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Problemfelder des Post-conflict Peacebuildings am Beispiel des Bürgerkriegs in Angola

Scholary Paper (Seminar), 2005, 34 Pages
Author: Anna Fritzsche
Subject: Politics - International Politics - Topic: Peace and Conflict Studies, Security

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2005
Pages: 34
Grade: 1
Bibliography: ~ 26  Entries
Language: German
Archive No.: V47306
ISBN (E-book): 978-3-638-44282-4
ISBN (Book): 978-3-638-65931-4
File size: 443 KB

Abstract

„Als Gott die Welt erschuf, verteilte er die Reichtümer über alle Länder – nur eines vergass er. Als er dies bemerkte, schüttelte er den ganzen Rest (der sehr groß war) auf dieses Land. Ein Engel sagte: Aber Gott, ist das nicht ein bisschen viel für ein einziges Land? Da antwortete Gott: Es macht nichts, sie werden dafür büßen müssen.“ (Angolanisches Märchen) Im Rahmen der vorliegenden Arbeit soll versucht werden, anhand des in der Vergangenheit periodisch eskalierenden innerstaatlichen Konflikts in Angola, sowie der Initiativen der Vereinten Nationen zur Lösung dieses, die Problemdimensionen des Prozesses der Friedenskonsolidierung zu erörtern. Für den Aufbau erwies sich folgende Gliederung der Arbeit als sinnvoll: Im ersten Theorieteil soll sich dem Thema Friedenskonsolidierung als neue Herausforderung der internationalen Gemeinschaft, welche sich im Zuge neuer Entwicklungen im Bereich gewaltsamer Konflikte und deren Lösungsversuche nach der „Agenda for Peace“ durch UN-Generalsekretät Boutros Boutros-Ghali herausgebildet hat, angenähert werden. Da der 27 Jahre andauernde post-koloniale Bürgerkrieg sowohl auf interne als auch auf externe Akteure bzw. Einflussnahmen zurückzuführen ist, wird im 3. Teil eine ausführliche Darstellung der Ursachen und des Verlaufs des angolanischen Konflikts erfolgen. Es folgt eine Präsentation der Formen der Kriegsbeendigung, sowie deren praktische Umsetzung durch vier Phasen von gescheiterten UN-Friedensmissionen in Angola. Da es erst nach dem Tod des Rebellenführers Jonas Savimbi im Jahre 2002 und dem daraufhin geschlossenen Frieden von Luena zu einer reellen post-conflict Phase gekommen ist, in der eine erfolgreiche Friedenskonsolidierung umgesetzt wurde, wird diesem Aspekt im fünften Kapitel besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Insgesamt soll anhand eines Vergleiches der Lösungsversuche in Angola mit einem als erfolgreich geltenden Modell von Determinanten für die positive Implementierung des Friedens evaluiert werden, aus welchen Gründen alle bis dahin vorgenommenen Initiativen der Friedenskonsolidierung im Lande letztlich scheiterten bzw. welche Faktoren für den positiven Verlauf des Abkommens von Luena ausschlaggebend waren. Aus dieser Zusammenfassung können wichtige Impulse für die Zukunft gewonnen werden, wenn es darum geht Erfolgsaussichten von Friedensmissionen zu beurteilen und gegebenen Bedingungen anzupassen.


Excerpt (computer-generated)

Problemfelder des Post-conflict Peacebuildings
am Beispiel des Bürgerkriegs in Angola

von: Anna Fritzsche

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung  4

2. Friedenskonsolidierung als neue Herausforderung der internationalen Gemeinschaft 5

2.1 Alte und neue Kriege: Zum Formenwandel gegenwärtiger Gewaltkonflikte  5
2.2 „Agenda for Peace“: Einführung neuer Aspekte der Friedenssicherung  6

3. Darstellung des angolanischen Konflikts  9

3.1 Die portugiesische Kolonialherrschaft und ihre Folgen 9
3.2 Der angolanische Befreiungskampf und Entkolonialisierungsprozess  10
3.3 Angola und die Unabhängigkeit  11
3.4 Die Erste Republik – Herrschaft der MPLA  12
3.5 Der Friedensvertrag von Bicesse und die gescheiterte Transition  13
3.6 Das Lusaka-Protokoll  14
3.7 Exkurs: Reiches, armes Land – Kriegsfinanzierung durch Bodenschätze  16

4. UN-Friedensmissionen in Angola 17

4.1 UNAVEM I (20. Dezember 1988 – 30. Mai 1991)  17
4.2 UNAVEM II (30. Mai 1991 – 8. Februar 1995)  17
4.3 UNAVEM III (8. Februar 1995 – 30. Juni 1997)  19
4.4 MONUA (30. Juni 1997 – 26. Februar 1999)  21

5. Frieden von Luena und die Post-conflict Phase 22

6. Fazit: Determinanten einer erfolgreichen Friedenskonsolidierung in der Anwendung auf den angolanischen Konflikt 26

7. Anhang 33

7.1 Literaturverzeichnis  33

 



„Als Gott die Welt erschuf, verteilte er die
Reichtümer über alle Länder – nur eines
vergass er. Als er dies bemerkte, schüttelte er
den ganzen Rest (der sehr groß war) auf
dieses Land. Ein Engel sagte: Aber Gott, ist
das nicht ein bisschen viel für ein einziges
Land? Da antwortete Gott: Es macht nichts,
sie werden dafür büßen müssen.“
(Angolanisches Märchen)

1. Einleitung

Im Rahmen der vorliegenden Arbeit soll versucht werden, anhand des in der Vergangenheit periodisch eskalierenden innerstaatlichen Konflikts in Angola, sowie der Initiativen der Vereinten Nationen zur Lösung dieses, die Problemdimensionen des Prozesses der Friedenskonsolidierung zu erörtern. Für den Aufbau erwies sich folgende Gliederung der Arbeit als sinnvoll: Im ersten Theorieteil (Kapitel 2) soll sich dem Thema Friedenskonsolidierung als neue Herausforderung der internationalen Gemeinschaft, welche sich im Zuge neuer Entwicklungen im Bereich gewaltsamer Konflikte und deren Lösungsversuche nach der „Agenda for Peace“ durch UN-Generalsekretät Boutros Boutros- Ghali herausgebildet hat, angenähert werden. Da der 27 Jahre andauernde post-koloniale Bürgerkrieg sowohl auf interne als auch auf externe Akteure bzw. Einflussnahmen zurückzuführen ist, wird im 3. Teil eine ausführliche Darstellung der Ursachen und des Verlaufs des angolanischen Konflikts erfolgen. Es folgt eine Präsentation der Formen der Kriegsbeendigung, sowie deren praktische Umsetzung durch vier Phasen von gescheiterten UN-Friedensmissionen in Angola (Kapitel 4).

Da es erst nach dem Tod des Rebellenführers Jonas Savimbi im Jahre 2002 und dem daraufhin geschlossenen Frieden von Luena zu einer reellen post-conflict Phase gekommen ist, in der eine erfolgreiche Friedenskonsolidierung umgesetzt wurde, wird diesem Aspekt im fünften Kapitel besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Insgesamt soll anhand eines Vergleiches der Lösungsversuche in Angola mit einem als erfolgreich geltenden Modell von Determinanten für die positive Implementierung des Friedens evaluiert werden, aus welchen Gründen alle bis dahin vorgenommenen Initia tiven der Friedenskonsolidierung im Lande letztlich scheiterten bzw. welche Faktoren für den positiven Verlauf des Abkommens von Luena ausschlaggebend waren. Aus dieser Zusammenfassung können wichtige Impulse für die Zukunft gewonnen werden, wenn es darum geht Erfolgsaussichten von Friedensmissionen zu beurteilen und gegebenen Bedingungen anzupassen.

2. Friedenskonsolidierung als neue Herausforderung der internationalen Gemeinschaft

2.1 Alte und neue Kriege: Zum Formenwandel gegenwärtiger Gewaltkonflikte

Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der Gründung der Vereinten Nationen haben sich sowohl die klassischen Strukturen als auch die Austragungsorte von Gewaltkonflikten verändert. Während in der ersten Hälfte des Zwanzigsten Jahrhunderts noch die fortgeschrittenen westlichen Industriestaaten miteinander Kriege führten, verlagerte sich das Kriegsgeschehen in den darauf folgenden Jahrzehnten zunehmend in die post-kolonialen Entwicklungsregionen der Welt. Die Konflikte der fünfziger und sechziger Jahre waren zunehmend von den stärker werdenden Dekolonialisierungstendenzen geprägt und manifestierten in ihrer Folge in den siebziger und achtziger Jahren eine völlig neue Art von Gewaltkonflikten: post-koloniale Bürgerkriege, in denen die sich konstituierenden Eliten um Macht und Einfluss kämpfen. 1 Die Dominanz innerstaatlicher Konflikte wurde darüber hinaus durch die Einbettung in internationale politische und ökonomische Kontexte sowie durch die Einmischung externer Akteure internationalisiert.2 Diese Form der „neuen Kriege“ werden von Eward Rice als „wars of the third kind“ bezeichnet, “in wich communities seek to create their own states in wars of national liberation or which involve resistance by various peoples against domination, exclusion, persecution, or dispossession of lands and resources, by postcolonial state.”3 Dabei kann im Gegensatz zu klassischen zwischenstaatlichen Kriegen kein einheitliches Schemata für die Gründe, die Dynamik und die Akteure des innergesellschaftlichen Konfliktgegenstands gefunden werden. Vielmehr kennzeichnen sich diese durch eine „undurchdringliche Gemengelage unterschiedlicher Motive und Ursachen“.4 Mary Kaldor hebt in ihrer Typologisierung der „neuen Kriege“ folgende Kennzeichen hervor, die allesamt auch auch Angola zutreffen: „political goals (no longer the foreign policy interests of states, but the consolidation of new forms of power based on ethnic homogeneity); ideologies (no longer universal principles such as democracy, fascism or socialism, tribalist and communalist identity politics); forms of mobilization (no longer conscription or appeals to patriotism, but fear, corruption, religion, magic and the media); external support (no longer superpowers or ex-colonial powers, but diaspora, foreign mercenaries, criminal mafia, regional powers); mode of warfare (no longer formal and organized campaigns with demarcated front-lines, bases and heavy weapons, but fragmented and dispersed, involving paramilitary and criminal groups, child soldiers, light weapons, and the use of atrocity, famine, rape and siege); and the war economy (no longer funded by taxation and generated by state mobilization, but sustained by outside emergency assistance and the parallel economy including unofficial export of timber and precious metals, drug-trafficking, criminal rackets, plunder).”5

Innerstaatliche Konflikte, so Ferdowski und Matthies, sind zumeist auf politischgesellschaftliche Strukturdefekte sowie auf Legitimitäts- und Effizienzdefizite staatlicher Herrschaft zurückzuführen, als deren tiefere Ursachen „das Ungleichgewicht politischer, ökonomischer, sozialer und kultureller Beteiligungs- und Entfaltungschancen unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen, eine illegitime, undemokratische und ineffiziente, kurz »schlechte« Regierungsführung, fehlende institutionelle Verfahren für einen friedlichen Ausgleich von divergierenden Gruppeninteressen sowie die Abwesenheit einer aktiven organisierten Zivilgesellschaft“ gelten. 6 Auf dieser Grundlage stehen viele als „failed states“ bezeichnete Staaten nach dem Wegfall der Fremdherrschaft durch westliche Kolonisatoren vor dem Problem des langen und komplexen Prozesses einer nachholenden Staaten- und Nationenbildung, die durch die schlechten Ausgangsbedingungen für die Findung einer eigenen nationalen Identität sehr schwer umsetzbar ist.

2.2 „Agenda for Peace“: Einführung neuer Aspekte der Friedenssicherung

[...]


1 Vgl. Beilein, Jürgen: Konfliktmanagement und Peacekeeping der Vereinten Nationen am Beispiel des Bürgerkriegs in Angola, Univ. 2003, S. 77

2 Vgl. Ferdowsi, Mir A./Matthies, Volker(Hrsg.): Den Frieden gewinnen. Zur Konsolidierung von Friedensprozessen in Nachkriegsgesellschaften, Dietz, Bonn, 2003, S. 15

3 Holsti, Kalevi: The State, War, and the State of War, Cambridge, 1996, S. 27

4 Vgl. Ferdowsi / Matthies, 2003, S. 18, zit. nach: Münkler, Herfried: Die neuen Kriege, Reinbek, 2002, S. 18

5 Vgl. Beilein, 2003, S. 78, zit. nach: Kaldor, Mary / Vashee, Basker (Hrsg.): New Wars. Restructuring the Global Military Sector, London, 1997, S. 7-19

6 Vgl. Ferdowsi / Matthies, 2003, S. 18f


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