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Scholary Paper (Seminar), 2005, 19 Pages
Author: Anna Goetz
Subject: Communications: Mass Media
Details
Tags: Wahrnehmung, Wirklichkeit, Medien
Year: 2005
Pages: 19
Grade: 1,5
Bibliography: ~ 9 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-43594-9
File size: 271 KB
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Excerpt (computer-generated)
Universität Basel
Institut für Medienwissenschaft
Proseminararbeit für Veranstaltung „Ästhetiken der Projektion.
Von der Camera Obscura bis zur Media-Installation“
Über die Wahrnehmung von Wirklichkeit und die
Wirklichkeit der Medien
von: Anna Goetz
Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG 2
1. DAS HÖHLENGLEICHNIS, PLATON, UM 600 V. CHR. 3
1.1. KURZE ZUSAMMENFASSUNG 3
1.2. THEMATIK 4
1.3. SYMBOLIK 5
2. AUSEINANDERSETZUNG DER MODERNEN KUNST MIT DEM HÖHLENGLEICHNIS, ZWEI BEISPIELE 6
2.1. FILM: „THE TRUMAN SHOW“ VON PETER WEIR 6
2.2. IN DER BILDENDEN KUNST: „ALLES LÜGE“, INSTALLATION VON HANNES NEHLS, 2003
3. ÜBER DIE MENSCHLICHE WAHRNEHMUNG 8
4. DIE REALITÄT ALS PRODUKT DER MEDIEN 10
5. BEZIEHUNG MEDIUM – WIRKLICHKEIT 12
SCHLUSSWORT 15
QUELLENVERZEICHNIS 18
Einleitung
Wirklichkeit ist ein hochkomplexes Gefüge und Geschehen, sodass man sie nie abschliessend beschreiben kann. Und doch haben wir tagtäglich mit ihr zu tun und müssen lernen, mit ihr umzugehen1, ohne zu wissen, ob Wirklichkeit so ist, wie wir sie erkennen und empfinden und ob es überhaupt eine allgemein gültige Realität gibt. Auch unsere Medien gehen täglich mit ihr um. Die Frage, was Wirklichkeit ist, ist eine Frage, wie die nach dem Sinn des Lebens, die den Menschen wahrscheinlich seit jeher beschäftigt hat. Wir sehen die Welt, wie sie unseren Augen erscheint. Heinrich von Kleist schrieb am 22. März 1801 in einem Brief an Wilhelmine von Zenge: „Wenn alle Menschen statt der Augen grüne Gläser hätten, so würden sie urteilen müssen, die Gegenstände, welche sie dadurch erblicken, sind grün – und nie würden sie entscheiden können, ob ihr Auge ihnen die Dinge zeigt, wie sie sind, oder ob es nicht etwas zu ihnen hinzutut, was nicht ihnen, sondern dem Auge gehört.“ Wie der Begriff des Wahrnehmens schon sagt, empfinden wir das, was wir mit unseren Sinnen aufnehmen als das Wahre, also als die Wirklichkeit. Demnach hat die Frage, was die Wirklichkeit ist, sehr viel mit unserer Wahrnehmung zu tun, also auch damit, ob unsere Wahrnehmung nicht nur eine Projektion oder ein Abbild der Wirklichkeit ist.
In meinem Vortrag vom 11. November 2004 im Proseminar „Die Ästhetik der Projektion“ sprach ich über die Thematik des Höhlengleichnisses. In Platons Hohlengleichnis geht es darum, dass das, was wir als die Realität ansehen, eigentlich nur Abbild des Wahren ist. Die folgende Arbeit ist eine weiterführende Auseinandersetzung mit selbigem Thema. Ich werde deshalb einen grossen Teil meines Vortrags nochmals einfliessen lassen. Im Anschluss werde ich anhand eines Beispiels zeigen, wie die moderne Kunst dieser existentiellen Frage nachgeht. Weiterführend beschäftigen mich folgende Fragen: Wie lassen sich unsere heutigen Medien in Bezug auf Wirklichkeit, Realität, definieren? Zeigen die Medien Realität oder manipulieren sie diese? Übernehmen sie eine Wirklichkeit abbildende oder Wirklichkeit vermittelnde Funktion? Stimmt die These, dass wir in der heutigen Zeit unsere Wirklichkeit vermehrt über die Medien definieren?
1. Das Höhlengleichnis, Platon, um 600 v. Chr.
1.1. Kurze Zusammenfassung
Menschen wohnen in einer unterirdischen Höhle. Sie kehren dem Eingang den Rücken zu und da sie gefesselt sind, sehen sie nur die ihnen gegenüber liegende Wand. Hinter ihnen, im Eingang, erhebt sich eine hohe Mauer. Hinter dieser Mauer bewegen Gestalten mit Gegenständen, die über die Mauer hinaus ragen, vorbei. Da hinter diesen Gestalten ein Feuer brennt, werfen die von ihnen getragenen Gegenstände Schatten auf die Höhlenwand. Die Schatten sind das einzige, was die Höhlenbewohner sehen. Sie halten diese folglich für das einzige, was es gibt.
Einer der Gefangenen befreit sich aus der Gefangenschaft. Er dreht sich zum Licht und zu den Gegenständen. Er wird vom grellen Licht, wie auch vom Anblick der scharfen Umrisse der Figuren geblendet– er hat bisher ja nur ihre Schatten gesehen. Wenn er sich an das Neue gewöhnen würde, würde er zum ersten Mal Farben und scharfe Konturen sehen. Er würde die Sonne am Himmel sehen und begreifen, dass die Sonne die Dinge im „richtigen Licht zeigen“ und weshalb das Feuer in der Dunkelheit Höhle bewirkt, dass er nur Schattenbilder sieht. Er geht zurück in die Höhle und versucht, den anderen Höhlenbewohnern klarzumachen, dass die Schatten an der Höhlenwand nur Nachahmungen des Wirklichen sind. Niemand glaubt ihm. Sie zeigen auf die Höhlenwand und sagen, das, was sie da sähen, sei alles, was es gebe und schlagen ihn schlussendlich tot.
1.2. Thematik
Die Höhlenbewohner sehen die Schatten, sehen diese jedoch nicht als Schatten. Sie kommen nicht auf die Idee, dass diese nur Abbild der Realität sind und nicht die Wirklichkeit selbst. Sie geben sich mit den Schatten zufrieden. Es liegt nicht in ihrem Wesen weiter zu hinterfragen, ob das, was sich ihnen zeigt auch das Seiende ist. Einem Höhlenbewohner wurden die Fesseln abgenommen. Das bis anhin offen Gezeigte wird hinterfragt. Das bis zu diesem Zeitpunkt Gesehene, die Schatten, wird stehen gelassen und der Entfesselte wendet sich dem neu Gezeigten, den Dingen selbst zu. Der Entfesselte beurteilte vorerst die Schatten als das Wahrere. Man kann behaupten, dass der Mensch grundsätzlich immer das als wahr empfindet, was er mit seinen Sinnen wahrnehmen kann, darauf verweist auch die etymologische Bedeutung des Wortes wahrnehmen. Deshalb heisst es schliesslich etwas „wahrnehmen“, weil wir das, was wir mit unseren Sinnen aufnehmen, als „wahr“ empfinden. Der Entfesselte will in seine verstraute Welt der Schatten zurück, weil er sie für das Seiendere hält. Sie vermittelt ihm das Gefühl, sich in einer gewohnten Umgebung zu bewegen. Der Mensch ist von Natur aus Neuem gegenüber eher skeptisch eingestellt. Die Befreiung von der Unwissenheit schlägt fehl. Der Befreite will wieder zurück und in seine Fesseln gelegt werden. Er fürchtet sich vor dem Neuen und Unbekannten.
[...]
1 Doelker, Christian: „Wirklichkeit“ in den Medien; Verlag Klett&Balmer GmbH, Zug, 1979
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