Darf eine Frau Rabbinerin werden? Die Ordination im Judentum anhand der Geschich... close Bitte warten
Darf eine Frau Rabbinerin werden? Die Ordination im Judentum anhand der Geschichte der Rabbinerin Regina Jonas

Autor: Kim Brandt
Fach: Judaistik

Lesen Sie im E-Book



Details

Institution/Hochschule: Freie Universität Berlin
Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2003
Seiten: 19
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 18  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 176 KB
Archivnummer: V47183
ISBN (E-Book): 978-3-638-44183-4
Anmerkungen :
Die Arbeit bezieht sich auf die halachische Arbeit der Rabbinerin Regina Jonas und der Stellung der Frau im Judentum. Außerdem wird die Entwicklung des Rabbinats von der Zerstörung des Tempels bis heute gezeichnet.

Textauszug (computergeneriert)

Darf eine Frau Rabbinerin werden? Die Ordination
im Judentum anhand der Geschichte
der Rabbinerin Regina Jonas

von: Kim Brandt

 


Inhaltsverzeichnis

I Einleitung 1

II Hauptteil

2.1 Der Rabbiner

2.1.1 Die Entstehung des rabbinischen Judentums 2
2.1.2 Traditionelle Aufgaben und Wirken des Rabbis 4
2.1.3 Der Wandel durch das Reformjudentum 5

2.2 Die Rabbinerin

2.2.1 Wie Regina Jonas die erste Rabbinerin wurde 7
2.2.2 Die Emanzipation der jüdischen Frauen bis zur Gegenwart 11

III Schluss

3. Darf eine Frau Rabbinerin werden? 13

Diskussion um die Ordination der Frau im Judentum des 20. Jahrhunderts

Bibliographie 16



 

I Einleitung

Zur Beantwortung der Frage, wie man Rabbinerin wird, ist es hilfreich zu fragen, was einen Priester bzw. einen religiösen Spezialisten ausmacht, was seine Aufgaben sind oder wodurch er qualifiziert ist. Die Bezeichnung Priester trifft allerdings nicht auf alle Religionen zu. Ich werde den Begriff zunächst trotzdem benutzen, da somit Kennzeichen und Gemeinsamkeiten in den verschiedenen Religionen aufgezeigt werden können. Ein Priester ist ein religiöser Funktionsträger, der einer Gemeinde vorsteht oder einen Tempel hat. Nur durch die Anerkennung seiner Gemeinde, die sein soziales Umfeld darstellt, kann der Priester sein Amt ausführen. Diese Anerkennung und Bestätigung durch die Gläubigen ist sogar so entscheidend, dass theoretisch im Judentum ein Rabbiner ohne Ausbildung von der Gemeinde ernannt werden kann. Außerdem wird mit der Anerkennung eine bestimmte Form des Heils festgelegt, welches durch den Funktionsträger verwaltet wird. Durch diese Qualifikation des Heilsverwalters hat sich in vielen Religionen ein eigener Stand herausgebildet.

Ein weiteres wichtiges Merkmal ist die Ausführung bzw. Leitung eines regelmäßigen Kultes (Gottesdienst, Opferrituale etc.). Außer einer festen Gemeinde hat der Priester meistens noch einen festen Kultort (Kirche, Synagoge, Moschee); es muss aber nicht beides vorhanden sein. Nur ein Priester kann die Verwandlung des Heils (z.B. Abendmahl) ausgeben; er ist somit der Verwalter und Vermittler des Heils. Um ein Priester oder religiöser Spezialist zu werden, bedarf es in den meisten Religionen einer Qualifikation durch eine Ausbildung. Die Stammesreligionen zeichnen sich zusätzlich durch das „Erb-Priestertum“ aus. Im Judentum unterscheidet man zwischen dem Rabbiner und dem Priester. Der Rabbi ist der Gelehrte und gleichzeitig der Vorsteher der Gemeinde, während der Priester heute nur noch kultische Handlungen durchführt. Der Begriff „Rabbi“ oder „Rabbiner“ bedeutet übersetzt Gelehrter, Weiser oder auch einfach Lehrer, hebräisch „mein Meister“, vom Aramäischen Raw.1 In meiner Arbeit werde ich mich genauer mit der Entstehung des rabbinischen Judentums und der Absetzung der Priester befassen. Außerdem soll ein Überblick über die Aufgaben eines Rabbis, von den traditionellen bis zu den durch das Reformjudentum gewandelten Vorstellungen eines Rabbiners verschafft werden, bis ich mich dem Hauptthema meiner Arbeit, wie man Rabbinerin wird, widme. Hierzu werde ich mich mit der Geschichte der ersten Rabbinerin überhaupt, Regina Jonas, beschäftigen, die in ihrer Arbeit „Kann die Frau das rabbinische Amt bekleiden?“ schon ganz selbstbewusst von Rabbinerin spricht als Ausdruck eines Berufs mit weiblicher Identität.2 Zum Schluss wird noch einmal die Frage aufgeworfen, ob eine Frau als Rabbinerin tätig sein darf.

II Hauptteil

2.1 Der Rabbiner

2.1.1 Die Entstehung des rabbinischen Judentums

Die Entwicklung des Rabbinats steht in direktem Zusammenhang mit der Zerstörung des Tempels der Juden im Jahre 70 n. d. Z..3 In Folge des 1. Jüdischen Krieges (66-74 n. d. Z.) eroberten die Römer, die als Statthalter über Palästina herrschten, den zweiten jüdischen Tempel in Jerusalem und machten ihn dem Erdboden gleich. Das Judentum war nun endgültig ohne Staat, da ihr Land wiederum von anderen Völkern beherrscht wurde, und ohne Tempel, da auch der zweite Tempel für immer zerstört war. Daraufhin verließen die Juden die Stadt, welche zuvor als das Zentrum jüdischer Kultur und jüdischen Lebens galt. Allerdings wird auch die Meinung vertreten, dass sich die Juden schon vor der Zerstörung des Tempels in der Hafenstadt Javne (Jabne) ein neues religiöses Zentrum schufen, damit die Tora den Tempel als zentrale Kraft ablösen könne.4

Mit der notgedrungenen Abkehr vom Tempelkult verloren die Hohepriester und ihre Familien an Bedeutung, während sich in der Stadt Javne in Judäa ein Prozess des nationalen Wiederaufbaus vollzog.5 Unter Rabbi Jochhanan ben Sakkai erfuhr das Judentum eine Wandlung: Vom Tempelkult abgewandt sollte die Lehre der Tora als Mittelpunkt der Religion angesehen werden. Der Rabbi wies seine Schüler darauf hin, dass die biblischen Propheten nicht die Opferdarbringung als wahre Gottesverehrung erwähnt hatten, sondern dass die Verehrung aus Frömmigkeit und guten Taten bestehe. Um dem jüdischen Volk wieder eine gewisse Ordnung zu geben und das Gemeindeleben erneut aufzubauen, wurde in Javne ein Beth-din, ein Tribunal erschaffen, das die Funktionen des Jerusalemer Sanhedrin faktisch übernahm. Das von Jochanan ben Sakkai geleitete Tribunal war von nun an das Organ der Gesetzgebung, der Verwaltung und der Rechtssprechung wie zuvor das Sanhedrin und wurde von den Römern geduldet, da es friedfertig und ohne politische Intention agierte.6 Das Tribunal legte Neureglungen im Ablauf des Gottesdienstes fest, wonach der Opferkult nicht mehr Bestandteil desselben war. Andere Bräuche des Tempelkults ließ man zur Erinnerung an die Vergangenheit bestehen, wie z.B. die Zeremonie der Volkssegnung durch die Nachkommen der Priester, die Kohanim. Zusammen mit den Leviten, den Tempeldienern, standen diese als Symbol dafür, dass sie in einem neu aufgebauten Tempel in Jerusalem wieder ihr Amt bekleiden würden.

[...]


1 Peter Ortag, Jüdische Kultur und Geschichte. Ein Überblick, 1997, 43

2 Elisa Klapheck, Regina Jonas: Kann die Frau das rabbinische Amt bekleiden?, 2000, 33

3 Hans-Jochen Gamm, Das Judentum. Eine Einführung, 48

4 Leo Trepp, Die Juden. Volk, Geschichte, Religion, 1998, 41

5 Simon Dubnow, Weltgeschichte des jüdischen Volkes, Bd III, 25

6 Ebd., 26
 

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:

http://www.grin.com/e-book/47183/