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Termpaper, 2004, 28 Pages
Author: Kim Brandt
Subject: History - Early and Ancient History
Details
Tags: Pharisäer, Sadduzäer, Essener, Zeloten, Zeit, Herodes
Year: 2004
Pages: 28
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 28 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-44182-7
File size: 203 KB
EIne Hauptseminarsarbeit, die sich mit den verschiedenen jüdischen Strömungen zur Zeit der römischen Antike befasst. Es werden politische Auseinandersetzungen wie auch religiöse Haltungen beschrieben.
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Excerpt (computer-generated)
Pharisäer, Sadduzäer,
Essener und Zeloten zur Zeit des Herodes
von: Kim Brandt
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 3
II. Die Quellen 4
III. Jüdische Religionsparteien zur Zeit des Herodes 6
III.1 Die Pharisäer 6
III.1.1 Herkunft und Lehre 6
III.1.2 Die politische Agitation und Einstellung 9
III.2 Die Sadduzäer 12
III.2.1 Herkunft und Lehre 12
III.2.2 Die politische Agitation und Einstellung 14
III.3 Die Essener 16
III.3.1 Herkunft und Lehre 16
III.3.2 Einstellung zur politischen Obrigkeit 19
III.4 Die Zeloten 21
IV. Schlussbetrachtung: Die Entwicklung der jüdischen Strömungen nach der Zeit des Herodes 24
V. Quellen- und Literaturverzeichnis 27
I. Einleitung
Die verschiedenen jüdischen Religionsparteien bildeten sich nach der Eroberung Palästinas durch Antiochus III. im Jahre 198 v. Chr. heraus, nach dem dieser das Land seinem großsyrischen Reich zugeschlagen hatte. Die hellenistisch und synkretistisch gesinnten Juden passten sich der Regierung Antiochus III. an, während dies für die traditionstreuen Juden nicht anzunehmen war, sahen sie in der Verschmelzung der Religionen einen Abfall von ihrer Väterreligion.1 Streng religiöse Juden glaubten aufgrund der unreinen Verwaltung des Tempelkultes in Jerusalem durch sündige Priester an das baldige Ende der Zeiten. Ihnen war eine eschatologisch-messianische Naherwartung gemein. Die Pharisäer passten sich in Folge der nicht erfüllten messianischen Erwartung enttäuscht der Realität an. Sie vertraten ein nichtsektiererisches Judentum, galten als Lehrer des ganzen Volkes und identifizierten sich bewusst mit dem Volksglauben. Die Essener waren aufgrund ihrer zahlenmäßigen Unterlegenheit und Isoliertheit in politischer Hinsicht nicht von sehr großer Bedeutung. Sie hielten sich streng an die alttestamentlichen Gesetze, verfolgten die apokalyptisch-endzeitliche Naherwartungshaltung und betrachteten sich als auserwählte Büßergemeinde. In der Zeit des Makkabäer-Aufstandes (164 v.Chr.) bildeten sich die Sadduzäer als politische Partei heraus und es entstand eine enge Verbindung zum hasmonäischen Herrscherhaus.2 In Folge kam es zum „Bürgerkrieg“ zwischen den Sadduzäern und ihren Gegnern, den Pharisäern. Nachdem erstere unter Königin Alexandra Salome (76-67 v. Chr.) ihren politischen Einfluss verloren, konnten sie die Macht unter ihrem Sohn Aristobul II. noch einmal erlangen.
Dass der letzte jüdische König Herodes idumäischer Abstammung war, einem nichtjüdischen Stamm, der erst unter den Makkabäern zum Übertritt zum Judentum gezwungen wurde, hat besonders die strenggläubigen Juden erzürnt. Sie mussten seine Herrschaft ablehnen, da das göttliche Gebot untersagte, einen König zu akzeptieren, der nicht Bruder im Sinne des jüdischen Gesetzes war. Das Verhältnis untereinander soll in dieser Arbeit auch dahingehend untersucht werden. Die Pharisäer und Essener hatten in der Bewegung der Chassidim eine gemeinsame Herkunft, welche aus der antihellinistischen Opposition während des Aufstands der Makkabäer entsprang, während die Sadduzäer, ursprünglich den hellenistischen gemäßigten Reformern von 175 v.Chr. zugehörig, die Hasmonäer und die Entwicklung der hellenistischen Monarchie unterstützten. Dementsprechend ist es nicht verwunderlich, dass in dieser Konstellation ein Spannungsverhältnis entstand, zu welchem zusätzlich noch der Aspekt eines idumäischen Königs hinzukam. In dieser Seminararbeit sollen hauptsächlich die Pharisäer, die Sadduzäer, die Essener, sowie kurz die Zeloten und ihre Beziehungen untereinander untersucht werden. Historisch steht die Zeit um die Jahrtausendwende bzw. die Herrschaft des Herodes und die Geburt Jesu im Vordergrund.
II. Die Quellen: Josephus, die Evangelien und andere antike Überlieferungen
Allgemein lässt sich zu den meisten antiken Autoren sagen, dass sie für ein heidnisches oder assimiliert-hellenisiertes jüdisches Publikum schrieben und somit ihre Texte den Erwartungen der Adressaten anpassten.3 Die drei Quellengruppen, die das Milieu des Judentums im Zeitalter Jesu schildern, sind die hellenistischen Autoren wie Plinius der Ältere und Philo von Alexandrien, sowie die Kirchenschriftsteller, die talmudisch-rabbinische Literatur und das Neue Testament. Hinzu kommen die Funde von Qumran, die Überlieferungen der Essener. Die Werke des Josephus als innerjüdische Texte verdienen den Vorrang vor den Schriften des Neuen Testaments, die eher polemisch sind, wie auch vor den rabbinischen Schriften, die viel später entstanden und ebenfalls einseitig sind.4 Alle aber unterscheiden übereinstimmend drei jüdische Parteien, wobei die Pharisäer und Sadduzäer immer als solche benannt werden. Für die jüdische Geschichte der Antike ist der aus einem Priestergeschlecht stammende Flavius Josephus der wichtigste Quellenlieferant. Über die drei großen jüdischen Strömungen jener Zeit berichtet er im „Jüdischen Krieg“ (De bello judaico), den „Jüdischen Altertümern“ (Antiquitates judaicae) und in seiner Vita. Da er selbst Jude und römischer Staatsbürger war, konnte er sich einen guten Einblick verschaffen, wenn auch seine Geschichte stark subjektiv und eventuell auch politisch motiviert, zumindest tendenziös ist. Als wesentliche Quelle diente ihm vermutlich Nikolaus von Damaskus, der Hofgeschichtsschreiber des Herodes. 1947 wurden in dem Gebiet von Chirbet Qumran insgesamt ca. 900 Rollen und Dokumente gefunden, die von Essenern hergestellt, gelesen und in die Höhlen gebracht worden sein müssen. Chirbet Qumran liegt nahe dem Nordwestufer des Toten Meeres. Die Bewohner von Qumran benutzten für sich eine Reihe von Selbstbezeichnungen, unter denen ein Äquivalent für die Worte Essener oder Essäer jedoch nicht enthalten ist.5 Wenn man die Qumranier mit den Essenern identifiziert,6 so müssten diese ihre Bezeichnung von Außenstehenden erhalten haben. Auffallenderweise findet man den Terminus der „Essener“ auch nicht in den Evangelien und in der rabbinischen Literatur. In den Evangelien könnten sie mit der Bezeichnung „die auf das Reich Gottes warten“ gemeint sein und in der rabbinischen Literatur sind sie möglicherweise unter einer Betusim genannten Gruppe mitgemeint.7 Auch Berichte von Plinius dem Älteren und Josephus Flavius über die Essener passen gut zu den Besonderheiten der Qumran-Bewohner.8 Für eine Gleichsetzung spricht die geographische Lage, da nach Plinius die Essener sich genau dort befunden haben, wo heute die Ruinen von Chirbet Qumran liegen.9 Des Weiteren stimmen die Regeln der quasi monastischen Essener mit den Vorschriften für die zölibatär lebenden Mitglieder des qumranischen Zentrums weitgehend überein.10 Bis heute ist jedoch in der Forschung umstritten, ob die Bewohner von Qumran mit den Essenern gleichzusetzen sind. Die Bedeutung der Gruppe der Pharisäer in der Geschichte des Judentums wird deutlich anhand des Neuen Testaments: Insgesamt lassen sich 99 Belege für die Pharisäer finden, wobei eigentlich immer alle Juden gemeint sind; sie treten als Hauptgegner von Jesus auf11 und werden im Allgemeinen mit einer negativen Konnotation eingeführt. Das erklärt sich natürlich aufgrund der apologetisch schreibenden Evangelisten, da es sich bei der Bibel um keine historische, sondern ideologisch geprägte Quelle handelt.
[...]
1 Vgl. Johann Maier, Kurt Schubert, Die Qumran-Essener, München, Basel 1992, S. 39.
2 Der Ehrenname Makkaba „Der Hammer“ (griech.: Makkabaios) wurde zum Begriff einer ganzen Hierarchie, wobei auch die Bezeichnung Hasmonäer, nach Chasmon, üblich ist. (Peter Ortag, Jüdische Kultur und Geschichte, Potsdam 1995, S. 67.)
3 Vgl. Maier/Schubert, S. 41
4 Vgl. Günter Stemberger, Pharisäer, Sadduzäer, Essener, Stuttgart 1991, S. 9
5 Vgl. Kurt Schubert, Die Religion der Qumranleute, in: Qumran, hrsg. v. Johannes B. Bauer, Josef Fink, Hannes D. Galter, Graz 1993, S. 76.
6 Diese Theorie heißt die „Qumran-Essener-These“. (Vgl. Pfirrmann, Die Nazareth-Tafel, München 1994, S.74.)
7 Vgl. Schubert, S. 76.
8 „Aber man kann doch wohl sagen, dass die Qumran-Bewohner den Gruppen, die Philo und Josephus als Essener bezeichnen, ideologisch nahe standen.“ Bargil Pixner, Archäologische Beobachtungen zum Jerusalemer Essener-Viertel und zur Urgemeinde, in: Bernhard Mayer (Hg.), Christen und Christliches in Qumran?, Regensburg 1992, S. 89-113, S.89.
9 Vgl. Plinius, Naturkunde V, hrsg. v. G. Winkler, Darmstadt 1993, S. 59.
10 Vgl. Schubert, S. 84.
11 Vgl., Mt., 9, 34; 12, 14.
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