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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 18 Pages
Author: Joern Beck
Subject: German Studies - Modern German Literature
Details
Institution/College: University of Bremen (Universität Bremen)
Tags: Mythos, Ripley, Identifikation, Autorin, Lesers, Mörder, Patricia, Highsmiths, Roman, Ripley, Kriminalroman
Year: 2005
Pages: 18
Grade: sehr gut
Bibliography: ~ 8 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-44340-1
ISBN (Book): 978-3-638-75075-2
File size: 233 KB
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Abstract
Mit Tom Ripley hat Patricia Highsmith eine einzigartige literarische Figur geschaffen – den amoralischen Gentleman. Den sympathischen Mörder, der das Kunststück zuwege bringt, immer unter Verdacht zu stehen und nie erwischt zu werden. Einfach deshalb, weil niemand ihm in letzter Konsequenz ein Verbrechen zutraut. Aber nicht nur seine fiktiven Gegenspieler werden von Tom Ripley getäuscht, auch der Leser kann nicht anders, als eine Identifikation mit Ripley aufzubauen und ihm wünschen, er möge aus jeder Falle einen Ausweg finden. Diese Arbeit beschäftigt sich mit den Gründen der Identifikation des Lesers mit dem Mörder Ripley, die in der literarischen Darstellung, als auch in einer besonderen Affinität der Autorin zu ihrem Protagonisten zu finden sein wird.
Excerpt (computer-generated)
Universität Bremen, Fachbereich 9
SoSe 2005, 2. Semester
Mythos Tom Ripley - Zur Identifikation der Autorin und des
Lesers mit einem Mörder anhand Patricia Highsmiths
Roman "Der talentierte Mr. Ripley"
von: Joern Beck
Inhalt
1. Einleitung 2
1.1. Über Patricia Highsmith 2
1.2. Ripley fast forward 3
2. Die Kreation einer Identität 3
2.1. Ripleys Geburt 3
2.2. Highsmith alias Ripley 4
3. Tom Ripley lebt 6
3.1. Ripleys Talente 6
3.2. Leser alias Ripley 7
3.2.1. Ripleys Psyche 8
3.2.2. Ripley wird zum Mörder 10
3.2.3. Ripleys Flucht 13
4. Exkurs: Ripley versus klassischer Detektivroman 15
5. Literaturverzeichnis 17
Ripley ist weder gut noch böse, er ist einfach ungewöhnlich1
Patricia Highsmith
1. Einleitung
Mit Tom Ripley hat Patricia Highsmith eine einzigartige literarische Figur geschaffen – den amoralischen Gentleman. Den sympathischen Mörder, der das Kunststück zuwege bringt, immer unter Verdacht zu stehen und nie erwischt zu werden. Einfach deshalb, weil niemand ihm in letzter Konsequenz ein Verbrechen zutraut. Aber nicht nur seine fiktiven Gegenspieler werden von Tom Ripley getäuscht, auch der Leser kann nicht anders, als eine Identifikation mit Ripley aufzubauen und ihm wünschen, er möge aus jeder Falle einen Ausweg finden. Diese Arbeit beschäftigt sich mit den Gründen der Identifikation des Lesers mit dem Mörder Ripley, die in der literarischen Darstellung, als auch in einer besonderen Affinität der Autorin zu ihrem Protagonisten zu finden sein wird.
1.1. Über Patricia Highsmith
Patricia Highsmith wurde am 1921 in Fort Worth, Texas, geboren. 1934 zog die Familie nach New York City. Nach dem Besuch der High School studierte Patricia Highsmith Zoologie und Englische Literaturwissenschaft. Ab 1943 textete sie Comics. Die Modezeitschrift Harpers Bazaar veröffentlichte im August 1945 die Kurzgeschichte The Heroine, die Patricia Highsmith noch in ihrer College-Zeit geschrieben hatte. Ihr erster Roman erschien 1950 unter dem Titel Strangers on a Train (Zwei Fremde im Zug) und wurde im Jahr darauf von Alfred Hitchcock verfilmt. Weil Patricia Highsmith sich nach dem Erfolg ihres Debütromans als Thriller-Autorin etablieren und der Öffentlichkeit nicht ihre lesbischen Neigungen preisgeben wollte, benützte sie 1952 für The Price of Salt (Salz und sein Preis), das von einer lesbischen Beziehung handelt, das Pseudonym Claire Morgan. Patricia Highsmith schrieb vorwiegend Kriminalromane, in denen es nicht um die Frage nach dem Täter, dem whodunit, sondern um die psychologische Entwicklung geht, durch die eine Person zum Mörder werden kann. Bekannt wurde sie vor allem mit fünf Romanen über die Figur Tom Ripley. Die Autorin lebte trotz ihrer amerikanischen Herkunft vorwiegend zurückgezogen in der Schweiz und in Frankreich, wobei ihre ausgeprägte Tierliebe, insbesondere zu Katzen und Schnecken nicht unerwähnt bleiben sollte.
1.2. Ripley fast forward
Tom Ripley ist nach dem Unfalltod seiner Eltern bei der Schwester seiner Mutter in kleinbürgerlichen Verhältnissen aufgewachsen. Einige Versuche Toms, in bürgerlichen Berufen Fuß zu fassen, schlagen fehl. In seiner Not versucht er es mit kleinen Betrügereien. Sein Leben nimmt eine Wende, als der Vater eines seiner Schulfreunde ihn aufspürt und ihn bittet, ihm zu helfen, seinen Sohn aus Europa in die USA zurückzuholen. Mit Tickets und Geld des Vaters Herbert Greenleaf versehen, reist Tom nach Mongibello, südlich von Neapel. Schnell freundet er sich mit Dickie Greenleaf an, nachdem er ihm den Zweck seiner Reise eröffnet hat. Die Freundschaft wird beeinträchtigt durch Marge Sherwood, einer Bekannten Dickies. Tom ist fasziniert von Dickie und seinem Leben und verwirft, seine ursprüngliche Aufgabe, Dickie mit zurück nach Amerika zu bringen, sondern träumt von einer gemeinsamen Zukunft. Das Motiv der Homosexualität klingt hier wie in vielen Romanen Highsmiths an, ohne jedoch weiter ausgeführt zu werden. Als die beiden jungen Männer eine gemeinsame Reise unternehmen, behandelt Dickie Tom, der sich dessen Freundschaft ersehnt, mit Herablassung. Woraufhin Tom ihn aus Enttäuschung während einer Bootsfahrt erschlägt und die Leiche über Bord wirft. Nach der Tat nimmt Tom Dickies Identität an um in den Besitz dessen Vermögen zu gelangen. Trotz Ripleys ständiger Furcht vor Entdeckung gelingt es ihm durch geschickte Täuschungen und weitere Morde nicht verdächtigt zu werden und unter der Identität Dicke Greenleafs ein luxuriöses Leben zu führen, das er je nach Bedarf wieder in sein eigenes zurück verwandelt. So bleiben sämtliche Mordfälle in diesem Roman ungeklärt. Wobei einzig der Leser zum Komplizen von Tom Ripley wird. Eine Thematik, die durch alle fünf Ripley-Romane weiterverfolgt werden kann und doch nie zu einer Aufklärung im Sinne eines traditionellen Kriminalromans führen wird.
2. Die Kreation einer Identität
2.1. Ripleys Geburt
[...]
1 Franz Cavigelli (Hrsg.), Patricia Highsmith. Leben und Werk. Diogenes 1980, S. 191
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