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Script, 2005, 30 Pages
Author: Dipl. Werner Nehls
Subject: Art - Architecture / History of Construction
Details
Year: 2005
Pages: 30
Bibliography: ~ 14 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-44335-7
File size: 756 KB
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Excerpt (computer-generated)
Postmoderne Architektur
Anmerkungen zum Diskurs "Moderne - Postmoderne"
von
Werner Nehls
Dipl.-Ing.
2005
Inhalt
0. Vorbemerkungen ... 3
1. Moderne (Mo) ... 4
1.1 Späte Götterdämmerung und das Schwarze Peter- Spiel ... 4
1.2 Warum funktionierte der Funktionalismus nicht? ... 5
1.3 Erhalt der Moderne mittels Dialektik? ... 6
1.3.1 Wiederherstellung des Moderne-Begriffes ... 7
2. Postmoderne (PoMo) ... 8
2.1 >Die Sprache der postmodernen Architektur< (Charles Jencks) ... 8
2.2 Post mortem ... 9
2.3 Begriff und Inhalt der PoMo ... 9
3. Meinungen ... 10
3.1 Pro ... 10
3.2 Contra ... 11
4. Fehlinterpretationen ... 13
4.2 Der Faschismus-Vorwurf ... 14
4.3 PoMo = Vernunftfeindlichkeit? ... 15
4.3.1 Unterscheidung von Verstand und Vernunft ... 15
4.3.2 Ohne Emotionen keine Vernunft ... 17
5. Entwicklungsstränge der PoMo ... 17
5.1 Eine ganzheitliche Sicht ... 17
5.1.1 Funktionalismus ... 17
5.1.2 Denkmalschutz, Restauration, Regionalismus ... 18
5.1.3 Dekonstruktivismus ... 20
6. Hindernisse ... 21
6.1 Ursachen der Blockaden ... 21
6.1.1 Mo als Neo-Klassik ... 23
6.1.2 Das Versagen des Hochschul-Akademismus ... 23
7. Zukunft der PoMo ... 24
7.1 Die postmoderne Perspektive ... 24
7.1.2 PoMo als Synthese ... 25
0. Vorbemerkungen
Die Debatte "Moderne / Postmoderne" leidet unter einer Reihe von falschen Annahmen, Zuordnungen und Begriffsunklarheiten, die zu Fehlinterpretationen führen. Insbesondere Alt- und Postfunktionalisten haben sichtlich Schwierigkeiten, das "Gespenst" >Postmoderne< einzuordnen, ihre Ursachen zu erkennen oder anzuerkennen.
Bisher bemerkte man nicht einmal in der Theorie, dass die "neue sachlichkeit" nicht nur Gebäude, Städte und Landschaften entstellte, sondern auch Begriffe und damit endlose Missverständnisse produziert (e).
Nachdem die Postmoderne während der vergangenen 30 Jahre nicht den Gefallen tat, von selbst zusammen zu brechen, "die Fußnote der Architektur" (J. Posener 1978) vielmehr weltweit –nicht nur in der Architektur- Fuß fasste, entbrannte erneut ein wildes Verschieben, Um und Neudefinieren von Begriffen und Inhalten. Es bildeten sich drei Lager:
- Die erste Gruppe spaltet die beispiellosen Fehlentwicklungen der Moderne ab und lastet sie dem "schlechten Funktionalismus" an (Funktionalismus wollte das Bauhaus angeblich nie), um so die "gute Moderne / Rationalismus" (Fischer) zu erhalten. Andere sehen mehr Korrekturbedarf und wollen mit einer "2. Moderne" (Klotz) oder einer "Hochmoderne" (Jameson) eine "vollendete Moderne" (Habermas) schaffen.
- Die zweite Gruppe wertet die Postmoderne dialektisch ab. Sie sei "Gartenzwerg- Kultur", "asozial, unvernünftig und unfunktionell ", ein Rückfall in altbekanntes kleinbürgerliches Spießerverhalten und noch schlimmer: "faschistische oder faschistoide" Architektur, welche die Reaktion in den Gesellschaften und damit die Gefahr von Kriegen wieder zum Vorschein bringe. Sie verlangen ein Zurück zur "klassischen Moderne" und hoffen auf die Wiederkunft eines neuen "Miesias".
- Die dritte Gruppe besteht aus vorbehaltlosen Befürwortern, entweder des postmodern historizierenden Zweigs oder des Dekonstruktivismus. Auch diese Partikular-Auffassungen werden nicht für optimal gehalten.
Die beiden ersten Strategien beabsichtigen, die Moderne oder deren Hegemonie zu erhalten. Ihre Vertreter glauben immer noch, die Postmoderne sei aus Jux und Tollerei wichtigtuerischer Architekten oder aufgrund "neoliberaler", "kapitalistischer", "imperialistischer", "faschistischer" usw. Umtriebe dunkler Mächte entstanden und nicht wegen eines nachhaltigen Versagens des "Internationalen Stils" in weiten Bereichen. Eine besonders unrühmliche Rolle spielten dabei die Bauhaus-"Enkel" in der Nachkriegszeit an Entwurfsund Theorielehrstühlen der BRD. In blindem Eifer ruinierten sie das trotz mancher Fehler im Ansatz einzigartige Bauhaus-Erbe. Uneinsichtigkeit und Starrsinn des Elfenbeinturmes kostet (e) die sozialen Gesellschaften immense vermeidbare Kapitalbeträge, die Sozialleistungen abgehen.
Die beharrliche Weigerung, sich wenigstens im Nachhinein rückhaltlos geistig, gestalterisch, städtebaulich und bautechnisch kritisch mit der Moderne auseinander zu setzen, um die Spreu vom Weizen zu sondern, bessert die Situation nicht.
Im Folgenden wird ein anderer, synthetischer, "ganzheitlicher" Ansatz vorgeschlagen, der auch zur Überwindung der stagnierenden, "stillosen", "eklektizistischen" Postmoderne und der dekonstruktivistischen "Knallfrosch"-Architektur führen könnte.
1. Moderne (Mo)
1.1 Späte Götterdämmerung und das Schwarze Peter- Spiel
Nach dem barschen Abwehren von Kritik während der letzten Jahrzehnte machten Alt- und Postfunktionalisten um die Jahrtausendwende unter dem Druck internationaler Architekturentwicklungen des Marktes und der Auftraggeber Teilzugeständnisse, gaben sich gelegentlich reuig, suchten nach Erklärungen für das "Unfassbare", allerdings überall, nur nicht bei sich selbst.
Nur ein Beispiel:
Die >Deutsche Welle< diskutierte im Sommer 2005 mit unüberhörbar nationalistischem Unterton:
... "In letzter Zeit sind deutsche Architekten besonders im Ausland aus dem Blickfeld geraten. Weniger als 2% bekommen Aufträge aus dem Ausland...die Tage guter deutscher Architekten sind gezählt.
Die Bundesarchitektenkammer (BAK) sinnierte: ..."Wie ist die deutsche Architektur, die mit dem Bauhaus einst zur führenden der Welt gehörte, so in Ungnade gefallen? "
Die Leiterin des Deutschen Architekturmuseums (DAM) in Frankfurt, Dr. Ingeborg Flagge, eine Mies-Enthusiastin, sieht die Gründe dafür im früheren Fehlen deutscher Kolonien, was den kulturellen Austausch mit dem Ausland behindert habe. Der Architekturkritiker K.-D. Weiß (der mit Co-Autoren bereits 1987 den >Abschied von der Postmoderne< feiern wollte), macht Schüchternheit und mangelndes Selbstbewusstsein einheimischer Architekten dafür verantwortlich. Allerdings sagte er in dieser Diskussion auch etwas Zutreffendes:
..."Nur die Rückbesinnung auf die Theorie und auf raffinierte Ideen könnten Deutsche wieder an die Spitze der internationalen Architekturszene bringen ". Wie wahr! Bleibt nur noch die Frage, mit welcher "pfiffigen" Theorie, von wem? Zudem verkennt man den herab funktionalisierten Zustand der BRD-Ausbildung.
1.2 Warum funktionierte der Funktionalismus nicht?
Zu diesem Punkt gab es seit Jahrzehnten hauptsächlich von Laien ständig vorgetragene Kritiken, die jedoch in überheblicher Weise von den "Göttern in Weiß" und ihrer gläubigen Gefolgschaft abgeschmettert oder ignoriert wurden. Der Rest waren untaugliche Reformversuche.
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