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Termpaper, 2004, 22 Pages
Author: Kim Brandt
Subject: History - Middle Ages, Early Modern
Details
Tags: Luther, Hitler, Antisemitismus, Martin, Luther
Year: 2004
Pages: 22
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 30 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-44176-6
File size: 183 KB
Eine sehr umfassende Arbeit zum Thema Antisemitismus mit einer Analyse der Quellen Luthers. Schon im Titel ersichtlich: Hinweis auf die Kontinutät des Judenhasses und seiner Entwicklung.
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Excerpt (computer-generated)
Von Luther zu Hitler? Antisemitismus bei Martin Luther
von: Kim Brandt
Inhaltsverzeichnis
I Einleitung
1. War Luther Antisemit?
Zum Begriff des Antisemitismus 2
II Hauptteil
2. Analyse der Quellen
2.1 „Dass Jesus Christus ein geborener Jude sei“ (1523) 3
2.2 „Wider die Sabbather an einen guten Freund“ (1538) 5
2.3 „Von den Juden und ihren Lügen“ (1543) 6
2.4 „Vom Schem Hamphoras und vom Geschlecht Christi“ (1543) 8
3. Die Entwicklung des Antisemitismus nach Luthers Tod
3.1 Mittelalterliche Denkstrukturen und Vorurteile der Aufklärung 10
3.2 Gesellschaftliche Emanzipation und totale Vernichtung 13
III Schluss
4. Kann man Luther als Wegbereiter Hitlers bezeichnen? 17
IV Bibliographie 20
I Einleitung
1. War Luther Antisemit?
Zum Begriff des Antisemitismus
Der Begriff Antisemitismus wurde im 19. Jahrhundert von Wilhelm Marr, einem deutschen Schriftsteller, geprägt.1 Im wörtlichen Sinn als Ablehnung einer ganzen Sprachgruppe, nämlich der „Semiten“, gemeint, ist der Begriff als Ausdruck für die Judenfeindschaft als solche ungenau, zudem er ursprünglich lediglich als politisches Schlagwort und propagandistische Selbstbezeichnung gebraucht wurde. Des Weiteren spiegelte er eine sachliche, sogar wissenschaftliche Verwendung vor. Eine genaue Definition für den Terminus kann somit nicht gegeben werden. Dennoch soll im Rahmen dieser Arbeit Antisemitismus als Sammelbegriff für alle Formen der Judenfeindschaft verwendet werden von ihrer Diffamierung bis hin zur Vernichtung.2 Die „Uneinigkeit“ in der Wissenschaft, wo „beginnt“ Antisemitismus und wo „hört er auf“, hat unter anderem die Konsequenz, dass Theologen wie Edmund Weber zu der Ansicht kommen, dass Martin „Luther kein Antisemit (war), weil er kein Rassist war.“3, wobei er diesen Aspekt zur Verteidigung Luthers ausnutzt. Dadurch führt die durchaus reguläre Unterscheidung zwischen religiösem und rassistischem Antisemitismus zur Verharmlosung bzw. Negierung von Luthers Judenfeindschaft, welche man definitiv als Antisemitismus bezeichnen muss.
Die verschiedenen Ausprägungen des Antisemitismus, welche soziale, politische, religiöse, rassistische, kulturelle Ressentiments enthalten, aber niemals gesondert, sondern immer in Verbindung miteinander auftreten, dürfen nicht nur auf eine Form wie vor allem die rassistische des 19. Jahrhunderts eingeengt werden. Zu der Auseinandersetzung mit den Begriffen Antijudaismus, welcher religiös begründet ist, und Antisemitismus, der biologische Aspekte wie die „Blutstheorie“ in den Vordergrund stellte, hat der Historiker Johannes Heil gesagt, dass „die Wende hin zu einer nachreligiösen, rassistischen Formulierung der Judenfeindschaft ... als wesentlicher Einschnitt in der Geschichte der Neuzeit verstanden [wird]“ und somit auch begrifflich kenntlich gemacht werden muss.4 Das schließt jedoch nicht aus den Terminus Antisemitismus, wie schon zu Beginn angemerkt, als Sammelbegriff für alle Arten der Judenfeindschaft zu verstehen, da gemeinsame Aspekte sonst in den Hintergrund geraten. Außerdem muss die von Heil als Bruch bewertete Entwicklung des Antisemitismus im 19. Jahrhundert nicht als Geschichte mit Zäsur betrachtet werden, sondern als schrittweisen Übergang von „alten“, religiösen Motiven hin zu „neuen“, rassistischen Begründungen des Judenhasses, wobei sich diese gegenseitig bedingen. Dass Martin Luther Antisemit war, was nicht durch Altersdemenz oder andere apologetische Entschuldigungen zu erklären ist, beweisen die schriftlichen Quellen, in denen Luther seine judenfeindlichen Einstellungen kontinuierlich radikalisiert hat, so dass er schließlich 1543 zur Vertreibung und Vernichtung der jüdischen Gemeinschaft aufrief. Somit ist es nicht verwunderlich und vielleicht sogar eine logische Konsequenz, dass sich die Nationalsozialisten 400 Jahre später auf Luthers Schriften beriefen, seine Forderungen in Maßnahmen umwandelten und sich letztlich auch auf das von Theodor Fritsch 1887 herausgegebene „Handbuch zur Judenfrage“, den sogenannten Antisemitismus-Katechismus, beziehen konnten, in welchem Zitate Luthers zu finden sind.5 In der heutigen Forschung wird größtenteils immer noch das Bild des kühnen Reformators gepflegt, dessen „antisemitische Verfehlungen“ entschuldbar sind und von der Propaganda des Dritten Reiches lediglich missbraucht wurden. Der Antisemit Martin Luther tritt jedoch augenscheinlich aus den Quellen hervor und dieser Aspekt darf in der Wissenschaft nicht verdrängt und entschuldigt werden.
II Hauptteil
2. Analyse der Quellen
2.1 „Dass Jesus Christus ein geborener Jude sei“ (1523)
Um die Schriften Luthers über die Juden in ihrer Entwicklung verstehen zu können, muss man den religiösen Hintergrund bzw. Luthers Einstellung erklären, welche durchaus allen Gläubigen jedes Bekenntnisses eigen ist, da sie dem Exklusivitätsgedanken jeder Religion entspringt. Da die Juden nach Luther gottlos sind, die Erlösungslehre wird abgelehnt, sind sie Feinde Christi und somit eine Gefahr für das Christentum. In der Quelle „Dass Jesus Christus ein geborener Jude sei“ von 1523 wird dieses Dogma ersichtlich, denn der Bekehrungsgedanke zieht sich durch die gesamte Schrift. Anlass für Luther war die Verteidigung gegen den Vorwurf der „alten Kirche“, er habe behauptet, dass Maria nicht jungfräulich empfangen habe. Die Schrift richtet sich also vornehmlich gegen die Papisten, Mönche und Bischöfe,6 was auch dadurch kenntlich wird, dass nur ein kleiner Teil der Schrift sich mit den Juden, ihrer Herkunft und der Bekehrungsnotwendigkeit beschäftigt. In diesem Teil weist Luther die Juden zurecht, da sie die Prophezeiungen der biblischen Weisen nicht als konkrete Deutung der Ankunft Jesu Christi interpretiert haben. Die Bekehrung steht absolut im Vordergrund, denn „ ... wenn man mit den Juden freuntlich handelt und aus der heiligen Schrifft [...] unterweißet, es sollten ihr viel rechte Christen werden ...“.7 Er will sie in seiner Auslegung der Bibel unterweisen, welche alleinige Gültigkeit hat, besonders in den Evangelien, die die jüdische Glaubensgemeinschaft nicht als heilige Schriften anerkennt und somit auch nicht interpretiert. Luther weist außerdem darauf hin, die Juden freundlich zu behandeln, weil „... sie ... blut freund, vettern und bruder unsers hern [sind] ... so gehoren die Juden Christo neher zu wir ...“8
[...]
1 Reinhard Rürup, Emanzipation und Antisemitismus, 95.
2 Armin Pfahl-Traughber, Antisemitismus in der deutschen Geschichte, 9.
3 Edmund Weber, Die Bedeutung der Theologie Martin Luthers für die Begründung einer multireligiösen Gesellschaft, in: Journal für Religionskultur, Nr. 1.
4 Johannes Heil, „Antijudaismus“ und „Antisemitismus“, in: Jahrbuch für Antisemitismusforschung 6, 105.
5 Pfahl-Traughber, 35f.
6 Die als „narren“ und „grobe(n) esels kopffe“ bezeichnet werden. In: Martin Luther, Dass Jesus Christus ein geborener Jude sei, in: WA, Bd. 11, 314.
7 Ebenda, 315.
8 Ebenda.
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