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Daniel J. Goldhagen: Hitlers willige Vollstrecker

Hausarbeit, 2004, 20 Seiten
Autor: Kim Brandt
Fach: Geschichte - Geschichtstheorie

Details

Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2004
Seiten: 20
Note: 1,5
Literaturverzeichnis: ~ 16  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V47181
ISBN (E-Book): 978-3-638-44181-0

Dateigröße: 168 KB
Anmerkungen :
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Buch von Daniel Goldhagen und der Kontroverse, die es ausgelöst hat. Außerdem stellt es den Bezug her zum vorangegangenen Historikerstreit.



Textauszug (computergeneriert)

Daniel J. Goldhagen: Hitlers willige Vollstrecker

von: Kim Brandt

 


Inhaltsverzeichnis

I Einleitung

1. Fragestellung 2

II Hauptteil

2. Der Historikerstreit: Versuch der „Vergangenheitsbewältigung“ in Deutschland 3
3. Daniel Jonah Goldhagen und die Thesen seines Buches 5

3.1 Der Autor Daniel Jonah Goldhagen: Ein „Juniorprofessor“ auf dem Forschungsstand der 50er Jahre? 5
3.2 Die Ausgangshypothese und der Forschungsansatz: Die Nutzbarmachung des Antisemitismus 6
3.3 Die Entwicklung des deutschen Antisemitismus: Ein direkter Weg nach Auschwitz? 7
3.4 Die methodische Untersuchung nach der „samples“-Methode: Die Polizeibataillone, die „Arbeits“-Lager und die Todesmärsche 9

4. Reaktionen auf Goldhagens Thesen: Von publizistischer Diffamierung bis zur sachlichen Kritik 12

III Schluss

5. Brauchen wir einen neuen „Goldhagen“? Zu den immer wiederkehrenden antisemitischen Äußerungen deutscher Politiker und der Frage: „Sind wir wieder wer?“ 15

IV Bibliographie 19



 

I Einleitung

1. Fragestellung:

Um die Diskussion der sogenannten Goldhagen-Kontroverse zu beleuchten, muss man auf die vorhergegangene Debatte im „Historikerstreit“, der in den 80er Jahren schwelte, eingehen, da beide im engen Zusammenhang miteinander stehen. Die Positionen der beteiligten Historiker und Journalisten, demnach die Bezeichnung „Historikerstreit“ für die Publizierenden nicht passend ist, hatten sich allerdings in den zehn Jahren total verschoben. Diese 180°-Drehung ist das eigentlich Aufsehenerregende an jener Kontroverse um einen Wissenschaftler, dessen Buch die vornehmlich deutschen Historiker zum Teil zu derart unwissenschaftlichen und irrationalen Äußerungen hinreißen ließ, dass man von einer bewussten Diffamierung des Autors sprechen kann. Als 1996 der amerikanische Politologe Daniel Jonah Goldhagen sein Buch „Hitlers willing executioners. Ordinary Germans and the Holocaust“ herausbrachte, gab es einen Ausbruch an Empörung unter den deutschen Historikern an diesen Thesen. Ihre berechtigte Kritik bezog sich auf seine methodischen Fehler, die Polemik gegen den Wissenschaftler Christopher Browning, welcher bei der gleichen Untersuchung ein anderes Ergebnis als Goldhagen erreichte, die Mischung aus „facts and fiction“ und dass der Autor andere Forschungsresultate nicht berücksichtigte. Außerdem ist Goldhagens Schreibweise im Gegensatz zu deutschen Historikern emphatisch, er benutzt detailgenaue Beschreibungen, um damit beim Leser Emotionen hervorzurufen.1

Darf man deshalb sagen, dass es „einfach ein schlechtes Buch“ ist, wie der Historiker Eberhard Jäckel?2 Die Kritik an der „samples“-Methode und die Diskussion, ob ein direkter Weg vom Antisemitismus des 19. Jahrhunderts zum Holocaust verlief, hätten jedoch nicht dazu führen dürfen, Goldhagen bei Podiumsdiskussionen in Deutschland als Angeklagten zu behandeln. Allerdings stand das Publikum auf seiner Seite, was auch in Anbetracht der unglaublichen Diffamierungen seitens der deutschen Historiker nicht verwunderlich ist. Infolgedessen verstummte die Kritik an „Hitlers willige(n) Vollstrecker(n)“ und dessen Autor und durch die große Debatte um das Buch gilt dieses Ereignis als Zäsur in der Geschichtswissenschaft. Auch wenn Goldhagens Buch fachwissenschaftlich nichts Neues geboten hat,3 in politischen und kulturellen Fragen in der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit hat es einen Prozess in Gang gesetzt, an dessen Ende (oder Anfang?) es um die Frage der „kulturellen Hegemonie“ in Deutschland geht. Zu fragen ist, ob die Goldhagen-Kontroverse lediglich den „Historikerstreit“ in die 90er Jahre getragen hat oder eine völlig neue Diskussionsgrundlage zum Kern hatte. Oder kann man den inhaltlichen Bogen sogar bis heute spannen, wenn man die antisemitischen Äußerungen von Hohmann & Co betrachtet? Wenn das so ist, brauchen wir einen „neuen Goldhagen“?

II Hauptteil

2. Der Historikerstreit: Versuch der „Vergangenheitsbewältigung“ in Deutschland

Um den historischen Hintergrund der „Goldhagen-Kontroverse“ zu beschreiben muss man auf den ziemlich genau zehn Jahre früher erschienenen Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) von Ernst Nolte eingehen.4 Nolte versuchte im Juni 1986 in seinem politisch motivierten Plädoyer, einen „Schlussstrich“ unter die nationalsozialistische Vergangenheit, „die nicht vergehen will“, zu ziehen.

Hans-Ulrich Wehler nennt diese Veröffentlichung den Höhepunkt einer Reizwelle von neokonservativen, revisionistischen Vorstößen (er spricht von einem „neokonservativen Revisionismus“), worauf der Philosoph und Sozialwissenschaftler Jürgen Habermas schlicht reagierte und nicht, wie manche meinten, „die Kontroverse im Alleingang eröffnet(e)“.5 Der Historikerstreit drehte sich hauptsächlich um die Frage, ob der Holocaust sich als singuläres Phänomen darstellt oder vergleichbar ist. Darf man das Dritte Reich in die Gruppe von „totalitären Diktaturen“ stellen, und demnach z.B. mit der DDR vergleichen? Nolte begann eine kausale Verknüpfung von Bolschewismus und Nationalsozialismus zu ziehen,6 als er die rhetorische Frage stellte, ob „die Nationalsozialisten ... eine ´asiatische` Tat ... vollbrachten, weil sie sich und ihresgleichen als potentielle oder wirkliche Opfer einer ´asiatischen` Tat betrachteten? War der Archipel Gulag ursprünglicher als Auschwitz?“7 Des weiteren soll die geographische „tragische Mittellage“ Schuld an der „deutschen Katastrophe“ (Friedrich Meinecke) gewesen sein, während die Kriegsschulddiskussion nur einen Nebenschauplatz des Historikerstreits darstellt. Der vierte Diskurs bezieht sich auf die Modernitätstheorie, nach der das Dritte Reich auch seine „guten und positiven Seiten“ gehabt, eine „progressive Sozialpolitik“ betrieben habe und demnach ein „Sozialstaat“ war, der lediglich Minderheiten und Randgruppen verfolgt hat.8

[...]


1 Wolfgang Wippermann, Wessen Schuld? Vom Historikerstreit zur Goldhagen-Kontroverse, 1996, S. 98.

2 Eberhard Jäckel, Einfach ein schlechtes Buch, in: Schoeps, Ein Volk von Mördern? Die Dokumentation zur Goldhagen-Kontroverse um die Rolle der Deutschen im Holocaust, 1996, S. 187.

3 Wippermann, S. 8.

4 Eigentlich sollten diese Überlegungen als Vortrag bei den Frankfurter Römerberg-Gesprächen zu hören sein. Doch da Nolte sich selbst aus unerfindlichen Gründen als „persona non grata“ empfand, ließ er seinen Aufsatz am 6. Juni 1986 in der FAZ abdrucken. Im Vorspann wurde erklärt, dass Noltes Gedanken der Diskussion in Frankfurt entzogen werden sollten. Aus welchen Gründen, denn eigentlich konnte nur Nolte den Inhalt kennen, wurde nicht bekannt. (Wehler, Entsorgung der deutschen Vergangenheit, S. 37f).

5 Hans-Ulrich Wehler, Entsorgung der deutschen Vergangenheit? Ein polemischer Essay zum „Historikerstreit“, S. 12.

6 Zu bemerken ist, dass Nolte generell den Vergleich als wissenschaftliche Methode heranzieht. So in „Faschismus in seiner Epoche“ (1963) oder „Deutschland und der Kalte Krieg“ (1974). (Wehler, 13ff).

7 Nach Wippermann, S. 123.

8 Wippermann, Wessen Schuld, S. 115.


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