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Termpaper, 2005, 24 Pages
Author: Kim Brandt
Subject: History - Miscellaneous
Details
Tags: Antisemitismus, Emanzipation, Grundzüge, Judenhasses, Bestreben, Assimilation, Seite
Year: 2005
Pages: 24
Grade: 1,1
Bibliography: ~ 24 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-44184-1
File size: 196 KB
Ein Überblick über die verschiedenen Komponenten des Antisemitismus: traditionell-religiös, sozial und rassistisch. Von der Entstehung des Christentums hin zur biologisch-rassistischen Wendung des 19. Jahrhunderts mit Ausblick auf die Zeit des NS-Staates.
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Freie Universität Berlin
ANTISEMITISMUS UND EMANZIPATION:
Grundzüge des Judenhasses und das Bestreben nach
Assimilation von jüdischer Seite
von
Kim Brandt
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Zu den Begriffen Antisemitismus und Emanzipation 1
2. Antisemitismus vor der Emanzipationsbewegung 2
2.1 Religiös begründeter Antisemitismus im Mittelalter 2
2.2 Martin Luther: Sozialer Antisemitismus in der Frühen Neuzeit 4
3. Antisemitismus und Emanzipation 7
3.1 Die Emanzipation in Deutschland 7
3.2 Der „moderne“ Antisemitismus 11
4. Antisemitismus nach der Gleichberechtigung 1871 14
4.1 Politisierung des Antisemitismus im Kaiserreich 14
4.2 Die Juden nach der Gleichstellungspolitik 18
5. Schluss: Kontinuität des Antisemitismus oder Geschichte mit Brüchen? 19
Bibliographie 22
1. Einleitung: Zu den Begriffen Antisemitismus und Emanzipation
Der Begriff Antisemitismus wurde im 19. Jahrhundert von Wilhelm Marr, einem deutschen Publizisten, geprägt1 in Anlehnung an den Sohn Noahs, Sem. Im wörtlichen Sinn als Ablehnung einer ganzen Sprachgruppe, nämlich der „Semiten“, gemeint,2 ist der Begriff als Ausdruck für die Judenfeindschaft als solche ungenau, zudem er ursprünglich lediglich als politisches Schlagwort und propagandistische Selbstbezeichnung gebraucht wurde. Des Weiteren spiegelte der Terminus eine sachliche, sogar wissenschaftliche Verwendung vor. Eine genaue Definition kann somit nicht gegeben werden.3 Die „Uneinigkeit“ in der Wissenschaft, wo „beginnt“ Antisemitismus und wo „hört er auf“, hat unter anderem die Konsequenz, dass Theologe Edmund Weber zu der Ansicht kommt, dass Antisemitismus in Verbindung mit Rassismus zu stehen hat.4 Dadurch führt die durchaus reguläre Unterscheidung zwischen religiösem und rassistischem Antisemitismus zur Verharmlosung bzw. Negierung von Judenfeindschaft.
Die verschiedenen Ausprägungen des Antisemitismus, welche soziale, politische, religiöse, rassistische, kulturelle Ressentiments enthalten, aber niemals gesondert, sondern immer in Verbindung miteinander auftreten, dürfen nicht nur auf eine Form eingeengt werden. Zu der Auseinandersetzung mit den Begriffen Antijudaismus, welcher religiös begründet wird, und Antisemitismus, der soziale und rassistische Aspekte wie die „Blutstheorie“ in den Vordergrund stellt, hat der Historiker Johannes Heil gesagt, dass „die Wende hin zu einer nachreligiösen, rassistischen Formulierung der Judenfeindschaft ... als wesentlicher Einschnitt in der Geschichte der Neuzeit verstanden [wird]“ und somit auch begrifflich kenntlich gemacht werden muss.5
Das schließt jedoch nicht aus, den Terminus Antisemitismus als Sammelbegriff für alle Arten der Judenfeindschaft zu verstehen, da gemeinsame Aspekte sonst in den Hintergrund treten. Außerdem muss die von Heil als Bruch bewertete Entwicklung des Antisemitismus im 19. Jahrhundert nicht als Geschichte mit Zäsur betrachtet werden, sondern als ein Schrittweiser Übergang von „alten“, religiösen Motiven hin zu „neuen“, rassistischen Begründungen des Judenhasses, wobei sich diese immer gegenseitig bedingen.
Ursprünglich aus dem römischen Recht stammend, entwickelte sich der Terminus Emanzipation in der Neuzeit zu einem politischen Begriff und bedeutete die Abschaffung aller Rechtsunterschiede. 1820 wurde Emanzipation erstmals in Bezug auf die Juden angewandt, wobei man ihn in den Prozess des bürgerlichen Aufbegehrens gegen die sich auflösende Ständeordnung eingliedert.6 Aus der Perspektive der Juden versuchten diese ihre Religion gegen den z.T. gewalttätigen Druck ihrer Umwelt zu bewahren und im 18. Jahrhundert entwickelte sich das Bestreben bei einem Teil der Juden,7 sich als Bürger ihres jeweiligen Landes zu verstehen. Die Aufklärung ebnete den Weg für die Emanzipation der Juden in den Ländern Europas, ebenso wie die Demokratie-Bestrebungen zur Zeit des Vormärz. Andererseits führte die Emanzipation bei einem Teil der Juden auch zur Aufgabe der religiösen Herkunft: Durch die Assimilation (und sogar Konversion) trat das Judentum als prägende und leitende Moralinstitution zurück und ein deutscher Patriotismus entstand. Doch die Gleichstellung kehrte sich wieder um und der Antisemitismus erhielt mit einer von den Deutschen gewählten antisemitischen Regierung eine Machtstellung: Die schon von Martin Luther 1543 geforderte Vertreibung und Vernichtung der jüdischen Gemeinschaft8 wurde von den Nationalsozialisten, die sich fast 400 Jahre später auf Luthers Schriften berufen konnten, in bestialische Maßnahmen umgewandelt.9
2. Antisemitismus vor der Emanzipationsbewegung
2.1 Religiös begründeter Antisemitismus im Mittelalter
Der so genannte „alte“ Antisemitismus, als Antijudaismus differenziert, bezieht sich vor allem auf religiöse Vorurteile, die durch die Bibel „belegt“ werden: Die Juden erkannten Jesus Christus nicht als Messias an und vollzogen einen Gottesmord.10 Außerdem galten sie als „verstockt“, da sie dem Missionsbefehl bei Paulus11 nicht folgten und den „Neuen Bund“ im Ölbaumgleichnis nicht annahmen.12 Bei Johannes wurden sie als „Kinder des Teufels“13 bezeichnet, woraufhin den Juden alle möglichen Anschuldigungen wie Ritualmord, Brunnenvergiftung und Hostienschändung vorgeworfen werden konnten.14
[....]
1 Reinhard Rürup, Emanzipation und Antisemitismus, S. 95.
2 Dazu gehören die noch aktiv gesprochene arabische Sprache, sowie die „ausgestorbenen“: phönizisch, aramäisch und kananäisch.
3 Armin Pfahl-Traughber, Antisemitismus in der deutschen Geschichte, S. 9.
4 Edmund Weber, Die Bedeutung der Theologie Martin Luthers für die Begründung einer multireligiösen Gesellschaft, in: Journal für Religionskultur, Nr. 1.
5 Johannes Heil, Artikel „Antijudaismus“ und „Antisemitismus“, in: Jahrbuch für Antisemitismusforschung 6, S. 105.
6 Im Zuge der Französischen Revolution wurden die Privilegien des Adels und er Geistlichkeit abgeschafft und die rechtliche Benachteiligung des dritten Standes aufgehoben.
7 Die Ortodoxen und später auch die Zionisten waren gegen die so genannte Assimilation.
8 In „Von den Juden und ihren Lügen“ ruft Luther zu Pogromen auf und fordert, Juden „wie die Zigeuner“ zu behandeln, welche zu jener Zeit „vogelfrei“ waren. Der Inhalt dieser Schrift ist nicht mit Altersdemenz oder anderen apologetischen Entschuldigungen zu erklären ist.
9 Pfahl-Traughber, S. 35f.
10 U.a. Lukas 27,24-25; 1 Thessalonicher ,15-16.
11 Matthäus 28,19 und 2. Korinther 5,20.
12 Römer, 11,17-24.
13 Johannes, 8,44.
14 U.a. Alex Bein, Die Judenfrage. Biographie eines Weltproblems, Bd 1, S. 48ff; Willehad Paul Eckert, Antisemitismus im Mittelalter. Angst – Verteufelung – Habgier, in: Günther B. Ginzel (Hg.), Antisemitismus. Erscheinungsformen der Judenfeindschaft gestern und heute, S. 71-99).
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