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Lesen im Fremdsprachenunterricht

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2003, 46 Pages
Author: Maja Doko-Schikora
Subject: German - German as a Foreign Language / Second Language

Details

Event: Textarbeit im fachsprachlichen DaF-Unterricht
Institution/College: Technical University of Berlin (Institut für Sprache und Kommunikation)
Tags: Lesen, Fremdsprachenunterricht, Textarbeit, DaF-Unterricht
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2003
Pages: 46
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 29  Entries
Language: German
Archive No.: V46223
ISBN (E-book): 978-3-638-43456-0

File size: 2240 KB


Excerpt (computer-generated)

Technische Universität Berlin
Institut für Sprache und Kommunikation

Hauptseminar: Textarbeit im fachsprachlichen DaF-Unterricht

Lesen im Fremdsprachenunterricht

bearbeitet durch:

Maja Schikora

September 2003

 

 

I n h a l t s v e r z e i c h n i s

1 EINLEITUNG ... 4

2 GRUNDLEGENDE ASPEKTE DES LESENS  ... 5
2.1 Das Auge 
2.1.1 Anatomie der Augen 
2.2 Das menschliche Gehirn 
2.2.1 Anatomie des Gehirns 
2.2.2 Gehirnfunktionen 
2.3 Rolle und Zusammenspiel der Augen und des Gehirns beim Lesevorgang 
2.4 Das Gedächtnis 
2.4.1 Das sensorische Gedächtnis (Ultrakurzzeitgedächtnis) 
2.4.2 Das Kurzzeitgedächtnis 
2.4.3 Das Langzeitgedächtnis 
2.4.4 Veranschaulichung des Gedächtnissystems am Beispiel des Lesevorgangs ... 13

3 FUNKTION DES LESENS – LESEN ALS KOMMUNIKATIVER PROZESS? ... 13

4 VERSCHIEDENE FORMEN DES LESENS IM FREMDSPRACHEN-UNTERRICHT 13 
4.1 Lautes Lesen  
4.2 Lernlesen 
4.3 Interessegeleitetes Lesen 
4.3.1 Detailliertes Lesen 
4.3.2 Globales Lesen 
4.3.3 Suchendes Lesen 
4.3.4 Sortierendes Lesen 

5 TEXT – TEXTTYPOLOGIE – TEXTSORTEN ...  16
5.1 Textbegriff  
5.2 Texttypologie 
5.3 Textsorten 
5.3.1 Übersicht der Textsorten nach Näser Wolfgang 
5.4 Textsorten im fachbezogenen Fremdsprachenunterricht 

6 TEXTARBEIT IM FREMDSPRACHENUNTERRICHT 21
6.1 Textauswahl – Leseabsicht – Leseverfahren 
6.1.1 Textauswahl 
6.1.2 Leseabsicht 
6.1.3 Leseverfahren 
6.2 Methoden der Textarbeit 
6.2.1 Vorentlastung von Texten 
6.2.1.1 Methoden der Textentlastung 
6.2.1.2 Beispiele für die Methoden der Textentlastung und ihre Funktion 
6.2.1.2.1 Vor- bzw. Zusatzinformationen 
6.2.1.2.2 Bilder / Diagramme 
6.2.1.2.3 Markieren von Hauptinformationen oder Schlüsselwörtern im Text 
6.2.1.2.4 Besprechung unbekannter Wörter, Wortlisten, Bildwörterbücher, Umschreibung der Wörter 
6.2.1.2.5 Paralleltext 
6.2.1.2.6 Gliederung / Zwischenüberschriften 
6.2.1.2.7 Stichwortartige Zusammenfassungen 
6.2.1.3 Vorschläge für Umwandlung von Textentlastungen in Fertigkeitsübungen 
6.2.2 Aufgabenformen zum Sichern und Kontrollieren des Textverständnisses 
6.2.2.1 Fragen zum Text
6.2.2.1.1 Inhaltsbezogene Fragen 
6.2.2.1.2 Inhaltsunabhängige Fragen 
6.2.2.2 Lückentexte 
6.2.2.3 Zuordnungsübungen 
6.2.2.4 Richtig - Falsch – Übungen 
6.2.2.5 Multiple-Choice-Übungen 
6.2.2.6 Titel zum Text zuordnen 
6.2.2.7 Textinhalt verdeutlichen 
6.2.2.8 Kreuzworträtsel 
6.2.2.9 Rekonstruktion des Textes 
6.2.2.10 Einteilung eines ungegliederten Textes in Abschnitte 

7 UNTERRICHTSENTWURF ...  38

8 SCHLUSSBEMERKUNG ...  44

9 LITERATURVERZEICHNIS ...  45

 

 

1 Einleitung

Eine der vier zu erwerbenden Fertigkeiten, die in einer Fremdsprache eine adäquate Kommunikation ermöglichen, ist die Lesefertigkeit. Lesen sowie Hören sind rezeptive Fertigkeiten, während Sprechen und Schreiben zu produktiven Fertigkeiten zählen. Unter dem Begriff „Fertigkeit“ ist sowohl eine konkrete als auch eine geistige Handlung zu verstehen. Man kann sagen, dass es sich dabei um eine Tätigkeit handelt. Butzkamm (1989, S. 74) definiert Fertigkeiten als „erlernte, durch Übung erworbene Willkürhandlungen, die sich im Tun, Ausführen und Ausüben äußern.“

Gergold (1990, S. 18) unterscheidet beim Lesen eine technische und eine inhaltliche Seite. Technische Seite oder Lesefertigkeit bezieht sich auf die richtige Artikulation der graphischen Zeichen und die inhaltliche Seite oder Lesefähigkeit meint das inhaltliche Lesen.

Was ist aber unter dem Wort „lesen“ zu verstehen? In seiner historischen Wortbedeutung stand „lesen“ für „auswählen, sammelnd aufheben“. Heute trifft man auf vielseitige Auffassungen in der Literatur, je nachdem, aus welcher Perspektive die Definition angestrebt wird. So z.B. betrachtet der Mathematiker und Informatiker Haefner das Lesen als Mittel die Informationen von einer Generation zur anderen weiter zu geben (Fritz/Suess 1986, S. 13). Solche Beobachtungen finden wir auch im Alltagsleben. Aus der Perspektive eines Busfahrers bedeutet Lesen die Verkehrsschilder zur Kenntnis zu nehmen und zu befolgen.

Lange Zeit verstanden viele Linguisten unter Lesen eine Art der Dekodierung1 von schriftlicher in gesprochene Sprache. Karcher (1988, S. 3) erhebt den Vorwurf, dass im Fremdsprachenunterricht über viele Jahre die Absicht im Vordergrund stand Sätze, Abschnitte und ganze Texte grammatisch zu analysieren und zu übersetzen, um so indirekt über die Erstsprache den Sinn des fremdsprachlichen Textes zu erfassen und man sich weniger bemühte die fremdsprachenspezifische Sinnkonstruktionen eines Textes zu vermitteln.

Heute wird versucht im fremdsprachlichen Lesen mehr Aufmerksamkeit dem Textverstehen zu schenken, da erkannt wurde, dass das Lesen nicht mehr als Dekodierungsvorgang betrachtet werden kann. Man kam zum Schluss, dass das gespeicherte Wissen des Lesers, die Schlussfolgerungen, Hypothesenbildungen und Antizipation für erfolgreiches Lesen eine große Rolle spielen. 

Schwerdtfeger (1981, vgl. Gerold 1990, S. 21) definierte Lesen folgendermaßen: „Lesen ist eine Funktion des Zusammenwirkens von u.a. Aufmerksamkeit, dem Erkennen von Merkmalen der Textstruktur und deren Beziehungen, der Speicherung im Gedächtnis, der Antizipation von Äußerungsteilen. Der Leser nimmt nicht nur geschriebene Sprache wahr, sondern er verbindet sie mit seinen Konzepten, seiner pragmatischen Vorerfahrung, seinem Wissen von der Welt. Daher ist die Sinnentnahme, die Semantisierung eines Textes in L2 die zentrale Aufgabe des Fremdsprachenunterrichts.“

In dieser Arbeit möchte ich zuerst auf die wahrnehmungsphysiologischen, neurolinguistischen und gedächtnispsychologischen Voraussetzungssituationen eingehen. Nachdem ein Überblick über das Fundament des Lesens geschaffen wird, setze ich mich mit verschiedenen Leseformen, Textsorten und Methoden der Textarbeit auseinander. Am Ende versuche ich, die in der Arbeit besprochenen Themen, an einem authentischen Text anzuwenden.

2 Grundlegende Aspekte des Lesens

Nach der Definition des Lesens möchte ich zuerst auf den „Motor“ des Lesevorgangs eingehen.

Es stellt sich die Frage, was in einem Menschen vorgeht, während er versucht einen Text zu lesen? Wie schafft er das Geschriebene als einen Text wahrzunehmen und seine Merkmale zu erkennen?

Das Wahrnehmungssystem besteht aus drei Komponenten: den Augen, den visuellen Nervenbahnen und den Sehzentren. Die Augen nehmen die elektromagnetischen Strahlen auf und wandeln sie in Botschaften um, diese werden über visuelle Nervenbahnen zu den Sehzentren des Gehirns weitergeleitet, wo die Botschaften dann interpretiert werden.

In nächsten Kapiteln möchte ich näher auf diese drei einzelnen Komponenten eingehen.

2.1 Das Auge

2.1.1 Anatomie der Augen

Das Auge ist ein kugelförmiges Organ mit einem Durchmesser von etwa 22 mm. Die Außenhülle des Augapfels wird als Lederhaut bezeichnet. Sie sichert die äußere Form des Augapfels ähnlich einem Skelett. Sie ist derb, weißlich, lichtundurchlässig und hat nur nach vorn einen durchsichtigen Teil, die Hornhaut. Die Hornhaut ermöglicht den Eintritt von Lichtstrahlen. Unter der Lederhaut liegt die Aderhaut, die das Auge mit Nährstoffen versorgt.

[....]


1 Entschlüsselung eines Kodes mit dem Ziel der Bedeutungsentnahme, von der Textoberfläche wird zur Tiefenstruktur gegangen (Gerold 1990, S. 27 nach Goodman 1976)


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