 Seiten
Autor: Nora Pröfrock
Fach: Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Lit.wiss.

Details

Veranstaltung: Europäische Übersetzungen des Don Quijote
Institution/Hochschule: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Tags: Quijote, Skandinavien, Europäische, Quijote
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2005
Seiten: 26
Note: 1-
Literaturverzeichnis: ~ 24  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V46193
ISBN (E-Book): 978-3-638-43433-1
ISBN (Buch): 978-3-638-65854-6
Dateigröße: 404 KB

Zusammenfassung / Abstract

Thema dieser Hausarbeit sind die skandinavischen Übersetzungen von Miguel de Cervantes Saavedras Roman El ingenioso hidalgo don Quijote de la Mancha. Als Hintergrundinformation zum Entstehen der skandinavischen Don Quijote Übersetzungen soll zunächst eine kurze Zusammenfassung der Geschichte des Übersetzens in Skandinavien gegeben werden. Nach einem Überblick über die Übersetzungsgeschichte des Don Quijote in den einzelnen Ländern Dänemark, Norwegen und Schweden, sollen die jeweils aktuellen Neuübersetzungen dieser Länder genauer betrachtet werden. Anhand von Rezensionen, Übersetzerkommentaren und Beispielen aus dem Text soll versucht werden, Rückschlüsse auf den übersetzungstheoretischen Ansatz zu ziehen, der hinter den jeweiligen Übersetzungen steht. Wenn im Folgenden von Skandinavien oder den skandinavischen Ländern die Rede ist, so sind damit die Länder Dänemark, Norwegen und Schweden gemeint. Island lasse ich aufgrund der schwierigen Literaturlage und meiner eingeschränkten Isländischkenntnisse außen vor. Alle skandinavischen Zitate sind mit einer von mir selbst angefertigten deutschen Übersetzung versehen, die jeweils in Klammern folgt.


Textauszug (computergeneriert)

Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität
Germanistisches Seminar, Komparatistische Abteilung
Hauptseminar „Europäische Übersetzungen des Don Quijote“
6. Semester

Don Quijote in Skandinavien

von: Nora Pröfrock

 


Inhaltsverzeichnis

Einleitung 2

1. Übersetzen in Skandinavien 2

2. Don Quijote in Dänemark 6

3. Don Quijote in Norwegen 14

4. Don Quijote in Schweden 17

Zusammenfassung 21

Literaturverzeichnis 23


 

Einleitung

Thema dieser Hausarbeit sind die skandinavischen Übersetzungen von Miguel de Cervantes Saavedras Roman El ingenioso hidalgo don Quijote de la Mancha. Als Hintergrundinformation zum Entstehen der skandinavischen Don Quijote Übersetzungen soll zunächst eine kurze Zusammenfassung der Geschichte des Übersetzens in Skandinavien gegeben werden. Nach einem Überblick über die Übersetzungsgeschichte des Don Quijote in den einzelnen Ländern Dänemark, Norwegen und Schweden, sollen die jeweils aktuellen Neuübersetzungen dieser Länder genauer betrachtet werden. Anhand von Rezensionen, Übersetzerkommentaren und Beispielen aus dem Text soll versucht werden, Rückschlüsse auf den übersetzungstheoretischen Ansatz zu ziehen, der hinter den jeweiligen Übersetzungen steht. Wenn im Folgenden von Skandinavien oder den skandinavischen Ländern die Rede ist, so sind damit die Länder Dänemark, Norwegen und Schweden gemeint. Island lasse ich aufgrund der schwierigen Literaturlage und meiner eingeschränkten Isländischkenntnisse außen vor. Alle skandinavischen Zitate sind mit einer von mir selbst angefertigten deutschen Übersetzung versehen, die jeweils in Klammern folgt.

1. Übersetzen in Skandinavien

Die Geschichte des Übersetzens beginnt in Skandinavien mit der Einführung des Christentums, das die Verwendung des lateinischen Alphabetes zur schriftlichen Fixierung von Texten mit sich brachte. Zur Christianisierung kam es in Schweden im 11. Jahrhundert, in Dänemark und Norwegen etwa ein Jahrhundert früher.1 Die ersten Übersetzungstätigkeiten in Skandinavien fanden schätzungsweise im 11. und 12. Jahrhundert statt, als vor allem norwegische und isländische Kleriker nach angelsächsischem Vorbild begannen, religiöse Texte aus dem Lateinischen zu übersetzen und sie mithilfe des lateinischen Alphabetes, das sie ebenso wie die Angelsachsen um einige Buchstaben erweiterten, in ihrer Muttersprache niederzuschreiben. Diese Übersetzungen haben sehr dazu beigetragen, dass sich in Norwegen und Island eine Literatursprache ausbilden und festigen konnte, die wiederum die Basis für die hohe literarische Aktivität bildetet, von der Norwegen und Island in der Zeit von 1100 bis 1300 geprägt waren. Die beiden Länder bildeten zu dieser Zeit eine literarische Gemeinschaft, die eine regelrechte Blütezeit erlebte. Demgegenüber stand im gleichen Zeitraum jedoch ein „literarisches Vakuum“2 in Dänemark und Schweden, wo zu dieser Zeit kaum Texte verfasst oder übersetzt wurden. In Dänemark sind sogar bis ins 15. Jahrhundert freie Schreib- oder Übersetzungsaktivitäten so gut wie nicht vorhanden. 3 Die ersten ausdrücklich weltlichen Übersetzungen wurden im Zuge des Übersetzungsprogramms des norwegischen Königs Hákon Hákonarson angefertigt, der um 1225 die Übersetzung von Werken der europäischen höfischen Epik (der französischen Versroman, der Karlsepik, der Novellen der Marie de France) in Auftrag gab, um so die höfische Kultur Europas auch in Skandinavien einzuführen. Der erste im Zuge dieses Programms übersetzte Roman war 1226 Tristan und Isolde (Trístrams saga ok Ísondar)4.

Der literarischen Blütezeit Norwegens folgte im 14. Jahrhundert mit den so genannten „Eufemiavisor“ eine Entfaltung der schwedischen Literatur. Dabei handelt es sich um die drei schwedischen Versromane Herr Ivan, Hertig Fredrik av Normandie und Flores och Banzeflor, die zwischen 1302 und 1312 im Auftrag von Eufemia von Arnstein, der deutschen Gattin des norwegischen Königs Hákon V. Magnusson, aus dem Französischen, Deutschen und Norwegischen in schwedische Knittelverse übertragen wurden.5 Lars Wollin bezeichnet jedoch erst die Übersetzung der Revelationes der Heiligen Birgitta im späten 14. Jahrhundert als „the ‚birth’ of a properly translating tradition in Sweden“6. Die Übersetzungen, die im 15. Jahrhundert vor allem im Kloster von Vadstena angefertigt wurden, hatten bereits moderne Züge:

Vernacular writing there was based on translation in the modern sense of the word, i.e. transfer from a source to a target language, consisting in the substitution of equivalent linguistic material on lexical and grammatical levels.7 1380 geriet Norwegen in eine Union mit Dänemark, die über 400 Jahre lang andauerte (bis 1814). Die starke Verringerung und Zerstreuung des norwegischen Adels nach dem Wüten der Pest um 1350 führte dazu, dass es in der Folgezeit in Norwegen keine zentrale Kraft gab, die die Bevölkerung um eine nationale Schriftnorm sammeln und so den fremden Einflüssen sprachlich standhalten konnte. Nach und nach dominierte das Dänische, bis die norwegische Schriftsprache am Ende des 15. Jahrhunderts schließlich ganz verschwunden und Dänisch offizielle Schriftsprache in Norwegen geworden war.8 Alle für Norwegen relevanten kulturellen Ereignisse fanden in dieser Zeit in Dänemark statt, so auch alle relevanten Übersetzungsaktivitäten. Das wichtigste Übersetzungsereignis in dieser Zeit war die erste vollständige Bibelübersetzung ins Dänische von Christiern Pedersen, die Bibel Christians des III. (1550), die im Großen und Ganzen eine Reproduktion von Luthers Bibelübersetzung ist.9 Die erste vollständige schwedische Bibelübersetzung lag 1541 mit Gustav Vasas Bibel vor.10 Von der Reformation an wurde eine große Anzahl theologischer Texte vom Deutschen ins Dänische übersetzt. Latein fungierte als Mittlersprache für englische und französische wissenschaftliche Texte. Direkte Übersetzungen aus dem Englischen traten nicht vor ca. 1700 auf und waren bis ca. 1800 eher selten. Englische Texte kamen stattdessen zumeist über das Deutsche ins Dänische.

[...]


1 Vgl. Wollin, Lars, „Nordic language history and the history of translation II: Swedish“, in : The Nordic Languages. An International Handbook of the History of the North Germanic Languages Vol. 1, ed. by Oskar Bandle a. o. , Walter de Gruyter: Berlin & New York 2002 (Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft, Band 22.1), S. 511- 518, hier S. 518

2 Vgl. Weber, Gerd Wolfgang, „Die Literatur des Nordens“, in: Europäisches Spätmittelalter, hg. v. Willi Erzgräber u. a., Wiesbaden: Akademische Verlagsgesellschaft Athenion 1978 (Neues Handbuch der Literaturwissenschaft, Band 8), S.487- 515, hier S. 487

3 Vgl. Skautrup, Peter, Det danske sprogs historie II: Fra Unionsbrevet til danske lov, Gyldendalske boghandel: København 1947, S. 9

4 Vgl. Loheim, Sylfest, „Nordic language history and the history of translation III: Norwegian“, in: The Nordic Languages Vol. 1, S. 518- 527, hier S. 519

5 Vgl. Weber, „Literatur des Nordens“, S. 501 f 6 Wollin, „Nordic language history and the history of translation II: Swedish“, S. 512

7 Ebd.

8 Vgl. Skautrup, Det danske sprogs historie II, S. 35

9 Vgl. Haastrup, Niels, „Nordic language history and the history of translation I: Danish“, in: The Nordic Languages Vol. 1, S. 502- 511, hier S. 503 f

10 Vgl. Wollin, „Nordic language history and the history of translation II: Swedish”, S. 513


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