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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 10 Pages
Author: Simone Feier
Subject: Orientalism / Sinology - Japanology
Details
Institution/College: Johannes Gutenberg University Mainz (Vergleiche Sprachwissenschaften - Projekt Japanstudien)
Tags: Behinderte, Japan, Stigmatisierung, Anerkennung, Ethische, Randgruppen, Japan
Year: 2004
Pages: 10
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 12 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-44106-3
File size: 288 KB
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Excerpt (computer-generated)
Johannes Gutenberg – Universität Mainz
Seminar: Ethnische und soziale Randgruppen in Japan
Behinderte in Japan –
Von der Stigmatisierung zur Anerkennung
von: Simone Feier
Gliederung
(1) Einleitung
(2) Zahlen, Daten, Fakten
(3) Von der Stigmatisierung zur „Anerkennung“
(4) Positive Entwicklungen
(a) Independent Living
(b)„Assistant Dog“
(5) Zusammenfassung und Ausblick
(6) Literatur
1. Einleitung
„The Japanese place a high value on uniformity, hierarchy, reciprocity, and harmony“ (Rosen 2001). Dies hat zur Folge, dass dem westlichen Betrachter Japan als ein sehr homogenes Land erscheint, in dem es keine Minderheiten oder Randgruppen gibt. Doch der Schein trügt. Bei genauerer Auseinandersetzung mit der japanischen Gesellschaft muß man feststellen, dass in Japan derzeit zwischen 5 und 6 Mio. (das sind ca. 5% der Bevölkerung) diskriminierte Menschen leben (Roth 1997:131). Die größte dieser Gruppen sind die Burakumin, gefolgt von den Bewohnern Okinawas, den Koreanern, den Ainu und den Chinesen. Sucht man in derartigen Auflistungen nach Behinderten, so wird man nicht fündig, denn dieses Thema wurde in der japanischen Gesellschaft in der Vergangenheit gerne totgeschwiegen. Seit 1981,dem Jahr der Behinderung, ist ein positiver Prozeß ins Rollen gekommen, der einerseits das Thema in der Öffentlichkeit präsent machte und somit zugleich indirekt und direkt zur Problembekämpfung beigetragen hat. Für den europäischen Betrachter ist die Randgruppe der Behinderten so spannend, weil es in unserer Gesellschaft schon seit mehreren Jahrzehnten ein deutliches Bewußtsein für die Bedürfnisse und Wünschen von Behinderten und deren Umfeld gibt, sodass es für uns nahezu unvorstellbar ist, dass Menschen sowie deren Familie aufgrund einer körperlichen und/oder geistigen Beeinträchtigung stigmatisiert werden. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es die Veränderungen der japanischen Gesellschaft im Umgang mit seinen behinderten Mitgliedern darzustellen und zugleich zwei positive Entwicklungen näher vorzustellen. Ein Fazit und ein Ausblick auf die Zukunft bilden den Abschluß der Arbeit
2. Zahlen, Daten, Fakten
In Deutschland lebten im Jahre 1996 etwa 6,4 Millionen Schwerbehinderte. Rechnet man dann noch die relativ große Zahl der Behinderten hinzu, „deren Behinderung unterhalb von 50% eingestuft wurde, so kann man von mehr als acht Millionen Behinderten in der Gesellschaft sprechen, also rd. 10% der Bevölkerung“ (Deutscher Bundestag - Drucksache 13/5595 vom 25.09.1996). Vergleicht man diese bestätigte Zahl mit der geschätzten Anzahl von behinderten Personen in Japan zum gleichen Zeitpunkt, so ist es äußerst auffällig, dass in Japan nur halbsoviel Behinderte leben sollen. [Tabelle in der Downloaddatei vorhanden]
Dies ist vor allem und hauptsächlich darauf zurückzuführen, dass jede Kultur für sich selbst bestimmt und definiert, was „normal“ und was von dieser Norm abweicht und somit „anormal“ ist. In diesem Kontext demzufolge als behindert eingestuft wird (Rosen 2001: 1). Erschwerend kommt in Japan hinzu, dass man sich über Jahrzehnte hinweg davor gescheut hat genau zu definieren, was man unter einer behinderten Person in der japanischen Kultur versteht. Bis zum heutigen Tag gibt es keine eineindeutige und allumfassende Definition im westlichen Sinne, sodass der direkte Vergleich mit anderen Ländern dieser Welt nahezu unmöglich ist.
Die griffigste Definition ist im Fundamental Law for Persons with Disabilities niedergeschrieben. Dort heißt es: Disabled persons are “those persons who are physically disabled, mentally retarded, or mentally disabled, and who are considerably disadvantaged in their daily lives for an extended period“ (Yoda 2001:7). Diese Definition ist der deutschen recht ähnlich, aber wie so häufig liegt der Teufel im Detail. Da es Sache der Regierung beziehungsweise der zuständigen Behörde ist diese Norm mit Inhalt zu füllen und die Kriterien festzulegen, die jemanden als Behinderten qualifizieren, fallen in Japan viele durch das strikte Raster hindurch. Während in Deutschland die Meßlatte für den Behindertenstatus ziemlich niedrig liegt, ist sie in Japan enorm hoch angelegt, sodass epileptische, rheumatische sowie andere chronische Patienten ihn nicht erhalten (Toshihiko Datum unbekannt: 1). Diese Ausgrenzung beziehungsweise Verneinung des Behindertenstatus hat für die betroffenen Patienten zur Folge, dass sie trotz starker Beeinträchtigung im alltäglichen Leben sowie in der Arbeitswelt keine finanzielle Unterstützung seitens des Staates bekommen, da sie nicht im Besitz eines disabled persons handbook sind, denn in Japan erhalten Menschen nur Geld aus staatlichen Sozialprogrammen und –kassen, wenn sie im Besitz dieses Ausweises sind (Yoda 2002:5).
3. Von der Stigmatisierung zur „Anerkennung“
[...]
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