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Auxiliares TUN im gesprochenen Deutsch

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 25 Pages
Author: Kristin Heurlés
Subject: German Studies - Linguistics

Details

Institution/College: University of Münster
Tags: Auxiliares, Deutsch
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2004
Pages: 25
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 16  Entries
Language: German
Archive No.: V46804
ISBN (E-book): 978-3-638-43913-8
ISBN (Book): 978-3-640-12958-4
File size: 369 KB

Abstract

In dieser Hausarbeit sollen das Vorkommen und die möglichen Funktionen von auxiliarem tun im Deutschen untersucht werden. Denn das deutsche Verb findet, neben seinem ursprünglichen Gebrauch als Vollverb immer häufiger Verwendung als Auxiliarverb, ähnlich wie das englische DO, welches bereits den Status einer grammatikalisierten Form erlangt hat. Der deutschen tun-Periphrase hingegen ist von der Forschung, bislang relativ wenig Beachtung geschenkt worden, was zunächst nicht besonders verwunderlich ist, da diese Konstruktion in der Standardsprache so gut wie keine Rolle spielt. Betrachtet man aber neben der Hoch- und Schriftsprache jedoch auch die gesprochene Alltags- und Umgangssprache, scheint eine Auseinandersetzung mit diesem Phänomen unvermeidlich. Denn die deutsche tun- Periphrase gilt im Standard zwar als verpönt, in der Umgangssprache und in der Kindersprache sowie in einigen deutschen Dialekten findet sie jedoch als eine beliebte Erscheinung vielfältige Verwendung. Das wirft natürlich die Frage nach dem „Warum“ auf. Es müssen Unterschiede zu den anderen, fest integrierten Hilfsverben sein, werden und haben existieren, die die Verwendung der tun-Periphrase rechtfertigen. Es ist also herauszufinden, ob die Konstruktion optional ist- das heißt ob, und wenn ja, was man damit ausdrücken kann, was mit den standardisierten Auxiliarverben eventuell nicht beschreiben können Ferner stellt sich die Frage seit wann der Gebrauch der tun- Periphrase Anwendung findet. Nach Emil Weiss, der die Tun Konstruktion bis um 1400 untersucht hat, wurde sie bereits im Althochdeutschen verwendet (vgl. Weiss 1956:180). Heinz Rupp stellt in seinem Aufsatz „Zum deutschen Verbalsystem“ heraus: „Es ist Ihnen als selbstverständlich bekannt, daß die deutschen Verben ihre zusammengesetzten Zeiten mit den sogenannten Hilfsverben sein, werden und haben bilden. Daß das Verbum tun in der Schriftsprache keine solche formenbildende Rolle spielt ist Zufall. Daß es sich nicht wie z. B. im Englischen durchgesetzt hat, obwohl es einige Male nahe dran war, ist, wie gesagt, ein sprachgeschichtliches Faktum, aber keine sprachgeschichtliche Notwendigkeit“ (Rupp 1967: 156f.). Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, was das besondere an auxiliarem tun ist, dass es früher, wie auch heute in den Dialekten und in der Umgangssprache als Mittel zur Umschreibung eingesetzt worden ist und immer noch eingesetzt wird.


Excerpt (computer-generated)

Westfälische Wilhelms- Universität Münster
Institut für Deutsche Philologie I
HS: Syntaktische Tendenzen in der Umgangssprache

Auxiliares TUN im gesprochenen Deutsch

von: Kristin Heurlés

 


Inhalt

1 Einleitung 2

2 Bewertung der tun-Periphrase in gegenwärtigen Grammatiken und Wörterbüchern 3

3 Vorkommensweisen und Funktionen der tun-Periphrase 5

3.1 Vorkommensweisen der tun- Periphrase in Tempora, Modi und Genus verbi  7
3.2 Funktionsbereiche der tun- Periphrase 9

4 Verwendung der tun-Periphrase in der gesprochenen Umgangssprache  12

4.1 Methode und Daten 12
4.2 Analyse der Gesprächsausschnitte  13

5 Ergebnisse  18

6 Schlussbemerkung 19

Literatur 21

Anhang: Zitierte Gesprächsausschnitte 23



 

1 Einleitung

In dieser Hausarbeit sollen das Vorkommen und die möglichen Funktionen von auxiliarem tun im Deutschen untersucht werden. Denn das deutsche Verb findet, neben seinem ursprünglichen Gebrauch als Vollverb immer häufiger Verwendung als Auxiliarverb, ähnlich wie das englische DO, welches bereits den Status einer grammatikalisierten Form erlangt hat. Der deutschen tun-Periphrase hingegen ist von der Forschung, bislang relativ wenig Beachtung geschenkt worden, was zunächst nicht besonders verwunderlich ist, da diese Konstruktion in der Standardsprache so gut wie keine Rolle spielt. Betrachtet man aber neben der Hoch- und Schriftsprache jedoch auch die gesprochene Alltags- und Umgangssprache, scheint eine Auseinandersetzung mit diesem Phänomen unvermeidlich. Denn die deutsche tun- Periphrase gilt im Standard zwar als verpönt, in der Umgangssprache und in der Kindersprache sowie in einigen deutschen Dialekten findet sie jedoch als eine beliebte Erscheinung vielfältige Verwendung. Das wirft natürlich die Frage nach dem „Warum“ auf. Es müssen Unterschiede zu den anderen, fest integrierten Hilfsverben sein, werden und haben existieren, die die Verwendung der tun-Periphrase rechtfertigen. Es ist also herauszufinden, ob die Konstruktion optional ist- das heißt ob, und wenn ja, was man damit ausdrücken kann, was mit den standardisierten Auxiliarverben eventuell nicht beschreiben können Ferner stellt sich die Frage seit wann der Gebrauch der tun- Periphrase Anwendung findet. Nach Emil Weiss, der die Tun Konstruktion bis um 1400 untersucht hat, wurde sie bereits im Althochdeutschen verwendet (vgl. Weiss 1956:180). Heinz Rupp stellt in seinem Aufsatz „Zum deutschen Verbalsystem“ heraus:

Es ist Ihnen als selbstverständlich bekannt, daß die deutschen Verben ihre zusammengesetzten Zeiten mit den sogenannten Hilfsverben sein, werden und haben bilden. Daß das Verbum tun in der Schriftsprache keine solche formenbildende Rolle spielt ist Zufall. Daß es sich nicht wie z. B. im Englischen durchgesetzt hat, obwohl es einige Male nahe dran war, ist, wie gesagt, ein sprachgeschichtliches Faktum, aber keine sprachgeschichtliche Notwendigkeit (Rupp 1967: 156f.).

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, was das besondere an auxiliarem tun ist, dass es früher, wie auch heute in den Dialekten und in der Umgangssprache als Mittel zur Umschreibung eingesetzt worden ist und immer noch eingesetzt wird. Im Folgenden werden vor dem Hintergrund der eröffneten Fragen das Vorkommen und die möglichen Funktionen der tun- Periphrase untersucht. Zunächst soll ein Blick in die gegenwärtigen Grammatiken und Wörterbücher Klarheit über die Bewertung der tun- Periphrase schaffen. Daran anschließend folgt ein Kapitel über die Behandlung des Phänomens in der spärlichen Forschungsliteratur zu diesem Thema. Dabei gilt es auch zu untersuchen, welche Rolle die tun- Konstruktion im Frühneuhochdeutschen und in den Dialekten gespielt hat und welche sie heute spielt. Daraufhin werden mittels Analysen von transkribierten Gesprächsausschnitten, die das Phänomen beinhalten, die Thesen aus der Forschungsliteratur überprüft. An dieser Stelle soll untersucht werden, wie die tun- Konstruktion tatsächlich benutzt wird. Dazu sind die originalgetreuen Daten aus der gesprochenen Sprache sehr wichtig, weil nur damit der tatsächliche Gebrauch der tun- Periphrase in der Alltags- und Umgangssprache nachvollzogen werden kann. Zum Abschluss folgen die Ergebnisse des empirischen Kapitels sowie Rückbezüge zu den Thesen aus der Sekundärliteratur. In einer knappen Schlussbemerkung werden sämtliche Ergebnisse schließlich noch einmal zusammengefasst und die Frage behandelt, wie man mit der Abweichung vom Standard umgehen kann und wie sie bewertet werden muss.

2 Bewertung der tun- Periphrase in gegenwärtigen Grammatiken und Wörterbüchern

Die tun- Umschreibung gilt bereits seit dem 18. Jahrhundert als negativ. Die Grammatiken aus dieser Zeit rieten daher schon damals von dem Gebrauch des auxiliaren tun ab. Die Begründung dafür war, dass nur einfache Handwerksleute so sprächen (vgl. Fischer 2001:150). Wie schon in der Einleitung erwähnt, wurde dem Phänomen der tun-Konstruktion in der Forschung bislang relativ wenig Aufmerksamkeit gewidmet. In den gängigen wissenschaftlichen Grammatiken spiegelt sich dieses Verhalten wieder. Denn sowohl in Peter Eisenbergs Grundriß der deutschen Grammatik, als auch in der Grammatik der deutschen Sprache von Gisela Zifonun, Ludger Hoffmann und Bruno Strecker, sowie in Harald Weinrichs Textgrammatik der deutschen Sprache findet das Phänomen der tun-Umschreibung keinerlei Erwähnung. Dasselbe gilt auch für Karl Heidolphs, Erich Flämigs und Wolfgang Motschs Grundzüge einer deutschen Grammatik. Der neunte Band des Duden Richtiges und gutes Deutsch hingegen zählt zwar nicht zu den wissenschaftlichen Grammatiken, äußert sich aber zur Konstruktion tun + Infinitiv wie folgt:

Die Verbindung von tun mit einem reinen Infinitiv in Sätzen wie Sie tut gerade schreiben oder Er tut das schon erledigen ist eine umgangssprachliche überflüssige Erweiterung des Prädikats. Sie gilt in der Standardsprache nicht als korrekt. Nur bei vorangestelltem Infinitiv, also wenn das Verb besonders nachdrücklich hervorgehoben werden soll, ist die Erweiterung mit tun zulässig, weil dann das tun die syntaktische Funktion des Verbs übernehmen muss: Singen tut sie gern. Gesehen habe ich sie schon, aber kennen tue ich sie nicht (Duden 2001:667).

Ähnlich wie die Grammatiker des 18. Jahrhunderts bewertet auch der Duden die Konstruktion von tun mit Infinitiv. Sie gilt hier mit einer Ausnahme als überflüssig und nicht korrekt. Aber immerhin wird anders als in den wissenschaftlichen Grammatiken ihre Existenz erwähnt. Einen weiteren Hinweis auf tun als Auxiliarverb liefert das Wörterbuch der Sprachschwierigkeiten von Joachim Dückert und Günter Kempcke: Umgangssprachlich wird tun manchmal an Stelle der finiten Verbform mit einem reinen Infinitiv gebraucht (das tue, täte ich mir gerne ansehen), aber auch mit vorangestelltem, betontem Infinitiv (rechnen tut er gut; geschimpft hat er viel, aber zupacken tat er nicht) (Dückert 1984:482).

[...]


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